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Umfrage-Ergebnisse

Sachsen: Homophobie nimmt zu

Im Freistaat sind Vorurteile gegen Minderheiten weit verbreitet. Im Vergleich zum Vorjahr haben zwar Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus leicht abgenommen, der Homo-Hass erlebt dagegen ein Aufschwung.


Teilnehmer der rechtsradikalen Pegida-Demonstration in Dresden (Bild: Kalispera Dell / wikipedia)

Im Freistaat Sachsen ist Homophobie laut dem jährlich erstellten "Sachsen-Monitor" angestiegen: 36 Prozent der Bevölkerung stimmten demnach der Aussage "Eine sexuelle Beziehung zwischen Personen des selben Geschlechts ist unnatürlich" zu. Das sind vier Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Für die Umfrage wurden im Sommer im Auftrag der Staatsregierung 1.006 repräsentativ ausgewählte Erwachsene vom Meinungsforschungsinstitut dimap befragt.

Der Beirat zum "Sachsen-Monitor" erklärte in einer Stellungnahme, dass homophobe Aussagen im Freistaat "signifikant angestiegen" seien (PDF). Bei der Vorstellung der Ergebnisse machte dimap-Meinungsforscher Reinhard Schlinkert insbesondere die Debatte um die Ehe für alle für die steigende Homophobie verantwortlich.

Im Umgang mit Homosexualität gibt es große Unterschiede je nach Bildungsgrad, Alter und Geschlecht der Befragten. So halten 45 Prozent der Personen mit maximal Hauptschulabschluss Homo-Paare für unnatürlich; bei Hochschulabsolventen sind es "nur" 26 Prozent. In der Gruppe der 18- bis 29-jährigen hegt jeder Sechste homophobe Einstellungen, in der Gruppe der über 70-Jährigen dagegen jeder Zweite. Des weiteren ist Homo-Hass ein eher männliches Problem: Für 42 Prozent der sächsischen Männer sind gleichgeschlechtliche Paare "unnatürlich", aber lediglich für 32 Prozent der Frauen.

Sachsen haben auch Vorurteile gegen Ausländer und Arbeitslose

Im Bereich der "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit", also des Hasses gegen "Personen aufgrund ihrer gewählten oder zugewiesenen Gruppenzugehörigkeit", gibt es gegen einige Gruppen noch größere Vorbehalte als gegen Homosexuelle: So erklärten 56 Prozent der Sachsen, dass Deutschland wegen Ausländern "überfremdet" sei – obgleich der Ausländeranteil in Sachsen mit drei Prozent verschwindend gering ist. Auch gegen Langzeitarbeitslose, Sinti und Roma sowie Muslime hegt ein großer Teil der Bevölkerung Vorurteile. Allerdings haben diese Zahlen im Vergleich zum Vorjahr im Gegensatz zur Homophobie leicht abgenommen.

Die weiteren Ergebnisse des "Sachsen-Monitor" zeigen, dass die Menschen im Land eigentlich mit ihrer persönlichen Situation zufrieden sind, sich aber benachteiligt fühlten. So erklärte fast die Hälfte, man fühle sich als "Bürger zweiter Klasse".

Sachsen sorgte vor allem bei der Bundestagswahl für Schlagzeilen, als die AfD mit Parolen gegen Minderheiten 27 Prozent der Zweitstimmen erobern konnte und damit stärkste Partei wurde. Allerdings zeigen auch Umfragen aus anderen Bundesländern, dass Homophobie weit verbreitet ist: So unterstützte fast die Hälfte der Befragten im vor einem Monat veröffentlichten "Thüringen-Monitor" die These, dass Homosexuelle damit aufhören sollten, "so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen" (PDF). (dk)



