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Katholische Kirche

Kardinal Marx kann sich Segnungen homosexueller Paare vorstellen – im Einzelfall

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz rückt im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk von seinem kategorischen Nein ab, wehrt sich aber gegen eine generelle Regelung.


Reinhard Kardinal Marx ist seit 2007 Erzbischof von München und Freising sowie seit 2014 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (Bild: Botulph / wikipedia)

Noch 2015 sagte Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, dass Segnungen homosexueller Paare "mit Lehre und Tradition der Kirche nicht vereinbar" seien – nun hat er seine Meinung in dieser Frage etwas geändert. Im Interview mit dem Radiosender B5 aktuell des Bayerischen Rundfunks sprach sich der 64-Jährige erstmals für Segnungen im Einzelfall aus.

Gefragt wurde Marx, warum es beim Eingehen der Kirche auf Wünsche von Gläubigen, etwa bei der Segnung von lesbischen und schwulen Paaren, der Weihe von Diakoninnen und der Aufhebung des Zölibats, nur eine mäßige oder keine Entwicklung gebe. Er antwortete, man müsse auf neue Lebensumstände reagieren, etwa in der Seelsorge.

"Da muss man auch ermutigen dazu, dass die Priester und Seelsorger den Menschen in den konkreten Situationen auch einen Zuspruch geben", sagte Marx im Hinblick auf homosexuelle Paare. "Ich sehe da eigentlich keine Probleme." Eine andere Frage sei, "wie das öffentlich, liturgisch passiert". Da müsse man "zurückhalten und in guter Weise darüber nachdenken", so der Kardinal.

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"Es gibt Dinge, die lassen sich nicht regeln"

Gleichzeitig wehrte sich der Vorsitzende der Bischofskonferenz gegen eine feste Regelung zur Segnung von Lesben und Schwulen. "Es gibt Dinge, die lassen sich nicht regeln", sagte Marx. "Das halte ich nicht für richtig, weil es hier um Seelsorge für Einzelfälle geht. Das muss ich dem Seelsorger und der Begleitung vor Ort überlassen."

In einem Weihnachts-Interview mit der "Welt am Sonntag" hatte Marx im vergangenen Jahr über schwule und lesbische Paare gemeint: "Dass es diese Partnerschaften gibt, ist in Ordnung, so ist es in dieser Welt, und ich kann es auch nicht schlecht finden, wenn Menschen füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen." Gleichzeitig polterte er jedoch gegen die Ehe für alle und Mehrelternschaft, die er als "Angriff auf die Zivilisation" bezeichnete (queer.de berichtete).

Als erster katholischer Bischof hatte sich im Januar der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode für Segnungen homosexueller Paare ausgesprochen (queer.de berichtete). Die von dem stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz geforderte Debatte in der katholischen Kirche über die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen scheint nun in Gang zu kommen. (mize)



#1 goddamn liberalAnonym
  • 03.02.2018, 13:42h
  • Auf dass Kuby, Kelle, Liminski u. Co. Schnappatmung bekommen mögen!

    Ich will nicht den Segen der katholischen Kirche.

    ABER:

    Die zarten Pflänzchen der Humanität, die hier ganz vorsichtig sprießen, zeigen eben, wer schwarz und konservativ und wer braun und reaktionär ist.

    Diese Trennschärfe ist gerade im Land des rosa Winkels sehr wichtig.

    Für uns überlebenswichtig!
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#2 ursus
  • 03.02.2018, 13:51h
  • "ich kann es auch nicht schlecht finden, wenn Menschen füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen."

    aber "gut finden" kann er es offenbar auch nicht, und schnackseln dürfen zwei männer oder frauen natürlich trotzdem nicht.

    wer sich darauf einlässt, sich in aller verschwiegenheit vom örtlichen pfaffen eine halbherzige "seelsorge"-handlung zumuten zu lassen, die um himmels willen nicht im entferntesten an eine trauung erinnern und nicht in der öffentlichkeit stattfinden darf, der_die hat auch nichts besseres verdient.

