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1. Dezember 2017

30. Welt-Aids-Tag: Der Kampf gegen Diskriminierung geht weiter

Unwissenheit, Abwertung und Schuldzuweisungen machen das Leben HIV-Positiver schwer: Am Welt-Aids-Tag wird daran erinnert, dass das Thema HIV nicht nur Positive angeht.


Die Rote Schleife ist seit Jahrzehnten das Symbol der Solidarität mit HIV-Positiven

Am 1. Dezember wird bereits zum 30. Mal der "World Aids Day" begangen. Anders als beim ersten von UNAIDS ausgerufenen Gedenktag im Jahr 1988 ist HIV mit therapeutischen Möglichkeiten inzwischen derart gut behandelbar, dass die Viruslast bei vielen HIV-Patienten unter die Nachweisgrenze gedrückt werden kann. Das weltweite Motto in diesem Jahr lautetet "My Health, My Right" (Meine Gesundheit, mein Recht).

In Deutschland setzen sich Aids-Organisationen gegenwärtig insbesondere dafür ein, dass HIV-Positive in der Gesellschaft integriert sind: "Ängste und veraltete Vorstellungen vom Leben mit HIV möchten wir durch realistische Bilder ersetzen", erklärte Winfried Holz, der im Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe sitzt. "Solidarisch mit positiven Menschen zu sein bedeutet heute vor allem, Selbstverständlichkeit im täglichen Umgang miteinander zu fördern."

Denn obwohl HIV-Positive bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung eine fast normale Lebenserwartung haben und leben können wie alle anderen Menschen auch, gibt es nach wie vor große Vorbehalte. So veröffentlichte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erst am Mittwoch eine repräsentative Umfrage, wonach viele Deutsche den intimen Umgang mit HIV-Positiven scheuen. Mehr als jeder Vierte möchte etwa nicht die selbe Toilette wie ein HIV-Positiver benutzen, jeder Zweite möchte keinen Positiven küssen, drei von vier lehnen es ab, selbst mit Kondom mit Menschen mit HIV Sex zu haben (queer.de berichtete). Die Deutsche Aids-Hilfe sieht diese Vorbehalte als "irrationale Ängste und moralische Urteile" an.

Twitter

"Am Ziel sind wir erst, wenn die Mitteilung, dass jemand HIV-positiv ist, keine Ängste, keine Sonderbehandlung, keine Mitleidsbekundungen und keine Schuldzuweisungen mehr nach sich zieht", so Winfried Holz. "Es wird uns nicht gelingen, Ablehnung zu verhindern, so lange Menschen Sexualität und Lebensstil anderer beurteilen und glauben, Verhalten sei komplett über den Verstand steuerbar. HIV-positive Menschen haben keinen Grund sich zu schämen, sondern dürfen sich selbstbewusst zeigen!"

Forderung nach bessere Sexualaufklärung an Schulen

Auch der Lesben- und Schwulenverband fordert ein Ende der Tabuisierung und eine zielgruppengerechte Aufklärung. Noch sind rund zwei Drittel der Neuinfektionen in Deutschland auf Sex zwischen Männern zurückzuführen – und hier könne man etwa mit einer "altersgerechten Sexulaufklärung an Schulen" die Infektionsraten senken, so LSVD-Vorstandsmitglied Axel Hochrein. "Ziel der Sexualaufklärung sollte die positive Einstellung zur eigenen Körperlichkeit und Sexualität sowie die Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein für sich und andere sein."

Ein großes Thema in der Prävention ist in diesem Jahr die sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP), also eine Pille für Negative, die das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, praktisch auf null senkt. LGBTI- und Aids-Aktivisten sind davon überzeugt, dass diese Methode in Kombination mit der Prävention durch Kondomnutzung die Neuinfektionen senken kann. Auch wenn PrEP bislang noch nicht von den Krankenkassen übernommen wird, sorgen sinkende Kosten dafür, dass die Pille erschwinglich wird: Zuletzt senkte etwa Ratiopharm seine Preise um 87 Prozent – auf rund 70 Euro pro Monat (queer.de berichtete). Das Land Berlin hat zudem angekündigt, im kommenden in einem Modellversuch für PrEP aus Landesmitteln zu bezahlen.

Twitter / Europarl_DE

Der Kampf gegen HIV und Aids ist auch ein finanzielles Thema: Die durch HIV-Erkrankungen verursachten Krankheitskosten beliefen sich in Deutschland im Jahr 2015 auf 278 Millionen Euro, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Jede verhinderte Infektion spart damit Kosten.

Prävention scheitert in vielen Ländern an Homophobie

International gibt es freilich noch ganz andere Probleme: In Afrika, wo nach wie vor zwei Drittel aller HIV-Infektionen gemeldet werden, wird der Zugang zu Aids-Medikamenten zwar besser, liegt aber noch weit hinter dem Level von westlichen Ländern zurück. Problematisch ist auch die Situation der Prävention: Da viele Länder Schwule verfolgen lassen, wird diese Gruppe von den Präventionsbotschaften kaum erreicht – und HIV breitet sich wegen dieser Unwissenheit immer noch rasant aus. In Russland, das einen Großteil der europäischen Infektionen aufweist, gibt es u.a. wegen des Gesetzes gegen Homo-"Propaganda" dieses Problem (queer.de berichtete).

