Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?3048

Nur noch Trucks und Gruppen aus der "Community" dürfen beim Gay Pride mitmachen. So führt man den Kampf um Toleranz ad absurdum.

Von Micha Schulze

In Bayerns Landeshauptstadt herrscht ein neues Homo-Reinheitsgebot: Bei der 25. Münchner CSD-Parade am 9. Juli dürfen nur noch "Vereine und Unternehmen der Gay Community" mit einem Fahrzeug oder als angemeldete Gruppe teilnehmen - das haben die Veranstalter von Rosa Liste, Münchner Aids-Hilfe, dem Sub-Zentrum und der Lesbenberatung LeTra offiziell beschlossen. Erstes Opfer der Säuberungsaktion: Der Truck des "gemischten" Fetischclubs Kittycat, in den letzten Jahren immer dabei, darf erstmals nicht mitrollen.

Hinter der Entscheidung der Münchner CSD-Organisatoren mag die wichtige und richtige Frage stehen, wie man eine weitere Kommerzialisierung der Gay-Pride-Paraden verhindern kann - das Signal, dass das Homo-Reinheitsgebot aussendet, ist jedoch fatal: Wer auf einer öffentlichen Demonstration nur noch Trucks aus der Gay Community zulässt, sagt mit anderen Worten: Heteros sind bei uns unerwünscht! Den gesellschaftlichen Kampf um Toleranz und Akzeptanz führt diese Entscheidung ad absurdum. Daran ändert auch nichts der lapidare Verweis der Veranstalter, dass ja weiterhin jeder als Einzelperson mitmarschieren dürfe.

Zudem verwundert es doch sehr, dass nur beim Fetischclub Kittycat ein Exempel statuiert wurde, während die Wägen von FDP und PDS beim Münchner CSD anstandslos mitrollen dürfen. Da liegt der Verdacht nahe, dass es den Veranstaltern nur darum ging, die Parade von einigen schwarzen Schafen zu säubern, die Werbung für vermeintlich schmutzige Sexualpraktiken machen.

Die Münchner CSD-Organisatoren maßen sich damit eine Bedeutungshoheit über die "Gay Community" an und entscheiden selbstherrlich, wer dazugehören darf und wer nicht. Die Szene sind jedoch wir alle: der politisch korrekte Berufshomo ebenso wie der transsexuelle S/M-Freund und Kittycat-Besucher, der Offene wie der Heimliche, der Freier wie der Stricher, die Bartlesbe wie die Dragqueen, die Guccihusche wie der Anarchopunk, die Bisexuelle wie die Fag Hag. Der Christopher Street Day ist der Tag, an dem wir diese Vielfalt zeigen und alle einladen können, sie mit uns zu feiern.

Im Jahr 1980 sind Schwule und Lesben in München erstmals auf die Straße gegangen, weil sie sich nicht von der Gesellschaft vorschreiben lassen wollten, wie sie zu leben haben. 25 Jahre später wollen uns nun ausgerechnet die CSD-Veranstalter vorschreiben, welches Bild die Gay Community in der Öffentlichkeit vermitteln soll. Für ihr Homo-Reinheitsgebot haben sie die Homo-Gurke mehr als verdient.

30. Juni 2005



Andreas Renner

Der Stuttgarter CDU-Sozialminister wehrt sich als Schirmherr des CSDs gegen Gestrige aus den eigenen Reihen.

62 Kommentare

#1 ManniAnonym
#2 StephanoAnonym
  • 30.06.2005, 15:05h
  • Man kann es auch genau andersrum sehen:

    es geht immer mehr um Karneval im Sommer und immer weniger um die politische Sache. Wenn dann auch noch Heteros mitgehen, die auf SM stehen, kann das unserem Anliegen sogar schaden, weil wiedermal das Klischee vermittelt wird, Schwule seien entweder Tunten im Fummel oder SM-Lederkerle a la Police Academy. Und wer sich dann wundert, dass Parteiwagen wohl mitfahren dürfen, hat schon ganz verdrängt, dass es genau darum geht: um Politik.

    Was schadet unserem Anliegen wohl mehr: wenn man versucht, das Ganze wieder politischer zu machen oder wenn man tatenlos zusieht, wie die CSDs immer oberflächlicher werden und damit auch die gerechtfertigten Anliegen immer weniger Beachtung finden, weil der CSD irgendwann wirklich nur noch Karneval im Sommer ist!

