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Berlin

Querverlag und Männerschwarm boykottieren Messe "Queeres Verlegen"

Weil das Buch "Beißreflexe" nicht präsentiert werden darf, sagten die beiden wichtigsten deutschen LGBTI-Verlage ihre Teilnahme ab. Auch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld interveniert.


Eindrücke von "Queeres Verlegen" aus dem Vorjahr: "Buchstände, Lesungen und Gesprächsrunden werden von einem Kollektiv inhaltlich ausgewählt und programmatisch verantwortet" (Bild: Queeres Verlegen)

Manche Dinge sind nur in Berlin möglich: Am 18. November findet in der Hauptstadt zum dritten Mal die Veranstaltung "Queeres Verlegen – Feministische Buchmesse queerer Verlage und Akteur_innen" statt – doch ausgerechnet das erfolgreichste LGBTI-Buch des Jahres darf dort nicht gezeigt werden. Das Veranstalterkollektiv hat den von Patsy l'Amour laLove im Frühjahr herausgegebenen und seitdem kontrovers diskutierten Sammelband "Beißreflexe. Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten" von der Messe verbannt.

"Dieses Buch, das schon so große Aufmerksamkeit erfährt und unsere queer-politischen, feministischen, antirassistischen und linken Kämpfe abwertet, möchten wir nicht auf der Messe haben", erklärte das Organisationsteam in einem Brief an den Querverlag, in dem "Beißreflexe" in fünfter Auflage erschienen ist. "Wir nehmen den Querverlag auch in der Breite seines Programms wahr und sehen hier den Wert der Wissensvermittlung an die politisch und verlegerisch nachfolgenden Generationen, doch schlagt ihr nun mit dem Buch repräsentationspolitischen Profit aus der weiteren Marginalisierung ebenjener Nische, für die wir uns engagieren."

Querverlag kritisiert "stalinistischen Dogmatismus"


Wurde von der Messe verbannt: Patsy l'Amour laLove Sammelband "Beißreflexe" erschien im Frühjahr im Querverlag

Querverlegerin Ilona Bubeck reagierte prompt – mit einer Absage der Messeteilnahme. "Seit 1979 arbeite ich mit feministischer, seit 1995 mit schwul-lesbischer und queer-feministischer Literatur und betreibe jedes Jahr zahlreiche Büchertische selbst. In diesen 38 Jahren wurde ich noch nie zensiert. Und auch heute lasse ich das nicht zu", schreibt sie in einem Gastbeitrag für das Stadtmagazin "Siegessäule".

Sie fühle sich an stalinistischen Dogmatismus erinnert, so Bubeck: "Was ist eine queere Buchmesse Wert, wenn Kritik, Kontroversen und das Ringen um Meinungen untereinander nicht erwünscht sind? Bedeutet Queer nicht auch einen kritischen Diskurs? Nun kommt er von linker und queerer Seite und soll zensiert werden." Die Verlegerin weiter: "Wer unbequeme Personen verdrängt und wer kritisch hinterfragende Bücher verbietet, ist für mich als lesbische Feministin keine Verbündete."

Der Hamburger Männerschwarm Verlag schloss sich am Dienstag dem Boykott an. "Männerschwarm war mit Lesungen und einer Moderation am Programm der 'queerfeministischen Buchmesse' Queeres Verlegen 3 beteiligt. Aufgrund der Zensur gegenüber dem Querverlag haben wir diese Beteiligung abgesagt", erklärte der Verlag in einem Facebook-Post. "Inhaltliche Auseiandersetzung durch Anwendung von Machtmitteln zu ersetzen, erinnert ans finstere Mittelalter und darf nicht toleriert werden."

Hirschfeld-Stiftung fordert Stellungnahme

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die – ebenso wie die Heinrich-Böll-Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Hannchen-Mehrzweck-Stiftung die Buchmesse "Queeres Verlegen" finanziell unterstützt, forderte in einem Schreiben an das Veranstalterteam, den Auschluss des Buches "Beißreflexe" zurückzunehmen. "Wir finden die Entscheidung, ein Buch von einer Buchmesse zu verbannen, falsch, da dies in die individuelle Freiheit von Wissenschaft und Forschung stark eingreift", erklärte die Stiftung in einer Stellungnahme auf ihrer Facebookseite.

