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  • 29. Juni 2005, noch kein Kommentar

"Theo Theo": Schlager-Sirene Rosanna Rocci geht gerne Schuhe shoppen, aber nie ohne schwulen Freund. Ob das ihrem "Hans" gefällt?

Von Jan Gebauer

Manchmal bekommt man Alben zugesteckt, die will man gar nicht mögen, geschweige denn anhören. Denn im Falle von Rosanna Rocci hat man noch den Hit ("Theresa") in den Ohren, der 1992 überall gedudelt wurde: "Theresa, ti amo, Hey Look At Me..." Doch oh Wunder, schon beim Auftakt des neuen Albums "Das fühlt sich gut an" springt mich der poppig-lässige Titelsong an, der mich überzeugt, weiter zu hören. Und von dort aus wird es sogar immer besser: "Es ist gefährlich ein Engel zu sein" überzeugt zum Beispiel durch hypnotische Synthesizer-Effekte und leicht chillige Ziehharmonika-Klänge. Das ist zwar trotzdem immer noch Schlager, aber mit modernem Anstrich und kitschfrei interpretiert. Eher konventionell ist "Du sagst, du liebst mich". Nichtsdestotrotz verlässt sich die Rocci voll und ganz auf den simplen Text, der authentisch die Gedanken einer betrogenen Frau wiedergibt.

Jedoch kann die Italienerin, die mit Schlager-Barde Michael Morgan verheiratet ist, noch einen drauflegen: "Na klar, bist du schön" ist ein Lied über Mädchen, die unter mangelndem Selbstbewusstsein leiden. Schön, dass es im Schlager auch mal nachdenkliche Moment in der gefälligen Soundlandschaft gibt. Am gefühlvollsten ist allerdings "Gute Nacht Kuss" gelungen – ein Lied für ihren Sohn Luca. Eine schöne Schlager-Melodie, ein süßer Text, fertig ist die aufrichtige Liebeserklärung. Auch für Trash-Fans hat die CD etwas zu bieten. Die Liebesode an "ihr" Italien zum Beispiel: "In Italia" ist textlich immer eine Spur daneben, wenn auch sicher wahr: "Es ist ein Land wo jeder alles über Pasta weiß ... so stark wie dein Espresso, schlägt mein Herz für dich". Das ist skurril, aber dank italienischer Textbausteine und dem charmanten Akzent von Rosanna Rocci auch sehr unterhaltsam.

Als heutige Schlagersängerin – besonders wenn man eine bestimmte Nationalität vertritt (man frage Mireille Mathieu oder Nana Mouskouri) – kommt man allerdings auch nicht um Klischee-Nummern wie "Gli occhi miei" herum. Der Hammer ist aber "Arrivederci Hans" – die aktuelle Single – ein gemeingefährlicher Stumpfsinnsohrwurm, den man nie wieder los wird (das Original stammt aus den 60ern von Rita Pavone). Achja, und dann ist da natürlich noch Song Nummer 15: "Theo Theo (Veo Veo)": Das ebenso Ohrwurm-verdächtige Liedchen, beginnt typisch italienisch: "Eh Theo, come stai!" - "Vamos, It's Shooooooping Tiiiiiime". Danach folgt ein bisschen Gucci, lustige Reime und die Feststellung, dass Frau Rocci-Morgan nie ohne Theo shoppen gehen würde. Außerdem ist er "der absolute Traum, steht aber leider nicht auf Frauen". Soviel possierliche Einfältigkeit ist kaum schlagbar und – ich gebe es offen zu – ich mag es! Ob die Rocci nun wirklich einen schwulen Freund hat? Ich werde nachforschen und wenn es das Letzte ist, was ich tue!

Fazit: Die Rocci kann ernsthaft sein, trashig und auch einfach nur stimmungsvoll. 15 Lieder erscheinen viel, sind aber erstaunlich bunt und machen meistens gute Laune. Doch haben sie bei aller Skurrilität vor allen Dingen eines: Das Herz auf dem rechten Fleck!

Anspieltipps: "Theo Theo", "Es ist gefährlich ein Engel zu sein", "Na klar, bist du schön", "Gute Nacht Kuss", "Arrivederci Hans", "In Italia"

29. Juni 2005