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Nach 11 Jahren im Profisport

Robbie Rogers beendet Karriere

Der offen schwule Fußballprofi von LA Galaxy gibt nach Verletzungspech seinen Rückzug bekannt – und hofft, zu mehr Offenheit und Anerkennung im Sport beigetragen zu haben.


Robbie Rogers gibt den Fußball auf, aber sicher nicht den LGBTI-Aktivismus (Bild: instagram)

Der amerikanische Fußballspieler Robbie Rogers hat am Dienstag bekannt gegeben, seine Karriere mit sofortiger Wirkung zu beenden. Der 30-Jährige, der die letzten Jahre als Verteidiger für den Erstligisten LA Galaxy auf dem Platz stand, kann auf eine elfjährige, internationale Profi-Karriere zurückblicken.

Rogers hatte 2013 für internationale Schlagzeilen gesorgt, als er sich in einem Blogeintrag als schwul outete – das war knapp unter einem Jahr vor dem Coming-out von Thomas Hitzlsperger (queer.de berichtete). Der damals 25-Jährige beendete zugleich zunächst seine Karriere, die damals in England bei einem Drittligisten stockte.

Nach viel Zuspruch aus aller Welt fasste Rogers aber neuen Mut und fand bei LA Galaxy eine neue Heimat, wurde erster offen schwuler Spieler in einer amerikanischen Profiliga und konnte mit dem Team später sogar den MLS-Pokal gewinnen.

Facebook / LA Galaxy | Rogers' Team sagte u.a. mit diesem Video Danke

Vor seinem Coming-out war Rogers auch für die Nationalmannschaft auf den Platz gelaufen, vor allem für Jugendmannschaften und später bei WM-Qualifikationen und in Spielen der CONCACAF. In den letzten Jahren hatte er vermehrt mit Verletzungen zu kämpfen und musste acht Mal operiert werden, in der aktuellen Saison konnte er wegen einer Nervenverletzung im linken Fuß nach einer Operaton kein einziges Mal auflaufen. Die USA verlieren mit dem Rückzug Rogers' den einzigen offen schwulen Sportler in einer Profi-Mannschaft.

Mehr Zeit mit der Regenbogenfamilie

"Nach der letzten Verletzung dachte ich: Ich bin ein Vater, ich bin 30 Jahre alt und ich möchte in der Lage sein, mit 40 mit (meinem Sohn) Caleb den Ball zu kicken", so Rogers auf der Webseite des Vereins. Der Fußballer hatte 2013 den Regisseur und Produzenten Greg Berlanti kennengelernt, im Februar 2016 kam der gemeinsame Sohn durch Leihmutterschaft zur Welt (queer.de berichtete). Gegen Ende des Jahres verlobte sich das Paar (queer.de berichtete).


Rogers im September mit Mann und Sohn. Bild: instagram

Der Rückzug aus dem Fußball hinterlasse ihn mit "gemischten Gefühlen", so Rogers in der Erklärung auf der Team-Webseite. "Durch das Spiel habe ich einige meiner größten Leistungen sowohl beruflich als auch persönlich erlebt und bin den zahlreichen Einzelpersonen – Coaches, Teamkollegen, Mitarbeitern und Fans – für immer dankbar, die mir während dieser Reise geholfen haben."

Vor allem den Fans dankte er für die Unterstützung in all den Jahren: "Ich werde nie vergessen, wie ich in meinem ersten Spiel [nach dem Coming-out] auf das Feld zurückkehrte. Dieses Gefühl der Akzeptanz und Unterstützung hat mich als Sportler und als Mensch angetrieben. Die Möglichkeit gehabt zu haben, einen MLS Cup in meiner Heimatstadt zu gewinnen, mit meinem Heimatverein und als offen schwuler Mann, werde ich für den Rest meines Lebens mit mir führen."

Direktlink | Rogers' erster Einsatz bei LA Galaxy, drei Monate nach seinem Coming-out

Größter Erfolg: Vorbild sein

In einer persönlicheren Erklärung auf Facebook schrieb Rogers, als Kind habe er immer von einer Karriere im Fußball geträumt. "Aber als Teenager wurde ich immer mehr von Angst und Scham erfüllt. Und leider hat das ängstliche Kind in mir irgendwann entschieden, dass die Verfolgung meines Traums bedeute, einen Teil meiner selbst und meiner Sexualität vor der Welt zu verstecken, anstatt diese anzunehmen."

Die glücklichsten Jahre seien dann aber die gewesen, "bei denen ich am Ende der Spiels durch den Tunnel laufen konnte, wo am anderen Ende mein Partner und mein Sohn auf mich warteten". Er bedaure die Jahre im Schrank: "Ich wünschte, ich hätte den Mut gefunden, den so viele junge Menschen in den letzten fünf Jahren mit mir geteilt haben, um offen und ehrlich als homosexueller Mensch zu leben." Noch heute erhalte er Briefe von Kindern und Jugendlichen, die durch ihn ermutigt wurden und ihn inspirierten. "Diesen Kindern sage ich Danke. Meine stolzeste Errungenschaft in meiner Karriere ist es, daran mitgewirkt zu haben, einen offeneren Sport für Sie zu schaffen."

As a young boy I dreamed of becoming a professional soccer player and representing my country in front of the world. But…

Posted by robbie rogers on Dienstag, 7. November 2017
Facebook

Diese Arbeit der Ermutigung wird Rogers sicher weiter verfolgen, weiter verfolgen müssen. Auch sonst ist er nicht aus der Welt, betreibt mit einem Freund das Modelabel "Hampton + Baker" und ist, nach Gastrollten u.a. in "The Real O'Neals", bestimmt noch öfters im Fernsehen zu bewundern. (nb)



#1 hugo1970Profil
  • 07.11.2017, 22:37hPyrbaum
  • "...Meine stolzeste Errungenschaft in meiner Karriere ist es, daran mitgewirkt zu haben, einen offeneren Sport für Sie zu schaffen."

    So soll es sein: Stolz auf sich zu sein, ohne eingebildet zu sein!!!
    An Alle, die Angst haben, wenniger wert zu sein, wenn Sie zu Ihrem eigen Ich stehen, kann ich nur sagen: lasst es, den das "Theaterspiel" benötigt mehr Energie, als offen zu leben, als der man ist!!!
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#2 Patroklos
  • 08.11.2017, 09:05h
  • Ich wünsche ihm und seiner Familie für die Zukunft alles Gute und Gesundheit. Es gibt auch noch ein Leben nach dem Fußball.
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#3 RobinAnonym
  • 08.11.2017, 09:59h
  • Das ist ein wahrer Held!

    Nicht, weil er schwul ist, sondern weil er zu sich selbst steht und niemals eine Schmierenkomödie gespielt hat.

    Denn es ist nicht schlimm, ein schwuler Sportler zu sein. Es ist nur schlimm, sich selbst zu verleugnen und ein heteronormatives Weltbild zu unterstützen.
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