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Umfrage der Antidiskriminierungsstelle

Ein Drittel der LGBTI-Lehrer erlebt Diskriminierung

Weniger als die Hälfte der Lehrer, die sexuellen oder geschlechtlichen Minderheiten angehören, sind an Schulen geoutet. Abhilfe schaffen könnten Bildungspläne, die Vielfalt berücksichtigten.


An deutschen Schulen können viele LGBTI-Lehrer noch nicht offen sein (Bild: Gays With Kids)

43,5 Prozent der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans, intergeschlechtlichen und queeren Lehrkräfte in Deutschland gehen an ihrer Schule offen mit ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität um; etwa ebenso viele (43,6 Prozent) tun dies nicht. Das ist eines der Ergebnisse einer am Mittwoch vorgestellten Befragung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes unter mehr als 800 Lehrkräften, die sich selbst im LGBTI-Spektrum verorten.

Als Gründe für den nicht offenen Umgang nannten die Lehrer meist Angst vor Respektverlust und Ausgrenzung sowie ihre Unsicherheit. Insgesamt haben knapp ein Drittel der befragten Lehrkräfte innerhalb der letzten 24 Monate Diskriminierungen anhand ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität erlebt.

Aufklärung und LGBTI-Lehrpläne helfen gegen Diskriminierung

Die Studie zeigt Möglichkeiten auf, wie die Diskriminierung vermieden werden kann: Von Diskriminierungserfahrungen berichten die befragten Lehrkräfte etwa wesentlich seltener, wenn sie von ihrem Arbeitgeber über den Schutz des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes aufgeklärt wurden, wenn es an ihrer Schule eine Beschwerdestelle gibt und wenn sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in den offiziellen Lehrplänen als Thema verankert ist.

"Es ist wichtig, sexuelle Vielfalt zu einem Querschnittsthema in allen Fächern zu machen", sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse. "Bildungspläne, wie es sie etwa in Baden-Württemberg bereits gibt, sind ein gutes Mittel, um wirklich eine Veränderung anzustoßen."


Christine Lüders lobt insbesondere den Bildungsplan in Baden-Württemberg, der auch sexuelle und geschlechtliche Minderheiten berücksichtigt

Die Befragung zeigt auch: Vier von zehn LGBTI-Lehrkräften sind zufriedener mit dem Arbeitsplatz, seit sie sich für ein Coming-out entschieden haben. Mehr als 96 Prozent würden sich erneut für einen offenen Umgang entscheiden.

"Schulen sind zentrale Orte, um alles über gesellschaftliche Vielfalt zu lernen und ihr mit Respekt und Akzeptanz zu begegnen", sagte Lüders. "Die Ergebnisse der Studie zeigen einmal mehr, dass es sich lohnt, sich für Diskriminierungsschutz an Schulen einzusetzen – davon profitieren nicht nur die Beschäftigten, sondern auch Schülerinnen und Schüler."

Neun von zehn Lehrern hören LGBTI-feindliche Beschimpfungen

Insgesamt bewerten die Befragten das Schulklima an ihren Arbeitsstellen überwiegend positiv. Allerdings gaben neun von zehn Lehrkräften an, in den vergangenen zwölf Monaten LGBTI-feindliche Beschimpfungen oder Äußerungen von Schülern gehört zu haben. Die Hälfte der Lehrer meldete zurück, dass sexuelle und geschlechtliche Vielfalt nicht offizieller Bestandteil der Lehrpläne ihrer Schule sind.

Die Befragung wurde im Rahmen eines Fachgesprächs der Antidiskriminierungsstelle, "Sexuelle Identität am Arbeitsplatz: Branchenübergreifend und im Arbeitsumfeld Schule", in Berlin vorgestellt. Die Stichprobe umfasst 835 LGBTI-Lehrkräfte aus dem gesamten Bundesgebiet, darunter 336 schwule, 310 lesbische, 110 bisexuelle, 28 transsexuelle und acht intergeschlechtliche Personen. Bedingt durch die Stichprobenziehung ist die Studie nicht repräsentativ, liefere aber laut der Antidiskriminierungsstelle exemplarisch Hinweise darauf, welche Erfahrungen LGBTI-Lehrkräfte in Schulen in Deutschland machen. (pm/cw)



#1 TafelschwammAnonym
  • 15.11.2017, 14:40h
  • Gibt die Erhebung Auskunft darüber, ob es in bestimmten Schularten häufiger zu Diskriminierung kommt als in anderen?
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#2 Thomas LAnonym
  • 15.11.2017, 15:56h
  • Schüler, Lehrer und das gesamte Schulklima leiden unter Homo- und Transphobie.