    die anderen sollten weiterhin auf echte akzeptanz setzen.

    www.kirchenaustritt.de
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#3 Paulus46Anonym
  • 03.02.2018, 13:53h
  • Antwort auf #1 von goddamn liberal
  • Also eine Segnung im privaten Raum im Hinterzimmer beim Priester ist sicherlich in keiner Weise für homosexuelle Paare, die am Standesamt geheiratet haben, attraktiv, interessant und wird dann auch wohl kein homosexuelles, standesamtlich verheiratetes Paare wollen, und sie werden dann lieber zu einer evangelischen Landeskirche der EKD wie die Landeskirche Rheinland, die Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Landeskirche Baden oder Landeskirche Reformierte Kirche in Nordwestdeutschland und Bayern gehen, denn dort gibt es eine reguläre kirchliche Trauung vor dem Altar, wo Freunde, Bekannte und Verwandte eingeladen sind.

    Nebenbeibemerkt bin ich diesen Sommer zu Gast bei einem befreundeten schwulen Paar, das diesen Sommer kirchlich in einer evangelischen Kirche der Landeskirche Rheinland sich trauen lassen will, was mich für die beiden sehr freut.

    Eine Segnung im Hinterzimmer "kann" Marx "vergessen", nur ein öffentlicher Gottesdienst in der Kirche vor dem Altar ist zielführend.
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#4 ursus
  • 03.02.2018, 13:55h
  • Antwort auf #1 von goddamn liberal
  • "wer schwarz und konservativ und wer braun und reaktionär ist. Diese Trennschärfe ist gerade im Land des rosa Winkels sehr wichtig."

    ansichtssache. ich finde es mindestens ebenso wichtig, auf die bereiche hinzuweisen, in denen zwischen konservativ und faschistisch fließende übergänge bewusst verwischt werden sollen. für mich liegt die grenze nicht zwischen "diskriminierend und auslöschend", sondern zwischen akzeptanz und abwertung. die rkk bleibt trotzig auf der seite der expliziten abwertung.
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#5 kuesschen11Profil
  • 03.02.2018, 14:11hFrankfurt/Main
  • Diese Einstellung des Kardinals zeigt doch wieder mal deutlich, wie niedrig die Toleranz der katholischen Kirche überhaupt immer noch ist.

    Da ist Ausgrenzung in vollem Gange, sonst könnte ja generell die Segnung von LGBTTIQ-Paaren wie für alle anderen Gläubigen stattfinden. Das kann die Kirche sehr wohl regeln. Die haben im Patriarchat schon ganz andere Dinge der Macht "geregelt.

    Als Nicht-Katholik werde ich diese Segnung sowieso nicht in Betracht ziehen.
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#6 goddamn liberalAnonym
  • 03.02.2018, 14:15h
  • Antwort auf #4 von ursus
  • "ansichtssache. ich finde es mindestens ebenso wichtig, auf die bereiche hinzuweisen, in denen zwischen konservativ und faschistisch fließende übergänge bewusst verwischt werden sollen. "

    Wohl wahr. Gerade bei NS-Nachfolgeparteien wie FPÖ und AFD gibt es da sicher zuviel Toleranz. Bis hin zum Verfassungsschutz, der in diesem Land ja seit seiner Gründung die Verfassung eher untergraben als verteidigt hat.
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#7 Homonklin44Profil
  • 03.02.2018, 14:16hTauroa Point
  • Die lassen sich immer mal wieder neue Varianten davon einfallen, wie sie ihren LGBTIQ*-Lehrenfolgern zeigen können, dass sie weniger Wert haben, als Heterosexuelle, und sich darauf freuen dürfen, wenn diese weniger wert haben nun endlich auch mal zeremoniell in Einzelfällen irgendwie umgesetzt wird. Vielleicht ergötzen die Knilche sich gar da dran, wenn die Gläubigen das auch noch dankbar bejubeln, wenn ihnen gezeigt wird, in wie vielen Weisen sie weniger Wert als Heterosexuelle haben.

