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Wutrede live im TV

Erdogan echauffiert sich über "Homosexuellenquote" der Opposition

In einer Ansprache nutzte der türkische Präsident ein Beispiel aus der kommunalen Politik, um die Opposition mit Homophobie anzugreifen.


Erdogan am Donnerstag im Präsidentenpalast in Ankara bei einer Ansprache von Delegierten aus Städten und Kommunen (Bild: Turkish Presidency / twitter)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Existenz einer "Homosexuellen-Quote" in einem Stadtteilrat als vermeintlichen Verstoß gegen die Werte der Türkei verurteilt. In einer live im Fernsehen übertragenen Rede nutzte der Politiker das Beispiel, um die oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP) zu verurteilen.

"Eine Partei, die den Titel der Haupt-Oppositionspartei trägt, hat sich soweit von unserer Nationalität entfernt, dass sie eine Homosexuellenquote von 1:5 bei lokalen Komitee-Wahlen aufgestellt" habe, so Erdogan in der Ansprache aus Ankara. "Wenn es keine Mäßigung mehr in einer Partei gibt, weiß keiner, wohin das sie noch führen kann."

Erdogan hatte bisher selten über LGBTI-Themen gesprochen – 2013 hatte er allerdings betont, dass Homosexualität der "Kultur des Islam" widerspreche (queer.de berichtete). Von der Rede am Donnerstag überraschte Medien recherchierten, dass er wohl den Stadtteilrat (Kent Konseyi) des Nilüfer-Viertels der westtürkischen Großstadt Bursa meint. In dem von der CHP regierten Viertel gibt es bei diesem Nachbarschafts-Komitee demnach tatsächlich Mindest-Quoten für Frauen und Jüngere (jeweils 1:3) sowie Behinderte und LGBT (jeweils 1:5). Der Rat veranstaltet unter anderem Kulturevents und kümmert sich um Umwelt- und Gleichstellungsfragen.

In der Rede hatte Erdogan Oppositionsparteien ansonsten noch vorgeworfen, mit terroristischen Organisationen zusammenzuarbeiten. Auch beschuldigte er europäische Länder und vor allem Deutschland, die PKK zu unterstützen. Deren Anhänger liefen etwa frei durch Berlin, beklagte der 63-Jährige, der nach einem Putsch-Versuch im letzten Jahr hunderte Oppositionelle sowie Polizisten, Soldaten, Richter, Staatsanwälte und Journalisten festnehmen ließ.

Zunehmende Unterdrückung auch der Szene

Auch LGBTI mussten zuletzt unter der zunehmenden Repression in der Türkei leiden. Homosexuelle Handlungen sind auf dem Gebiet des Landes seit 1858 legal, in den letzten Jahren hatte sich zudem in den Metropolen, auch unter dem Eindruck einer hohen Gewalt- und Mordrate an Homo- und Transsexuellen, eine bemerkenswert große und aktivistische Szene entwickelt.


2015 wurde erstmals der CSD in Istanbul von der Polizei gewaltsam aufgelöst. Trotz internationaler Empörung wiederholten sich die Szenen in den letzten beiden Jahren mehrfach

2015 wurde dann allerdings überraschend vom Gouverneur der Istanbul Pride verboten – Bilder, wie die Polizei Gummigeschosse und Tränengas gegen die Demonstranten einsetzte, gingen ebenso um die Welt wie ein Bild des CHP-Parlamentsabgeordneten Mahmut Tanal, der auf einen Wasserwerfer kletterte, um mit den Polizisten zu diskutieren (queer.de berichtete). Auch 2016 und in diesem Jahr kam es beim Trans Pride und beim Istanbul Pride zu ähnlichen Szenen und vorübergehenden Festnahmen (queer.de berichtete). Wegen der Unterstützung der Opposition waren in den letzten Monaten zudem mehrfach einzelne LGBTI-Aktivisten festgenommen worden. (nb)



#1 RobinAnonym
#2 hugo1970Profil
  • 09.11.2017, 21:02hPyrbaum
  • Ich möchte nur zu gerne wissen, wie WIRKLICH "religiös" dieser Menschenrechsverbrecher ist.
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#3 seb1983
  • 09.11.2017, 21:09h
  • Und während hierzulande weiter von einem angeblichen "roll back" gelabert wird machen afrikanische und arabische Länder fleißig Nägel mit Köpfen.

    Jede Wette:
    Ein Totalverbot wird wohl nicht drin sein, aber: In 10 Jahren sind homosexuelle Handlungen unter und mit Minderjährigen verboten, in der Öffentlichkeit verboten, in den Medien verboten, Organisationen verboten. Vom Militärdienst sind Schwule ja ohnehin nach wie vor ausgeschlossen.

    Also brav weiter die Augen zumachen, im 19 Jh. schwelgen und ach die pöse BRD und ihr 175er nicht vergessen...
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#4 HörnchenAnonym
#5 schwarzerkater
  • 10.11.2017, 07:12h
  • Bin ja mal gespannt, wann die Anhänger von Erdogan hier in Deutschland öffentlich und unverhohlen Stimmung gegen CSD und andere Veranstaltungen machen. Nicht nur im Internet, denn dort gehört es ja zum "guten Ton, Schwule zu hassen.
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#6 goddamn liberalAnonym
  • 10.11.2017, 08:24h
  • Antwort auf #5 von schwarzerkater
  • "Bin ja mal gespannt, wann die Anhänger von Erdogan hier in Deutschland öffentlich und unverhohlen Stimmung gegen CSD und andere Veranstaltungen machen. "

    Kann kommen.

    Wer sich da als 'biodeutscher' Verbündeteter anbietet, ist auch klar.

    Dass Erdogan gegen Atatürks CHP pöbelt, kann bei diesem kulturlosen Reaktionär auch nicht überraschen.
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#7 Patroklos
#9 Patroklos
#10 TechnikerAnonym
  • 10.11.2017, 10:43h
  • Wen wundert's?

    Der Föhrerschnauzträger hat ja auch ansonsten hinterwäldlerische und/oder diktatorische Auffassungen und Ansichten. Da wäre man glatt besorgt, wenn Schwulenfeindlichkeit in Erdolfs Repertoire fehlte.

    Arme Türken...
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