    Solche Zahlen sind immer der beste Beleg dafür, dass wir endlich mehr Aufklärung brauchen - an allen Schulen! Und zwar nicht nur in Sexualkunde, sondern auch in Geschichte, Politik, Sozialkunde, Erdkunde, etc. kann man entsprechende Themen aufgreifen. Und auch bei Textaufgaben in Mathematik, beim Lesen von Lektüren in den Sprachen, etc. muss sich endlich die reale gesellschaftliche Vielfalt widerspiegeln.
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#3 AmurPrideProfil
  • 15.11.2017, 17:13hKöln
  • An meiner internationalen Schule gibt es keinen einzigen offenen LGBT*I*Q-Lehrer...
    trotz eines 46 Köpfe umfassenden Kollegiums.

    Wie wichtig es aber gerade für LGBT*I*Q-Jugendliche wäre, einen oder mehrere LGBT*I*Q-Lehrer an ihrer Schule zu kennen, brauche ich wohl nicht extra zu erklären.

    Aber ich finde man muss auch Lehrern, wie jeden anderem auch, das Recht einräumen ihre sexuelle Orientierung zu ihrer Privatsache zu erklären.

    Gleichzeitig darf man aber von niemand, der erwachsen ist und Jugendliche, z. B. in Mathematik, unterrichtet, gleichzeitig auch fordern, ein Vorbild in Sachen LGBT*I*Q-Dingen zu sein.

    Obwohl's wohl ziemlich hilfreich wäre...
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#4 RobinAnonym
  • 15.11.2017, 18:12h
  • Antwort auf #3 von AmurPride
  • "Gleichzeitig darf man aber von niemand, der erwachsen ist und Jugendliche, z. B. in Mathematik, unterrichtet, gleichzeitig auch fordern, ein Vorbild in Sachen LGBT*I*Q-Dingen zu sein."

    Man kann nicht nur, sondern man muss von jedem Lehrer erwarten können, dass er ein Vorbild an Menschlichkeit und demokratischer Ausrichtung ist. Egal ob es um LGBTI, Schwarze oder wen auch immer geht.

    Schule hat nicht nur die Aufgabe, Fachwissen zu vermitteln, sondern auch die fächerübergreifende Aufgabe, aus Schülern mündige, kritische Erwachsene zu machen.

    Dafür muss man sich nicht mal als LGBTI-Lehrer outen. Aber man muss schon (auch als Hetero-Lehrer) ein Klima schaffen, in dem ALLE Schüler (und auch alle Kollegen) sich wohl und sicher fühlen. Denn nur wenn Schule ein sicherer Ort ist, wo ALLE Schüler angstfrei hingehen, kann sie auch ihrem Bildungsauftrag nachkommen.

    Und es muss auch jeder Lehrer eingreifen, wenn er Mobbing o.ä. mitbekommt.

    Und unabhängig von der Tätigkeit der Lehrer müssen auch die Lehrpläne und Lehrmaterialien so ausgestattet sein, dass sie Vielfalt fördern und Toleranz lehren. Dazu gehört dann halt z.B. auch, dass es eben im Mathe-Unterricht bei Textaufgaben nicht immer nur Hetero-Familien gibt, wo z.B. ein Kuchen in x gleiche Teile geteilt werden soll, sondern dass auch Regenbogenfamilien, LGBTI, etc. ihrem gesellschaftlichen Anteil entsprechend und völlig selbstverständlich dargestellt werden.

    Wenn in der Schule mit diesen Themen ganz offen und selbstverständlich umgegangen wird, kommen Schüler erst gar nicht auf die Idee, dass daran irgendwas verwerflich sein könnte.
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#5 AmurPrideProfil
  • 15.11.2017, 20:14hKöln
  • Antwort auf #4 von Robin
  • Ich stimme Dir inhaltlich voll zu und bedaure mich missverständlich ausgedrückt zu haben.

