Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?3041

Der Kölner CSD will mit seinem Motto "lebenslang liebens:würdig" die Generationen verbinden: Butz Brand von den Golden Gays im Interview.

Von Micha Müller

Das Motto des diesjährigen Kölner CSDs soll deutlich machen, dass auch alte Lesben und Schwule zur Community dazu gehören. Butz Brandt, mit 58 Jahren immer noch sehr aktiv für die Belange von Kölner Homos, hat vor vier Jahren die Golden Gays gegründet, eine Gruppe für Schwule ab 50. Im queer.de-Interview erzählt er von seinem Coming-out und wie die Golden Gays entstanden sind.

Ab wann ist man als Schwuler eigentlich alt?
Wenn es nach den Medien geht, sind Schwule ab 30 Jahren alt. Ältere Schwule tauchen in den Medien meist gar nicht mehr auf. Viele haben auch selber ein Problem damit, wenn sie erst einmal die 30 überschritten haben. Ich bin 58 Jahre alt und habe jedes Alter als schön empfunden und auch aus jeder Altersstufe etwas gemacht.

Wie hat sich die Szene in den letzten Jahrzehnten verändert?
In den letzten Jahren wirkt die Szene auf mich sehr sprunghaft. Immer neue Lokale sind aus dem Boden geschossen und viele haben auch wieder zu gemacht. Insgesamt ist die Szene in den vergangenen Jahren sehr viel jünger geworden. Die Leute haben heute mehr Geld, das Äußere wird immer wichtiger. Für viele Schwule sind Klamotten sehr wichtig, das Innere eines Menschen tritt immer stärker in den Hintergrund.

Wie empfindest du das Verhältnis zwischen jungen und alten Schwulen?
Viele junge Schwule glauben, dass Ältere nur mit ihnen ins Bett wollen. Es ist schwer, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, im Großen und Ganzen gibt es wenig Kontakt zwischen beiden Altersgruppen. Viele junge Schwule, die gerade ihr Coming-Out hinter sich haben und dem Elternhaus entflohen sind, haben erst mal die Nase voll von Älteren, denn sie haben es Zuhause mit den Eltern nicht immer leicht gehabt. Sie wollen dann lieber unter sich sein.

Ist Dir die Szene wichtig?
Ja, weil es viele andere ältere Schwule gibt, die ich dort treffen kann. Schade ist, dass man häufig auf die gleichen Leute trifft, aber oft mit ihnen nicht ins Gespräch kommt. Viele sitzen den ganzen Abend alleine vor ihrem Kölsch und reden kein Wort. Da ich aber sehr offen auf Leute zugehe, mache ich meist gute Erfahrungen, wenn ich jemanden anspreche. Für Jugendliche ist die Szene etwas normales, weil sie damit aufgewachsen sind. Viele Ältere gehen zwar in die Szene, sind aber gehemmt und sehr zurückgezogen.

Du bist Gründer und Leiter der schwulen Seniorengruppe "Golden Gays" in Köln. Wie kam es dazu?
Das Sozialwerk ist an uns herangetreten und ich habe gesagt, ich kann es ja mal mit einer neuen Gruppe versuchen. Ich habe dann in verschiedenen Szenekneipen Plakate aufgehängt, und mit elf Teilnehmern hat vor vier Jahren der erste Golden Gays-Abend im Schulz stattgefunden. Heute haben wir natürlich mehr Teilnehmer, und der feste Kern besteht aus etwa 23 Leuten, die immer dabei sind. Wir treffen uns alle zwei Wochen Montags im Rubikon und unternehmen eine ganze Menge, machen Kino- und Theaterbesuche oder fahren gemeinsam in Urlaub.

Wie alt muss man sein, um bei euch mitzumachen?
Eigentlich sind wir offen für Schwule ab 50, aber wir schlagen niemandem die Türe vor der Nase zu. Unser jüngstes Mitglied ist 37 Jahre alt, der älteste Teilnehmer 74. Und im Laufe der Zeit haben sich bei uns fünf Paare gefunden.

Gibt es etwas, das Du jüngeren Schwulen sagen willst?
Man sollte versuchen, immer nach vorne zu blicken und im hier und jetzt zu leben. Und man sollte begreifen, dass es kein Problem ist, älter zu werden. Jeder wird älter, daran kommt niemand vorbei. In der Szene sollte jeder akzeptiert werden, auch wenn er keine Designerklamotten trägt und nicht mehr der Jüngste ist. Was zählt, ist der Mensch. Ein stärkeres Miteinander von jung und alt wäre schön.

