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Neues Onlinegame "Genital Jousting"

Ein Schwanz geht auf Reisen

In einem "queerbejahenden" Onlinespiel kann man als Penis namens John seine Einsamkeit überwinden. Das Game soll Homophobie bekämpfen, so die Macher.


Schwänze, überall Schwänze… (Bild: Devolver Digital)

Vergangene Woche ist im Computerspieleportal "Steam" eine Vollversion des satirischen Onlinegames "Genital Jousting" (Schwanz-Ritterspiele) veröffentlicht worden, in dem sich alles um Schwänze dreht. Im 6,99 Euro teuren Multiplayer-Game übernimmt jeder Mitspieler die Rolle eines Penisses – dieses tollpatschige beste Stück führt in dem Spiel zwar keinen Körper mit sich, hat aber immerhin zwei Eier zu bieten, zwischen denen aus irgend einem Grund ein Anus angebracht ist.

Dieses Hinterteil wird übrigens im Spiel auch genutzt: Im Vorstellungsvideo ist etwa zu sehen, wie der Penis am frühen Morgen aufwacht, ins Badezimmer geht und die Zahnbürste in die Hand nimmt – was er mit dieser anstellt, kann man sich denken oder in diesem Werbevideo ansehen.

Der Anus kann so einiges vertragen – einen Vibrator, eine Ananas und eine Wurst. Die Schwänze können freilich dort auch gegenseitig eindringen.

Im Normalmodus kann man mit anderen Schwänzen herumwabbeln und schlüpfrige Spielchen machen, mehr aber auch nicht. Interessanter ist der anderthalbstündige Story-Modus, bei dem ein Erzähler das Gefühlsleben des kleinen Schwanzes analysiert. Hier wird allen ernstes eine tiefgründige Geschichte über ein einsames Gemächt in der Midlifecrisis erzählt. Die Story: Ein Penis, der auf den Namen John hört (auf Englisch kann das auch Toilette bedeuten), ist unglücklicher Single, will aber nicht zu seinem Klassentreffen als Verlierer erscheinen. Er tut alles, um die Liebe der anderen Schwänze zu erhaschen.


So sieht es aus, wenn nur Schwänze in einem Büro arbeiten… (Bild: Devolver Digital)

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Spiel ist "trojanisches Pferd"

Die Macher erklärten auf ihrer Entwickler-Seite, dass das Spiel nicht nur Albernheiten rüberbringen soll: "'Genital Jousting' ist natürlich ein Witz. Das ist ein Comedy-Game und wir haben vieles darin so kreiert, weil wir dachten, dass es lustig, albern oder krass ist", heißt es auf dem Blog von "Genital Jousting". "Aber wir sehen das Spiel auch als trojanischen Pferd ein – also einen Weg, um einem Publikum eine positive Message über Sex zu liefern, das diese Message sonst nie gehört hätte."


Erst mal eine Zigarette nach dem "Teabagging" (ein Slangwort für einen Mann, dessen Eier von einem Partner mit dem Mund geliebkost werden). Bild: Devolver Digital

Auch für die Akzeptanz Homosexueller sei das Spiel gut. Die Entwickler erklärten, dass die Penisse zwar männliche oder weibliche Outfits anziehen könnten – am Ende würden Schwänze freilich hauptsächlich mit dem männlichen Geschlecht verbunden und wenn sie sich gegenseitig penetrierten, erscheine diese natürlich "unverhohlen homosexuell". "Das ist auch cool so", attestierten die Macher. "Wir wünschen uns, dass Homo-Sex und Homosexualität als normal erscheinen." Auch das unter Heten verbreitete Tabu der Popo-Penetrierung könne damit angegangen werden – und so könnten möglicherweise mehr Menschen "mit der Freude, die das eigene Arschloch mit sich bringt, in Berührung kommen".

Gleichzeitig erklärten die Autoren, sie wollten sich nicht über Homosexualität lustig machen, sondern vielmehr die "maskuline Kultur" parodieren, die die Grundlage für Homophobie sei. Das Spiel, das von Hetero-Jungs erschaffen wurde, solle nicht die "homosexuelle Kultur" kommentieren. Es solle aber "queerbejahend" sein. Sollte sich doch jemand auf den Schlips getreten fühlen, bitten die Macher darum, sie zu informieren. (dk)



#1 Stefan MöllerAnonym
  • 22.01.2018, 17:23h
  • Tolles Spiel! Danke für den interessanten Artikel. Werde ich mir gleich mal auf Stream anschauen.
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#2 Paul WechslerAnonym
  • 22.01.2018, 17:29h
  • Is ja ne nice Idee. Bevor ich jetzt blöd im Internet rumsurfe kann ich ja auch was Gutes auf Steam zocken.
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#3 TraumzerstörerinAnonym
  • 22.01.2018, 17:29h
  • Habe mir das durch Zufall vor zwei Tagen live auf Steam angesehen weil es in der Werbelist war, ich konnte nur den Kopf schütteln.

    Ein weiteres dieser nutzloses, völlig vulgären Steam-Spiele die wie Regen von Himmel fallen.

    Ich fands einfach nur skurril und ekelig, das es etwas mit Toleranz zu tun haben soll, ist mir erst garnicht gekommen, das erfahre ich hier zum ersten Mal.

    Ist auch irgednwie so eine Abwertung und Lächerlichmachung von Penissen als Genitalien, so garnicht empanzipiert.
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#4 Fesahaye NeftalemAnonym
#5 Grosvenor DostieAnonym
  • 22.01.2018, 17:45h
  • Erinnert mich irgendwie an die "Vagina-Monologe" der New Yorker Theaterautorin und feministischen Aktivistin Eve Ensler. Jeder, der einen Schwanz hat, hat auch einen Anus, und in jeden Anus kann man bekanntlich einen Schwanz einführen. Insofern ein beachtlichen Spiel.
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#6 JujulienAnonym
  • 22.01.2018, 17:48h
  • Homophobie baut man nicht ab indem man das Vorurteil des sexbesessenen Schwulen befeuert.
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#7 Mario PabstAnonym
  • 22.01.2018, 17:51h
  • Ist bestimmt nicht einfach so ein Indie-Game zu machen, und kommt ja auch der Community zugute.
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#8 Patroklos
#9 hugo1970Ehemaliges Profil
  • 22.01.2018, 21:38h
  • Schade, hatte den letzten Satz so gelesen:

    Sollte sich doch jemand auf den Schlips getreten fühlen, bitten die Macher darum, sich zu informieren.

    Dann die Ernüchterung:

    "Sollte sich doch jemand auf den Schlips getreten fühlen, bitten die Macher darum, sie zu informieren. "
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