    Mit ""..ein Vorbild in Sachen LGBT*I*Q-Dingen zu sein.."" meinte ich in in erster Linie ""..offenen [zu bekennen ein] LGBT*I*Q-Lehrer [zu sein]..""

    Nach mehreren Besuchen von SCHLAU hat sich an meiner Schule vieles verbessert. Offene Homophobie gibt es im Lehrkörper überhaupt nicht mehr und sowohl Sensibilität als auch Bereitschaft bei homophoben Übergriffen einzugreifen sind deutlich gestiegen.
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#7 saltgay_nlProfil
  • 15.11.2017, 22:46hZutphen
  • Leider meint jeder Hansel, wenn es um Schule geht, mitreden zu dürfen. Schließlich hat ja fast Jeder länger eine Schule besucht.

    Ich kann das dämliche Geschreibsel über die Vorbildfunktion eines Lehrers nicht mehr lesen. Es ist zum Kotzen. Andererseits ist mir durchaus bekannt, dass auch die Erzeuger dieser Blagen keine Ahnung von Erziehung haben, ein Benehmen wie Rotz am Ärmel an den Tag legen und nach der genetischen Regel Nr. 1 "Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd", auch ihre Lustprodukte ihnen ähnlich sind.

    Die Schulen haben sich als Untergebene kriechender, schleimender Kultusminister-stern-LGBTI²Innen, die nur auf ihre Wiederwahl geiern, zu Erziehungsreparaturwerkstätten gewandelt. Die Lehrer-stern-LBTI-BumsdadingsInnen erfüllen in erster Linie Elternaufgaben und haben einfach gottgleich zu sein, jeder Fehler wird rechtsanwaltlich und medial abgestraft.

    Als schwuler Lehrer müsste ich ja total bekloppt sein, wenn ich mich oute. Die Jungen würden einen riesigen Bogen um mich machen, weil der Knabe, der mich freundlich anspricht sich selbst dem Verdacht aussetzt eine "Schwuchtel" zu sein. Ich dürfte nicht mehr das Jungenklo betreten, das Mädchenklo wäre auch tabu, weil man ja weiß dass Schwule polymorph pervers sind.

    Die lieben schwulen oder dingsda orientierten Kollegen-stern-HampelmannhummtataInnen, die da so freudig bei dem Test positive Ergebnisse meldeten, leiden an einer unter Lehrern weit verbreiteten Wahrnehmungsstörung. Sie leiden an dem "blinden Fleck-Syndrom". Sie glauben ernsthaft, dass die Schüler sie mögen, dass sie selbst ausgezeichneten Unterricht machen und sie einen besonderen Draht zu den Radikalinskis mit Sozialstunden besitzen. Das stärkt das eigene Selbstbewusstsein und hilft darüber hinweg zu sehen, dass Schule eine verwahrloste Kinderaufbewahrungsanstalt ist, bei der selbst die Potemkinschen Kulissen am Umfallen sind. Aber die "schwarze Null" führt auch die zukünftige Jamaica-Rum-Verschnitt-Koalition an. Das bleibt wie Asbach Urknall: in der BRD wird nirgendwo so sehr wie an der Bildung gespart, weil das den Umsatz der Koofmichs hebt.

    Diese Studie ist nicht repräsentativ und darf in die Tonne getreten werden, die schon von überholten Curricula überquillt.
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#8 Alpha-KevinAnonym
  • 16.11.2017, 07:23h
  • Als schwuler Lehrer stehe ich dieser Studie und dem externen/nicht-betroffenen Blabla auch sehr kritisch gegenüber:
    1. Papier ist geduldig. Ist ja richtig putzig, wenn es Akzeptanz-Curricula gibt, aber die bringen wirklich nur etwas, wenn Sie auch von den Kolleg*innen getragen werden. Die Umsetzung wird doch nicht ernsthaft kontrolliert und genügend Kolleg*innen sind schlicht und ergreifend überfordert oder zu faul, um diese guten Wünsche umzusetzen. "Wie?!? ich soll das in meinem Unterricht umsetzen?!? Soll ich jetzt immer und überall Zahlen und Formeln zum Coming-Out überreden?!? Dazu bin ich nicht ausgebildet. Das kann keiner von mir verlangen."

