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anyway-Talk in Köln

Wo sind die lesbischen Superheldinnen?

In Köln machten sich fünf Expertinnen, darunter auch Hella von Sinnen, auf die Suche nach den lesbischen Vorbildern. Die gesamte Diskussionsrunde ist jetzt als Video erhältlich.


Fünf lesbische und bisexuelle Frauen, die für Sichtbarkeit sorgen (v.l.n.r.): Lilian-Felicitas Prudlo, Susanne Bonnemann, Joanna Stange, Hella von Sinnen und Sina Vogt (Bild: anyway)

"Lesbische Superheldinnen: Das können die fiktiven Comic-Charaktere sein, die die Welt retten. Oder aber die echten Vorbilder, die 'Role Models', die als Orientierung dienen", so umriss Moderatorin Sina Vogt eine Gesprächsveranstaltung, die bereits bereits Ende November im Kölner Jugenzentrum anyway stattgefunden hatte – ab sofort kann man sich die anderhalbstündige Diskussion auch in guter Qualität auf Youtube anschauen.

Direktlink | Die gesamte Diskussion ansehen

Bei der Diskussion war auch eine "echte" Superheldin dabei: Lilian-Felicitas "Lilo" Prudlo, die im preisgekrönten Kurzfilm "Blake" die Hauptrolle der lesbischen Heldin mit Superkräften spielt. "Sie ist eine Heldin mit Brüchen", erklärte Prudlo. "Sie ist keine Wonder Woman. Wir wollten ein neues Bild kreieren und von Klischees absehen." Für sie persönlich sei Kathryn Janeway, die Kapitänin des Raumschiffs Voyager aus der "Star Trek"-Saga, das große Vorbild gewesen.

Außerdem diskutierten Susanne Bonnemann von der Diversity-Stelle der Stadt Köln, die Künstlerin und anyway-Mitarbeiterin Joanna Stange und die lesbische Starentertainerin Hella von Sinnen.

Für Bonnemann waren prominente Lesben die Heldinnen ihrer Coming-out-Phase. "Die einzigen Lesben, die ich kannte, waren Martina Navrátilová und Hella von Sinnen." Später seien Maren Kroymann und Anne Will dazu gekommen.

Joanna Stange fiel es dagegen schwer, überhaupt weibliche bzw. lesbische Heldinnen zu finden. Sie nannte insbesondere Astrid Lindgren als ihr Vorbild. Die schon vor Jahrzehnten geschaffenen Figuren Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter würden auch heute noch vielen Mädchen durch ihre Stärke und Unangepasstheit motivieren, Rollenklischees über Bord zu werfen.

"Ich wollte immer ich sein"

Hella von Sinnen, die selbst für viele Vorbild ist, erklärte, sie habe sich früh an starken Frauen in den Medien orientiert. Superheldinnen aus Comics oder Schauspielerinnen seien für sie wichtig gewesen, darunter Grethe Weiser, Bette Davis oder Barbara Stanwyck. "Auf die bin ich abgefahren, in die war ich total verknallt", so die 58-Jährige. Sie wolle diese Frauen aber nicht als Vorbilder bezeichnen, sondern eher mit dem aus dem Englischen geborgten Begriff "Rollenmodelle": "Ich habe keine Vorbilder. Ich wollte immer ich sein, wollte immer etwas Neues machen, was es so noch nicht gab."

In ihrer Kindheit habe es praktisch keine sichtbaren lesbischen Frauen gegeben. "Als Kind habe ich gedacht, dass ich krank bin." Dass sich mit Martina Navrátilová dann eine Tennisspielerin von Weltrang geoutet hat, bezeichnete Hella von Sinnen als "Offenbarung".


Hella von Sinnen und Moderatorin Sina Vogt (Bild: anyway)

Wenn ihr heute jemand sage, Homosexuelle hätten doch alles erreicht, könne sie aber trotz der Fortschritte nur den Kopf schütteln. "In der Popkultur, in Comics, da sind wir immer noch seltene Ausnahmen. Mir reicht das alles überhaupt nicht."

Wie wichtig starke Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit seien, erklärte Stange: "Wir suchen Menschen, an denen wir uns orientieren können. Durch weibliche, lesbische Vorbilder bekommt Lesbischsein mehr Selbstverständlichkeit." Viele lesbische Charaktere würden aber immer noch männliche Erwartungen bedienen.

Die Frauen argumentierten, dass es für junge Lesben unheimlich wichtig sei, entsprechende Vorbilder zu haben. Von Sinnen lobte in diesem Zusammenhang ihre ehemalige Partnerin Cornelia Scheel, mit der sie ein Vierteljahrhundert lang liiert war (queer.de berichtete). "Ich war immer die dicke, laute, schrille Lesbe von RTL. Aber Cornelia Scheel war es, die gesagt hat, es kommt in den besten Familien vor", so von Sinnen über die Adoptivtochter von Ex-Bundespräsident Walter Scheel (FDP). Lesbischsein habe so einen völlig anderen sozialen Status erhalten. "Ich kann ihr dafür gar nicht genügend Komplimente machen."

Appell von Hella von Sinnen: Outet euch!

Die Entertainerin und Schauspielerin hätte sich gewünscht, mit ihr hätten sich mehr Frauen geoutet. "Ich war lange Zeit die einzige in Deutschland", sagte von Sinnen. "Wären sie damals alle aus dem Schrank gekommen, das wär's gewesen. Aber sie haben sich nicht getraut, und das verstehe ich auch. Sie wären sofort in einer Schublade gelandet." Dem stimmten auch die anderen Diskutantinnen zu. "Das hätte zu mehr Selbstverständlichkeit geführt", erklärte Stange. Und Bonnemann ergänzte: "Und Klischees aufgebrochen, gerade wenn die Leute gedacht hätten: Oh, von der hätte ich es nicht gedacht."

