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Zunehmende Repression

Ankara verbietet alle queeren Kultur-Veranstaltungen

Nach dem Verbot des deutschen LGBTI-Filmfestivals hat der Gouverneur nun alle zukünftigen Veranstaltungen zum Thema untersagt.


Als Reaktion auf das Verbot eines von ihr unterstützten Filmfestivals hatte die deutsche Botschaft in Ankara diese Woche die Regenbogenflagge gehisst

In der Haupstadt der Türkei gilt seit dem gestrigen Samstag und für unbestimmte Zeit ein Komplettverbot von kulturellen Veranstaltungen, die von "LGBTI-Nichtregierungs-Organisationen" durchgeführt werden. Das gab das Amt des Gourverneurs am Sonntag bekannt.

Mitte der Woche hatte das von der nationalen Regierung bestimmte Amt bereits ein Filmfestival verboten, das in Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft vier queere Filme aus Deutschland zeigen sollte (queer.de berichtete). Das nun ausgesprochene, in dieser Form einmalige Verbot umfasst Kino- und Theatervorführungen, öffentliche Debatten, Lesungen und weitere Arten von Veranstaltungen, die "soziale Sensibilitäten und Empfindlichkeiten" berühren.

Zur Begründung heißt es, eine Auswertung sozialer Netzwerke haben ergeben, dass die Veranstaltungen zu "Hass und Feindseligkeit" gegenüber Teilen der Bevölkerung führen könnten und daher eine "klare und unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit" darstellten. Das gefährde die "öffentliche Ordnung, die Vorbeugung von Verbrechen, den Schutz öffentlicher Gesundheit und Moral und den Schutz der Rechte und Freiheiten Anderer". So könne es auch zu "Provokationen und Reaktionen" gegen Menschen kommen, die die Veranstaltungen besuchen wollten.

Ähnlich war bereits das Verbot des Filfestivals begründet worden. LGBTI-Organisationen hatten danach kritisiert, dass es Aufgabe der Behörden sei, die Veranstaltungen auch bei vermeintlichen Bedrohungen zu ermöglichen anstatt diese mit Verweis auf ihre angeblichen Gegner zu verbieten.

Szene und Gesellschaft im Rollback

Auf dem Gebiet der heutigen Türkei sind homosexuelle Handlungen bereits seit 1858 legal. Bis vor wenigen Jahren hatten Aktivisten CSD-Demonstrationen mit teils zehntausenden Teilnehmern sowie etliche weitere Veranstaltungen im ganzen Land durchführen können.

Direktlink | Bilder aus vergangen wirkenden Zeiten: CSD in Istanbul 2013

2015 wurde dann allerdings überraschend vom Gouverneur der Istanbul Pride verboten – Bilder, wie die Polizei Gummigeschosse und Tränengas gegen die Demonstranten einsetzte, gingen ebenso um die Welt wie ein Bild des CHP-Parlamentsabgeordneten Mahmut Tanal, der auf einen Wasserwerfer kletterte, um die Beamten von Gewalt abzuhalten (queer.de berichtete). Auch 2016 und in diesem Jahr kam es in Istanbul beim CSD und beim Trans Pride zu ähnlichen Szenen und vorübergehenden Festnahmen (queer.de berichtete).

Direktlink | 2015 wurde erstmals der CSD in Istanbul von der Polizei gewaltsam aufgelöst. Trotz internationaler Empörung wiederholten sich die Szenen in den letzten beiden Jahren mehrfach

Auch in anderen Städten hatten Gouverneure zuletzt teilweise Demonstrationen zum Pride oder zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie verboten und das zumeist mit angeblichen Sicherheitsbedenken begründet, waren aber nicht immer gegen Menschen vorgegangen, die dennoch demonstrierten. Die Gouverneure werden direkt von der nationalen Erdogan-Regierung ernannt und sind als Gegenspieler der oft oppositionellen regionalen Regierungen u.a. für die Polizei zuständig; der Präsident hatte 2013 betont, dass Homosexualität dem Islam widerspreche (queer.de berichtete), und sich erst vorletzte Woche in einer Rede über eine Opposition amüsiert, die eine "Homosexuellenquote" in Ämtern befürworte (queer.de berichtete). (nb)