#1 Martin EdenAnonym
  • 29.11.2017, 12:55h
  • Mein Man ist auch aus Sachsen, aus Hohenstein-Ernstthal, und ist in verschiedenen sächsichen Lokalen Koch gewesen. Laut seiner Aussage war Homosexualität weder tabu noch ein Auslöser für mobbing. Die Wahl der Sexualpartner sei in der Gastronomie ziemlich leicht gefallen. Gut, er ist jetzt 20 Jahre im Westen (und seit letztem Jahr mir mir verheiratet) und es mag sich vor Ort viel geändert haben. Ich jedenfalls war im Westen (in einer Großstadt!) ständiger Homophobie ausgesetzt, denn bei mir merkte man es anscheinend sofort. Wie es sich jetzt in Sachsen verhält, kann ich nicht beurteilen, ebensowenig mein Mann, der über ein Jahrzehnt nicht mehr da war. Der Text des Artikels klingt schlimm und furchterregend. Offenbar ist Sachsen der Pfuhl für Homophobie schlechthin. Das deckt sich auch mit den Ergebnissen rechtsradikaler Parteien und Umfragen und den im Artikel erwähnten Auswüchsen in Thüringen. Diese Menschen sind offenbar so verblendet, dass man sie auf die sanfte Art nicht umstimmen könnte. Deshalb: Jedwede Art von Homophobie unter Berufung auf das Antidiskriminierungsgesetz anzeigen.
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#2 FloraAnonym
  • 29.11.2017, 13:36h
  • Antwort auf #1 von Martin Eden
  • ...Und dann? Natürlich ist dieser Schritt gegeben und setzt Zeichen. Es wird aber kein/e Personalchef, Vorgesetzter oder Schulleiterin dir ins Gesicht sagen, daß du den Job aufgrund deiner pluralen Identitäten nicht bekommst. Gerade im Grundschulbereich macht man das über Noten, zum Beispiel im Referendariat oder versteckt sich hinter der Gesamtelternkonferenz, weil Mann und Frau auf pädophile Anzeichen lauern. Es tut mir leid, heißt es in dem Fall, leider haben sich die Gedamtelternvertreter für jemand anderen entschieden. Da nützt auch eine Promotion nichts.
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#3 myysteryAnonym
  • 29.11.2017, 13:46h
  • 36% sind ein völlig inakzeptabel hoher Wert. Darüber kann auch die Landespolitik in Sachsen nicht einfach hinwegsehen.
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#4 Gerlinde24Profil
#5 FinnAnonym
  • 29.11.2017, 17:34h
  • Umso wichtiger, dass endlich weitere, längst überfällige Maßnahmen ergriffen werden...

    Z.B.:

    - Aufnahme der Merkmale "geschlechtliche Identität" und "sexuelle Orientierung" in Art. 3 GG

    - Reform des AGG

    - Reform des Transsexuellengesetzes

    - Korrektur der Diskriminierung von Lesben im Abstammungsrecht

    - Verbot von sog. "Konversionstherapien"

    - nationaler Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie

    - mehr Bildung und Aufklärung an Schulen

    - etc. etc. etc.

    Man sieht immer wieder, dass solche Maßnahmen durchaus auch direkten Einfluss auf die Gesellschaft haben. Wenn man sie nicht verzögert, bis es zu spät ist...
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#6 Tommy0607Profil
  • 29.11.2017, 17:36hEtzbach
  • Einige Menschen in den neuen Bundesländern müssen noch eigenes über der Menschlichkeit lernen : Und weniger Vorurteile haben aufgrund von Herkunft , Religion oder Sexualität . Wäre besser für ein gemeinsames Denken in ganz Deutschland . So klappt es auch mit den Nachbarn!
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#7 hugo1970Profil
  • 29.11.2017, 19:26hPyrbaum
  • Tja, heute sind die unsere Feinde, morgen sind es die anderen.
    Die Sachsen brauchen halt mehr Feindfiguren als andere!!!
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#8 hugo1970Profil
  • 29.11.2017, 19:28hPyrbaum
  • ".............. und Arbeitslose"

    Dabei vergessen die Sachsen gerne, das auch Sie mal in die Scheiße treten könnten!!!
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#9 hugo1970Profil
  • 29.11.2017, 19:31hPyrbaum
  • "......benachteiligt fühlten. "

    Tja, das ist der wahrhaftige sächsische Egoismus!!!
    Es geht mir gut, aber ich fühle mich benachteiligt, tja, wenn mann Angst hat, das der Nachbar mehr hat als ich.
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#10 hugo1970Profil