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Olympiade in Südkorea

Mindestens 14 Mitglieder im Team LGBTI

Bei den Olympischen Winterspielen gibt es bislang 14 Mitglieder des Teams LGBTI, mehr als zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Das queerste Teilnehmerland sind die USA.


Drei vom Team LGBTI: Simona Meiler, Gus Kenworthy und Ireen Wüst

Zu Update springen: Zwei weitere Mitglieder im Team LGBTI (15.2., 10.40 Uhr)

Rund 3.000 Sportlerinnen und Sportler nehmen in den nächsten zwei Wochen an den Olympiade in Pyeongchang teil. Von ihnen haben sich bislang nur 14 als LGBTI geoutet – das entspricht weniger als einem halben Prozent aller Teilnehmer. Im Vergleich zur weit größeren Sommerolympiade liegt die Regenbogenmannschaft damit auf gleichem Niveau (queer.de berichtete). Am Ende konnte dieses informelle Team immerhin zehn Mal Gold, elf Mal Silber und vier Mal Bronze nach Hause bringen (queer.de berichtete).

Bei den Winterspielen sind bislang zehn Frauen und vier Männer im Team LGBT. Von den 154 deutschen Athleten ist kein einziger dabei. Die meisten Mitglieder des Teams kommen aus den USA (drei), gefolgt von Australien, Belgien und den Niederlanden (je zwei).

Nach den von Protesten und Festnahmen begleiteten Spielen in Sotschi lassen sich ihre Abenteuer nun entspannter verfolgen. Hier sind alle 14 Medaillenhoffnungen:

Emilia Andersson Ramboldt (Schweden, Eishockey)
Die 29-jährige Verteidigerin des Linköpings HC hat bereits an zwei Olympischen Spielen teilgenommen. Anderson Ramboldt heiratete ihre Frau Anna Ramboldt 2015 in einer Kirche in Östergötland.


Emilia Andersson Ramboldt will ihr Heimatland dieses Jahr ins Finale schießen – 2014 landeten die Schwedinnen auf Rang vier

Belle Brockhoff (Australien, Snowboarding)
Die 24-Jährige konnte im Snowboardcross-Weltcup bereits drei Goldmedaillen gewinnen. Bei ihrer ersten Olympiateilnahme 2014 in Sotschi kam sie auf den achten Platz – damals hatte sie auch gegen die Homophobie im Ausrichterland Russland protestiert (queer.de berichtete). Sie hatte sich erst vor zwei Monaten am Knie verletzt, so dass bis vor wenigen Tagen ihre Teilnahme ungewiss war – Anfang Februar teilte sie aber freudig per Twitter mit: "Habe das Okay von der medizinischen Abteilung bekommen."

Twitter / bellebrockhoff

Brittany Bowe (Amerika, Eisschnelllauf)
Die 29-Jährige aus Florida hat ihre sportliche Karriere als Inline-Speedskaterin begonnen – zwischen 2006 und 2008 konnte sie insgesamt acht WM-Titel gewinnen. Dann hängte sie ihre Skates an den Nagel und legte sich Schlittschuhe an – und das erfolgreich: Sie konnte vier WM-Medaillen und 17 Weltcupsiege feiern. Bereits vor vier Jahren war sie in Sotschi bei der Olympiade dabei und erreichte über 1.000 Meter den achten Platz. Bowe ist seit über zwei Jahren mit der niederländischen Speedskaterin Manon Kamminga liiert.


Brittany Bowe in einem Werbebild für den US-Sender, der die Olympiade übertragt (Bild: NBC)

Jorik Hendrickx (Belgien, Eiskunstlauf)
Der 25-Jährige zweifache belgische Meister hat sich erst vor wenigen Tagen als schwul geoutet. Vor vier Jahren belegte er in Sotschi den 16. Platz. Seine Schwester Loena tritt in Pyeongchang erstmals bei den Winterspielen an.

Daniela Iraschko-Stolz (Österreich, Skispringen)
Die 34-jährige Skispringerin war bereits in Sotschi erfolgreich: 2014 musste sie sich im Einzelspringen auf der Normalschanze nur der Schwäbin Carina Vogt geschlagen geben und erhielt Silber. In diesem Jahr will das Multitalent, das als Fußballtorhüterin mit Admira Wacker Innsbruck auch schon eine österreichische Vizemeisterschaft gewonnen hat, es erneut versuchen. Bereits seit 2012 sprach sie offen über ihre Homosexualität – 2013 verpartnerte sie sich mit einer Ärztin in Innsbruck. Damals erklärte sie, dass sie diesen Schritt auch als ein gesellschaftspolitisches Statement ansehe.

Direktlink | Der Sponsor ÖMV veröffentlichte 2015 dieses Interview mit Daniela Iraschko-Stolz

Barbara Jezeršek (Australien, Skilanglauf)
Für die 31-Jährige ist Pyeongchang bereits die dritte Olympiade: 2010 und 2014 trat sie für Slowenien an – ihr bestes Ergebnis ist bislang ein elfter Platz in der Staffel in Sotschi. 2016 wurde sie Australierin und versucht nun, für ihre neue Heimat Edelmetall zu gewinnen.

