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Nach Missbrauchsvorwürfen

Homo-Hasser Roy Moore verliert überraschend Senatswahl

Donald Trumps Kandidat, der gerne Homosexualität verbieten möchte, verlor im erzkonservativen Alabama gegen einen linksliberalen Demokraten.


Am späten Abend verkündeten die großen Nachrichtensender den Sensationssieg von Doug Jones (Bild: Screenshot CNN)

Einer der homophobsten Politiker der USA hat einen eigentlich für die Republikaner sicheren Bundesstaat bei einer Nachwahl zum Senat verloren: Nach Auszählung aller Wahlbezirke schaffte es der republikanische Kandidat Roy Moore am Dienstagabend nur auf 48,4 Prozent der Stimmen. Sein demokratischer Kontrahent Doug Jones erreichte dagegen 49,9 Prozent.

Um gewählt zu werden, muss ein Kandidat in Alabama nur die relative Mehrheit der Stimmen erreichen. Insgesamt beträgt der Wählervorsprung von Jones über 20.000 Stimmen, er gilt damit als uneinholbar. Die Nachwahl war nötig geworden, weil Präsident Donald Trump den bisherigen Senator Jeff Sessions zum Justizminister gemacht hatte. Jones wird nun einer der zwei Vertreter vom Alabama im US-Senat sein und ist bis zum Ende der regulären Amtszeit von Sessions im Januar 2021 gewählt.

Der Wahlkampf war von Missbrauchsvorwürfen gegen Moore geprägt: Mehrere Frauen hatten Moore beschuldigt, sie im Teenager-Alter sexuell misshandelt zu haben – das jüngste Opfer soll 14 Jahre alt gewesen sein. Moore stritt alle Vorwürfe als "Lügen" ab und sah sich als Opfer von politischen Gegnern.

Direktlink | Der Moment, als der Nachrichtensender MSNBC den Sieg von Doug Jones ankündigt

Moore gesteht Niederlage nicht ein

Trotz der Niederlage weigert sich Moore bislang, das Wahlergebnis anzuerkennen. Am Abend erklärte Moore vor Anhängern, dass die Wahl sehr knapp sei. "Es ist noch nicht vorbei!", sagte der 70-Jährige. Man werde überlegen, eine Neuauszählung der Stimmen zu beantragen. Laut Gesetz ist eine derartige erneute Auszählung aber nur vorgesehen, wenn der Vorsprung eines Kandidaten weniger als einen halben Prozentpunkt beträgt.

Weiter erklärte Moore in seiner Rede, er vertraue auch noch einer anderen Institution: "Wir wissen auch, dass Gott immer in Kontrolle ist", so Moore. Präsident Donald Trump, der Moore in den letzten Tagen mit Tweets und Wahlkampfauftritten unterstützte, gestand dagegen auf Twitter die Niederlage ein und gratulierte Jones.


Roy Moore ist der große Verlierer der Senats-Nachwahl

Moore verlor die Wahl insbesondere, weil er in einigen Wählergruppen für Alabama-Verhältnisse katastrophal schlecht abschnitt: Bei den zahlreich bei der Wahl erschienenen Afro-Amerikanern verlor er mit sechs zu 93 Prozent, bei jüngeren Wählern unter 45 mit 36 zu 62 Prozent und bei Frauen mit 43 zu 55 Prozent. Am stärksten schnitt Moore dagegen bei weißen Männern (65 zu 33 Prozent) ab. Unter weißen Evangelikalen konnte Moore – trotz der Sex-Vorwürfe gegen ihn – sogar 77 Prozent der Stimmen erobern.

Doug Jones ist der erste Demokrat in 25 Jahren, der bei einer alabamaweiten Abstimmung den erzkonservativen Bundesstaat gewinnen konnte. Donald Trump gewann den Staat bei der Präsidentschaftswahl vor einem Jahr noch mit mehr als 62 Prozent der Stimmen.

Twitter / GDouglasJones | Doug Jones bedankt sich via Twitter bei den Wählern

Der 63-jährige Neu-Senator gilt als linksliberal – und wurde dafür auch von der republikanischen Parteiführung scharf attackiert. Er hat stets LGBTI-Rechte unterstützt. Außerdem machte sich der Jurist als Staatsanwalt einen Namen, weil er Ende der Neunzigerjahre gegen Terroristen des Ku-Klux-Klan vorging, die 30 Jahren zuvor einen Sprengstoffanschlag auf eine schwarze Kirche verübten, in dem vier junge Mädchen starben.

Moore hält Kindesmissbrauch für weniger schlimm als Homosexualität

Roy Moore sorgte dagegen in den letzten Jahrzehnten für Kontroversen, die außerhalb Alabamas oft nur schwer zu verstehen sind: So sorgte der Anwalt nach seiner Wahl zum Chef-Richter Alabamas im Jahr 2002 für Schlagzeilen, als er bei einem Sorgerechtsstreit einem Vater Recht gab, obwohl dieser die Kinder missbraucht hatte. Der Grund: Die Mutter war eine Lesbe, die wegen ihres "homosexuellen Verhaltens" nicht in die Nähe von Kindern gelassen werden solle. Das Skandal-Urteil wurde später von einem Berufungsgericht wieder aufgehoben.

