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Erfolgreiche Volksabstimmung

Australier stimmen deutlich für die Ehe für alle

Über 60 Prozent der Wähler verlangen vom Parlament, die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. Nach einigen Feierlichkeiten geht der Kampf um Details des Gesetzes weiter.


Sydney kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses um 10 Uhr Ortszeit (Mitternacht deutscher Zeit)

Die Ehe für alle hat jetzt auch Down Under erreicht: Wie die nationale Statistikbehörde am Mittwoch in Canberra bekannt gab, haben sich bei der Briefwahl 61,6 Prozent der Wähler dafür ausgesprochen, die Ehe für Schwule und Lesben zu öffnen. 38,4 Prozent stimmten dagegen. Die Wahlbeteiligung war mit 79,5 Prozent hoch, eine Pflicht zur Teilnahme hatte nicht bestanden. Eine Mehrheit pro Ehe-Öffnung gab es in allen Bundesstaaten und Territorien.

In Melbourne und Sydney lag die Zustimmung bei rund 84 Prozent. Insgesamt stimmten 7,8 Millionen Australier für den Schritt. Die Wahlbeteiligung war bei älteren Australiern im großen und ganzen höher als bei jüngeren, auch stimmten mehr Frauen (Beteiligung 81,6 Prozent) ab als Männer (77,3 Prozent).

In Sydney und anderen Metropolen hatten sich LGBTI in Zentren, Parks und Bars versammelt, um die Verkündung um 10 Uhr Ortszeit zu feiern. Am Nachmittag soll eine riesige Regenbogenflagge in Darlinghurst, dem queeren Viertel von Sydney gehisst werden.

Direktlink | Sydney feiert die Verkündung des Ergebnisses

Das Ergebnis ist für die Politik nicht verpflichtend. Premierminister Malcolm Turnbull hatte allerdings versprochen, dass das Parlament bei einem "Ja" einen Gesetzentwurf zur Ehe für alle behandeln und verabschieden werde, und gar eine Umsetzung bis Weihnachten ins Gespräch gebracht. Bereits ab Donnerstag könnte dazu im Senat, ab Montag im Repräsentantenhaus beraten werden. "Die Menschen hatten mit großer Mehrheit 'Ja zu Fairness' und 'Ja zur Liebe' gesagt", meinte Turnbull am Mittwoch nach Verkündung des Ergebnisses. Nun sei es Aufgabe des Parlaments "to get on with it". Umfragen von Medien hatten ergeben, dass eine ausreichende Mehrheit der Abgeordneten in beiden Kammern dem Votum der Briefwähler folgen werde.


Premierminister Malcolm Turnbull wiederholte kurz nach der Bekanntgabe des Ergebnisses, er hoffe, die Ehe für alle noch bis Weihnachten verabschiedet zu bekommen

Allerdings könnte der Teufel noch im Detail liegen: LGBTI-Gegner hatten in den letzten Tagen über Pläne gesprochen, die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben noch mit der Gesetzgebung einzuschränken. So schlugen konservative Parlamentarier vor, die Ehe für alle nur zuzulassen, wenn es ausreichende Möglichkeiten für Personen gebe, eine Beteiligung an gleichgeschlechtlichen Eheschließungen abzulehnen. Während die Opposition das nur kirchlichen Gemeinschaften zugestehen will, denken manche konservative Politiker auch an Firmen (etwa Hotels oder Bäcker von Hochzeitstorten) und auch an Standesbeamte. Ein entsprechender Gesetzentwurf ist in Vorbereitung, LGBTI-Aktivisten wollen dagegen ankämpfen.


Details der Statistikbehörde (rechte Seite zur Wahlbeteiligung!), mehr Ergebnisse auf der Webseite der Behörde

Jahrelange Debatte vor finalem Showdown

Alle registrierten australischen Wähler hatten zwischen dem 12. September und 7. November die Möglichkeit, per Post über die Öffnung der Ehe abzustimmen. Die Abstimmung war nötig geworden, weil sich die regierende konservative "Liberal Party" innerparteilich nicht auf eine Position einigen konnte. Auch war die Opposition nicht für ein reguläres (und ebenfalls seltenes) Referendum zu gewinnen, das vom Wahlamt und nicht von der Statistikbehörde durchgeführt worden wäre.

Premierminister Turnbull, ein Befürworter der Ehe für alle, setzte deshalb die Briefwahl durch, um einen innerparteilichen Streit zu vermeiden. LGBTI-Aktivisten hatten dieses Vorgehen jedoch scharf kritisiert: Sie befürchteten wegen Erfahrungen in anderen Ländern, dass eine derartige Abstimmung eine homophobe Kampagne mit sich ziehe und die Zahl der Übergriffe auf LGBTI erhöhe. Tatsächlich tauchten in vielen Städten homophobe Poster und Werbeborschüren auf, in denen Schwule und Lesben etwa mit Kindesmissbrauch in Verbindung gebracht wurden (queer.de berichtete).

Ein weiterer Kritikpunkt war, dass das Referendum nicht notwendig sei, weil es ohnehin nicht bindend ist und es im Parlament bereits bei freier Abstimmung eine Mehrheit gegeben hätte. Außerdem seien die Kosten für die Allgemeinheit mit 122 Millionen Dollar (82 Millionen Euro) viel zu hoch, nur um einen innerparteilichen Streit zu vermeiden.

