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  • 27. Juni 2005, noch kein Kommentar

Die Kerle sind lecker, die Sonne heiß. Andalusien ist der Geheimtipp für alle, die nicht immer nach "Malle" wollen.

Von Jan Gebauer

Der Homo-Urlaub in Spanien ist ungefähr so originell wie die Tatsache, dass man unbedingt "Y Viva España" singen muss, wenn man den Boden von Ibiza, Gran Canaria oder Los Homopolis Sitges betritt. Wenn ich den Finger auf der Landkarte rotieren lasse, komme ich im Süden Spaniens auf Andalusien und die Costa del Luz. Die Gegend ist zwar ebenfalls touristisch sehr erschlossen, wurde aber bisher als Schwulenparadies sträflich vernachlässigt. Also packe ich meinen Koffer - mit Kastagneten, Torero-Hut und Nestcafé für den Notfall – und stürze mich mit dem günstigen Angebot von SpanAir in das Abenteuer im staubigen Süden Spaniens. Ich verabschiede mich dabei nur allzu gerne vom regnerischen Schmuddelwetter in Frankfurt. Auffallend beim Flug – mit kurzem Stop-over in Madrid – die Stewardessen der Airline tragen adrette Lederhandschuhe! Nach der Landung muss ich aber feststellen: Jerez de la Frontera – kein "viva la Sonne", sondern windiges Einerlei.

Mit dem Mietbüschen wird unsere Journalisten-Reisegruppe direkt nach Caños de Meca transportiert. Ein kleines Örtchen, das für die nächsten drei Tage unser Zuhause sein soll. Die Bungalowanlage Pura Vida ist ein schwules Domizil, das von drei attraktiven Jungs – zwei Franzosen und ein Katalane – betrieben wird. Nicht minder bemerkenswert ist ihr Haustier, ein riesiger Straßenköter, der mich an Salvador Dalis Kurzfilm "Der andalusische Hund" von 1928 denken lässt. Um den Swimmingpool mit Palmen, Bananenstauden und Bambus gruppieren sich die Bungalows und Appartements. Die strahlend weißen Bungalows sind praktisch eingerichtet und haben eine Hängematte neben dem Eingang. Zum recht leeren, dafür schönen Strand sind es ungefähr 15 Minuten Fußmarsch, der von weiteren laut bellenden Hunden begleitet wird, da scheinbar jeder Spanier unbedingt einen im Hof haben muss. Mittlerweile ist es Abend – Zeit fürs Essen. Tapas, Fisch und Paella muss man allerdings auswärts einnehmen. Die Zeiten der günstigen Lokalitäten sind in Spanien allerdings schon lange vorbei. In manchen Restaurants muss man tiefer in die Tasche greifen und aufpassen, dass man überhaupt satt wird. Dennoch gibt es immer noch genügend adequate und vor allen Dingen leckere Lokalitäten, die einen Besuch lohnen (z. B. das exzellente Nanaranja in Sevilla).

Der Morgen beginnt mit einem spanisch-spartanischen Frühstück, dass die Gastgeber ausnahmsweise für uns zubereiten (die Anlage ist ansonsten nur für Selbstversorger). Landestypischer luftgetrockneter Schinken und viel Café con Leche später, brechen wir auf. Nach Verzögerungen, da einige Journalisten Haupt und Haar nicht in den Griff bekommen, geht es nach Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens. Leider ziehen ungewöhnlich für die Jahreszeit, dunkle Regenwolken am Himmel auf, die sich aber im Laufe des Tages schnell verziehen. Das kann den Genuss von Sevilla auch nicht trüben: Nicht nur durch die Expo 1992 macht die Stadt einen sehr gepflegten und schönen Eindruck. Die Altstadt wird von einem Labyrinth enger Gassen dominiert. Die palastartigen Häuser gefallen mir besonders, da sie meist im altrömischen Stil erbaut und mit schönen marmorgetäfelten Höfen versehen wurden. Sevilla hat zahlreiche schöne Plätze mit Brunnen und anliegenden Restaurants. Dort treffen sich die Spanier, halten ihre Schwätzchen und mümmeln die landestypischen Tapas, die in Sevilla ihren Ursprung fanden. An Sehenswürdigkeiten sind die Kathedrale Maria de la Sede, eine der größten und schönsten gotischen Kirchen der Welt, und der fantastische Alcázar – ein maurischer Palast mit prächtigen Sälen und Hallen – zu nennen. Abends verschlägt es uns natürlich in die vitale schwule Szene der Stadt, die modernen internationalen Flair versprüht. Schade, dass sich die meisten Schwulen in der Gegend übermäßig aufbrezeln und mindestens eine dickbusige Freundin im Arm haben. Gar nicht so einfach unter diesen Voraussetzungen einen der leckeren Typen kennen zu lernen.

Der nächste richtig sonnige Tag beginnt mit einem Ausflug in das hübsche Städtchen Vejer de la Frontera, das sich ebenfalls durch seine romantischen Gassen und Bauwerke auszeichnet. Der nahgelegende sehr schöne Strand von La Brea verschlägt uns immerhin für einen Nachmittag ans Meer. Hier kann man noch schwimmen, ohne sich einen fiesen Ausschlag zu holen oder plärrenden Rotzgören zu begegnen. Schwule haben sich hier ein festes Revier "erkämpft", und wenn die Herren der Schöpfung kletternd über die Felsen ziehen, weiß ich schnell, dass die Cruising-Saison eröffnet wurde. Autsch – vor der Sonne sollte man sich immer gut schützen, denn Abends bemerke ich an meinen Beinen eine fette Verbrennung. Mit Bepanthol verarztet freue ich mich auf den nächsten Tag, denn während unserer Fahrt zum Rückflug-Airport in Malaga machen wir noch kleine Abstecher in die Gegend um Gibraltar. Die teils felsigen, teils äußerst grünen Hänge bieten großartige Möglichkeiten, die Weite des Meeres zu erspähen. Für Gibraltar reichen wenige Stunden, man sollte aber unbedingt an seinen Ausweise denken, da die britische Kronkolonie nicht dem Schengener Abkommen unterliegt. Unter Zeitdruck vergnügen wir uns nach stundenlanger Busfahrt bald schon wieder auf dem Heimflug nach Frankfurt. Auch die Handschuh-tragenden Stewardessen schwirren wieder um mich herum, zwinkern mir zu und versprühen spanischen Charme. Bei der Landung im verregneten Frankfurt habe ich das gute Gefühl, doch mal eine andere Ecke Spaniens gesehen zu haben, als immer nur die gleichen Dünen der Kanaren oder Balearen.

27. Juni 2005