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Interview

"Wir leben völlig normal"

Max ist 21 Jahre alt, studiert in Jena Pharmazie und hat sich vor mehr als einem Jahr als HIV-positiv geoutet. Im Interview zeigt der junge Schwule auf, wie ein selbstbewusster Umgang mit HIV funktionieren kann.


Der 21-jährige Student Max erzählt von seinem Leben mit HIV. Das Interview wurde für die Kampagne "Ich weiß, was ich tu" der Deutschen Aids-Hilfe geführt. (Bild: privat)

Wie offen lebst du in der schwulen Szene mit HIV?

Ziemlich offen. Das hier ist nicht das erste Interview, das ich darüber gebe und die allermeisten Menschen in meinem direkten Umfeld wissen Bescheid. Wenn Datingportale die Möglichkeit anbieten, den HIV-Status anzugeben, dann mache ich das auch. Oder ich spreche es an, wenn es nötig wird. Aber, es ist auch nicht das Erste, was ich Menschen über mich erzähle. Obwohl es inzwischen schon merkwürdig ist, wenn es Leute nicht wissen.

Was meinst du damit?

Ein offener Umgang damit, dass ich positiv bin, macht Sachen, Gespräche und den generellen Umgang mit Anderen einfach unkomplizierter. Die Hürde ist weg, alle wissen Bescheid und damit ist es auch gut. Wenn dann einer dazu kommt, der es nicht weiß, entsteht oft Erklärungsbedarf. Das verkompliziert dann die Situation wieder und das Thema rückt in den Vordergrund. Und das löst dann Unbehagen aus, was eigentlich gar nicht notwendig ist.

Ist es dir leichtgefallen, dich auch öffentlich zu outen?

Mein öffentliches Outing kam so zustande: Ich habe einen Bericht auf einer Website über diese Kampagne "Testhelden" gelesen, der mich beeindruckt hat. Daraufhin hab ich den Autor kontaktiert, um ihm das zu sagen. Der hat dann gemeint: "Könntest du dir vorstellen, selbst öffentlich über deine Infektion zu sprechen?" Und das konnte ich. Ich hatte gar nicht so viel Angst davor. Es gibt viel zu wenig Menschen, die das tun. Und deswegen wissen viele andere Menschen nicht, dass das Leben der meisten Positiven auch nicht großartig anders ist, als das von Negativen. Und ich bin immer noch froh, es getan zu haben. Wenn ich anderen so helfen kann, sich zu schützen, ist das doch super.

Wie reagieren andere Menschen darauf, wenn du ihnen sagst, dass du positiv bist?

Gerade heute, wo mein HIV-Status für mich selbst schon ganz normal geworden ist, bin ich immer wieder überrascht davon, wie viel Sorgen sich manche machen. Nicht davor, sich bei mir zu infizieren. Darüber wissen die Allermeisten ganz gut Bescheid. Aber viele denken immer noch, ich würde jetzt ja wohl irgendwann krank werden und dann viel zu früh sterben, oder sowas. Und denen dann klar zu machen, dass es mir echt gut geht und ich durch HIV eigentlich überhaupt nicht beeinträchtigt bin, ist nicht immer einfach. Das nervt ab und zu dann doch. Beim Dating im Internet kommt die Sache auch irgendwann zur Sprache, und viele reagieren mit großer Selbstverständlichkeit. Aber einige auch nicht. Da muss ich dann erklären, dass Schutz durch Therapie funktioniert und ich nicht infektiös bin. Das macht die Sache dann aber schnell unsexy, leider.


"Der allgemeine Informationsstand zum Leben von HIV-Positiven ist nicht berauschend und da entstehen leicht Vorurteile und Gerüchte, die einem das Leben schwerer machen." (Bild: privat)

Kennst du andere junge Positive? Wie gehen die mit ihrer Infektion um?

Ich studiere in einer kleineren Stadt, die Szene hier ist nicht riesig. Nach meinem öffentlichen Outing haben sich einige Bekannte dann bei mir geoutet. Und was ich generell so mitbekomme, ist, dass es inzwischen einige junge Positive gibt, die ganz offen sind. Aber viele andere wollen nicht, dass das an die große Glocke gehängt wird und sprechen nur mit wenigen anderen Menschen darüber.

Woran liegt das deiner Meinung nach?

Naja, die haben Angst vor Stigmatisierung. Und die ist ja auch nicht ganz unberechtigt. Nach einem Outing wird man definitiv zum Gesprächsthema. Der allgemeine Informationsstand zum Leben von HIV-Positiven ist nicht berauschend und da entstehen leicht Vorurteile und Gerüchte, die einem das Leben schwerer machen. Viele haben auch Angst, sich ihre berufliche Zukunft zu verbauen, wenn bekannt wird, dass sie positiv sind. 

Und was können wir alle gemeinsam dagegen tun?

