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Aufklärung nur für Heteros

"Dass die immer in ihren Popo was reinstecken müssen"

Wolf C. Hartwig, der im Dezember gestorbene Produzent der Filmreihe "Schulmädchen-Report", bezeichnete sich selbst als "absoluten Gegner der Homosexualität".


Szene aus dem sechsten Teil von "Schulmädchen-Report": Die Klassenlehrerin greift sich den italienischen Fensterputzer, durch den die Schulklasse abgelenkt war, als sie über Homosexualität aufzuklären versuchte (Bild: Constantin Film)
  • Von Erwin In het Panhuis / Philipp S
    2. Januar 2018, 04:37h, 26 Kommentare

Der Filmproduzent Wolf C. Hartwig ist am 18. Dezember 2017 im Alter von 98 Jahren gestorben. Den größten Erfolg hatte er mit seiner 13-teiligen und mit insgesamt 100 Millionen Zuschauern kommerziell erfolgreichen Filmreihe "Schulmädchen-Report" (1970-1980).

Dieser Filmreihe lag das gleichnamige Buch aus dem Jahr 1970 von Günther Hunold zugrunde, der viele Schulmädchen zu sexuellen Themen interviewte. Hunold betonte bei der Auswertung der Antworten die tolerante Einstellung gegenüber Schwulen und Lesben. Von den Mädchen wurde die Legalisierung der (zum Zeitpunkt der Interviews noch illegalen) männlichen Homosexualität befürwortet und die Auffassung vertreten, dass die Altersgrenze für homosexuelle Kontakte bei 18 und nicht bei 21 Jahren liegen sollte.

In seinem Buch druckte Hunold nur die bemerkenswertesten Interviews ab, in einer Mischung aus pornographischer und sexualwissenschaftlicher Literatur ging es um das Verhalten einzelner, nicht um das der Allgemeinheit der Schülerinnen.

Homosexualität in der Filmreihe nahezu ausgeblendet

Im Gegensatz zum "Schulmädchen-Report" als Buch wurden in der darauf basierenden gleichnamigen Filmreihe schwule Männer nahezu ausgeblendet. Im sechsten Teil (1973) muss eine Lehrerin auch die gleichgeschlechtliche Liebe unter Männern streifen. Man kann sich freuen, dass dieser Text der Lehrerin im Film durch eine sogenannte Ton-Bild-Schere untergegangen ist, das heißt man hört zwar die Lehrerin, ist aber abgelenkt, weil man sieht, wie eine Schülerin Sex mit dem italienischen Fensterputzer hat (Hier gibt es die Szene als Video, von 53:35 bis 54:50).

Eine solche Ton-Bild-Schere ist für Schulmädchen-Report typisch: Auf der einen Seite wird weibliche Nacktheit und heterosexueller Sex gezeigt und auf der anderen Seite hört man Off-Kommentare im pseudo-pädagogischen Wissenschaftsgestus. Der Einsatz einer solchen Schere war nicht nur ein gestalterisches Mittel, das distanzierend zum sexuellen Inhalt wirkt, sondern auch ein Mittel, um der Zensur zu entgehen. Hartwig betonte ausdrücklich, dass ohne dieses gestalterische Mittel die Szenen nicht durch die Zensur gekommen wären.

Damit wird durch die Schere, durch das Auseinanderklaffen der Szenen zwischen visuellem Sex und eingesprochener Moralvorstellung, die Doppelmoral von "Schulmädchen-Report" besonders deutlich. Dass sich Hartwig dieser Doppelmoral beugen muss, kann man ihm nicht vorwerfen. Wie er diese Szenen gestaltet hat, jedoch schon. Vermutlich waren bei dieser Filmszene viele Menschen abgelenkt: Die Schülerinnen im Film, die Zuschauer im Kino und auch mehrere Rezensenten, die behaupten, dass in der gesamten Filmreihe männliche Homosexualität nicht vorkommt.

