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AfD-Provokationen

Nicole Höchst ist ein "regenbogenpupsendes rosa Glitzereinhorn"

Das designierte AfD-Kuratoriumsmitglied der Hirschfeld-Stiftung macht sich auf Facebook weiter über sexuelle und geschlechtliche Minderheiten lustig.


Nicole Höchst polemisiert trotz der Entsendung in die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld gegen LGBTI-Rechte (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Die AfD-Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst, die von ihrer Partei für das Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld gewählt worden war, macht auf ihrer Facebook-Seite weiter gegen LGBTI-Rechte mobil. "Wenn es mehr als zwei Geschlechter gibt, bin ich ein regenbogenpupsendes rosa Glitzereinhorn", kalauerte die 47-jährige Politikerin aus Speyer in einem Eintrag vom Freitagmorgen.

Höchst präsentiert sich seit der Kritik an ihrer Ernennung als Opfer einer Medienkampagne. "Eine Niescheninteressengruppe [sic!] befürchtet Gegenwind", schrieb sie etwa bereits am Donnerstag zum Bericht von queer.de. Dabei trete sie doch ein für "die grösstmögliche Freiheit eines jeden", solange das "nicht die Freiheiten anderer einschränkt", behauptete die Befürworterin eines Ehe-Verbots für Schwulen und Lesben, die im Bundestagswahlkampf erklärt hatte, dass es unter "homosexuellen Männern mehr Pädophile" gebe.

Angst vor einer Art Homo-"Propaganda"

Homo- und Transsexuellen wirft die Rechtspopulistin in ihrem Facebook-Eintrag vom Freitag indirekt vor, zu sehr und zu sexuell in der Öffentlichkeit aufzutreten: "Ich will auch nicht mit dem belästigt werden, was meine heterosexuellen Nachbarn im Schlafzimmer tun. Ich nehme meine Freiheit in Anspruch, davon verschont bleiben zu wollen. Ich nehme die Freiheit für meine Kinder in Anspruch, davon verschont bleiben zu wollen." Sie warf einer "ausgewiesenen Minderheit" vor, für sich in Anspruch zu nehmen, "dass alle Kinder verunsichert werden müssen, ob sie Männlein oder Weiblein sind." Durch die "Genderdebatte" würde die Gesellschaft "immer stärker sexualisiert", behauptete Höchst weiter.

Die AfD-Politikerin kritisierte auch eine im November bekannt gegebene Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, wonach es das Recht auf Anerkennung eines dritten Geschlechts gebe (queer.de berichtete). Höchst leugnete in ihrem Eintrag schlicht die Existenz intersexueller Menschen: "Die binäre Opposition zwischen den zwei Geschlechtern kann nicht durch ein herbeikonstruiertes so genanntes drittes Geschlecht aufgehoben werden", so Höchst. Wie schon bei der Ehe-Öffnung behauptete die Politikerin damit, dass die Gewährung von Minderheitenrechten dazu führe, dass die Mehrheit Rechte verliere.



Nach jahrelangem politischen Streit war die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld 2011 eingerichtet worden, um an den von den Nazis vertriebenen Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld zu erinnern, Bildungs- und Forschungsprojekte zu fördern und der gesellschaftlichen Diskriminierung von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten entgegenzuwirken.

Der Lesben- und Schwulenverband ist sicher, dass die Mitgliedschaft der Homo-Hasserin im Kuratorium keine Auswirkungen auf die Arbeit der Stiftung hat: "Der LSVD wird mit seinen Kuratoriums-Mitgliedern weiterhin dafür arbeiten, dass der Stiftungsziel erfüllt und die Arbeit des Vorstandes unterstützt wird. Da dies auch von den anderen Kuratoriums-Mitgliedern so gesehen werden wird, bleibt Nicole Höchst damit eine zu vernachlässigende Stimme, die weder Einfluss haben, noch Gehör finden wird", erklärte der Verband am Donnerstag in einer Pressemitteilung. (dk)

 Update  16.25h: Höchst sieht sich als Opfer von "Fake News", will in Stiftung gegen "Nischeninteressen" arbeiten

In einer Pressemitteilung, die sie am Freitag auch auf Facebook verbreitete, beklagte Höchst, in mehreren Presseartikeln seien "nicht nur Vorurteile gegenüber ihrer Person geschürt, sondern auch regelrechter Hass versprüht" worden. "Diese Vorwürfe sind besonders erheiternd für Menschen, die sie kennen, da es sich hierbei um Fake News par excellence handelt. Seit ihrer Studienzeit ist Frau Höchst eng mit Homosexuellen befreundet, auch zu Transgendermenschen gibt es keinerlei Berührungsängste".