Für ihren geschäftsführenden Vorstand Jörg Litwinschuh ist der Vorfall viel mehr als eine Provinzposse aus der Hauptstadt. Gegenüber queer.de sagte er: "Meiner Meinung nach geht die Wirkung weit über Berlin hinaus, weil das Buchverbot ein Tabubruch ist." (mize)



#1 OrthogonalfrontAnonym
  • 01.11.2017, 09:27h
  • Man muss der Fairness halber zugestehen, dass Rechtsradikale genauso handeln würden. Einfach alles verbieten, was nicht der eigenen Agenda entspricht. Die Lösung: Keine Macht den Radikalen!
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#2 Patroklos
  • 01.11.2017, 09:29h
  • Ich finde, daß die Reaktion der beiden Verlag etwas voreilig ist. Die Teilnahme absagen nur weil bei der Messe ein Buch, das für kontroverse Diskussionen sorgt und polarisiert, nicht vorgestellt wird, ist nicht nachvollziehbar.

    Bei der Ferankfurter Buchmesse wurden in diesem Jahr die "neuen Rechten Verlage" vorgestellt:

    www.zeit.de/2017/43/neue-rechte-frankfurter-buchmesse-antaio
    s-verlag


    und keiner der Verlage, die nicht zu dem Spektrum gehören, zog sich zurück oder sagte die Teilnahme ab.
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#3 andreAnonym
  • 01.11.2017, 09:40h
  • Kritik an links-queeren Aktionismus ist eben nicht erwünscht. Das Buch wurde auch, in einem linken, queeren Buchladen, in Hamburg, nicht ausgelegt. Der Autorin wurde Gewalt angedroht, liest man in der taz in einem, in einem sehr guten, Artikel. Ansonsten finde ich, es ist eine ärmliche Aktion.

    www.taz.de/!5409774/
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#4 TheMumProfil
  • 01.11.2017, 09:42hHannover
  • Antwort auf #2 von Patroklos
  • Das liegt daran, dass die Frankfurter Buchmesse eine reine Marketingveranstaltung - und daher gesinnungsneutral - ist. Queere Veranstaltungen hingegen haben heutzutage das Problem, dass ihnen von radikalen Linken eine ebensolche Gesinnung aufgezwungen wird. Darauf wird nun endlich mal angemessen reagiert, indem sich wichtige Verlage zurückziehen.
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#5 RobinAnonym
  • 01.11.2017, 09:52h
  • Genau das ist tatsächlich ein großes Problem der LGBTI-Szene:

    Eigentlich sind wir genauso vielfältig wie der Rest der Gesellschaft. Es gibt bei uns sehr linke, sehr rechte, Alternative, Ökos, Neoliberale, Konservative, Anarchisten, etc.

    Ich selbst sehr mich z.B. eher im linken Spektrum und vor allem ökologisch angehaucht, da ich den Klimawandel, die Luftverschmutzung, mit Pestiziden verseuchte Lebensmittel, etc. für das größte Problem der Menschheit halte.

    ABER:
    obwohl ich mich selbst eher links sehe, finde ich es furchtbar, dass manche LGBTI meinen, aus der LGBTI-Bewegung eine generell linke Bewegung zu machen und sich auch noch um zig andere Themen kümmern zu müssen.

    Ich finde auch den Kampf gegen Rassismus wichtig, aber das ist erst mal unabhängig vom Kampf für LGBTI-Rechte.

    Und nur weil manche LGBTI auch Angst vor Migranten haben, die aus Gegenden stammen, wo es common sense ist, dass LGBTI nur den Tod verdient haben, sind sie noch lange nicht rechts.

    Man erlebt immer wieder, dass jegliche Kritik an Migranten gleich mit der Nazi-Keule niedergebrüllt wird, statt mal zu hören, ob da vielleicht auch berechtigte Sorgen dabei sind.

    Wir verlangen immer von Heteros, auch andere Meinungen zu akzeptieren, aber wir selbst gerieren uns allzu oft als Gesinnungspolizei, die meint, die alleinige Wahrheit gepachtet zu haben.