Bonnemann selbst habe erfahren, dass sie mehr akzeptiert worden sei, weil sie zwei Kinder hatte. "Für die, die vorher skeptisch waren, ist es jetzt nicht mehr so fremd", sagte sie. Auch wenn Kinder ihr einen "spießigen Touch" verleihen, helfe es dennoch, Berührungsängste abzubauen.

Auf die Frage ans Publikum, wo heute Lesben noch sichtbarer werden müssen, kamen vielfältige Antworten: In Videospielen, in der Kirche, im Sport, Gesundheitssystem, aber auch in Senioreneinrichtungen gebe es nur wenige Vorbilder, so Bonnemann. "Ich würde mir Schulaufklärungsprojekte auch für Seniorenheime wünschen."

Generell, warnte Hella von Sinnen, habe sie Angst vor einem Backlash. "Wir müssen aufmerksam bleiben." Damit verbindet sie einen Appell an alle Anwesenden: "Wenn hier jemand ungeoutet ist: Ihr müsst das thematisieren. All die Merkwürdigkeit ist dann weg. Vielleicht werdet ihr gedisst, aber du kannst wenigstens du selbst sein. Alles andere ist nicht so wichtig!" (pm/cw)



#1 BuntesUSchoenesProfil
  • 08.02.2018, 20:36hS
  • Danke, Hella von Sinnen.
    Ich denke ganz genauso. Als ich wusste, dass ich lesbisch bin, konnte ich nicht anders als so zu sein wie ich bin. Verheimlichen oder verstecken kam für mich gar nicht erst in Frage. Und ich halte es bis heute so.

    Es gibt gelegentlich Leute, die zu mir sagen, es sei einfacher, das lesbisch sein nicht so nach außen zu stülpen. Ich denke, das sagen diejenigen, die Homosexualität entweder als etwas "anderes" betrachten, oder die nicht verstehen, dass es auch extrovertierte Menschen gibt. Vielleicht gibt es manche, die das irgendwie in sich halten können, ohne dass andere etwas bemerken würden. Aber das kann frau ja nicht allen pauschal vorschreiben. Und außerdem gibt es keinen Grund für mich, weshalb ich mich nicht so zeigen sollte wie ich bin.
    Zusätzlich wundere ich mich dann immer, weshalb so eine Äußerung von einer Hetero-Person kommt. Wenn ich mir diese Personen anschaue und mit ihnen ins Gespräch komme, stelle ich fest, dass sie sich selbst ja auch nicht mit ihrer Persönlichkeit zurückhalten - eher im Gegenteil.
    Deshalb frage ich mich dann, weshalb ich mich an etwas halten soll, was diejenigen selbst nicht einhalten, die das aussprechen.
    Was da zumindest zum einen Teil dahintersteckt, ist mir klar: so wäre es für die intoleranten Menschen natürlich einfacher: sie würden es nicht bemerken, nicht sehen, nicht hören.
    Ich lehne das also schon von meiner Einstellung heraus ab. Das ist ja völlig kontraproduktiv und manche würde es sogar krank machen.
    Und ich kann es auch gar nicht. Wenn ich so tun würde als ob, ginge es direkt schief. Ich würde mich völlig unglücklich fühlen. Und dann müsste ich eine Geschichte erfinden, falls jemand nach meiner Privatsphäre fragt? Oder ich bleibe dann einfach stumm?
    Nö, das kommt nicht in Frage.

    Da mein Outing erst spät war, hatte ich sozusagen Glück, dass es in einer Zeit war, als es das AGG schon gab. Ausgesucht habe ich mir diese Zeit allerdings nicht. Es kam einfach in dieser Zeit an die Oberfläche. Hätte genauso auch früher sein können - es war Zufall.
    Ich verstehe allerdings sehr gut, dass es früher schwerer war, sich zu outen und es nicht viele gab, die sich ebenfalls outeten. Oder frau kannte halt keine andere, die sich geoutet hat. Das war dann so ne Art Alleingang. Das ist schade, aber zum Glück hat sich das verbessert, auch politisch hat sich was getan, wenn auch nur sehr langsam.

    Es wäre sehr erfreulich, zu erleben, wie sich noch viele outen werden und wie die Gesellschaft feststellt, dass das keine Selbstdarstellung ist, sondern das Bekennen zu sich selbst in einer Gesellschaft, die Homosexualität, Bisexualität, Trans*, Inter, Queer, immer noch als etwas "negatives" betrachten.
    Ich freue mich, dass ich zu denen gehöre, die ein Zeichen setzen wollen und zu sich selbst stehen, egal was kommt. So bin ich und so bleibe ich.
    Vielleicht denken manche, das könnte ein Nachteil werden, oder das sei schwierig. Tja, egal für was frau sich entscheidet - schwierig ist es immer. Ich entschied mich für das, was ich bin. Und das ist das beste, was ich tun kann. So bin ich authentisch und so kann ich überzeugen.

    Euch wünsche ich viel Erfolg beim Finden der Superheldinnen :-) Wäre toll, wenn ihr viele findet.

    Und danke für eure große Leistung in der Vergangenheit. Gerade diejenigen, die in der Öffentlichkeit stehen, waren meine Vorbilder.
    An erster Stelle war das Hella von Sinnen und auch Dirk Bach.

    ..."what we are needs no excuses"
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