Es sei "geradezu beschämend, wie Vorurteile geschürt werden von Menschen, die die Deutungshoheit über gesellschaftliche Entwicklungen sowie größtmögliche Toleranz und Akzeptanz für sich und ihre Sichtweisen beanspruchen", so Höchst.

Man müsse "nicht homophob, transophob [sic!] oder gar homo- und transfeindlich sein, um solche Kritik zu äussern", wie sie es getan habe, so Höchst in ihrer Pressemitteilung. In erster Person fuhr die Politikerin fort: "In der Stiftung werde ich meine Expertise sehr gerne einbringen. Selbstverständlich werde ich genau schauen, für welche Art Projekte mit welchen Zielen Steuergelder verwendet werden. Auch was die inhaltliche Ausrichtung der Projekte angeht, möchte ich mich aktiv an der Interessensabwägung 'Was ist gut für die Minderheit, was ist gut für die Mehrheit' beteiligen".

Weiter betonte die Politikerin: "Nischeninteressensgruppenpolitik, wie zum Beispiel die sogenannte Sexualpädgogik der Vielfalt, mit welcher die gesamte Gesellschaft am Nasenring von Minderheiten durch die Manege gezogen werden soll oder welche gar schädlich ist, werde ich nicht unterstützen". Sie stehe "für die größtmögliche Freiheit eines jeden, solange diese nicht die Freiheiten anderer einschränkt und akzeptiert vollumfänglich andere Lebensweisen jenseits des Mainstreams, auch des Biologismus".



#1 myysteryAnonym
  • 26.01.2018, 11:39h
  • Der Frau ist die Boshaftigkeit im Gesicht anzusehen.

    Vor allem ist es peinlich, wenn jemand von Biologie spricht und dann unfähig ist, zu erkennen, dass es eben die Biologie ist, die uns als erste mit nicht-eindeutigen Geschlechtskonstellationen (XXY, Turner, XYY, XX-Mann) versorgt.

    Von der Ignoranz gegenüber der verfassungsrechtlichen Realität ist dann auch noch gar nicht gesprochen.
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#2 AFD-WatchAnonym
  • 26.01.2018, 11:56h
  • Nicole, deine Aussagen finde ich HÖCHST bedenklich!

    "Homo- und Transsexuellen wirft die Rechtspopulistin in ihrem Facebook-Eintrag vom Freitag indirekt vor, zu sehr und zu sexuell in der Öffentlichkeit aufzutreten"

    Aha. Ist das der Grund, weshalb der Staat mithilfe des 175er in das Schlafzimmer hinterherschnüffelte und Menschen verurteile, obwohl sie sich diskret verhielten?

    "Ich will auch nicht mit dem belästigt werden, was meine heterosexuellen Nachbarn im Schlafzimmer tun. "

    Komischerweise höre ich von euch Alten-naiven für Deppen keinen tatsächlich Aufschrei, wenn irgendein Promi oder Sportstar mit seinen Eroberungen rumprahlt und wen er wo aufgerissen und flachgelegt hat. Wo hört man das bitteschön von Homosexuellen?

    Was soll das Messen mit 2erlei Maß?

    PS.
    Kann die Stiftung nicht einfach ihre Statuten ändern? z.B. die Aufnahme eines neuen Mitglieds nur nach Zustimmung von anderen Mitgliedern?
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#3 BEARAnonym
  • 26.01.2018, 12:21h
  • Diese Dinge sind erst der Anfang - wir werden uns daran gewöhnen müssen.

    Und wir werden uns auch daran gewöhnen müssen, uns intensiver dagegen aufzulehnen.

    Meines Erachtens herrscht in Deutschland ein falsches Demokratieverständnis - so wird die AfD als "demokratische" Partei missdeutet, nur weil sie von 12,6% der Wahlbürger_innen gewählt wurde.

    Zur Erinnerung: auch die NSDAP wurde von den Wahlbürger_innen gewählt.

    Aber:
    "Typische Merkmale einer modernen Demokratie sind freie Wahlen, das Mehrheits- oder Konsensprinzip, Minderheitenschutz, die Akzeptanz einer politischen Opposition, Gewaltenteilung, Verfassungsmäßigkeit, Schutz der Grundrechte, Schutz der Bürgerrechte und Achtung der Menschenrechte." (Wikipedia)

    Minderheitenschutz.
    Schutz der Grundrechte.
    Schutz der Bürgerrechte.
    Achtung der Menschenrechte.

    Das sind mindestens vier Grundprinzipien, die die AfD laufend verletzt - und zwar mit vollster Absicht und System.

    Wir dürfen nicht zulassen, dass sich diese zutiefst antidemokratische Seuche, die angetreten ist, unseren demokratischen Rechtsstaat bewusst auszuhöhlen und für ihre menschenverachtenden Zwecke umzufunktionieren, weiter ausbreitet. Und wir dürfen auch nicht zulassen, dass sie ihren Einfluss, den sie jetzt schon hat und zunehmend erweitert (wie wir gerade erleben müssen), zu unseren Lasten und zu Lasten der Menschenrechte ausweitet.

