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TV-Reportage

ZDF: Flüchtlinge von Berliner Sicherheitsleuten in die Prostitution vermittelt

Junge Frauen und Männer würden in Flüchtlingsheimen gezielt auf Sexarbeit angesprochen, berichtet "Frontal 21".


In der Reportage berichtete "Omar", ein 20-jähriger Flüchtling aus Syrien, ein Sicherheitsmitarbeiter seiner Unterkunft habe ihn gefragt, ob er mit Sex Geld verdienen wolle (Bild: Screenshot ZDF)

Nutzen externe Sicherheitskräfte in Berliner Flüchtlingsheimen die Not der Refugees gezielt aus, um sie gegen Geld für Sexdienstleistungen zu vermitteln? Diesen Vorwurf erhob am Dienstagabend das ZDF-Magazin "Frontal 21" in einem Beitrag über die Prostitution von jungen Flüchtlingen beider Geschlechter in Berlin.

Die Reportage beginnt zunächst mit einer recht boulevardesken Aufbereitung der Stricher-Szene im Tiergarten – "ein dunkler Ort des Elends und der Kriminalität", "in den Büschen Kondome und Papiertücher", bemerken die Autoren. "Sie werden ausgenutzt für Sex", heißt es zu Bildern von "jungen südländisch aussehenden Männern", die in der Dämmerung im Tiergarten sitzen und offenbar auf Freier warten.

"Ältere deutsche Männer suchen Kontakt", bemerkt die Reportage, die mit der starken Betonung auf die männliche Prostitutionsszene kurz davor steht, in Homophobie abzugleiten – zumal ein direkter Zusammenhang mit der später beklagten Vermittlung durch Sicherheitskräfte nicht erkennbar ist.

Notlagen von Freiern ausgenutzt

Mit versteckter Kamera nimmt das ZDF-Team jedenfalls Kontakt auf zu einem Stricher, einem 20-jährigen Afghanen, dessen Asylantrag nach zwei Jahren in Deutschland abgelehnt worden sei: Er verlangt 100 Euro für Sex, 50 "für Französisch". Er geht mit dem Undercover-Reporter auf ein Hotelzimmer. Als dieser sich zu erkennen gibt, hastet er davon.

Auch ein ebenfalls teilweise unkenntlich gemachter Freier, ein 85-jähriger Ex-Polizist, kommt zu Wort: "Hier kriegt man alles, viele tun es auch ohne Kondome. Die Jungs wissen ja nicht, dass das krank macht. Mir sind die ganz jungen am liebsten, ich habe schon 16-Jährige gehabt." Das ZDF zitiert noch seine Wunschstellungen und Preisverhandlungen mit Strichern: "Wenn ich dich vögel, will ich 20 Euro", habe einer gesagt. "Ich muss ja auch was essen."

Viele Flüchtlinge seien verzweifelt, fühlten sich auch verantwortlich für ihre Familien in der Heimat, erzählt dem Sender Diana Henniges von der Hilfsorganisation "Moabit hilft": "Dieser Druck – ich bin hier abgelehnt, wie erzähle ich es meinen Eltern, ich komme hier nicht vorwärts, darf nicht arbeiten, (…) habe nur so wenig Geld, würde gerne mehr für euch tun – und diese ständige Angst vor dieser Perspektivlosigkeit" und einer unklaren Zukunft in Deutschland könnten dazu führen, dass Prostitution zur "Zwangshandlung" werde.

Notlagen von der Security ausgenutzt

Doch "wie geraten die Flüchtlinge ins Strichermilieu?" Die ZDF-Reportage wechselt den Ort in die Erstaufnahmeeinrichtung Berlin-Wilmersdorf und lässt anonym einen 20-jährigen Flüchtling, "Omar", aus Syrien zu Wort kommen, der Sex gegen Geld anbietet und sich dafür schämt. Ein Security-Mann habe ihn angesprochen: "Willst Du Geschäfte machen? (…) Für Sex mit einer Frau bekommst Du 30 Euro, vielleicht auch 40." "Frontal 21" betont: "Was Omar nicht wusste: Die meisten seiner Kunden waren schließlich Männer. Homosexuell sei er nicht." Der junge Mann in Geldnöten meint: "Meine Familie darf das auf keinen Fall erfahren. Ich weiß, dass das schlimm ist. Aber was soll ich tun? Ich hab' hier keine Chance."