    2. Wer sich als Lehrer*in einmal outet, darf es jedes Jahr mindestens einmal aufs Neue tun. Inklusive der Ablehnung von Schülern und Eltern. Im einen Jahr mehr, im anderen Jahr ein bisschen weniger, aber es wird eine unendliche Geschichte. Klar ist es für LGBTIQ- Schüler*innen gut, wenn es geoutete Erwachsene in der Schulgemeinde gibt (sofern diese Personen ein gewisses Ansehen haben), dennoch wird der Lehrer nicht dafür bezahlt, um sein Privatleben auszubreiten, sondern um kognitive und soziale Kompetenzen zu vermitteln.

    3. Abgesehen davon bin ich der Auffassung, dass es ein totales "Schublade auf-Schublade zu-Effekt" ist, wenn ein solches Outing stattfindet. Frei nach dem Motto "Herr X ist der Quoten LGBTIQ-Lehrer", "Frau Y ist die Quoten Muslima-Lehrerin", "Herr Z ist der Quoten Afro-Deutsche-Lehrer". Man bekommt ein Lable aufgedrückt, was die Gesamtheit einer Identität auf ein Merkmal reduziert. Das ist vermeidenswert.
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#9 LeiderAnonym
  • 16.11.2017, 08:53h
  • Und in Teams von Kindergärten sieht es leider auch nicht besser aus. Eher schlechter!
    Das könnte auch mal "betrachtet werden."
    Es gibt LSBTTIQ-Erzieher/innen, die ihre Jobs aufgrund ihrer sexuellen Identität verlieren, auch im Jahr 2017!
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#10 AmurPrideProfil
  • 16.11.2017, 13:00hKöln
  • Antwort auf #8 von Alpha-Kevin
  • Als geouteter Schüler möchte ich folgendes dazu anmerken:

    zu 1: ""..Die Umsetzung wird doch nicht ernsthaft kontrolliert und genügend Kolleg*innen sind schlicht und ergreifend überfordert oder zu faul, um diese guten Wünsche umzusetzen..""
    Was wenn Ihre Kolleg*innen auf einmal begreifen würden, das LGBT*I*Q-Fragen nicht mehr abstrakte Problemstellungen sind, sondern einen der ihren ganz konkret betreffen?
    Meine wirklichen Freunde, die ich erst nach meinem coming out erkennen konnte, sind jedenfalls zu meinen besten Mitstreitern für meine Rechte und im tagtäglichen Kampf gegen Homophobie geworden.

    zu 2: sind gleich zwei Dinge anzumerken:
    2.1: ""..Wer sich als Lehrer*in einmal outet, darf es jedes Jahr mindestens einmal aufs Neue tun [..] aber es wird eine unendliche Geschichte..""
    Dazu ist anzumerken, das Lehrer hierbei KEINE Ausnahme sind. Wer sich einmal entschlossen hat offen und geoutet zu leben, der wird sich jedesmal, wenn er neue Personen näher kennen lernt, auf's Neue outen müssen. Denn in einer heteronormativen Gesellschaft gibt es keinen anderen Weg um falsche Annahmen direkt im Ansatz zu eliminieren.
    2.2: ""..dennoch wird der Lehrer nicht dafür bezahlt, um sein Privatleben auszubreiten, sondern um kognitive und soziale Kompetenzen zu vermitteln..""
    Einverstanden! Und was ist mit der sozialen Kompetenz sich selbst und das, was man ist, annehmen zu können? Zu sich selber stehen zu können? Wahrhaftig und authentisch zu sein? Was ist mit der sozialen Kompetenz für die eigenen Dinge zu aller erst einmal selber kämpfen zu können?

    zu 3: ""..Man bekommt ein Lable aufgedrückt, was die Gesamtheit einer Identität auf ein Merkmal reduziert. Das ist vermeidenswert..""
    Absolute Zustimmung meinerseits!
    Aber schon noch kurzer Zeit wendet sich die Aufmerksamkeit der Anderen wieder Themengebieten zu, die für deren Alltag von größerer Bedeutung sind.
    Und ob man dann immer noch auf ein einziges Merkmal reduziert wird, liegt dann auch ganz maßgeblich an einem selbst. Für meine Freunde ist es so unwichtig geworden, das sie's manchmal sogar glatt vergessen. Und auch in der Schule bin ich alles andere als nur der "Schwule"!^^
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