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"Auf Wilhelm Buschs Spuren"

Ralf König mit Wilhelm-Busch-Preis ausgezeichnet

Der schwule Kultautor steht nach Ansicht der Jury wegen seiner "unbändigen Komik" und "pointierter Gesellschaftskritik" in eine Reihe mit Wilhelm Busch.


Mit seinen Comics ist Ralf König seit Jahrzehnten im Geschäft (Bild: Raimond Spekking / wikipedia)

Comiczeichner Ralf König ist am Mittwoch im Ratskeller im niedersächsischen Stadthagen mit dem Wilhelm-Busch-Preis 2017 ausgezeichnet worden. Der 57-Jährige sei der "national und international mit Abstand erfolgreichste und anerkannteste deutsche Comic-Zeichner unserer Tage", so die Jury.

Die Juroren sehen auch Parallelen zum Namensgeber des Preises: "Ganz auf Wilhelm Buschs Spuren wendet sich Ralf König gegen jegliche Versuche, das freie Denken einzuschränken, und betont stattdessen das Streben nach Selbstentfaltung – auch und gerade gegen gesellschaftliche Widerstände." Die "unbändige Komik" und "pointierte Gesellschaftskritik" setzten den Kölner Comic-Zeichner "in eine direkte Nachfolge von Wilhelm Busch".

König zeichnete bereits Anfang der Achtzigerjahre seine ersten "Schwulcomix". Seinen Durchbruch erreichte er 1987 mit dem Comic "Der bewegte Mann", der von Regisseur Sönke Wortmann sieben Jahre später verfilmt wurde. Bis heute hat er über 50 Bücher mit seinen markanten Knollennasen-Figuren veröffentlicht. Die Abenteuer seines Kultpaares Konrad und Paul haben mehrere schwule Generationen in Deutschland – wie auch in vielen weiteren Ländern – begleitet. Zuletzt erschien sein Weihnachts-Comic "Santa Claus Junior" (queer.de berichtete).

Bereits 2014 war König in Erlangen mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet worden (queer.de berichtete).

Der Wilhelm-Busch-Preis war erstmals 1997 vergeben worden, um sowohl an den "größten Schriftsteller des Schaumburger Landes" zu erinnern als auch all diejenigen zu "würdigen, die sich im Geiste Wilhelm Buschs um das humoristische Schreiben und die satirische Sprachkunst verdient gemacht haben". Zuletzt war "Titanic"-Mitbegründer Hans Traxler 2015 mit der mit 10.000 Euro dotierten Auszeichnung geehrt worden. Auch Vicco von Bülow (Loriot) und die feministische Cartoonistin Franziska Becker gehören zu den Preisträgern. (dk)



#1 schwarzerkater
  • 02.11.2017, 14:21h
  • Wunderbar! Endlich! Großartig! Wer wenn nicht Ralf König verdient den Wilhelm-Busch-Preis!?!?!?!?! Gratuliere von Herzen.
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#2 monchichiAnonym
#3 antos
  • 02.11.2017, 21:23h
  • Ganz auf Wilhelm Buschs Spuren wendet sich Ralf König gegen jegliche Versuche, das freie Denken einzuschränken, und betont stattdessen das Streben nach Selbstentfaltung

    Zu den 10.000 Euro kann man Ralf König nur beglückwünschen, zu dieser Engführung mit Wilhelm Busch, dem deutschen Spießhumoristen par excellence nicht. Busch war kein Dichter des freien Denkens und des Strebens nach Selbstentfaltung, sondern des autoritären Sinnspruchs:

    "Von Birken eine Rute,
    gebraucht am rechten Ort,
    befördert oft das Gute,
    mehr als das rechte Wort."

    Zur Birkenrute:
    de.m.wikipedia.org/wiki/Birkenrute
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#4 LarsAnonym
  • 03.11.2017, 09:19h
  • Antwort auf #3 von antos
  • Wilhelm Busch als Spießerhumoristen zu bezeichnen, greift zu kurz. Es stimmt, dass Buschs Bildergeschichten voll von Gewalt und Bespielen von schwarzer Pädagogik sind, auf der anderen Seite lebt er in seinen Bildergeschichten aber auch Anarchie, Schadenfreude und subversive Bosheit mit unverhohlener Freude aus. Mit beidem verarbeitet zudem ziemlich sichtbar seine eigenen Erfahrungen. Busch war ein Kind seiner Zeit.