In den früheren Büros des Rathauses Wilmersdorf leben derzeit knapp über 900 Flüchtlinge

Eine Sozialarbeiterin und ein verantwortlicher Sicherheitsmitarbeiter für mehrere Flüchtlingsunterkünfte bestätigten dem Sender anonym, dass es diese Vermittlung von Frauen und vor allem "Jungs ab 16 Jahre aufwärts" gebe: "Umso junger, umso teurer". Jemand von außen telefoniere mit den Mitarbeitern dieser externen Dienstleister, die dann die Flüchtlinge vermittelten, auch Minderjährige.

Letztlich konfrontiert das ZDF-Team einen verdächtigen Mitarbeiter, der die Arbeit zugibt: "Für jede Vermittlung kriege ich 20 Euro. Dafür mache ich die Frauen klar." Es gebe viele Interessierte: "Die Flüchtlinge brauchen halt Geld." Minderjährige seien eher selten. "Das ist nicht oft bei uns. Es gibt Familien, wo der Vater Bescheid weiß. Der Junge ist schwul, 16 Jahre alt. Die machen das freiwillig." Die ZDF-Reporterin weist darauf hin, dass es sich nicht um Freiwilligkeit, sondern um eine Notlage handle. "Tja, das Leben ist halt scheiße", ist die Antwort. Er habe aber ein schlechtes Gewissen und wolle mit der Vermittlung aufhören.

Zweifel an Ausmaß und Details der ZDF-Vorwürfe

Die zuständige, nicht benannte Sicherheitsfirma schrieb an das ZDF, bei Treffen mit dem Bewohnerrat seien diese Vorwürfe nie thematisiert worden. Elke Breitenbach (Linke), Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, meinte: "Wenn es um Zwangsprostitution geht, da werde ich immer dagegen vorgehen." Zum vorliegenden Fall müsse nun ermittelt werden, bisher hätten ihr keine konkreten Hinweise vorgelegen.

Später teilte die Senatsverwaltung für Soziales der "Berliner Morgenpost" mit, dass man nach ersten Gesprächen mit Trägern, Ehrenamtlichen und Sicherheitsmitarbeitern der Einrichtung in Wilmersdorf keine Indizien für organisierte Prostitution gefunden habe. Man nehme den Verdacht jedoch ernst und setze auch auf Sensibilisierung, durch die Auslegung von Flyern zur anonymen Kontaktaufnahme und durch Schulung des Personals.

Die Zeitung berichtete am Donnerstag ferner, der Arbeiter-Samariter-Bund als Träger der Einrichtung habe nach eigenen Angaben weder den belasteten Security-Mitarbeiter noch die gezeigte Sozialarbeiterin mit dem Haus in Verbindung bringen können. Das Sozialteam der Notunterkunft stritt ab, etwas von den Vorwürfen gewusst zu haben, und forderte "Frontal 21" zur Klarstellung auf, auf welche Unterkunft sich die Recherche beziehe. Sprecher von ASB und ehrenamtlichen Betreuern betonten, natürlich komme es auch zu einer vereinzelten Prostitution unter Flüchtlingen. Eine Ausnutzung ihrer Lage sei aber abzulehnen – und es sei fraglich, ob man ein angebliches Zuhälternetzwerk habe übersehen können.


Das ZDF zeigte diesen Mann, der angeblich Flüchtlinge vermittelt habe

Auch gegenüber der Berliner Zeitung hieß es von mehreren Seiten, der gezeigte Sicherheitsmitarbeiter sei unbekannt. Die Sicherheitsfirma GSO Security, für das Gebäude zuständig, wolle Strafanzeige gegen Unbekannt stellen. Diana Henniges von "Moabit hilft" sagte hingegen der "taz", sie kenne die Vorwürfe schon länger und es dürfte sich in den Unterkünften um ein offenes Geheimnis handeln: "Mir sind allein drei Unterkünfte bekannt. Das heißt, mindestens drei Firmen sind involviert".

