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Produktion von "House of Cards" ausgesetzt

Neue Vorwürfe gegen Kevin Spacey

Nach dem Schauspieler Anthony Rapp beschuldigen nun mehrere weitere Männer den Oscar-Preisträger, sie sexuell belästigt zu haben.


Kevin Spacey, hier abgebildet 2010 in Singapur, sieht sich immer mehr Vorwürfen ausgesetzt – seit seiner Botschaft bei Twitter hat er keine Stellung mehr zu ihnen bezogen (Bild: DSeow / wikipedia)

Gegen den amerikanischen Schauspieler Kevin Spacey ("House of Cards") werden immer mehr Vorwürfe wegen sexueller Belästigungen laut. Nachdem der Schauspieler Anthony Rapp ("Star Trek: Discovery") am Sonntag berichtet hatte, 1986 als 14-Jähriger von einem angetrunkenen 26-jährigen Spacey bedrängt worden zu sein, und einer umstrittenen Stellungnahme Spaceys, in der dieser sich für die möglicherweise begangene Tat entschuldigte und sich als schwul outete, haben sich inzwischen drei weitere Männer mit Vorwürfen an die Öffentlichkeit gewandt.

So schrieb der mexikanische Schauspieler Roberto Cavazos auf Facebook, Spacey habe sich in seiner Zeit als künstlerischer Direktor des Londoner Old Vic Theatre mehreren jungen Männern gegenüber übergriffig verhalten. "Viele von uns haben eine 'Kevin-Spacey-Geschichte'. Es scheint, als musste man nur ein Mann von unter 30 sein, dass sich Herr Spacey frei fühlte, uns anzufassen", schrieb der heute 35-jährige Cavazos auf Facebook. "Das wurde so üblich, dass es sogar zu einem (geschmacklosen) Witz wurde."

Auch ihm selbst habe der Schauspieler Avancen gemacht, so Cavazos, der den langen Facebook-Eintrag auch nutzte, um auf ähnliche Probleme mit anderen Prominenten in Mexiko hinzuweisen. In der Regel habe Spacey Männer zu einem Gespräch über ihre Karriere eingeladen und dann zu einem Picknick mit Champagner auf der Bühne empfangen. Er kenne Menschen, die es anders als er nicht gewagt hätten, Nein zu sagen, und rechne damit, dass sich weitere an die Öffentlichkeit wenden würden.

Das Theater, an dem Spacey zwischen 2004 und 2015 arbeitete, schrieb am Montag in einer Stellungnahme, ungebührliches Verhalten jedes Mitarbeiters sei völlig inakzeptabel. Man habe eine Email-Adresse eingerichtet, an die sich Betroffene wenden könnten, und externe Berater hinzugezogen.

Vorwürfe aus mehreren Jahrzehnten

Einen weiteren Vorwurf gegen Spacey machte der Dokumentarfilmer Tony Montana gegenüber Radar Online. Ein angetrunkener Spacey habe ihm 2003 in einer Bar in Los Angeles in den Schritt gefasst, sagte Montana. Nach einer ersten Abfuhr sei Spacey ihm später auf die Toilette gefolgt – der Regisseur, damals in seinen Dreißigern, habe sich gewehrt, bis Freunde Spacey weggezogen hätten.

Gegenüber der britischen Boulevardzeitung "The Sun" berichtete am Dienstagabend der Barkeeper Daniel Beal, Spacey habe sich 2010 während einer Zigarettenpause vor dem Hotel in West Sussex neben ihn gesetzt und ihm unaufgefordert seinen Penis gezeigt. Später habe Spacey dem damals 19-Jährigen eine Uhr im Wert von mehreren tausend Euro geschenkt, offenbar um sein Schweigen zu erkaufen.

Aus den USA und Großbritannien meldeten Medien zudem einzele weitere anonyme Vorwürfe gegen Spacey. So sagte ein Mann gegenüber der BBC-Sendung "Victora Derbyshire" am Mittwoch, Spacey habe 1984 den damals 16 Jahre alten angehenden Schauspieler bei einem Besuch in New York befummelt und eingeladen, mit ihm zu schlafen. Stattdessen habe er das Sofa genommen und sei aufgewacht, als Spacey sich in Unterwäsche zu ihm gelegt und ihm die Arme umgelegt habe. Beide seien das Wochenende über nüchtern gewesen.