Gute Frage. Wenn Positive offen mit ihrer Infektion umgehen, haben Negative eine Chance, aus erster Hand zu erfahren, dass ein Leben mit HIV 2017 nicht mehr bedeutet, dass man krank ist. Wir leben völlig normal und es gibt keine sichtbaren Unterschiede zwischen Positiven und Negativen mehr. Und einige Negative könnten sich im Umgang mit Positiven mal entspannen. (lacht) Und sich besser informieren, damit Stigma vorgebeugt wird, bevor es passiert. 

Wie wirkt sich HIV heute auf dein Leben aus?

Ich nehme jeden Tag zwei Tabletten, das war's. Das ist inzwischen aber auch automatisiert, wie Zähneputzen, und nichts, worüber ich noch nachdenke. Abgesehen davon bin ich wahrscheinlich auch nicht anders als viele 21-Jährige schwule Jungs überall auf der Welt.

Info

Das Thema "Selbstverständlich positiv!?" steht im Dezember im Fokus der Öffentlichkeitsarbeit der Aids-Hilfe-Kampagnen "Ich weiß, was ich tu".


#1 BEARAnonym
  • 23.11.2017, 10:28h
  • Solange man ständig betonen muss, dass etwas "völlig normal" sei, IST es nicht völlig normal.

    Ganz abgesehen davon, halte ich das Ziel, in jeder Hinsicht als "völlig normal" angesehen zu werden, absolut nicht für erstrebenswert. Jeder Mensch hat seine Besonderheiten, und das ist auch gut so.

    Das Ziel echter Emanzipation ist erst erreicht, wenn wir ohne Angst VERSCHIEDEN sein können und uns nicht biegen und krümmen oder erklären müssen, um als "völlig normal" durchzugehen.
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#2 headinthecloudsAnonym
  • 23.11.2017, 10:42h
  • Hm. Ich finde HIV wird da doch sehr verharmlosend dargestellt. Ja Infizierrte sind ganz normal, ja man hat damit fast diesselbe Lebenserwartung.
    Trotzdem ist es eine Krankheit die untherapiert zum Tode führt und nie mehr weggeht.
    Es ist nicht so, dass es keine grosse Sache ist wie es hier dargestellt wird. Ja da nehm ich mal zwei Tabletten hab ich halt HIV oder was.
    Ängste vor HIV abbauen - ja. Verharmlosen wie hier - bitte nicht
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#3 johannbAnonym
  • 23.11.2017, 10:49h
  • Also völlig normal leben mit HIV?

    Der Artikel verkennt, dass das Leben mit HIV keineswegs ein normales Leben ist.
    Die Meinung des Interviewten ist einseitig, meiner Meinung nach Überheblich und beschönigend.

    Nun, er lebt in Deutschland, schön für Ihn.
    In anderen, weniger reichen Ländern mit schlechterer Krankenversorgung lebt es sich katastrophal mit HIV.
    Aber bei HIV von einen normalem Leben zu sprechen ist für mich sehr befremdlich und auch überheblich.
    HIV ist und bleibt eine Krankheit mit tödichem Ausgang.
    Lediglich unser Krankensystem macht ein "über"leben möglich.

    In anderen Ländern, mit den einzelnen Tendenzen wie z.B. Amerika aber auch schon in Nachbarländern wie Polen, Tschechien schaut es anders aus.

    Dort können sich manche mit HIV diese zwei Tabletten schier nicht leisten.
    Die Schicksale von jedem Menschen in Afrika oder Südamerika mit HIV werden mit diesem Artikel in den Schlamm getreten.
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#4 RobinAnonym
  • 23.11.2017, 11:24h
  • Es sollten noch viel mehr HIV-Positive so offen damit umgehen, damit die Stigmatisierung von HIV-Positiven endlich ein Ende hat.

    Letztlich ist es eine Krankheit. Zwar eine schwerwiegende Krankheit, die immer noch nicht heilbar ist und deren Therapie lästig ist und mit Nebenwirkungen verbunden ist, aber es ist kein Fluch oder sowas, sondern eine Krankheit.
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#5 AuchsoAnonym
  • 23.11.2017, 11:50h
  • Antwort auf #3 von johannb
  • Dieser Artikel befasst sich mit der Situation in Deutschland! Anderswo ist es ohne Zweifel anders.

    HIV ist eine Infektion, keine Krankheit, jedoch von den Kassen als solche eingestuft. Es ist die Veranlagung an Krankheiten zu sterben.

    Das Leben mit HIV ist i.A. weniger belastet als mit Diabetes, wobei man x-mal am Tag kontrollieren und spritzen muss und seinen Lebensstil darauf einstellen muss. Bei HIV reicht eine Tablette am Abend - meist ohne Nebenwirkungen - und nicht mehr so überkritisch pünktlich wie früher.
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#6 AuchsoAnonym
  • 23.11.2017, 11:55h
  • Antwort auf #3 von johannb
  • "Dort können sich manche mit HIV diese zwei Tabletten schier nicht leisten.
    Die Schicksale von jedem Menschen in Afrika oder Südamerika mit HIV werden mit diesem Artikel in den Schlamm getreten."

