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Richterschelte in Österreich

Katholische Kirche erzürnt über Ehe-Öffnung

Verärgert hat der Chef der katholischen Bischofskonferenz auf das Ende des Ehe-Verbots für Schwule und Lesben reagiert. Auch die zukünftige Regierungspartei FPÖ ist verschnupft.


Kardinal Schönborn warnt vor düsteren Konsequenzen, wenn auch Homosexuelle einen Eheschein erhalten können

Die am Dienstagvormittag vom Verfassungsgerichtshof verkündete Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben stößt bei Gegnern der Gleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare auf erheblichen Widerstand. Der langjährige Chef der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn aus Wien, erklärte in einer ersten Reaktion gegenüber Kathpress: "Es ist beunruhigend, dass sogar die Verfassungsrichter den Blick verloren haben für die besondere Natur der Ehe als Verbindung von Mann und Frau."

Wenn die Richter "die Einzigartigkeit und damit die juristische Sonderstellung der Ehe" verneinten, verneinten sie auch "die Wirklichkeit". Der 72-Jährige erklärte weiter, dass Höchtgericht tue "der Gesellschaft keinen Dienst und schadet letzten Endes allen – auch denen, die er schützen möchte und die es auch zu schützen gilt."

Weiter verkündete der oberste Katholik der Alpenrepublik, er hoffe weiterhin, dass das Ehe-Verbot für Schwule und Lesben wieder etabliert werden könne, da es ansonsten Konsequenzen gebe: "Ich bin zuversichtlich, dass sich langfristig die Einsicht in die Schöpfungsordnung wieder durchsetzen wird, die der Mensch nicht missachten kann, ohne Schaden zu nehmen." Welchen "Schaden" Homosexuelle mit gleichen Ehe-Rechten konkret anrichten würden, sagte er aber nicht.

Zudem verbreitete Schönborn die Legende aus rechten Kreisen, dass der Europäische Menschengerichtshof entschieden habe, dass die Ehe eine exklusive Verbindung von Mann und Frau sei. Er bezieht sich damit offenbar auf ein Urteil aus dem Jahr 2016, in dem die Richter entschieden, dass es keinen Anspruch auf eine gleichgeschlechtliche Eheschließung gebe (queer.de berichtete).

Bereits im Vorfeld der Ehe-Öffnung hatte die Bischofskonferenz in einer Erklärung davor gewarnt, dass die Gleichbehandlung von Homosexuellen im Ehe-Recht gegen das Naturrecht und die Schöpfungsordnung verstoße (queer.de berichtete).

FPÖ zickt künftigen Koalitionspartner an

Auch die rechtspopulistische FPÖ reagierte sauer auf die Gleichstellung: "Ungleiches wird gleichbehandelt", empörte sich Generalsekretär Herbert Kickl in einer Pressemitteilung. Die politische Verantwortung liege bei der Regierung der Großen Koalition, die 2009 die eingetragene Partnerschaft beschlossen hatte (queer.de berichtete). Auch den zukünftigen Koalitionspartner ÖVP, mit der die FPÖ kurz vor einer Regierungsvereinbarung steht, griff Krickl an: Die ÖVP habe sich zwar als "Verteidiger der Ehe zwischen Mann und Frau" ausgegeben, in Wahrheit hätte die Partei aber ein "doppeltes Spiel gespielt".

Die ÖVP erklärte am Nachmittag in einer Stellungnahme, man wolle der Ehe-Öffnung keine Steine in den Weg legen: "Höchstgerichtliche Urteile sind stets zu akzeptieren und nehmen wir zur Kenntnis", so ein Parteisprecher.

Teils überschwänglich begrüßt wurde die Entscheidung dagegen von SPÖ, der liberalen Partei NEOS, der linken "Liste Pilz" und den Grünen. Gleichzeitig übten Politiker dieser vier Parteien Kritik an ÖVP und FPÖ, weil sie eine politische Entscheidung zum Thema verhindert hätten. (dk)



#1 MarcAnonym
#2 Ralph
  • 05.12.2017, 17:32h
  • Wieder einmal agitiert die kath. Kirche ganz offen und unverschämt gegen Menschenwürde und Grundrechte. Es ist gut, dass ihre Ideologie vom Verfassungsgerichtshof deutlich als Menschenrechtsverstoß verurteilt wurde. Niemand kann jetzt noch behaupten, diese Kirche stehe auf dem Boden der österreichischen Verfassung. Es ist überfällig, gegen ihre Führer endlich mit den Mitteln des Strafrechts vorzugehen und die Organisation selbst als verfassungsfeindlich einzustufen sowie ihr staatliche Unterstützung, insbesondere finanzielle, zu entziehen. Das wird sich leider in einem Land, in dem es nur noch drei rechte Parteien (SPÖ, ÖVP und FPÖ) sowie zwei unbedeutende Splittergruppen im Parlament gibt, zwar kaum machen lassen, aber die Forderung zu erheben, bietet ihr Verhalten (versuchte Einflussnahme auf das Gericht vor dessen Urteilsfindung; Beschimpfung der Richter und Richterinnen danach, eindeutige Distanzierung von der verfassungsmäßigen Ordnung) gute Argumente.
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#3 Tommy0607Profil
  • 05.12.2017, 18:02hEtzbach
  • Irgendwie versteht diese Kirche nichts von Gleichberechtigung von Menschen :
    DIE können nur gegen Minderheiten hetzen .
    Dabei hat doch auch diese Kirche genügend Schuld auf sich geladen.
    Was hat einmal ein Prophet vor 2000 Jahren gesagt :
    "Wer ohne Schuld ist wirft den ersten Stein".
    Sollte sich mal diese Kirche hinter den "Ohren " schreiben !
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#4 LollipopAnonym
  • 05.12.2017, 18:05h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Hätte ich nicht besser Formulieren können.