    Und zur Äußerung, die Organisatoren würden sich anmaßen, über die Community zu entscheiden:
    1. Heteros, denen es nur auf Party ankommt bzw. auf Werbung für einzelne Einrichtungen gehören nicht zur Community
    2. Jedem, dem das nicht passt, braucht nicht zum CSD zu kommen oder hat das Recht einen eigenen Karnevalszug zu organisieren, wo Heteros dann Reklame für Heteroclubs machen können und die politische Botschaft ganz abgeschafft wird!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 ThomasAnonym
  • 30.06.2005, 15:48h
  • die Darstellung in Eurem Artikel ist unrichtig. Niemand wird von der Parade ausgeschlossen, alle Personen und Gruppen können sich - in persona - beteiligen. Lediglich die Voraussetzungen für die Teilnahme MIT WAGEN sind dieses Jahr eingeschränkt worden!
    Da in den letzten Jahren immer mehr versteckte Firmenwerbung stattfand und immer mehr Gruppen mit Wagen teilnehmen, die sonst nie etwas für die Szene tun und nur auf sich selbt aufmerksam machen möchten, finde ich diesen Beschluss ABSOLUT RICHTIG!!!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 darkonAnonym
  • 30.06.2005, 16:38h
  • @stephano

    Sorry, aber dein Posting ist Bullshit.

    Auch SM-Leute und Transen sind Bestandteil der
    Community und deswegen ist es ein Unding ihnen die
    Teilnahme an der Parade verbieten zu wollen.

    Wer hat sich denn als erstes in Stonewall gegen die
    Polizeiübergriffe gewährt? Transen oder Politiker?
    Wer hat als erstes über die AIDS-Risiken diverser
    Spielarten informiert? Die Lederszene oder die
    Biedermänner?

    Und ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen, daß
    Lesben und Schwule in der "Hetero"-Fetischszene herzlich
    willkommen sind. Aber umgekehrt ist das eher ein
    Trauerspiel, wie man jetzt in München wiedersieht....
    Von den Bisexuellen will ich gar nicht erst anfangen.....
  • Antworten » | Direktlink »
#5 skydiverProfil
  • 30.06.2005, 19:02hStuttgart
  • Ich finde die Entscheidung der Organisatoren in München anlässlich des dortigen CSD 2005 korrekt (!!!) Der CSD ist seit jeher eine Parade der Lesben & Schwulen (!!!) Und keine Werbeveranstaltung von RAMMAZOTTI, BEATE UHSE, LANGNESE, NESCAFE, TATTOO-STUDIOS etc. (!!!) Ich bin ausserdem dafür, dass Organisationen die das ganze Jahr über nichts in und für die schwul/lesbische Community machen, ausser 1x im Jahr bei deren CSD Parade mitzuwirken, auszuschliessen sind (!!!) Hart aber gerecht (!!!)
  • Antworten » | Direktlink »
#6 JoachiMucAnonym
  • 30.06.2005, 19:11h
  • Eine peinliche und hinterwäldlerische Entscheidung! Gott sei dank fahre ich morgen nach Köln. Ich finde es klasse dass auf der dortigen Parade (glaubt man der Webseite www.colognepride.de) auch die Lindenstraße, der WDR und RTL dabei sind.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 YibahAnonym
  • 30.06.2005, 20:10h
  • Super,

    ich finde die CSD mit ihren BurgerKing-, West- und Krankenkassen-Paraden nur noch peinlich.
    Inzwischen sind die meisten Zuschauer der Praraden in Berlin und Köln nur noch Heten, die mal Tucken gucken wollen.

    Die Entscheidung bei den SM-Leuten wäre aber zu überdenken. Das ist Unsinn.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 ACopAnonym
  • 30.06.2005, 21:24h
  • Warum bitte bestimmt überhaupt die Münchner Aids-Hilfe wer
    auf dem Umzug teilnehmen darf oder nicht?
  • Antworten » | Direktlink »
#9 HerbertAnonym
  • 30.06.2005, 21:41h
  • Ich finde die Entscheidung der Veranstalter absolut korrekt: Alle, die hier vorschnell urteilen, sollte auch die Hintergründe kennen: Immer wieder gab es Ärger mit der Polizei wegen der CSD-Teilnehmer des KittyCat-Club. Die Teilnahme des Clubs war seit jeher eine reine Werbeveranstaltung. Und: Der KittyCat-Club kann immer noch teilnehmen. Niemand wurde per se ausgeschlossen. Nur die Teilnahme mit Paradewagen wurde untersagt.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 FrankAnonym
  • 30.06.2005, 23:32h
  • ich muss noch mal nachhaken, wer kann mir bei meiner projektarbeit zum thema was kann und muß ein businesshotel in hamburg und schwulen und lesben business people bieten, wo kann zusammen gearbeitet werden etc etc. es geht hierbei nicht ums schnelle geld oder abzocke, eher um weltoffenes management und annäherung. wer kann helfen. freue mich auf eure ernstgemeinten kommentare.
    Frank
  • Antworten » | Direktlink »