Wolf C. Hartwig war ausgeprochen homophob


Produzent Hartwig liebte "schöne Mädchenkörper" (Bild: Constantin Film)

Nach Annette Miersch ("Schulmädchen-Report. Der deutsche Sexfilm der 70er Jahre") korrespondiert der ablehnende Umgang mit Homosexualität erkennbar stark mit den persönlichen sexualmoralischen Auffassungen und Wertvorstellungen ihres Produzenten Wolf C. Hartwig, der im Rahmen eines Interviews sagte: "Nein. Das [die Homosexualität unter Männern] hat mich nicht interessiert. Das will ich Ihnen ehrlich sagen, ich bin ein absoluter Gegner der Homosexualität. Ich finde sie schmuddelig. […] Was Männer machen, aus der technischen Situation, dass die immer in ihren Popo was reinstecken müssen, das ist unappetitlich für mich, unakzeptabel. Und ich will das nicht sehen und meinem Publikum nicht zeigen. Die sollen das machen, ich bin frei, ich bin tolerant, soll jeder machen, was er will. Aber schöne Mädchenkörper, das ist ein großer Unterschied. Was Männer machen, technisch, find' ich ekelhaft." Später sagte Hartwig: "Ich finde es ekelhaft, dass heute das Thema Homosexualität so außen hochgespielt wird. Früher gab es genau dieselbe Sexualität. Aber man hat es diskret gemacht. […] Das war ja nie so schlimm. Aber gerade heute, die sind ja fast stolz, wenn sie sagen: Ich bin schwul! […] Das kotzt mich an."

Seine Äußerungen sind alleine schon deshalb leicht als Doppelmoral erkennbar, weil er für homo- und heterosexuelles Verhalten keine gleichen Maßstäbe anlegt. Heterosexuelle, die – um die Worte von Hartwig aufzugreifen – immer in ihren Popo was reinstecken müssen, sind in einigen Folgen von "Schulmädchen-Report" zu sehen. Dies sei erwähnt, auch wenn mit solchen Informationen keine zielgerichteten und konstruktiven Diskussionen erreicht werden.

Nur drei Penisse in 13 Filmen


Die Filmreihe zeigt die Fantasien heterosexueller alter Männer (Bild: Constantin Film)

Zwei weitere von Annette Miersch in ihrem Buch behandelte Themen haben am Rande ebenfalls mit Homosexualität zu tun: Zum einen weist sie darauf hin, dass Hartwig die Vermutung von sich gewiesen hat, "er habe die Serie speziell auf ein männliches Hetero-Publikum zugeschnitten. Dafür sei er viel zu sehr Geschäftsmann. 'Mein Publikum war das Publikum, was zahlt […] unabhängig vom Geschlecht […] und so weiter'." Diese Aussage bleibt unglaubhaft – auch wenn sie schlecht widerlegbar ist.

Zum anderen bietet Miersch in ihrem Buch gute und nachvollziehbare Erklärungsmöglichkeiten an, warum der Penis von Männern in 13 Filmen nur drei Mal zu sehen ist: Dies lässt sich nicht nur mit Ästhetik begründen, wie es Hartwig macht oder dass man diesen Umstand als Zeichen männlicher Homophobie deuten kann. Die fehlende Präsenz lässt sich auch über die Zensurbestimmungen erklären, "weil der von der FSK erlaubte, das heißt unerigierte Penis […] zu viele Fragen offen [lässt], etwa über dessen 'volle' Größe, Leistungskraft und Ausdauer ". Am Ende kommt Annette Miersch zu einer ernüchternden Bewertung, der wir uns guten Gewissens anschließen können: "Das soziosexuelle Realitätsszenario ist als kleinbürgerlich-patriachale Männer- und auch Altherrenfantasie zu charakterisieren."

Die Menschen werden sicherlich unterschiedlich auf den Tod von Wolf C. Hartwig reagiert haben, je nachdem, ob sie ihn als Privatperson oder als Filmproduzenten erlebt haben.