29. Juni 2005



11 Kommentare

#1 JanAnonym
  • 29.06.2005, 17:44h
  • Der Artikel liest sich wunderbar ich plädiere sofort für mehr Kontakt zwischen jüngern und älteren Schwulen. Nur sieht die Realität leider oftmals anders aus ich persönlich habe in 95 % der Fälle in denen ich Kontakt mit älteren Schwulen 50 + die Erfahrung gemacht das die irgendwann anfangen zu grabbeln oder offen das Thema Sex ansprechen obwohl das vorher nicht Bestandteil des Gesprächs war. Wie oft liest man denn in irgendwelchen Kontaktanzeigen das der gutsituierte Herr mitte 50 einen netten Partner bis max. 30 sucht älter zwecklos. Ich sage nicht das alle älteren Schwule so sind ich bin 30 und habe auch gute und enge Freunde jenseits der 60. Aber leider ist es eher die Ausnahme als die Regel das Ältere zu Jüngeren nur reinen Kontakt suchen und keinen Sex. Hier ist irgendwie etwas verdreht worden und die "anständigen Senioren" (blödes Wort) müßen unter dem Fehlverhalten der Lustgreise leiden aber die sind leider in der Überzahl.... Schade denn nur von den älteren kann man was lernen und ein wenig Dankbarkeit, bitte nicht mit Mitleid verwechseln, wär auch nicht schlecht schließlich haben sie dafür gekämpft das wir heute so normal leben können und Homosexualität keine Schande mehr ist
  • Antworten » | Direktlink »
#2 reneAnonym
  • 29.06.2005, 18:48h
  • @Jan: Hm, ich finde es etwas seltsam, wenn man älteren Schwulen den Vorwurf macht, dass 95% von ihnen irgendwann das Thema Sex anschneiden - machen das nicht auch die jüngeren Schwulen genauso? Oder gibts ein Alter ab dem man nich mehr "dran" denken darf? Ich bin selber 30 und finde persönlich die meisten unter 25 vollkommen uninteressant - trotzdem mache ich es ihnen nich zum Vorwurf, wenn mich einer von denen anbaggert. Genauso, wie man jemanden nicht als "Lustgreis" bezeichnen sollte, reagiere ich bei solchen ja auch nich mit: "Verpiss dich, du affektierte Designerklamotten-Fitnessstudio-Jungschwuppe".. . also: tolerant sein, und die Fähigkeit sprechen zu können einfach mal anwenden. Oder ist es sooo schwierig jemandem zu sagen, dass man ihn nich attraktiv findet?
  • Antworten » | Direktlink »
#3 JanAnonym
  • 29.06.2005, 18:55h
  • @ rené

    Ich glaube ich habe mich echt falsch ausgedrückt ich meinte mit grabbeln oder sex ansprechen. Das schon ein Nein vorraus gegangen ist und trotzdem wird weiter gegraben... Das Recht zum graben spreche ich keinem ab den ein oder anderen Korb hab ich auch schon kassiert das akzeptiere ich und gut
  • Antworten » | Direktlink »
#4 ACopAnonym
  • 29.06.2005, 20:29h
  • ich denke das hat nichts mit dem Alter zu tun - ich kenne
    einen Typen in Köln, der nimmt da auch keine Rücksicht und
    steckt einem ohne Vorwarnung die Zunge in den Hals.... das
    auch nach wiederholter massiver Ablehnung. Nicht war
    Martin (genannt die Zunge)...
  • Antworten » | Direktlink »
#5 reneAnonym
  • 29.06.2005, 20:45h
  • @Jan: Ok, alles klar, das hatte ich etwas falsch verstanden...

