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Landessynode in Speyer

Trauung für alle in der Pfalz

Bei Gottesdiensten für homo- und heterosexuelle Paare soll künftig auch im Namen kein Unterschied mehr gemacht werden, beschloss die Evangelische Kirche der Pfalz. Der "Gewissensvorbehalt" wird überprüft.


Trauung eines schwulen Paares während des Evangelischen Kirchentags in Berlin (Bild: EKBO)

Lesbische und schwule Paare, die seit 1. Oktober geheiratet haben, haben in der Evangelischen Kirche der Pfalz einen Anspruch, gottesdienstlich begleitet zu werden. Dies hat die in Speyer tagende Landessynode am Samstag beschlossen. Damit aktualisiere man die seit November 2002 geltende Regelung zur gottesdienstlichen Begleitung für gleichgeschlechtliche Paare, die in einer eingetragenen Partnerschaft lebten, erklärte Oberkirchenrat Dieter Lutz.

Zunächst bleibt es aber noch bei einem sprachlichen Unterschied. So werden die Gottesdienste bei heterosexuellen Paaren "Trauungen" genannnt, während bei Hochzeiten von Lesben und Schwulen von "Trauhandlungen" die Rede ist. Trauung und Trauhandlung werden, wie von der Landessynode bereits auf ihrer Tagung im Mai 2017 beschlossen, in die Kirchenbücher eingetragen (queer.de berichtete).

Einzelne Pfarrer und Gemeinden können sich noch weigern


Oberkirchenrat Dieter Lutz (Bild: Evangelische Kirche der Pfalz)

Wesentlicher Bestandteil der jetzigen Neuregelung sei der "Erhalt des Prinzips der Freiwilligkeit" für Pfarrer sowie Presbyterien in der Frage, ob eine gottesdienstliche Begleitung von lesbischen und schwulen Paaren ermöglicht werde, erklärte Oberkirchenrat Lutz. Dieser "Gewissensvorbehalt" bleibe der Unterschied zu Amtshandlungen im Sinne der Kirchenverfassung, also heterosexuelle Trauungen, Taufen, Konfirmandenunterricht mit Konfirmation und Beerdigungen, die verpflichtende Amtshandlungen seien.

Die Landessynode forderte den Landeskirchenrat allerdings auf, noch in dieser Legislaturperiode einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die rechtlichen Voraussetzungen für eine vollständige Gleichstellung in der gottesdienstlichen Begleitung von Eheleuten gleichen oder verschiedenen Geschlechts schafft – und damit die Unterscheidung zwischen Trauung und Trauhandlung beendet. Dabei soll auch geprüft werden, ob der "Gewissensvorbehalt" bestehen bleibt. Die Legislaturperiode der 12. Landessynode endet im November 2020.

Bislang sind öffentliche Trauungen in vier der 20 evangelischen Landeskirchen möglich – in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Baden, im Rheinland sowie in der Evangelisch-reformierten Kirche. In 15 Landeskirchen können sich homosexuelle Paare zumindest segnen lassen, wobei etwa in der Nordkirche sowie in Hessen-Nassau die Segnung als Amtshandlung der Trauung gleichgestellt ist.

Als einzige Landeskirche verweigert Württemberg lesbischen und schwulen Hochzeitspaaren eine Zeremonie. Bei der Herbstsynode Anfang der Woche in Stuttgart fanden entsprechende Anträge keine erforderliche Mehrheit (queer.de berichtete). (cw)

Wöchentliche Umfrage

» Würdest du dich kirchlich trauen lassen?
    Ergebnis der Umfrage vom 04.12.2017 bis 11.12.2017


#1 goddamn liberalAnonym
  • 03.12.2017, 06:47h
  • Eine positive Entwicklung.