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#1 Gerlinde24Profil
  • 02.01.2018, 05:08hBerlin
  • Kann mich noch dunkel an diese "Filme" erinnern. Schon damals waren sie für mich sexistisch, homophob und einfach nur billig gemacht. Und es wundert mich noch heute, dass diese Filme an der Kasse erfolgreich waren.
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#2 herve64Profil
  • 02.01.2018, 08:45hMünchen
  • Vergesst doch diesen alten Deppen: der ist sowieso tot. Es sind die neuen Homophoben, um die es geht.
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#3 Rosa SoliAnonym
  • 02.01.2018, 09:50h
  • Antwort auf #2 von herve64
  • Aber es sind doch genau diese Zeiten, die sich die neuen Rechten zurückwünschen, als die Altherren sich der Fantasie hingeben durften, dass diese blutjungen, frühreifen Luder alle zu ihrer Verfügung stehen und einen erfahrenen Mann brauchen, der es ihnen besorgt. Zugleich ist der Schwule immer ein Verderber der (männlichen) Jugend.

    Kaum eine anderen Filmreihe hat das so deutlich gemacht. Und die Jugendschutzbestimmungen der damaligen Zeit spiegelten das auch zurück: Heterosexueller Sex ab dem 14. Lebensjahr, homosexueller Sex nicht unterhalb der Volljährigkeit.

    Als heterosexueller Mann konnte man sich immer auf den Lolita-Effekt berufen und eine Täter-Opfer-Umkehr betreiben. Diese notgeilen Teenager-Mädchen hatten dem bedauernswerten Mann einfach den Kopf verdreht, es traf ihn keine Schuld, er konnte gar nicht anders.

    Wenn aber ein männlicher Jugendlicher Sex mit einem erwachsenen Mann hatte, dann war von vornherein klar, dass der Jugendliche verführt worden sein musste.

    Sexuelle Selbstbestimmung wurde Jugendlichen im Grunde nur für heterosexuellen Sex gewährt. Gleichgeschlechtliche Erfahrungen, wie sie unter Jugendlichen zu allen Zeiten vorkamen, wurden bestenfalls als eine Phase betrachtet, die bald vorübergeht, wenn man(n) erst einmal auf den "richtigen Geschmack" gekommen ist. Dafür durfte es dann auch gerne eine sexuell erfahrene, reifere Frau sein, die den Jungen in die Liebe einführt und ihn zum Mann macht. (Die MILF-Pornos bedienen solche Fantasien übrigens bis heute.)

    Der Schwule aber galt per se als Verderber der männlichen Jugendlichen.
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#4 JarJarProfil
  • 02.01.2018, 10:10hKiel
  • Hab ich glaube ich nie gesehen, homophob fand ich diese Sexklamotten aus den 70ern aber nie, mehr lächerlich. Durch die Zensurbestimmung in Deutschland waren da halt nie Schwänze zu sehen und wenn dann nur ganz kurz und natürlich nie steif. Daher waren die Filmchen für mich damals in den 90ern (als die auf RTL liefen und von allen Klassenkameraden gesehen wurden, es gab halt kein Internet um Titten zu gucken) total uninteressant.
    Ich kann mich nicht erinnern dass da jemals das Thema Homosexualität so vorgekommen ist dass das wirklich Platz in der Handlung eingenommen hätte.
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#5 PeerAnonym
  • 02.01.2018, 10:14h
  • " [...] ich bin ein absoluter Gegner der Homosexualität. Ich finde sie schmuddelig. [...] das ist unappetitlich für mich, unakzeptabel. Und ich will das nicht sehen [...] Was Männer machen, technisch, find' ich ekelhaft. [...] Ich finde es ekelhaft, dass heute das Thema Homosexualität so außen hochgespielt wird. [...] Das kotzt mich an."

    Wenigstens hat dieser Spinner noch die Eheöffnung erlebt...