    @ACop: Echt? Es gibt hier in Köln sowas wie einen "Kussvergewaltiger"? ..Sachen gibts - ich glaub, man lernt nie aus *g*
  • Antworten » | Direktlink »
#6 SvenAnonym
  • 29.06.2005, 22:58h
  • Hey Jan, gerade bei Deinem letzten Satz muss ich Dir echt recht geben.
    Deine Beobachtung kann ich auch bestätigen. Dennoch ein Einwand: Es scheint nur so zu sein, das die sexgierigen in der Überzahl sind (Alter unabhängig), es fällt einem aber nur bei denen mehr auf, von denen man angelabert wird und wirklich überhaupt nichts will.
    Und zum anderen fallen natürlich auch die Typen die jeden gleich anspringen mehr auf, als der liebe Junge, der in der Ecke steht oder eben wie oben erwähnt der ältere Mann der vor seinem Bier sitzt.

    Viele Alte denken von den Jungen auch nichts Gutes. Bemerkt werden halt immer die, die am lautesten Schreien, auch wenn es nur 10 von 100 sind.

    Aber was teilweise in der Szene so abgeht ist echt schlimm. Da fragt man sich, warum man für Toleranz auf die Straße geht, wenn im "geschützten Raum" der Schwulendisko man selbst mehr diskriminiert wird als sonstwo.
    Ein persönliches Erlebnis dazu: Als ich gerade 24 war, wurde ich von einem 22jährigen als alter Sack bezeichnet usw.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 SigayAnonym
  • 29.06.2005, 23:43h
  • seit vielen Jahren bin ich aktiv im Sport tätig und heute mit 74 bin ich der Boss einer schwul-lesbischen Sportgruppe meist deutlich Jüngerer.
    Dabei hab ich folgende Erfahrung machen müßen.
    Es gibt da zwei verschiedene Gruppen.
    Die einen akzeptieren mich als den Erfahrenen der seine Kenntnisse und Erfahrungen weitergibt und behandeln mich wie einen der Ihren , das ist toll für mich.
    Die Zweite Gruppe akzeptiert mich solange ich für sie nützlich bin, das ist dann weniger toll.
    Die Frage ist wie man damit umgeht und sich darauf einstellt.
    Ich halt mich an die erste Gruppe, denn sonst würde das Ganze keinen Spass mehr machen.
    So ist einfach das Leben.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 reneAnonym
  • 30.06.2005, 03:50h
  • @sigay: Oh, etwas peinlich... du warst öfters auf meinem Profil bei GayRoyal (mein nick is da "kuschelweich") und hast mir ein paar mal Smileys gegeben - und ich hab mich glaub ich nich mal bedankt! So sieht man, wie man selber schnell in die Rolle eines oberflächlichen Schwulen gerät... egal, falls du Bock auf einen Chat hast (hab vorher nich drüber nachgedacht, wie interessant ein Chat mit einem "Altgedienten" sein könnte) , kannst du dich ja mal bei mir bei GR melden... oder ich quatsch dich demnächst nochmal an *g*
  • Antworten » | Direktlink »
#9 SaschaAnonym
  • 30.06.2005, 13:47h
  • Also ich denke, dass an den Problemen zwischen alt und jung immer 2 beteiligt sind. Es ist einfach so, dass man im Normalfall mit älteren Schwulen ja garnicht erst ins Gespräch kommt wenn sie nicht sexuell interessiert sind(was bei jüngeren ebenso gilt). Als Resultat sind die jungen Kerle natürlich tierisch genervt wenn ihnen der 15. "Opa" an den Hintern greift...und erwarten eigentlich immer das schlimmste.

    Dazu kommt dann halt noch der Generationen Konflikt wo jeder sich für besser hält als den anderen(die jungen sind dumm/naiv, unfähig, unerfahren, leisten nichts etc.....und die alten sind sture, verknöcherte ewig Gestrige mit null Ahnung von dem was heute abgeht)...und zeigt das auch gerne.

    Ich hätte den Verein auch nicht umbedingt Golden Gays genannt....wenn man bedenkt das die Goldene Generation bei den jüngeren immer mehr als Schimpfwort für Egoisten gilt(wer hat denn die Renten-, Kranken- und Staatkassen total geplündert um sich ein goldenes Leben auf Kosten der nächsten Generationen zu schaffen?).
  • Antworten » | Direktlink »
#10 TomAnonym
  • 04.07.2005, 23:05h
  • Ich muss bei "Golden Gays" unweigerlich an eine meiner Lieblingsserie, die "Golden Girls", denken. Von daher verbinde ich mit dem Namen eher positive Assoziationen. Außerdem muss "golden" ja nicht unbedingt immer was egozentrisches bedeuten.
  • Antworten » | Direktlink »