    Ja, aber das ist ein politisches Problem. Einige der Betroffenen Länder bieten die Medizin nicht zu zu 1/10 Preis an, sie übernehmen sogar auch dort die Kosten.

    Von diesen armen Ländern bieten einige sogar inzwischen PrEP kostenfrei für ihre Bürger an.
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#7 niccinicciAnonym
  • 23.11.2017, 12:08h
  • besonders berlin zeigt, das heute ein leben mit hiv ohne probleme im alltag und ohne nebenwirkungen der medis ganz entspannt möglich ist. zum glück und alles andere ist panikmache. man sieht ja auch z.bsp. auf den blauen seiten, das es zur absoluten normalität gehört.
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#8 Vater
  • 23.11.2017, 12:13h
  • Wenn es keine Unterschiede zum Leben eines HIV-Negativen gäbe, könnte man als Positiver ja auch einfach in irgendein beliebiges Land auf der Erde auswandern.
    Tatsächlich ist man aber auf die Medikamente und unsere Krankenversicherung angewiesen.
    Was wäre, wenn innerhalb der nächsten 30 oder 40 Jahre unser Sozialstaates zusammenbricht - oder wenn es Krieg gäbe.
    Dann könnte man ganz schnell unter der Erde landen.
    Wer sagt überhaupt, dass Leber und Nieren 30, 40 oder 50 Jahre mitmachen und nicht unter der Last der Medikamente einbrechen?

    Überall rennen Leute rum, die sämtliche Gefahren total runterspielen. Bareback hier, Bareback da.
    Plötzlich laufen überall Syphilis und Hepatitis-Fälle rum.

    Sehr dumm, wenn man mit einer der Hepatitis zerstörten Leber rumrennt und deshalb keine HIV-Medis mehr verträgt.

    Es gibt noch tausend andere Szenarien, die ich jetzt nicht heraufbeschwören will.

    Es ist wunderbar, dass die Medizivilrechtliche heute so weit ist und ein lebenswertes und langes Leben bieten kann.
    Von 'garantieren' kann aber keine Rede sein.

    Von dieser neuen Sorglosigkeit halte ich tatsächlich weniger als gar nichts.

    Ich könnte spekulieren, wie der junge Mann überhaupt an das Virus kam.

    Ich weiß, dass solche Herangehensweisen unbeliebt sind.

    Ich gehe aber davon aus, dass diese Infektion sehr leicht vermeidbar gewesen wäre.

    Möglicherweise war es genau diese Sorglosigkeit, die schlussendlich zu einem leichtfertigen Umgang mit dem Risiko führte.

    Ein vernünftiger Umgang sieht imho etwas anders aus.

    Ich schätze die Offenheit mit dem Serostatus, halte das übrige Verhalten jedoch für eine sträflichE Verharmlosung einer immer noch potentiell tödlichen Erkrankung.
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#9 Stuttgarter36Anonym
  • 23.11.2017, 12:27h
  • Ich bin immer wieder erschüttert wie man sich heutzutage mit 21 Jahren noch mit HIV anstecken kann! Ich dachte unsere Jugend ist so aufgeklärt?
    Keiner komme mir bitte mit der Story vom geplatzen Condom usw...
    Im übrigen ist selbst eine HIV Infektion mit Pillen kein Zuckerschlecken!
    Viele HIV Personen die ich kennen leiden unter Depressionen,Ängsten und Nebenwirkungen von Tabletten,auch wenn Diese weniger und besser geworden sind!
    Bitte die Krankheit nicht verharmlosen,auch wenn die Pharmaindustrie das gerne möchte!
    Schliesslich verdienen sie sich eine goldene Nase!
    Eine Monatspackung Therapie kostet im Schnitt immer noch 1200 Euro!
    Safer Sex ist daher immer noch angesagt solange diese Krankheit nicht heilbar ist!
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#10 AuchsoAnonym
  • 23.11.2017, 12:31h
  • Antwort auf #8 von Vater
  • "Ich könnte spekulieren, wie der junge Mann überhaupt an das Virus kam.

    Ich weiß, dass solche Herangehensweisen unbeliebt sind.

    Ich gehe aber davon aus, dass diese Infektion sehr leicht vermeidbar gewesen wäre.

    Möglicherweise war es genau diese Sorglosigkeit, die schlussendlich zu einem leichtfertigen Umgang mit dem Risiko führte.

    Ein vernünftiger Umgang sieht imho etwas anders aus. "

    OK, machen wir ne Schuldzuweisung. Bluttransfusion, Unfall, geplatzer Pariser? Pariser schützen nur zu 95%. 5% Risiko bleiben. Aber: ändert das was? Shit happens.
    Die anderen Versuche Angst zu schüren treffen auf Diabetes und andere Krankheiten auch zu. So What?
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