    Übrigens:
    auch viele Heteros stehen auf Analsex.
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#6 LaurentProfil
  • 02.01.2018, 10:28hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Antwort auf #3 von Rosa Soli
  • >>Der Schwule aber galt per se als Verderber der männlichen Jugendlichen.<<

    Dürfte wohl daran gelegen haben, dass befürchtet wurde, Minderjährige könnten während der im vorherigen Absatz erwähnten vorübergehenden "Phase" vom "richtigen Weg" abgebracht werden.
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#7 saltgay_nlProfil
  • 02.01.2018, 11:17hZutphen
  • Dem einen Foristen sei noch einmal in sein Poesiealbum geschrieben: als diese Filme gedreht wurden, war der §175 StGB noch gültig. Aber darum ging es in Wirklichkeit doch gar nicht. Der Verstorbene hat mit auf einer Welle geritten, euren Schmuddelopas, die sonntags auf Knien in der Kirche rutschten, dann sich beim Frühschoppen einen ansoffen, weil sie am heiligen Sonntagsbraten ihre Olle ertragen mussten, anschließend mit ihr und den Blagen in der Feldmark einen Spaziergang zu absolvieren um dann eventuell auf dem Fußballplatz fachsimpeln zu können, das Geld aus der Tasche zu ziehen.

    Es ist diese verschissene BRD mit dem Bildungsorgan der "BLÖD"-Zeitung, wo sich die Spießer aufregten, weil angeblich an der Berliner "Tannenberg-Schule" in Lichterfelde ein "Liebeszimmer" eingerichtet werden sollte und selbst aber heimlich "der Wissenschaft halber" in das Kino gingen. Von Oswalt Kolle angefangen, über "Liebesgrüße aus der Lederhose", "Unterm Dirndl wird gejodelt", "Frau Wirtin bläst auch Trompete", "St. Pauli - Report", "Das gelbe Haus am Pinnasberg", "Graf Porno bläst zum Zapfenstreich", "Dr. Fummel und seine Gespielinnen" etc.

    Diese Streifen waren von unglaublicher Primitivität, worüber wir uns als Pubertierende schon lustig machten. Aber es gab eben genug Verklemmte, die dafür Geld übrig hatten.

    Einen Skandal allerdings stellte der Film "Jagdszenen aus Niederbayern" dar. Dieser Film, der auch heute noch zu empfehlen ist, weil er wahrheitsgetreu die geistige Intellektualität, die Toleranz und Weltläufigkeit eines niederbayerischen Dorfes darstellt. So will heute die AfD ihre deutschen Volksgenossen wieder haben und so sieht dann die künftige AfD-Republik aus.

    Diesem Schmuddelfilmproduzenten einen Nachruf zu widmen halte ich für ein engagiertes Schwulenmagazin unwürdig. Das war ein ordinärer Koofmich, der eben so etwas zu Geld machte. Mehr nicht.
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#8 ThorinAnonym
  • 02.01.2018, 11:22h
  • Wen interessiert denn, was ein uralter Opa, der einen alten Schinken vor gefühlten 100 Jahren gedreht hat, für eine Meinung zu Schwulen hat? Wichtiger ist doch, wie man heute mit dem Thema umgeht.
    Ich kenne weder den Film noch den Regisseur und wurde erst 1985 geboren.
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#9 NickltonAnonym
  • 02.01.2018, 11:24h
  • Minderjährige Mädchen für Sexfilme benutzen ( während es bei Jungs im gleichen Alter bei den Homogegnern als Päderastie durchgeht) aber gegen Schwule hetzten. Dazu weibliche Homosexualität, bzw. Zärtlichkeiten zwischen Heteras hofieren und gleichzeitig männliche Homosexualität abwerten. Was für eine Bigotterie.
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#10 ThorinAnonym
  • 02.01.2018, 11:27h
  • Antwort auf #4 von JarJar
  • Das können sich ja die Weinsteins, Spaceys und Co gerne zurück wünschen nur ist das so vollkommen unrealistisch, dass das Zurückkommt, dass man seine Energie auf was anderes sinnvolleres konzentrieren sollte
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