Netflix stoppt Produktion von "House of Cards"

In der Nacht zum Montag hatte zunächst der Schauspieler Anthony Rapp gegenüber Buzzfeed berichtet, 1986 als 14-Jähriger von Spacey auf einer Party belästigt worden zu sein: Dieser habe ihn auf ein Bett geworfen und sich auf ihn gelegt. Rapp hatte die Geschichte in Grundzügen bereits 2001 dem queeren US-Magazin "Advocate" erzählt, das Magazin aber den Namen Spaceys aus rechtlichen und journalistischen Bedenken geschwärzt. Dass viele Frauen in den letzten Wochen im Zuge der Debatte um Missbrauch durch Harvey Weinstein & Co. sich getraut haben, mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu gehen, habe ihn zu dem Interview mit Buzzfeed bewogen, so Rapp.

Innerhalb weniger Stunden hatte Spacey auf Twitter eine Erklärung veröffentlicht, dass er sich nicht an den geschilderten Vorfall erinnern könne, sich aber zugleich, falls der Bericht stimmen sollte, "für ein in diesem Fall zutiefst unangemessenes betrunkenes Verhalten" entschuldige. Gleichzeitig outete sich Spacey als schwul – was ihm viel Kritik einbrachte (queer.de berichtete).


Die komplette Botschaft Spaceys bei Twitter

Am Montag hatte sich Netflix "zutiefst erschüttert" über die ersten Vorwürfe gezeigt und seperat angekündigt, die Erfolgsserie "House of Cards", in der Spacey die Hauptrolle spielt, nach der sechsten, sich gerade in Produktion befindlichen Staffel einzustellen – was Medienberichten zufolge bereits länger geplant gewesen sei (queer.de berichtete). Inzwischen hat der Streaming-Dienst angekündigt, die Produktion der letzten Staffel auf unbestimmte Zeit auszusetzen – um "die aktuelle Situation einzuschätzen und möglichen Anliegen von Schauspielern und Mitarbeitern nachzugehen".

Eine für November geplante Ehrung Spaceys mit dem International Emmy Founders Award wurde inzwischen auch abgesagt. Unklar bleibt der Umgang mit weiteren Projekten des Schauspielers: In wenigen Tagen steht die US-Premiere des Films "All the Money in the World" an, bei der Spacey eine der Hauptrollen spielt. 2018 soll der Film "Billionaire Boys Club" mit seiner Beteiligung erscheinen; Netflix selbst hatte Spacey zudem im Sommer für eine Verfilmung des Lebens von Gore Vidal verpflichtet.



#1 OrthogonalfrontAnonym
  • 01.11.2017, 18:33h
  • War klar! Was Spacey jetzt noch bleibt ist für ein paar Jahre abzutauchen, bis sich der Empörungs-Mob neue Opfer gesucht hat. Dabei ist übrigens mittlerweile völlig egal was Spacey genau getan hat oder auch nicht und wie schwerwiegend seine mutmaßlichen Taten waren. Wen der Empörungs-Mob einmal ausgedeutet hat, der hat verschissen und die Medien spielen begeistert mit.
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#2 herve64Profil
  • 01.11.2017, 19:09hMünchen
  • Widerlich, wie jetzt wieder mal eine Sau nach der anderen durchs Dorf getrieben wird! Aber vorher hat man wahrscheinlich sich bereitwilligst angeboten, um sich hochschlafen zu können. Das ist einfach so ein abgefeimtes, infames Spiel und ein regelrecht ekelhaftes Verhalten. Im Arbeitsleben wäre Mobbing ein Grund für eine fristlose Entlassung, aber in Schauspielkreisen ist wohl jegliches Maß abhanden gekommen.
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#3 jimmAnonym
#4 schwarzerkater
  • 01.11.2017, 20:54h
  • Spacey hätte sich nie ohne Not geoutet. Also war seinem Management und/oder auch Netflix klar, dass da noch was (an Anschuldigungen) nachkommen würde. So ist es nun auch gekommen.
    Sollten die Vorwürfe unwahr sein, dann ist das eindeutig Rufmord. Und sollte es tatsächlich Rufmord sein, hoffentlich kann Spacey dann all diese Medien auf Schadenersatz verklagen.
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#5 Patroklos
#6 qwertzuioppüAnonym
  • 01.11.2017, 23:02h
  • Antwort auf #2 von herve64
  • herve, alle männer von denen das bisher bekannt wurde, haben doch nach eigenen angaben abgelehnt, mit spacey zu schlafen. wie kannst du ihnen da unterstellen, sich hochschlafen zu wollen?