Unklar bleibt auch der Zusammenhang zum Einstieg der Reportage mit der Prostitution im Tiergarten, die offenbar ohne zusätzliche Vermittlung geschieht – eine Zunahme von Prostitutionsangeboten an dem Ort vor allem durch Flüchtlinge, oft heterosexuell und nach einer Ablehnung der Asylanträge in großer Not, war zugleich in den letzten Monaten mehrfach in den Schlagzeilen (queer.de berichtete). Auch queere Refugee-Gruppen aus ganz Deutschland hatten immer wieder beklagt, dass manche ihrer Mitglieder aus Not auch auf Prostitution setzen müssten. Eine Reportage des britischen Senders Channel 4 über queere Flüchtlinge in Deutschland hatte vor einigen Monaten ebenfalls gezeigt, dass einige von ihnen sexuelle Dienstleistungen anbieten – oft schlicht über Grindr & Co.



#1 Stephan NeudorfAnonym
  • 26.10.2017, 13:57h
  • Der Verein "Moabit Hilft" ist bereits mehrfach durch befremdliches Verhalten und auch frei erfundene Geschichten aufgefallen.

    de.wikipedia.org/wiki/Moabit_hilft

    Das soll nicht bedeuten, dass es das geschilderte Problem nicht gibt. Es kann aber sein, dass man Dinge aus Aktionismus verfälscht und unwahr wiedergibt, und das läuft grundätzlichen journalistischen Standards zuwider.
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#2 schwarzerkater
  • 26.10.2017, 13:58h
  • "Die Flüchtlinge brauchen halt Geld." - wer braucht das nicht? aber es ist immer eine bewusste entscheidung, ob ich mich prostituiere, oder ob ich klaue, oder deale, oder ob ich mich bescheide.
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#3 UDHRAnonym
  • 26.10.2017, 14:36h
  • Antwort auf #2 von schwarzerkater
  • Also wenn einige Flüchtlinge bei den Schleppern Schulden haben und durch die Schlepper bedroht werden und die Familien auch, dann liegt wohl eindeutig Zwangsprostitution vor und diese ist auch in Deutschland illegal! Und eine freie Entscheidung sich zu bescheiden ist völlig aussichtslos, wenn man vor Krieg flieht, sich in die Hände von Schleppern begibt, die mafiöse Methoden anwenden und wo das eigene Leben oder das der Familie bedroht wird.
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#4 EulenspiegelAnonym
  • 26.10.2017, 14:48h
  • Antwort auf #3 von UDHR
  • Das ist die ganz schlimme Variante.

    Eine häufigere ist es, das ein Familienklan die "Flucht" finanziert hat und dafür jeden Monat Überweisungen erwartet.

    Ohne diese kein Kontakt zur Familie, Schande und erst recht keine Rückkehr.

    Wenn dann die Hoffnung auf Anerkennung und den gut bezahlten Job geplatzt ist, bleiben nur noch Schwarzarbeit, Drogenhandel, Diebstahl oder halt Prostitution, um diese Forderungen zu erfüllen.

    Der Druck ist hier extrem groß - da die Familie das Geld erwartet und alle zusammengelegt haben.

    Natürlich versprechen die Schlepper viel, um ihr Produkt zu verkaufen, was sich dann oft nicht bewahrheitet. Umso größer die Enttäuschung.

    Deswegen melden viele auch nicht ihren Familien zurück, das sie abgeleht wurden und auf reduzierten Bezügen sitzen, sondern schwindeln gegenüber ihren Familien das alles ok ist.

