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Blick hinter die Kulissen

Cis-Mann, Trans-Mann, Kind

Jasper Nicolaisens Roman "Ein schönes Kleid" aus dem Querverlag erzählt die Abenteuer einer queeren Familie – absolut lesenswert!


Ausschnitt aus dem Cover: "Ein schönes Kleid" ist der überfällige Roman für alle Pflegeeltern – und die, die es werden wollen (Bild: Querverlag)
  • Von Frank Hebenstreit
    28. Dezember 2017, 06:12h, 2 Kommentare

Wenn ein Mann und eine Frau Kinder kriegen… Nein, wenn ein Mann mit einer Frau zusammenkommt, die dann als Mann lebt, er mit ihm zusammenbleibt und so aus einer hetero- eine homosexuelle Beziehung wird, dann kriegen die keine Kinder… Falsch.

Noch einmal: Wenn ein Mann mit einer Frau zusammenkommt, die dann als Mann lebt, und der andere Mann bleibt mit ihm zusammen, und sie bekommen ein Kind… Nein, sie nehmen ein Pflegekind auf, so war das! Und was dabei so alles passieren kann, das bietet Stoff für einige Geschichten. Und davon gibt es in Jasper Nicolaisens Roman "Ein schönes Kleid" aus dem Querverlag so einige zu lesen.

Ein Hund oder ein Kind?

Jannis und Levi kennen sich seit Jahren und sind als Mann und Frau zusammen gekommen. Jannis bezeichnet sich selbst als nerdigen Spätzünder. Und eigentlich hat er die Beziehung seiner damals besten Freundin Anthea zu verdanken, die ihm "die" Levi als jungenhaftes Mädchen schmackhaft gemacht hat, "stehst du doch drauf". Und so nahm nach einem "Na?" alles seinen Gang. Sie kamen zusammen – und blieben es auch, als sich Levi die Transition begann. Als Hund komplettiert Sojus die Familie, und sie lebten glücklich und in Frieden… Moment, hier ist es ja noch nicht zu Ende, hier fängt die Geschichte gerade erst an.

Sojus hat schon so seine Besonderheiten, aber sie wollen auch ein Kind in Pflege nehmen. Dafür müssen sie einen Fragebogen des Jugendamts ausfüllen. Und natürlich wollen solche Anforderungen wie "Beschreiben Sie Ihre Beziehung" offen und ehrlich beantwortet werden, aber schreibt man da wirklich alles rein?

Das neugierige Jugendamt

Neben ihrem Freundeskreis müssen Levi und Jannis auch noch das Jugendamt überzeugen, dass sie geeignet sind, ein Kind zu betreuen und zu erziehen. Wobei das sicherlich recht einfach wäre, wenn nicht gerade alle diese Fragen immer wieder auch Zweifel am eigenen Standpunkt aufkommen lassen würden. Natürlich nehmen sie sich vor, auf der Behörde ganz natürlich zu sein – und natürlich geht das voll in die Hose, zumindest meint Levi das, Jannis hat mal gar nichts mitbekommen.

Und doch ist ihnen das Glück hold: Kaum ist der gute Rat einer Freundin "Vögelt bloß noch so viel, wie ihr könnt!" verhallt, da nimmt der kleine Valentin als Pflegekind das Leben des Paares in Beschlag.

Eine ganz besondere Familie?


Jasper Nicolaisens Roman ist im Berliner Querverlag erschienen

Daran, dass das Kind nicht okay sein könnte, daran hat keiner gedacht. Valentin ist nicht so ein fröhliches, auf jeden Fremden ganz unbefangen zulaufendes Kind. Und doch haben Jannis und Valentin vom ersten Treffen an einen Draht zueinander. Nach dem Umzug in einer größere Wohnung erkundet Valentin seine neue Familie und bleibt schließlich.

So nimmt nun der Alltag der queeren Familie seinen Lauf. Aber neben Zähneputzen und Früh-ins-Bett-Gehen, Kinderfrühstück und Spielplatz gibt es vieles, was in dieser Familie ganz anders läuft. Vater und Sohn ist an sich schon was Besonderes, zwei Väter und ein Sohn erst recht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Suche nach einer Kita zu einem ganz besonderen Kapitel im Leben dieser jungen Familie wird. Als Jannis aber dann auch noch seiner "inneren Frau" nachgehen soll, bekommt der Buchtitel einen ganz besonderen Klang.