    Busch hält der Spießerwelt eher den (Zerr-)Spiegel vor, anstatt sich mit ihr gemein zu machen. Er lacht über die Menschen, denen er nicht viel zutraut: allerdings ist es oft ein etwas höhnisches Lachen. Busch hat nicht als Spießer gelebt, sondern zuerst als Bohemien, später als zurückgezogener, weltabgewandter Exzentriker.

    Es stimmt, dass Königs Humor versöhnlicher und sozialer ist, aber die Anarchie bei ihm ist genauso obsessiv und z.T. agressiv wie die von Busch und endet auch oft im Katzenjammer - oder, wie bei Konrad und Paul, im Arrangement mit einer im Grunde recht spießigen Paar-Existenz. Viele Figuren von König leben trotz aller Extravaganz in sehr spießigen Zusammenhängen und verlassen diesen Kosmos auch nie ganz. Gerade dadurch erklärt sich, denke ich, auch die Popularität von König: Auch der heterosexuelle Spießer kann sich in den Figuren offenbar wiederfinden.
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#5 TheDadProfil
#6 LarsAnonym
#7 saltgay_nlProfil
  • 03.11.2017, 18:11hZutphen
  • Tja, das war mal witzig - aber wenn ein solches Denkmal seine Hüllen fallen lässt und dem Zeitgeist hinterher schleimt, dann ist es nicht mehr lustig.

    Ich darf an den Kotau erinnern, den Ralf König geleistet hat, als es um lächerliche Bildergeschichten von ihm ging, aus denen nur fanatisierte Kinderschützer sexuellen Missbrauch ableiten konnten. Das war just zu der Zeit, als die von gewissen Medien, u.a. der taz, insbesondere vom Kreuzritter Christian Füller eingeleitete Kampagne gegen die Grünen tatsächlich dazu führte, dass es durch Stimmenverluste zur Neuauflage der großen Koalition kam. Dies wurde von den Herrschenden gewünscht und von den Medien herbeigeschrieben.

    Ralf König hat damals an seinen Geldbeutel gedacht und seinen Kundenkreis mit Wohlverhalten belohnt. Nun ist nichts mehr radikales an diesen Comics, für die ein Thüringer Bratwurstanwalt vom Amtsgericht Meiningen die Anordnung durchsetzte, dass diese gefährlichen Hefte außer Sichtweite von Minderjährigen zu handeln seien.

    Wilhelm Busch war eher der bürgerliche Vicco von Bülow des 19. Jahrhunderts. Die von ihm geschilderte spießige Enge hat sich heute noch in Hannover und dem Calenberger Land erhalten. Ralf König mag den Preis ruhig erhalten und sich darüber freuen.

    Bei Manchen gibt es ja eine Altershellsichtigkeit, statt Altersgen und Schwärmen für Florian Silbereisen. Schließlich sind alternde Schwuppen schon die wandelnde Karikatur an sich und völlig humorlos. Da macht sich doch ein neues Tätigkeitsfeld auf.
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#8 Patroklos
#9 antos
  • 03.11.2017, 21:03h
  • Antwort auf #4 von Lars
  • Mit Spießhumorist - Ableitung von Spießbürger - meine ich einen, der spießigen Humor produziert. Humor ist nicht gleich Humor, er kann auf vielerlei Weise wirken. Vergleiche Monty Python mit Fips Asmussen. Aufschluss über Unterschiede gibt oft ein Blick in die Rezeptionsgeschichte.

    Busch hat nicht als Spießer gelebt, sondern zuerst als Bohemien, später als zurückgezogener, weltabgewandter Exzentriker.

    Was bringt der Hinweis auf seinen klischeehaften (echter Künstler mit schopenhauerischem Ewigkeitswissen) Lifestyle an ergiebigen Hinweisen für die Beurteilung seines/eines Werks?

    Busch war ein toller Zeichner, ja, finde ich auch, die Aussagen und Weltweisheiten aber (ein Blick in die Prosa lohnt sich), die er sich so zusammengereimt bzw. eigentlich immer nur nachgereimt hat, sind grundiert von der Auffassung: Menschen, ihre Charaktere sind unveränderlich und alles in allem - Gruß nochmal von Schopi - fürchterlich. Dieser ganze Humor lebt daher - Du erwähnst es selbst - aus einem Antrieb: Schadenfreude.

    Kann man gut finden, muss man aber nicht.
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#10 TheDadProfil