Sollte das Parlament der Ehe-Öffnung zustimmen, wäre Australien das 23. Land weltweit, dass Homo-Paare im Eherecht gleichbehandelt. 2015 hatten die Wähler in Irland bei einem Referendum die Ehe für alle geöffnet, mit 62,07 Prozent lag die Zustimmung leicht höher, mit 60,5 Prozent die Wahlbeteiligung deutlich niedriger als in Australien (queer.de berichtete). Gegen Ende des selben Jahres wurde in Slowenien eine vom Parlament beschlossene Ehe-Öffnung durch ein Referendum gestoppt (queer.de berichtete). (nb/dk)

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#1 hugo1970Profil
  • 15.11.2017, 00:29hPyrbaum
  • Wenn auch die Rumänen so abstimmen würden, ich weiß ich weiß, ich darf weiter träumen.
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#2 hugo1970Profil
#3 EisenhowerProfil
  • 15.11.2017, 00:36hMarseille
  • Glückwunsch nach Australien!

    Der Wille des einen Volkes ist es, aus der Europäischen Union auszutreten, und der Wille des anderen Volkes ist es, die Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu öffnen..

    Lesben und Schwule haben sich in kultivierten Staaten nicht mehr vor der Mehrheit der Wahlberechtigten zu fürchten. Ihnen werden volle Bürgerrechte und eine völlige Gleichstellung mit verschiedengeschlechtlichen Partnerschaften zugestanden.

    Lesben und Schwule haben starke Partner in der Mehrheitsgesellschaft gefunden; in progressiven, in den liberalen wie auch in den konservativen Parteien.

    Und Lesben und Schwule können auf eine mehrtausendjährige Kulturgeschichte verweisen, die nicht nur aus Unterdrückung und Verfolgung besteht.
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#4 Paulus46Anonym
  • 15.11.2017, 00:42h
  • Herzlichen Glückwunsch nach Australien.

    61,6 Prozent der abgegebenen Stimmen, das ist ein gutes Ergebnis.

    Damit wird das Gesetz nunmehr im Oberhaus und Unterhaus noch vor Weihnachten verabschiedet und noch vor Weihnachten können dann gleichgeschlechtliche Paare regulär in Australien ide Ehe eingehen.

    Erfreulich auch, das es eine Mehrheit von über 60 Prozent in allen australischen Bundestaaten gab, ausser im Bundesstaat New South Wales da gab es nur 57,9 Prozent Zustimmung.

    Fazit: Das Jahr 2017 ist ein gutes Jahr für homosexuelle Menschen:

    * Eheöffnung tritt in Finnland in Kraft
    * Eheöffnung in Deutschland
    * Eheöffnung in Malta
    * Eheöffnung auf der Insel Guernsey
    * Eheöffnung auf den Falklandinseln
    * Eheöffnung auf Bermuda
    * Eheöffnung auf den Faröerinseln
    * Das höchte Verfassungsgericht in Taiwan verordnet dem Parlament, die Eheöffnung innerhalb der kommenden zwei Jahre zu ermöglichen

    * Kirchliche Trauungserlaubnis in der lutherischen Norwegischen Kirche
    * Kirchliche Trauungserlaubnis in der anglikanischen Kirche von Schottland
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#5 AnonymAnonym
  • 15.11.2017, 01:02h
  • Antwort auf #4 von Paulus46
  • Jetzt müssten nur noch genug Leute gefunden werden, die gemäß der australischen Verfassung auch einen Sitz in Parlament oder Senat haben dürfen, um die parlamentarische Mehrheit für die Ehe für alle zusammenzubekommen. Das dürfte die nächste Hürde sein...
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#6 Iblis
  • 15.11.2017, 01:18h
  • Das Ergebnis erfreut mich persönlich sehr! Vor allem, da ich Freunde in Perth habe, die das betrifft und sich hoffentlich bald das Ja-Wort geben dürfen. Jedenfalls sind sie außer sich vor Freude ("I will be grinning from here to Sydney and back all day today").
    Wir müssen nur hoffen, dass die Regierung dann im Gesetz nicht noch LGBTI-diskriminierende Klauseln einarbeitet.
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 15.11.2017, 08:25h
  • Antwort auf #3 von Eisenhower
  • "Lesben und Schwule haben sich in kultivierten Staaten nicht mehr vor der Mehrheit der Wahlberechtigten zu fürchten. "

    So ist es.

    Schon peinlich, dass Australien als 'Eisenhower'-Land erst nach Deutschland die Ehe öffnet.

    Das liegt aber an der Politik und nicht an der Bevölkerung.
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#8 SehrGutAnonym
#9 Patroklos
  • 15.11.2017, 08:39h
  • Antwort auf #2 von hugo1970
  • Das würde mich auch interessieren! Ich denke, da haben bestimmt mehr als rund 62 Prozent für die "Ehe für Alle" votiert.

    Wenn man sich das Ergebnis nach Provinzen mal anschaut, war die Zustimmung zur "Ehe für Alle" in New South Wales am niedrigsten und in Canberra am höchsten.

    Australien hat zwar heute einen Grund zum Jubeln, aber ich hätte mir eine höhere Zustimmung für die "Ehe für Alle" gewünscht, statt 62 lieber 72 oder 82 Prozent. Nun liegt es in der Hand des Parlamentes, die "Ehe für Alle" in Stein zu meißeln!

    Das Allerbeste ist aber, daß die Kirchen - allen voran die Anglikanische und die Katholische - eine krachende und verdiente Niederlage einstecken mußten!
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#10 Gerlinde24Profil
  • 15.11.2017, 09:09hBerlin
  • Was mich besonders freut, ist, dass selbst im ultrakonservativem New South Wales eine Mehrheit für uns war.
    Congratulations, Australia.
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