    Weil Kirchenpolitik in Deutschland immer auch Politik für Kirchenferne ist, auch ein gutes Zeichen an die Homophoben am rechten Rand, der leider immer breiter wird.
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#2 schwulenaktivist
#3 KetzerAnonym
  • 03.12.2017, 10:25h
  • Ich übersetze mal:
    "Wir ermöglichen jetzt, dass man euch ein klein bisschen weniger diskriminiert und finden uns selbst deshalb total toll. Wer euch aber weiter ganz traditionell diskriminieren will, dem können wir das selbstverständlich nicht verwehren. Ob wir euch irgendwann mal vielleicht doch gar nicht mehr diskriminieren wollen, darüber müssen wir jetzt noch weitere zwei Jahre nachdenken. Aber dass wir das überhaupt tun, finden wir ja schon sowas von progressiv."
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#4 hugo1970Profil
  • 03.12.2017, 10:41hPyrbaum
  • Antwort auf #3 von Ketzer
  • Besser und zielgerichteter kann man es nicht ausdrücken!!!
    Den Text müßten sich alle ewiggestrigen übers Bett hängen, das Sie sich bewusst sind, das nicht alle Schafe schlafen!!!
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#5 wiking77
  • 03.12.2017, 13:30h
  • meine Güte, wie sehr noch so viele Menschen den Segen eines Popen benötigen um miteinander partnerschaftlich zu sein.
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#6 BarahirAnonym
  • 03.12.2017, 13:41h
  • Antwort auf #3 von Ketzer
  • Hallo! Es klingt vielleicht ein bisschen seltsam, aber die evangelische Kirche der Pfalz hat schon sehr früh sehr viel getan, um Diskriminierung zu beseitigen. Es klingt vielleicht wie Hohn, aber die Frage nach dem Gewissensvorbehalt ist gerade deshalb so wichtig, weil man versucht, alle mitzunehmen. Ich selbst habe mich über den sprachlichen Unterschied auch geärgert/gewundert und viele andere auch, aber im Prinzip ist das nur eine Frage der Agenden und auch der basisdemokratischen Struktur der Landeskirche. Ein Beispiel zu den Agenden: ein Mann möchte wahrscheinlich nur bedingt als Braut bezeichnet werden, und das steht in den Formularen für die Trauung halt noch drin.
    Wichtiger ist, dass die übergroße Mehrheit der Gemeinden und Pfarrer/innen keinen Unterschied macht und alle Paare mit einer Segenshandlung begleitet (in der Kirche wohlgemerkt). Alles andere ist eine Sprachfrage und für mich in diesem Fall nachgeordnet, weil die Rechte dieselben sind. Ich selber heirate im nächsten Jahr kirchlich und Standesamtlich und freue mich über diese Entwicklung.
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#7 PhilosophAnonym
#8 Ralph
  • 03.12.2017, 15:56h
  • Es ändert sich nichts in der Pfalz. Wie bisher darf die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare nicht Trauung heißen, und wie bisher liegt es in der doppelten Willkür einerseits des Pfarrers/der Pfarrerin, andererseits des Presbyteriums, ob sie überhaupt stattfinden darf. Ein Gewissen darf der evangelische Christ immer dann haben, wenn es sich gegen Schwule und Lesben richtet. Gegen die achte kirchliche Hochzeit eines Mannes, der sieben Scheidungen hinter sich hat, gegen die Scheintaufe eines Moslems, der damit bei abgelehntem Asylantrag die Abschiebung zurück nach Afghanistan verhindern will, gegen die kirchliche Bestattung einer Verstorbenen auf Wunsch ihrer Kinder, obwohl sie sich eine solche Zeremonie wegen ihrer atheistischen Weltanschauung verbeten hatte, usw. usf. gibt es in der Kirche kein Gewissen - auch nicht dagegen, von den ausgegrenzten gleichgeschlechtlichenn Paaren Kirchensteuer zu kassieren. 2002 hatte die damalige Pfarrerin der hiesigen Gemeinde eine kirchliche Zeremonie nach unserer Verpartnerung als "Zirkus" abgelehnt. Das war dann einer von vielen Gründen, auszutreten. Einer der anderen war, dass ihr Vorgänger suspendiert worden war, weil er Geld der Kirchengemeinde unterschlagen hatte. (Das sag ich nur zur Illustrierung dessen, was ein Pfarrersgewissen offenkundig so alles aushält, wenn es nicht gerade um Schwule geht.) Noch ein Grund war, dass der damalige Sozialdezernent der Landeskirche (der heutige Kirchenpräsiden) eine Lügenkampagne gegen Sozialämter vom Zaun gebrochen hatte, die nach geltendem Gesetz kein Geld mehr an Asylbewerber zahlten, sondern Gutscheine ausgaben. Das machte auch ich an meiner Arbeitsstelle. meine Einladung an ihn, persönlich in unser Amt zu kommen, auch die Asylbewerber zu besuchen, ihre Unterkünfte zu begutachten und sie selbst zu den Gutscheinen zu begfragen, nahm er nicht an. Die Wahrheit interessierte ihn nicht. Die Asylbewerber interessierten ihn nicht. Ihm ging es nur um die öffentliche Verleumdung der betroffenen Ämter und ihrer Bediensteten. Was ein Gewissen ist, davon haben solche Leute doch gar keine Vorstellung.
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#9 Vater
  • 03.12.2017, 15:59h
  • So ärgerlich jede weitere Ungleichbehandlung auch ist UND so unwichtig mir als Atheisten eine Trauung ist, so ist doch jeder Schritt Richtung Gleichstellung ein Schritt in die richtige Richtung.
    Ein ewiges Rumnögeln am halbleeren Glas halte ich für kontraproduktiv. Das bedeutet keinesfalls, dass ich meine, man müsste sich darauf ausruhen oder sich verfrüht zufrieden geben.
    Ohne Kritik und oftmals auch Druck von unserer Seite geht es ja leider nicht weiter.

    Aber auch die halbgare Lösung der eingetragenen Lebenspartnerschaft hatte ihre Berechtigung, weil dadurch eben auch ganz allmählich ein gesellschaftlicher Wandel eintreten konnte. Die Menschen gewöhnen sich an einen Schritt und stellen dabei eben auch fest, dass dadurch die Welt nicht untergeht.
    Dadurch ist die große Mehrheit in der Lage den nächsten Schritt zu machen.

    Ohne die Lebenspartnerschaft hätten wir heute keine Eheöffnung.

    So lief es immer wieder: bei Frauenrechten, Abschaffung von Rassentrennung etc.

    Ob es blöd ist, dass es nicht schneller geht? Dass die Diskriminierer immer noch was zu melden haben? - Na sicher!

    Bin ich glücklich mit dem Tempo? Nicht wirklich!

    Und dennoch ist es heute besser als gestern und wird morgen besser sein als heute.

    Alle Menschen, die angesichts solcher Meldungen nichts als Verachtung in ihre Worte legen sollten sich das einmal bewusst machen.

    Dinge brauchen eben Zeit, weil das Leben weder ein Pobyhof, noch ein Wunschkonzert ist.

    Das ist nicht immer optimal, aber es ist eben so, wie es ist.
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#10 RobinAnonym
  • 03.12.2017, 16:35h
  • "Zunächst bleibt es aber noch bei einem sprachlichen Unterschied."

    Und solange es diesen Unterschied noch gibt, bleibt es diskriminierend.

    Und jeder Mensch mit Selbstachtung lässt sich nicht freiwillig diskriminieren, nur damit Religioten sich als ach so "barmherzig" hinstellen können.

    Wir sind nicht deren Marketing-Masse...
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