Auch in den USA, wo seit dem HIV-Ausbruch bereits rund 700.000 Menschen an Aids gestorben sind, ist die HIV-Prävention wegen homophober Tendenzen in der Regierung gefährdet: So erwähnte Präsident Donald Trump in seiner Botschaft zum Welt-Aids-Tag schwule Männer als Risikogruppe mit keiner Silbe – ganz anders als sein Vorgänger. LGBTI-Aktivisten befürchten, dass die Regierung die Präventionsmaßnahmen schleifen lässt und damit die Neuinfektionszahlen wieder in die Höhe schießen könnten. Zudem will Trumps Regierung die staatliche Finanzierung von internationalen HIV-Programmen um 800 Millionen Dollar kürzen.

Twitter / HRC | Die größte LGBTI-Organisation der USA kritisiert Donald Trump scharf für sein Desinteresse am Kampf gegen HIV

Wöchentliche Umfrage

» Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Welche Bedeutung hat der Tag für dich?
    Ergebnis der Umfrage vom 27.11.2017 bis 04.12.2017


#1 BEARAnonym
  • 01.12.2017, 13:11h
  • ...und in der aktuellen wöchentlichen Queer.de-Umfrage sagen derzeit 51% der Teilnehmer

    "der Welt-Aids-Tag betrifft/interessiert mich nicht."

    Eine feine Community haben wir da.
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#2 ThorinAnonym
  • 01.12.2017, 13:23h
  • Antwort auf #1 von BEAR
  • Was daran liegt, dass die meisten Schwulen kein Aids/Hiv haben oder kennen, der es hat. Es ist ja auch keine reine Schwulenkrankheit mehr. Umfragen zu Krebs, ALS, Ebola etc. würden ähnlich ausfallen.
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#3 Rosa SoliAnonym
  • 01.12.2017, 13:28h
  • Antwort auf #1 von BEAR
  • Ich würde das nicht moralisch bewerten wollen. Es kann auch mit Angst und Verdrängung zu tun haben.

    Mein erster Gedanke war: "Hoffentlich vertun sich die 51 Prozent da mal nicht."
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#4 Neue FragenAnonym
  • 01.12.2017, 13:48h
  • Wenn ein evtl. Sexpartner, den du zum ersten Mal triffst, von dir fordert keinen Safer Sex zu machen, mit der Begründung , er sei zwar positiv , ich bräuchte mir aber keine Sorgen machen er wäre unter der Nachweisgrenze und nimmt regelmässig seine Medikamente. Was macht ihr dann?.. wie gesagt ein Mann den man zum ersten Mal trifft.

    Ich sagte jedesmal , dass ich in diesem Fall Safer Sex mache. "Unsafe" nur praktiziere in einer vertrauten Beziehung und nicht schon beim ersten Mal.( Bzw. den Hi-Status vorher abklären lassen. )
    Ich erntete oft Ablehnung, Verachtung und bisweilen Beleidigungen (und zwar von intelligenten und engagierten Männern) ... mit der Begründung ich würde ihn diskriminieren..
    Wie gesagt: ich wollte eigentlich mit ihm Sex haben, dann aber nur safe.

    Wer hat hier eigentlich wen diskriminiert?

    ...und geht Diskriminierung immer nur in eine Richtung?
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#5 NaivchenAnonym
#6 leERtASte_
  • 01.12.2017, 16:06h
  • Antwort auf #1 von BEAR
  • Die Umfrage ist nicht ganz geglückt. Ich habe keine verstorbenen Freunde, nehme an keiner WAT-Aktion teil und bin negativ.

    Trotzdem finde ich den WAT sehr wichtig! So eine Option bei der Umfrage hätte wohl einige Stimmen bekommen.
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#7 seb1983
  • 01.12.2017, 19:11h
  • Antwort auf #1 von BEAR
  • Community....
    Das Problem ist dass es da wenig verbindendes gibt sondern einen nur die Ausgrenzung verbindet und gemeinsame Feinde alla Kirche, Staat und HIV was zu einer Art Burgfrieden geführt hat.
    Wenn ich nur Szene und Leute wie hier im Forum hätte... na gute Nacht.

    Und der Welt Aids Tag, ja ich bin schwul, mich persönlich betrifft Aids trotzdem genau so viel oder wenig wie jeden anderen in Deutschland.
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#8 niccinicciAnonym
  • 01.12.2017, 20:23h
  • umgekehrt, in berlin in der schwulen szene gehören viele dazu, haben aber keine probleme mit der 1 pille täglich. ist also doch gutes zeichen, das es meine positiven freunde null interessiert. die meisten wissen gar nicht, das heute gedenktag ist. und an verstorbene freunde denkt man immer wieder das ganze jahr über mal.
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#9 hugo1970Profil
  • 01.12.2017, 21:52hPyrbaum
  • "HIV-positive Menschen haben keinen Grund sich zu schämen, sondern dürfen sich selbstbewusst zeigen!"

    So is es!!!!!
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#10 hugo1970Profil
  • 01.12.2017, 21:57hPyrbaum
  • "In Russland, das einen Großteil der europäischen Infektionen aufweist, gibt es u.a. wegen des Gesetzes gegen Homo-"Propaganda" dieses Problem"

    Das sollte doch jedem Menschen zum Denken geben!!! Was eigentlich richtig und falsch ist!!!!
    Warum sind die Zahlen denn so hoch in Russland?, weil die Gesellschaft die Bisexuellen und Schwulen so liebt?
    Jede Gesellschaft, die Queers diskriminiert ist eine MÖRDERIN!!!!
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