    Die Empfehlung durch Ursus ist zu unterstützen:

    www.kirchenaustritt.de
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#8 BEARAnonym
  • 03.02.2018, 14:22h
  • @ursus:

    Für mich ist es außerordentlich praktisch, wenn Du vor mir kommentierst. So brauche ich nämlich in den allermeisten Fällen einfach nur zu 100% zuzustimmen.

    So auch hier :-)
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#9 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 03.02.2018, 14:37h
  • Pfff, so ein Schmarrn: im Einzelfall. Was sind denn das für Kriterien? "Diese Nase gefällt mir und diese blauen Augen strahlen so schön, die werden gesegnet?" Diskriminierung pur.

    Alle, die das wollen, sollen gesegnet werden.

    Aber wie fühlt sich das gesegnete Paar, wenn fünf Paare davor und drei Paare danach abgelehnt wurden??

    Sodom und Gomorra.
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#10 Paulus46Anonym
  • 03.02.2018, 14:40h
  • Antwort auf #8 von BEAR
  • Ausführlicher nocheinmal geschrieben:

    *
    www.br.de/nachr/kardinal-marx-homosexuelle-100.html

    So, so... der Widerstand der römisch-katholischen Bischöfe/Kardinäle "bröckelt". Über Jahrhunderte hat die Katholische Kirche homosexuelle Menschen diskriminiert, Strafgesetze gegen homosexuelle Handlungen befürwortet, im Mittelalter homosexuelle Menschen auf dem Scheiterhaufen "verbrannt" und lernt nur sehr sehr langsam hinzu.

    ------------

    Nach den 1960er hat die Katholische Kirchenleitung und der Vatikan begriffen, das Strafgesetze inhuman sind, und befüwortet seit Jahrzehnten die Legalisierung der Strafgesetze in den jeweiligen Ländern weltweit.

    Aber bis heute steht im Katholischen Katechismus drin, das homosexuelle Handlungen ("Sex") zwischen gleichgeschlechtlichen Personen sündhaft ist, was beispielsweise bei den protestantischen (Lutheraner, Reformierte, Unierte), anglikanischen, altkatholischen, mennonitischen, methodistischen, baptistischen oder quäkerischen Kirchen nicht der Fall ist.

    Eine Reihe von katholischen Laienorganisationen (Caritas, Bund der deutschen Katholischen Frauen, Zentrarat der deutschen Katholiken, Kirche von unten, Freckenhorster Kreis von Priestern, Theologenprofessorenmemorandum "Kirche 2011.-Notwendige Reformen", usw.) fordert seit rund 20 Jahren in immer größerer Zahl der katholischen Laienorganisationen nunmehr die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.

    -------------
    Nunmehr sprach sich mit dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode der erste deutsche Bischof für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare im Januar 2018 aus und nunmehr ebenso der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Karindal Marx aus München im Februar 2018. Generell ist dies zu begrüßen:

    Aber damit setzen sich Kardinal Marx aus München und Bischof Bode aus Osnabrück in Widerspruch zum "noch geltendenden" Katholischen Katechismus zur Sündhaftigkeit homosexueller Handlungen und sollten dann auch dafür eintreten, das endlich der Katholische Katechismus diesbezüglich umgeschrieben wird.

    Marx möchte die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare aber im privaten Raum belassen ("im Pfarrzimmer ohne Gäste"); während viele andere christliche Kirchen regulär öffentliche Trauungsgottesdienste nach der standesamtlichen Heirat ermöglichen; damit werden diese anderen christlichen Kirchen attraktiver für homosexuelle Menschen bleiben.

    ABER immerhin ein großer Fortschritt, denn diese Bekenntnisse von Kardinal Marx und Bischof Bode bedeuten die theologische/ethische Umkehr bei der Verurteilung homosexueller Handlungen im Katechismus. Denn ein schwules/lesbisches Paar kann nur den Segen Gottes erhalten, wenn der Sex zwischen den beiden erwachsenen, verheirateten Personen nicht als Sünde bewertet wird. Schließlich kann man theologisch nicht die "gelebte" Sünde segnen.
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