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Mehrheit für Rückschritt

Bermuda: Unterhaus stimmt für Abschaffung der Ehe für alle

Das britische Überseegebiet im Atlantik will vom höchsten Gericht ermöglichte Ehen von homosexuellen Paaren künftig durch Lebenspartnerschaften ersetzen.


Plakate für und gegen die Ehe-Öffnung während eines entsprechenden Referendums im letzten Jahr

Eine Woche, die die Ehe-Öffnung in Österreich und Australien gebracht hat, endet mit einem Rückschritt: Das Unterhaus des britischen Überseegebiets Bermuda hat am Freitag mit 24 zu zehn Stimmen entschieden, eine gerichtliche Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare zurückzunehmen.

Der Domestic Partnership Act 2017, der noch durchs Oberhaus muss, würde stattdessen Eingetragene Lebenspartnerschaften für hetero- und homosexuelle Paare schaffen. Die regierende "fortschrittliche Arbeiterpartei" hatte das Ehe-Verbot für Homo-Paare vor der Wahl im Sommer angekündigt. Sie spricht von einem Kompromiss zwischen zwei Seiten im Parlament: Die einen wollten die Gleichstellung beibehalten, die anderen homosexuellen Paaren überhaupt keine rechtliche Anerkennung bieten.

Die Ehe-Öffnung auf der Inselgruppe im Atlantik war im Mai durch Gerichtsbeschluss in Kraft getreten; der Supreme Court sah das Eheverbot nach der Klage eines schwulen Paares als Verstoß gegen ein 1981 Gesetz zum Schutz der Menschenrechte an (queer.de berichtete).

Keine Ehe für alle auf Kreuzfahrten

Das erneute Ehe-Verbot würde auch für Schiffe unter der Flagge der Bermudas gelten. Mehrere britische Kreuzfahrtlinien, darunter P & O Cruises, Princess Cruises und Cunard Line hatten angekündigt, vom Kapitän geschlossene und von Bermuda registrierte Eheschließungen auf hoher See auch für gleichgeschlechtliche Paare aus aller Welt anzubieten, etwa auf den Luxusschiffen "Queen Mary 2", "Queen Elizabeth" und "Queen Victoria" (queer.de berichtete).

Das weitgehend autonome Überseegebiet, in dem gut die Hälfte der rund 65.000 Einwohner von ehemaligen afrikanischen Sklaven abstammt, hatte homosexuelle Handlungen erst 1994 legalisiert. Das Schutzalter liegt aber für Schwule mit 18 Jahren noch immer höher als für Heterosexuelle oder Lesben (16 Jahre); auch die Lebenspartnerschaft soll erst ab 18 Jahren möglich sein, während es bei der Ehe Ausnahmeregelungen gibt. Seit 2013 werden Schwule und Lesben in einem Antidiskriminierungsgesetz geschützt, seit 2015 haben Homo-Paare durch ein Urteil des Supreme Court ein gemeinsames Adoptionsrecht.


Winston Godwin (l.) und Greg DeRoche hatten vor dem Supreme Court die Ehe für alle eingeklagt

Im Juni 2016 hatte die Bevölkerung in einem Referendum die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare ebenso abgelehnt wie die Einführung von Lebenspartnerschaften. 69 Prozent der Wähler stimmten gegen die Gleichstellung. Da die Wahlbeteiligung unter 50 Prozent lag, war das Ergebnis des ersten Referendums seit 21 Jahren allerdings nicht bindend.

Ende 2015 hatte ein Referendum in Slowenien erstmals eine vom Parlament beschlossene, aber noch nicht umgesetzte Ehe-Öffnung für Homo-Paare wieder zurückgenommen (queer.de berichtete). (cw)



#1 johannbAnonym
  • 09.12.2017, 12:01h
  • Habe gerade meine Reise storniert. Bin mal gespannt, wie Cuncard reagiert!

    info(at)cunard.de
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#2 seb1983
#3 Ralph
  • 09.12.2017, 13:30h
  • Eine einfache Rechtsnorm (das Ehegesetz) steht über den Menschenrechten? Es wird sich zeigen, ob das dagegen hoffentlich erneut angerufene Oberste Gericht das mitmacht.

    Im Übrigen: Es ist beschämend für ein hauptsächlich von Sklaven abstammendes Volk, dass es einer bestimmten Gruppe die vollen Grundrechte verweigert. Diese Leute haben aus der eigenen leidvollen Geschichte nichts, aber auch gar nichts gelernt.
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#4 johannbAnonym
#5 Homonklin44Profil
  • 09.12.2017, 14:54hTauroa Point
  • Das ist sehr schade. Aber überall, wo die Engstirnigen und Religioten mit ihren zwanghaft begrenzten Erkenntnisrahmen so einen Einfluss haben, muss man froh darum sein, wenn nicht wieder alles rückgängig gemacht wird.

    Was die ehemaligen Sklaven angeht, da ist das gewissermaßen ein Verbleiben in der Sklaverei der Weltanschauungen. Sich vorschreiben zu lassen, was man gut finden soll, in Fleisch und Blut übergegangen. Hoffentlich befreien sich die Nachkommen selbst. Freiheit kann nicht missioniert werden, nur vorgeschlagen.
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#6 KopfschüttelAnonym
  • 09.12.2017, 16:58h
  • Genau, einfach alle positive Errungenschaften wieder rückgängig machen - ist es denen langweilig? (Sarkasmus)
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#7 Nimbus123Anonym
  • 09.12.2017, 18:24h
  • Wie hier in manchen Kommentaren unterschwellig Sklaverei mit dem Eheverbot für homosexuelle Paare verglichen wird..wenn das Parlament das Eheverbot wieder einführt, ist das zu kritisieren, aber entspricht doch zumindest dem Prinzip der Selbstbestimmung. Die hat's für Sklaven nicht wirklich gegeben, in diesem Sinn wurde wohl doch "aus der Sklaverei gelernt" (was immer das heißen soll). Eine Prise Perspektive bitte.
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#8 RobinAnonym
  • 09.12.2017, 19:07h
  • Dass das homophob, rückwärtsgewandt, menschenverachtend und faschistisch ist, brauche ich gar nicht nochmal zu erwähnen - das dürfte jedem intelligenten Menschen klar sein.

    Aber ist das überhaupt zulässig?

    Wenn der oberste Gerichtshof sagt, dass das Eheverbot sich nicht mit dem Human Rights Act vereinen lässt, kann die Politik doch nicht einfach sagen, dass das Eheverbot über dem Human Rights Act steht. Die könnten allenfalls den Human Rights Act abschaffen oder ändern. Aber alles andere ist doch eigentlich das genaue Gegenteil von Gewaltenteilung...

    In einem demokratischen Rechtsstaat herrscht Gewaltenteilung und darf sich auch eine Regierung nicht einfach so über Gerichtsurteile (noch dazu des Supreme Court) hinwegsetzen und einfach so behaupten, dass ihr Gesetz über dem Gerichtsurteil steht...
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#9 LinusAnonym
  • 09.12.2017, 20:23h
  • Ich hoffe, dass möglichst viele Touristen dieses Land und die unter dieser Flagge fahrenden Kreuzfahrtschiffe meiden, damit das in deren wichtigstem Wirtschaftssektor, dem Tourismus, deutliche Einbußen bringt.

    Dann kapieren die, dass diese Politik auch ihnen selbst wirtschaftlich schadet. Und dass damit auch alle Bürger darunter zu leiden haben - nicht nur LGBTI.
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#10 TheDadProfil