    und was wäre eurer meinung nach der richtige umgang mit der sache?
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#7 FH3107Anonym
  • 01.11.2017, 23:33h
  • Was hinderte den Barkeeper Daniel Bela 2010 (!) daran, die teure Uhr abzulehnen und damals direkt zur Polizei zu gehen und Spaceys Verhalten anzuzeigen?
    Stattdessen nahm er die Uhr, verkaufte diese postwendend und meldet sich sieben (!) Jahre später, um die Geschichte gewinnbringend (?) an die Medien zu geben.
    Man muss Spaceys Verhalten nicht gut heißen - aber sich in dieser Form als Opfer zu präsentieren ist widerlich.
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#8 Homonklin44Profil
  • 02.11.2017, 05:57hTauroa Point
  • Ich kann mich nicht entscheiden,ob ich bei dieser Sache das Gefühl haben soll, da wird jetzt ein Hang zu grenzüberschreitendem Verhalten heraus gearbeitet, das wohl schon lange stattfindet, oder ob ich einen Eindruck davon bekommen soll, da wird wieder mal ein in Ungnade verstrickter Schauspieler mit entsprechend bewährter Methode "abgesägt".
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#9 AmurPrideProfil
  • 02.11.2017, 09:09hKöln
  • Antwort auf #8 von Homonklin44
  • Geht mir genauso!
    Sehr wahrscheinlich trifft beides zu!

    Was mich wieder mal sehr ernüchtert zurücklässt, ist der Umstand, wie hier einige Kommentatoren auf die neuen Aussagen anderer betroffener Personen reagieren.

    Vor allem jene, die nach wie vor zu tiefst davon überzeugt zu sein scheinen, das Kevin Spacey absolut nichts von den Vorwürfen getan hat.

    So nach dem Motto: "War ja klar.. Jetzt kommen die ganzen Trittbrettfahrer, die auch ihren Teil Aufmerksamkeit abbekommen wollen!"

    Bestätigt wieder einmal die Beobachtung, das man sich bei solchen unbewiesenen Anschuldigungen schon beim ersten Kontakt damit eine eigene Meinung bildet, ganz nach dem Motto: "Glaube ich jetzt!" oder eben: "Glaube ich nicht!"

    Danach werden alle weiteren Informationen sofort so verarbeitet, das sie in den Kontext der ersten eigenen Meinung passen.

    Eine neutrale Aufnahme der neuen Informationen und eine kritische Überprüfung der ersten eigenen Meinung finden dann bei den meisten nicht mehr statt. Sondern nur ein krampfhaftes Festhalten am eigenen ersten Urteil.
    Wie peinlich wäre es ja auch sich selbst einzugestehen zu müssen eventuell geirrt zu haben!^^
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#10 TheDadProfil
  • 02.11.2017, 09:25hHannover
  • Antwort auf #6 von qwertzuioppü
  • ""herve, alle männer von denen das bisher bekannt wurde, haben doch nach eigenen angaben abgelehnt, mit spacey zu schlafen. wie kannst du ihnen da unterstellen, sich hochschlafen zu wollen?""..

    Vor dem Hintergrund der negativ besetzten Annahme man habe sich hochgeschlafen..

    Wer würde das ausgerechnet in diesem Moment zugeben, um dann damit in der Diskussion was auszudrücken ?
    Das man sich über die Kontakte mit Spacey auch hätte hochschlafen können ?
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