    "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." (Grundgesetz, Art. 1)

    Die AfD hat sich für ein klares Gegenkonzept entschieden und erfüllt m.E. somit nicht mal mehr das Kriterium der Verfassungsmäßigkeit.

    Weshalb lassen es unser Staat, unsere Gerichtsbarkeit, unsere Bürger_innen zu, von einer Partei mit regiert zu werden (und das tut sie, wenn sie nun überall Posten erringt, selbst wenn sie offiziell "nur" in der Opposition sitzt), die auf mindestens fünffache Weise demokratiefeindlich ist?

    Es muss ein Aufschrei durchs Land gehen. Wir müssen uns dessen erwehren.

    Bevor es zu spät ist, wie 1933.
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#4 TheDadProfil
  • 26.01.2018, 12:29hHannover
  • Antwort auf #2 von AFD-Watch
  • ""PS.
    Kann die Stiftung nicht einfach ihre Statuten ändern? z.B. die Aufnahme eines neuen Mitglieds nur nach Zustimmung von anderen Mitgliedern?""..

    Eine Bundesstiftung unterliegt der Kontrolle durch das Parlament..
    Wieso man aber dazu jeweils einen Abgeordete*n aus jeder vertretenen Fraktion entsenden muß, erschließt sich mir überhaupt nicht, denn wie auch der Wehrbeauftragte oder die Gleichstellungsbeauftragte vom Parlament gewählt wird, kann man die Kuratoriums-Mitglieder dieser Stiftung dem Parlament vorschlagen und vom ganzem Parlament wählen lassen..

    Analog zur Wahl der Stellvertreter des Parlamentspräsidenten kann dann nämlich auch eine vorgeschlagene Person durchfallen und der Sitz wird nicht besetzt..
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#5 LaurentProfil
#6 krakalaAnonym
  • 26.01.2018, 12:58h
  • Die Botschaft ist folgende:
    Die AfD sei nicht gegen Homosexualität. Nur gegen die Übersexualisierung. Gegen die Gender-Überdrehung (Gender-Gaga).

    Die Menschen sollen denken: Hey ich bin ja auch nicht gegen Schwule, aber dieses ganze komische verrückte Zeug ist mir auch suspekt.
    Das war IMMER deren Taktik, und das ist sie auch heute noch, egal aus welchem brauem Maul der Mist kommt.

    Mein Tipp, gar nicht erst die Nazi-Keule nehmen, sondern von Hinten angreifen. Mit ihren eigenen Waffen.
    Zum Beispiel mit folgenden Botschafen:
    Schüler sollen Sex in der Schule lernen, nicht im Internet.
    Sexualkunde ist ein Pflichtfach.
    Ficken macht Spaß!

    Projizieren wir ihre Anti-Homo-Botschaft auf das gesamte Sexualwesen. Fragt sie, was sie von Pornos hält. Kann man ihr zutrauen Pornos verbeiten zu wollen? Stellt sie dar, als ob sie Sex verbieten möchte. Als ob sie das Küssen in der Öffentlichkeit verbieten möchte, als ob sie die Liebe verbieten möchte.

    Drängt sie in die DEFENSIVE. Bisher sind immer wie in der Defensive, oder wir greifen immer zur selben Waffe (Nazi-Argument). Die AfD wird klagen, dass meine sie gar nicht. Aber das wird niemand hören.
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#7 swimniAnonym
#8 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
#9 TimonAnonym
  • 26.01.2018, 14:23h
  • Dabei trete sie doch ein für "die grösstmögliche Freiheit eines jeden, solange sie nicht nicht die Freiheiten anderer einschränkt",

    Und inwiefern schränkt die gleichgeschlechtliche Ehe andere in ihrer Freiheit ein?
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#10 MiscatonicAnonym
  • 26.01.2018, 14:49h
  • Antwort auf #8 von BuntesUSchoenes
  • Wir werden mit dieser Partei mind. 4 Jahre leben müssen. Sie werden sich nur dann völlig blamieren können, wenn man sie auch an die entsprechenden Posten läßt. Je mehr man die AFD "diskriminiert", desto mehr können sie sich als Opfer darstellen, was die erst stark gemacht hat. Ich habe vor denen keine Angs. Die werden sich wie die Piraten (leider) als unfähig erweisen, denn 60% der eigenen Wähler mögen die Partei nicht mal, sondern wollten den Etablierten zeigen, dass sie nicht mehr gehört fühlen. Die Etablierten müssen zeigen, dass sie die Sorgen dieser 12% zumindest Ernst nehmen, dann werden die auch wieder Probleme mit der 5% Hürde bekommen.
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