    Ich bin sehr dafür, in der Sache leidenschaftlich zu streiten, aber wer zensiert, beweist nur, dass er keine wirklichen Gegenargumente hat. Das ist nicht besser als wenn Staaten die Regenbogenflagge einfach verbieten: Zensur, weil man eigentlich nicht fähig ist, sachlich zu argumentieren.

    Insofern finde ich den Boykott richtig und überfällig.
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#6 RobinAnonym
  • 01.11.2017, 10:01h
  • Antwort auf #2 von Patroklos
  • "Ich finde, daß die Reaktion der beiden Verlag etwas voreilig ist. Die Teilnahme absagen nur weil bei der Messe ein Buch, das für kontroverse Diskussionen sorgt und polarisiert, nicht vorgestellt wird, ist nicht nachvollziehbar."

    Das finde ich nicht!

    Der Kampf gegen Zensur beginnt immer im kleinen.

    Zuerst wird nur mal ein Buch verboten. Und wenn dagegen niemand Stellung bezieht, sind es nächstes Jahr 10 Bücher. Und irgendwann darf nur noch veröffentlicht werden, was irgendeiner Gesinnungspolizeit in den Kram und ins Weltbild passt.

    Nochmal: man kann gerne gegen eine Meinung argumentieren, aber Zensur bewirkt das genaue Gegenteil und macht diese Positionen letztlich nur stärker.
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 01.11.2017, 10:26h
  • Das ist ein Skandal, der an das totalitäre Gehabe von Polit-Sekten in den 70ern erinnert.

    'Links' sind die Vertreter dieser Verbotspolitik aber keinesfalls.

    Die heterosexuelle oder zumindest sehr dezent lesbische Jasbir Puar, eine ihrer Vordenkerinnen, ist nicht links, sie ist eine manisch antisemitische Verbreiterin von Blutkult-Legenden in der Tradition der indischen Legion der Waffen-SS.

    Sie lässt sich ihre homophoben und antisemitischen Vorträge über angeblichen 'Homo-Nationalismus' von saudischen Prinzen, also den Vertretern eines reaktionären Feudalstaats, der uns mit dem Tod bedroht, finanzieren.

    Links ist das alles nicht.
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#8 Ralph
  • 01.11.2017, 10:38h
  • Wer ein Buch verbietet, äußert damit nicht Kritik, sondern zeigt Angst und will um jeden Preis eine Auseinandersetzung mit dessen Inhalt vermeiden. Ich finde es immer wieder entlarvend, wie schnell selbsternannte Linke dabei sind, Nazi-Methoden anzuwenden. Genau so war's bei den Nazis. Missliebige Bücher wurden einfach verboten und dem Publikum vorenthalten. Der nächste Schritt war dann die öffentliche Verbrennung. Gut, dass Querverlag und Männerschwarm ein Zeichen setzen.
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#9 Ganz ehrlichAnonym
  • 01.11.2017, 10:45h
  • Antwort auf #8 von Ralph
  • Aber ganz ehrlich:

    diese Zensur findet doch auch auf queer.de statt.

    Wenn man die katholische Kirche (zu Recht) kritisiert, darf man das in aller (berechtigten) Schärfe tun. Aber bei Kritik, dass sich manche Musliminnen komplett vermummen und damit ausdrücken, dass sie die freiheitlich-demokratische Grundordnung ablehnen, wird auch auf queer.de gerne mal zensiert.
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#10 StrottiAnonym
  • 01.11.2017, 10:51h
  • Antwort auf #2 von Patroklos
  • Die Logik verstehe ich nicht: Auf der Buchmesse waren die Verlage vertreten, obwohl dort keine politische Auswahl getroffen wurde, welche Bücher vorgestellt werden. Bei "Queeres Verlegen" dagegen wählen die Veranstalter nach eigenen poilitischen Gesichtspunkten aus, was vorgestellt wird. Deshalb nehmen Verlage nicht teil. für mich ist das konsequent. Ich halte es zwar für berechtigt, zu entscheiden, welche Verlage ich einlade und welche nicht, in deren inhaltliches Programm einzugreifen, ist dagegen nicht korrekt. Da muss es dann schon heißen: Ganz oder gar nicht. Und da haben sich die beiden Verlage (einer davon aus Solidarität) für gar nicht entschieden.,
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