    Und das nutzen dann solche Leute wie diese Wachdienste aus.
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#5 schwarzerkater
  • 26.10.2017, 14:53h
  • Antwort auf #3 von UDHR
  • "Und eine freie Entscheidung sich zu bescheiden ist völlig aussichtslos,"
    ... und die steuerzahler in europa sind nicht einmal moralisch verpflichtet flüchtlingen die kohle für deren schlepper und schleußer zu bezahlen.
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#6 UDHRAnonym
  • 26.10.2017, 15:10h
  • Antwort auf #5 von schwarzerkater
  • Die europäischen Staaten und deren Steuerzahler haben sich nur dazu verpflichtet, die Menschenrechte einzuhalten! Prostitution von Minderjährigen, Zwangsprostitution, Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen und unterlassene Hilfeleistung sind nicht vereinbar damit.
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#7 schwarzerkater
  • 26.10.2017, 15:40h
  • Antwort auf #6 von UDHR
  • "Prostitution von Minderjährigen, Zwangsprostitution, ... und unterlassene Hilfeleistung sind nicht vereinbar damit."
    damit zuhälter oder schleusser ein gutes leben führen, dafür kannst du ja mit deinem privaten geld einspringen. verbrecher zu bezahlen als "unterlassene hilfeleistung" zu betrachten ist schon sehr befremdlich.
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#8 UDHRAnonym
  • 26.10.2017, 16:30h
  • Antwort auf #7 von schwarzerkater
  • Scherzkeks, die Verbecher sollen doch nicht bezahlt werden, der Staat hat dafür zu sorgen sorgen, das das Jugendamt sich um die minderjährigen Prostituierten/Stricher kümmert und von der Starße bzw. aus dem Park holt und diese vor der Security und sonstigen Zuhältern schützt. Bleibt dies aus, handelt es sich um unterlassene Hilfeleistung!
    Und was spricht dagegen mehr Polizei und Sozialarbeiter gegen die Zwangsprostitution einzusetzen. Kostet zwar auch alles Geld, aber dass sollte der Steuerzahler dem Rechtsstaat schon zur Verfügung stellen.
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#9 wiking77
  • 26.10.2017, 19:23h
  • ... wo ist denn der Link zum Filmchen?

    Homosexuell sei er nicht." Der junge Mann in Geldnöten meint: "Meine Familie darf das auf keinen Fall erfahren. Ich weiß, dass das schlimm ist. Aber was soll ich tun? ...."

    Was heisst eigentlich, ich weiss dass das schlimm ist???? Wieso ist das schlimm, Sex mit Männern zu haben? Und wieso ist das schlimm für seine Familie? Ich dachte heutzutage ist man stets überall tolerant und aufgeklärt....

    Ansonsten... jeder muss halt abwägen ob und wie er seine Haut zu Markte trägt. Es gibt übrigens auch Jungs, die schon länger hier leben, die so ihren Lebensunterhalt verdienen.
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#10 Homonklin44Profil
  • 26.10.2017, 20:15hTauroa Point
  • Vereinzelte Einzelvorkommen ind nachgehakt weiß natürlich keiner nix ganz Genaues. Ein bisschen merkwürdig klingt das ja schon.
    Wenn das von langer Hand abläuft und ein Netzwerk dahinter steckt, muss man das untersuchen und entsprechend Aufwand in Ermittlungen stecken.

    ""Jemand von außen telefoniere mit den Mitarbeitern dieser externen Dienstleister, die dann die Flüchtlinge vermittelten, auch Minderjährige.""

    Das klingt schon sehr danach, als steckt da organisierte Kriminalität dahinter. Einige haben wohl eine neue Variante von Menschenhandel entdeckt.

    Aber es ist auch die Not der Abgelehnten daran zu verantworten.

    Die Geschichte über den greisen Polizisten a.D klingt aber schon eigenartig nach der Art Schablone, die uns die Blaubraunen und Konsorten allzugerne auflabeln möchten. Man natürlich Leute mit solchen Vorlieben geben. Dass man ausgerechnet die vorstellt, behält einen etwas seltsamen Beigeschmack. wessen Gusto an Meinungshervorhebung da wohl bedient wurde?...
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