#1 KeinWunderAnonym
  • 19.11.2017, 17:01h
  • Bei dieser Regierungsspitze ist das kein Wunder mehr. Und ich erinnere mich wie Erdogan sagte, dass "Demokratie nur der Zug sei, der ans Ziel führe...."
    Nun muss er nur noch erklären, was sein Ziel ist und dann sind diese Bilder im Artikel erklärt.
    Eine weitere Repression in einem weiteren Land - das ist ganz toll! (Sarkasmus)
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#2 TimonAnonym
#3 hugo1970Profil
  • 19.11.2017, 18:57hPyrbaum
  • Ein Diplomatischer Vorschlag:
    Jede Botschaft aus jedem demokratischen Staat, überall, wo queers bedroht werden sollte auf dem Botschaftsgelände Festivals, Actionen etc veranstalten und queers aus diesen queerfeindlichen ländern einladen. Die Autos müßen unkentlich gemacht werden, das keinen Rückschlüße gezogen werden können, die Autos müßen so prepariert sein, das sie den vollen Schutz der queren Gäste leisten können.
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#4 hugo1970Profil
  • 19.11.2017, 19:02hPyrbaum
  • Antwort auf #2 von Timon
  • Doch, die Türkei gehört nach Europa!!!!!
    Die gesamte erdoganische Regierung, gehört angeklagt und dann zu mehrern Jahren in einem internationalen Zuchthaus verurteilt.
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#5 goddamn liberalAnonym
  • 19.11.2017, 19:22h
  • Antwort auf #4 von hugo1970
  • "Die gesamte erdoganische Regierung, gehört angeklagt und dann zu mehrern Jahren in einem internationalen Zuchthaus verurteilt."

    Das hätte man schon vor 20 Jahren haben können.

    Die damals noch kemalistische Justiz war dazu bereit.

    Das dumme Europa ist ihr in den Arm gefallen.
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#6 KarstenUEAnonym
#7 PeerAnonym
  • 19.11.2017, 20:48h
  • Antwort auf #4 von hugo1970
  • Nein, gehört sie nicht.

    Nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich, gesellschaftlich, etc.

    Übrigens nicht mal geographisch, denn die Türkei gehört zu weniger als 3% zu Europa und zu mehr als 97% zu Asien.

    Übrigens ist nicht nur die Regierung homophob, sondern auch die deutliche Mehrheit der Bürger.
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#8 goddamn liberalAnonym
#9 TheDadProfil
  • 19.11.2017, 22:20hHannover
  • Antwort auf #7 von Peer
  • ""Nein, gehört sie nicht.

    Nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich, gesellschaftlich, etc.""..

    Für ein Land dessen Außenhandel zu 80 % mit der EU, und darin wiederum zu 60 % mit der BRD abgewickelt wird, ist das eine sehr gewagte Aussage..

    Politisch gesehen ist es eine klare Frage..

    Gesellschaftlich gesehen mindestens eine ambivalente frage, denn die Gesellschaft der Türkei ist nicht "Erdogan und seine AKP"..
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#10 Paulus46Anonym
  • 19.11.2017, 23:51h
  • Unter Erdogan entfernt sich die türkei immer weiter in Bürger und Menschenrechten von der EU. Ganz langsam begreift das auch endlich einmal die EU Kommission und hat Teil der EU Beitrisshilfen gestrichen. In der Türkei kann man derzeit froh sein, daß noch keine Strafbarkeitsbestimmung gegen homosexuelle Handlungen bestehen, wie dies in den arabischen Nachbarländern der Fall ist, wie Kuwait, Syrien, Katar, Oman und Saudi-Arabien.
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