Amüsant bis hanebüchen

Was man Jasper Nicolaisen, der selbst in einer Regenbogenfamilie lebt, auf jeden Fall bescheinigen muss, ist die Liebe zu den kleinen Dingen. Detailverliebt beschreibt er viele Aspekte im Leben seiner Protagonisten, die einem weniger aufmerksamen Beobachter durchgehen könnten. Durch seine sehr genaue Beschreibung nehmen die Bilder vor dem inneren Auge des Lesers zügig Gestalt an und lassen ihn so ganz unkompliziert teilhaben.

Leider schafft er es aber auch manch unangenehmen Geruch im Erinnerungsvermögen abzurufen, so dass man als Leser geneigt ist, im rechten Moment mal schnell den Achselgeruchschnelltest zu machen, um festzustellen, dass man – puh – gar nicht selber mieft.

So folgt man der amüsanten Beschreibung eines Lebens, das ebenso normal wie konstruiert sein könnte. Und genau da liegt die Krux. Manches klingt so hanebüchen, dass man das als Leser, der vielleicht wenig Kontakt zu queeren Familien hat, einfach als Erfindung, ja gar als Phantasterei abtun könnte. Aber manchmal ist die Wahrheit einfach unglaublich.

Wer also überlegt, ob er oder sie nicht auch eine Regenbogenfamilie gründen möchte, der tut daher sehr gut daran, genau dieses Buch zu lesen. Aber auch wer gern einfach mal einen Blick hinter die Kulissen der glücklichen queeren Familie von nebenan werfen möchte, mit der Sicherheit, dass man dieses Kind jederzeit wieder seinen Vätern überlassen kann, der ist hier goldrichtig. Klare Leseempfehlung!

Info zum Buch

Jasper Nicolaisen: Ein schönes Kleid. Roman. 240 Seiten. Querverlag. Berlin 2017. Taschenbuch: 14,90 € (ISBN 978-3-89656-247-0). Ebook: 9,99 €


#1 RegenbogenPapsAnonym
  • 28.12.2017, 17:19h
  • Ich hatte mir das Buch vor einiger Zeit schon besorgt und an einem Stück durchgelesen. Manchmal erkennt man sich da wirklich wieder und kann die Situationen im Buch richtig gut nachvollziehen. Es ist lustig, kurzweilig und man kann gar nicht genug davon bekommen. Also echt super empfehlenswert!
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#2 Quirin
  • 03.01.2018, 18:53h
  • Zum millionsten Male: wer auch immer die Sätze oben geschrieben hat: ein Mann lebt nicht mit ein Frau zusammen, die dann Mann wird. Ein Mann (cis-Mann) lebt mit einem Mann zusammen, der dann seinen Körper dem bilogisch männlichen angleicht (trans-mann), sonst ist er kein Trans-Mann. Somit wäre das Buch hinfällig. Lieber Autor dieses Buches: falls du diese Sätze wirklich in deinem Buch stehen hast, frage ich mich, ob du verstanden hast, was cis und trans ist und warum du das zerstörst, wofür wir jahrelang kämpfen. Nämlich, dass die Welt da draußen endlich versteht, dass keine Frau zum Mann wird und umgekehrt, sondern ein Mann IST und das Äußere mit der Identität vereinbaren möchte. Hilfe. Hilfe. Und nochmals Hilfe. Zur Erklärung: Wäre man vorher FRAU gewesen, würde F 64.0 gar nicht bestehen und somit würden NIEMAND eine geschlechtsangleichende OP, keine Hormonersatztherapie und schon gar keine Personenstandsänderung genehmigen. Eine Frau ist und bleibt eine Frau, sie wird nicht zu einem Transmann, sondern ist ein Mann und wird durch die Transition zum Trans-Mann. Bitte hört auf, falsche Infos zu verbreiten. Wir haben genug zu tun, um immer wieder diese Dinge in den Medien klar zu stellen.
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