    Ein solches Verhalten zeigt eindeutig, dass die kath. Kirche die Verfassung und somit die Souveränität des österreichischen Staats nicht anerkennt und als Organisation öffentlich dagegen kämpft. Einer solchen Organisation sollten nicht nur die staatlichen Mittel gestrichen werden, sie sollte auch vom Verfassungsschutz beobachtet werden.
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#5 QueerblickAnonym
  • 05.12.2017, 18:12h
  • Beim Aidsgottesdienst im Stehphansdom sprach Kardinal Schönborn von Brücken bauen. Die Antwort des Kardinals auf die Eheöffnung für gleichgeschlechtlich Liebende hindern den Brückenbau. Seine Aussagen sind verletzend im Namen der Kirche und eine " Watschn" für alle schwul-lesbische Paare die den Weg in Treue, Verantwortung, Fürsorge gehen. Die Ehe für alle ist eine Be-reich-erung. Keine Heteroehe ist dadurch in Gefahr, sondern die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs wertet sie auf. Liebe ist Liebe, gleich-wert-ig. Gott geht den Weg mit Menschen die den Bund des Lebens eingehen.
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#6 Homonklin44Profil
  • 05.12.2017, 18:25hTauroa Point
  • ""Wenn die Richter "die Einzigartigkeit und damit die juristische Sonderstellung der Ehe" verneinten, verneinten sie auch "die Wirklichkeit". ""

    Na wer hier wohl eher die "Wirklichkeit" verneint, zeigt sich ja deutlich.
    Aber dafür kennt man die Vertreter des freiwillig ( oder gehirnmanipuliert) verkleinerten Horizonts, welche ihre gruppen- und merkmalsbezogene Menschenfeindlichkeit mit saurem Aufstoß in einen an ihnen vorbei schreitende Welt speien müssen, da sie sonst unzufrieden sind.

    In sich selbst anscheinend nicht in der Lage, ihre ach so beteuerte "Nächstenliebe" zu leben.
    Und ist nicht auch Österreich ein säkularer Staat?
    Also RKK-Obermufti, was mischst Du Dich da ein?

    Von den rechts orientierten Parteien braucht man nix Vernünftiges zu erwarten. "Ungleiches gleich" behandelt man schon lange, wenn man Menschen gleich behandelt. denn jeder mensch unterscheidet sich vom Nächsten, ist daher "ungleich" und doch in der Gemeinsamkeit seiner Menschlichkeit von Ebenwertigkeit. Können die das intellektuell überhaupt fassen, mit ihren kleinen Köpfen??

    Für Österreich kann man sich freuen
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#7 easykeyProfil
  • 05.12.2017, 18:28hLudwigsburg
  • Die Kirche an sich, egal welcher Coleur, hat sich in Entscheidungen eines Staates einfach nicht einzumischen......wann lernen diese großkotzigen, selbstgefälligen Armleuchter das endlich?!?
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#8 drauf gepfiffenAnonym
  • 05.12.2017, 18:33h
  • Antwort auf #5 von Queerblick
  • "Gott geht den Weg mit Menschen die den Bund des Lebens eingehen."

    Aber promiske Schwule findet er halt immer noch igittigitt, gell?
    Ich kann mich mit dieser Monogamieverherrlichung einfach nicht anfreunden.
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#9 TaldraelAnonym
  • 05.12.2017, 19:18h
  • Antwort auf #8 von drauf gepfiffen
  • Und ich kann mit stetig wechselnden Geschlechtspartnern nichts anfangen und halte überhaupt nichts von Polyamorie und Promiskuität! Macht mich das zum schlechteren Menschen? Macht mich das zu einem Heiligen? Nein wir haben halt unterschiedliche Ansichten. So what?
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#10 Roman BolligerAnonym
  • 05.12.2017, 19:40h
  • Herr Schönborn verweist auf "die besondere Natur" der ehelichen Verbindung von Mann und Frau.

    Herr Schönborn will hier eine Mogelpackung verkaufen: Religion ist ein kulturelles Phänomen, kein natürliches. Bei der Ehe verhält es sich ebenso.

    Es ist also falsch, von der "Natur" der Ehe zu sprechen. Wenn schon, ist der Begriff "Kultur der Ehe" angebracht.

    Aber eben: Das passt der Katholischen Kirche nicht ins Konzept, denn Kultur ist bekannterweise relativ und veränderlich. So gehörte vor 500 Jahren das Verbrennen von Unschuldigen auf dem Scheiterhaufen zur "Kultur" der Kirche. Oder wäre es zutreffender von der "mörderischen Natur" der katholischen Kirche zu sprechen?
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