Moore wurde während seiner Karriere zwei Mal aus dem Alabama Supreme Court, dem höchsten Gericht des Bundesstaates, ausgeschlossen, weil er seine Macht missbraucht hatte. Die erste Suspendierung erfolgte 2003, als er sich weigerte, eine Anordnung eines Bundesgerichts umzusetzen und die biblischen zehn Gebote vom Justizgebäude in der Hauptstadt Montgomery zu entfernen.

2012 wurde Moore erneut in das Amt gewählt; seine zweite Suspendierung erhielt er vier Jahre später, weil er sich unter Berufung auf seinen christlichen Glauben geweigert hatte, gleichgeschlechtliche Eheschließungen in Alabama zu erlauben (queer.de berichtete). Damit widersetzte er sich der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA aus dem Juni 2015, die Ehe für Schwule und Lesben zu öffnen (queer.de berichtete). Moore beschuldigte vor seiner zweiten Absetzung "Atheisten, Homosexuelle und Transgenderpersonen", eine Kampagne gegen ihn zu führen.

Wiederholt sorgte Moore mit LGBTI-feindlichen Aussagen für Wirbel. So bezeichnete er Transpersonen generell als "geisteskrank". Außerdem behauptete er, die angebliche Verfolgung von Gegnern der Ehe-Öffnung in den USA sei vergleichbar mit der Verfolgung von Juden in Nazi-Deutschland.

Der Sieg von Jones hat auch praktische Auswirkungen auf Washington: Im Senat schrumpft die republikanische Mehrheit auf 51 zu 49 Stimmen. Die Demokraten hoffen, bei den regulären Wahlen im November 2018 den Kongress zurückerobern zu können und damit eine Blockademehrheit gegen Projekte von Präsident Trump zu erhalten.

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#1 SehrGutAnonym
#2 goddamn liberalAnonym
  • 13.12.2017, 09:58h
  • Wir sprechen über Alabama, einen ehem. Sklavenhalterstaat.

    Das ist so, als würde ein SPD-Mann in Ostsachsen gewinnen, wenn nicht sensationeller.

    Es ist ein großer Erfolg gegen die Versuche, eine Zivilisation von Innen heraus auszuhebeln.

    Aber nur ein erster Schritt.
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#3 SehrGutAnonym
#4 OrthogonalfrontAnonym
  • 13.12.2017, 11:38h
  • Wow, das ist phänomenal! Ein großartiges Zeichen und gut für den Staat Alabama.
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#5 RobinAnonym
  • 13.12.2017, 12:05h
  • Sehr gut!

    Es kann und darf nicht sein, dass Fanatiker, die gegen unschuldige Menschen hetzen und die selbst genug Dreck am Stecken haben, in politischer Verantwortung sind.
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#6 Homonklin44Profil
  • 13.12.2017, 12:41hTauroa Point
  • Oho, der heutige Queer-News-Tag beginnt mit so einer erfreulichen Nachricht! Und das in Alabama, noteworthy -wise.

    Na dass Moore da mit seinem Kreuzugskompass hadert, ist ja klar. Wenn so Knilche erst mal starrsinnig genug geworden sind, glauben sie, die Welt wird sich ganz nach ihrem Sinn richten. Zuviel Selbstsicherheit ist dann die Bananenschale, auf der man ausrutscht.

    ""Moore hält Kindesmissbrauch für weniger schlimm als Homosexualität""

    O ja, damit ist er dem Top Honcho der Christen ja sehr verbunden, von Papst Franziskus sind ähnliche Ansichten bekannt geworden. Kein Wunder, mit dem Pädothema haben die Knilche gern internalisierte Verquickungen.

    Sehr interessant, wie bei der Wahl das Hautfarbenverhältnis ausfiel, wirklich bezeichnend. Die Afro-Amerikaner beweisen gutes Gespür, und wenn sich einer schon gegen diese unsäglich hirnlose KKK-Kacke einsetzt, hat er den dicken Stein im Brett sicher.
    Hoffen wir, dass sich der Neue auch in Sachen GLBTIQ* sensibel einsetzen mag.
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#7 stromboliProfil
  • 13.12.2017, 12:54hberlin
  • Antwort auf #5 von Robin
  • gut gebrüllt löwe..
    so gesehen müssten wahrscheinlich die hälfte aller parlamentarier hier wie dort in vorgezogene rente gehen.

    Denn dreck am stecken haben dank lobbyismus und sozialer ignoranz eine ganze reihe, und die hetzenden sind auch nicht wenige.
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#8 TimonAnonym
  • 13.12.2017, 16:53h
  • "Moore hält Kindesmissbrauch für weniger schlimm als Homosexualität"

    Gut, dass so jemand keine Wahl mehr gewinnt...
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#9 hugo1970Ehemaliges Profil
  • 13.12.2017, 18:25h
  • "Wir wissen auch, dass Gott immer in Kontrolle ist",

    Ja, ein besseren Beweis gibt es gar nicht, der zeigt, das die Verbrecher daran gar nicht glauben, was sie die ganze Zeit religiös schwadronieren. Denn wenn es Gott gäbe, würden sie am meisten leiden nach dem Tod, den größere christliche Verbrecher als die evangelikalen gibt es nicht!!!!!!!!!!!!!
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#10 hugo1970Ehemaliges Profil