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  • 27. Juni 2005, noch kein Kommentar

Palm Springs ist Amerikas Schwulen-Paradies. Dort macht auch Barbra Streisand Urlaub. Der Zauber alter Hollywood-Zeiten weht durch die Stadt.

Von Jan Gebauer

Alleine der Flug nach Los Angeles ist eine große Strapaze, die viele Reisewillige nicht gerne auf sich nehmen. Nach 13 Stunden Flug drehen Raucher langsam durch, während Bewegungsfanatiker bereits seit geraumer Zeit durch den Flieger joggen und dabei andere vom Schlafen abhalten. Manche dröhnen sich auch mit Schlafmitteln zu, die sich aber spätestens nach der Landung rächen, weil man die Müdigkeit nicht mehr los bekommt. Beim ewig langen Landeanflug auf L. A. eröffnet sich mir ein Meer aus Millionen von Lichtern, die sofort die Tortur des vergangenen Trips vergessen lassen. Aber wenn man vom Touristenbüro Palm Springs eingeladen wurde, ist man ja ohnehin nicht kleinlich, schließlich will ich überprüfen, ob die Gegend tatsächlich so homophil ist, wie man immer sagt. Die Größe der Stadt lässt bereits erahnen, was die Metropole alles zu bieten hat. Es glitzert und funkelt, als wenn sie damit schon Hollywood anpreisen möchte. Diesem prächtigen Anblick kann sich niemand im Flugzeug entziehen. Dementsprechend drücken sich auch alle die Nase an den kleinen Fenstern platt.

Alles ist "huge" in Amerika. Das beliebteste Wort der Amerikaner neben "fuck" und "awesome" scheint sich aber schon auf der Fahrt nach Palm Springs zu bewahrheiten, denn der Weg zieht und zieht sich. Die kleine Stadt in der Wüste hat den Charme vergangener Zeiten und zählt zu den absoluten "gay cities" der USA. Das milde Klima und die relaxte, fast schon verschlafene Atmosphäre des Städtchens lädt förmlich zum Ausruhen ein. Heuzutage chillen hier unter anderem Schwulen-Ikonen wie Barbra Streisand oder Nancy Sinatra. Einst reisten hier Frank Sinatra, Dean Martin oder Clark Gable an, deren Stil und Klasse immer noch zu spüren ist. Im Morgenmantel werden die wohl kaum neben den zehntausenden Rentern aufgefallen sein, die hier ebenfalls ihren Lebensabend verbringen. Zahlreiche Spas (spezielle Wellness- und Massage-Einrichtungen), Sportanlagen, Goldplätze und unzählige Geschäfte – entweder alte Menschen oder Schwule tummeln sich hier. Dieser Gegensatz ist ebenso verblüffend wie witzig.

Die kleinen charmanten Hotels in Palm Springs sind zahlreich und wurden oftmals mit viel Sinn für Details restauriert. Die beiden größten Geheimtipps sind leicht zu finden: Das Triangle Inn wird von einem schwulen Pärchen namens Stephen und Michael geführt und wirkt schon beim Eintreten geradezu familiär. Der mit vielen Pflanzen überwucherte Bungalo-Komplex hat Oasen-Flair. Das Del Marcos Hotel ist ein historisches Domizil (alles was älter als 50 Jahre ist, gilt für die schnelllebigen Amerikaner als historisch), das besonders wegen seines Design bemerkenswert ist: Art-Deco, 60s-Chic, Dean Martin und Frank Sinatra – das hat Stil und einen gewissen Kultfaktor. Von dort ist es auch nicht weit zu Sublime auf dem North Palm Canyon Drive, ein kleiner von schwuler Hand geführter Shop mit allerlei verrückten Zeugs. Ob witzige, quietschbunte Accessoires wie Deko für das Eigenheim, Bücher über legendäre Schwule in Hollywood, CDs von Streisand, Garland und Co. sowie Schreibwaren im Design von "Frühstück bei Tiffany's" - auch hier leben die 50er und 60er Jahre wieder auf. Ebenso wenig sollte man sich das Hotel Viceroy mit seiner edlen Speisekarte entgehen lassen. Das Spektakuläre an diesem Laden ist aber ein obskures Pärchen in den 50ern, das von Tisch zu Tisch zieht, um dort ihre Gaderobe vorzustellen. Erst nach drei Besuchen der immer noch rüstigen Herrschaften merke ich, dass es sich hierbei um Modelle handelt, die hochwertige Stoffe vorführen. Auch eine Methode: Kalbsfilet mit Designer-Fetzen á la George Hamilton – und ebenso Sonnenbank-gebräunt.

Aber auch landschaftlich hat Palm Springs und die Umgebung ihre Reize: Der Ausflug zum Joshua-Tree-Nationalpark ist Pflicht, denn nur dort gibt es die stacheligen Joshua-Trees zu sehen, die schon die Rock-Gruppe U2 mit einem Album-Titel verewigten. Der Kontrast von Wüste, Oase und Bergregion mit Schnee fällt hier extrem auf. Ich wollte aber mehr Berge, Schnee und die dazugehörigen Klimawechsel erleben, darum fuhr ich mich mit der längsten Seilbahn (3900 Meter) der Welt auf den Mount San Jacinto. Die Bergstation befindet sich auf 2600 Metern Höhe. Dort kann man im Schnee spazieren gehen, Essen oder auch nur die Geschäfte plündern. Ich erspähe dabei knackige Wildhüter wie man sie auch aus diversen Falcon-Produktionen kennt. Außerdem lache ich mit meiner Reisegruppe ein ums andere Mal über typisch amerikanische Frauen, die mit "really big hair" und großem Vorbau emsig durch die Shops schieben. Diese scharfen Ladys gibt es auch wieder auf dem Rückflug von L. A. nach Deutschland, denn auch die Stewardessen scheinen diesem Look verfallen zu sein. Durch verspätete Flüge, Stop-Over in Denver und Chicago komme ich automatisch wieder in die typisch amerikanische Hektik. Besonders das Rennen zum Anschlussflug durch die mit Neonröhren verziehrten Gate-Tunnel lässt jegliche Palm-Springs-Erholung schwinden. Im letztendlichen Flug nach Deutschland spüre ich noch lange das Adrenalin der enorm aufregenden Zeit in Amerika in mir.



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