Gus Kenworthy (Amerika, Freestyle-Ski)
Der 26-Jährige ist wohl der bekannteste schwule Wintersportler. 2014 holte er – damals noch ungeoutet – in Sotschi die Silbermedaille im Slopestyle. Ein Jahr später outete er sich als schwul. Später sagte er, er habe sich bereits vor den Spielen in Sotschi outen wollen. Kenworthy ist in den USA sehr bekannt und beliebt, was den Shampoohersteller "Head & Shoulders" dazu veranlasste, ihn zu seinem Werbegesicht zu machen.


Gus Kenworthy im Werbespot für "Head & Shoulders"

Cheryl Maas (Niederlande, Snowboarding)
Die 32-Jährige war bereits vor vier Jahren in Sotschi dabei – damals war sie eine scharfe Kritikerin des IOC, weil der Verband erlaubte, dass die Spiele in einem homophoben Land ausgetragen werden. Die Snowboaderin ist bereits seit 2005 aktiv – bislang hat sie drei Weltcupsiege sowie eine Goldmedaille bei den Winter-X-Games erringen können. Maas ist mit der Snowboaderin Stine Brun Kjeldaas verheiratet, die 1998 olympisches Silber in Nagano gewinnen konnte. Das Paar zieht zwei Kinder names Lara und Mila groß.

Direktlink | Snowboarden mit Cheryl Maas ist aufregend!

Simona Meiler (Schweiz, Snowboarding)
Die 27-Jährige Schweizerin nimmt bereits zum dritten Mal an der Winterolympiade teil: 2010 war sie in der Disziplin Snowboardcross in Vancouver Neunte, 2014 erreichte sie in Sotschi den zehnten Platz. Die Bündnerin setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Homosexuelle im Sport nicht diskriminiert werden. 2014 sagte sie etwa: "Als Athletin, aber auch als Mensch, denke ich, dass wir jegliche Form von Diskriminierung stoppen müssen, um unser ganzes Potenzial freisetzen zu können."

Twitter / SimonaMeiler | "Soccermom" Simona Meiler erholt sich in Dortmund

Šárka Pančochová (Tschechien, Snowboarding)
Die 27-Jährige nahm bereits in Vancouver und Sotschi an der Winterolympiade teil – dieses Mal wird sie aber erstmals als offen lesbische Sportlerin antreten. Sie outete sich vergangenes Jahr gegenüber "Outsports" mit den Worten: "Heutzutage ist das keine wirklich große Sache." Ihre besten Resulate sind Silbermedaillen bei den Winter-X-Games und der Snowboarding-Weltmeisterschaft.


Šárka Pančochová ist eine von vier Snowboarderinnen im Team LGBTI (Bild: Instagram / sarkasnow)

Eric Radford (Kanada, Eiskunstlauf)
Der 32-jährige outete sich 2014 – ein gutes halbes Jahr, nachdem er bei den Olympischen Spielen in Sotschi Silber gewonnen hatte. Damals begründete der Kanadier sein spätes Coming-out mit den Worten: "Mein Sorge war, dass ich nur noch als 'der schwule Athlet' wahrgenommen würde, wenn ich mich bei den Olympischen Spielen oute, und nicht als Eric, der erfolgreiche Eiskunstläufer, der zufällig homosexuell ist." Seinem Erfolg hat der Schritt nicht geschadet. 2015 und 2016 wurde er Eiskunstlaufweltmeister im Paarlauf. Privat ist er übrigens vergeben: Letztes Jahr machte er seinem Freund einen Antrag – dieser sagte "ja".

Twitter / Rad85E | Der Heiratsantrag von Eric Radford

Adam Rippon (Amerika, Eiskunstlauf)
Der 28-jährige US-Eiskunstläufer, der im Einzellauf seit Jahren zur Weltspitze gehört, sorgte dieses Jahr mit seinem Zwist mit US-Vizepräsident Mike Pence für Aufsehen. Rippon, der 2015 erstmals öffentlich über seine Homosexualität sprach, kritisierte scharf, dass mit Pence ein Homo-Hasser Chef der US-Olympiadelegation geworden ist. Pence reagierte in typischer Trump-Manier, indem er Rippon vorwarf, "Fake News" zu verbreiten.


Adam Rippon mag nicht nur Eis und Schnee… (Bild: Instagram / Adaripp)

Sophie Vercruyssen (Belgien, Bobsport)
Die 25-Jährige ist das neueste Mitglied im Team LGBTI: Die Öffentlichkeit erfuhr erst am Freitagmorgen von ihrer sexuellen Orientierung, als sie auf Instagram ein Bild mit ihrer Freundin Lore Simons veröffentlichte. Dazu schrieb sie auf Englisch: "Die große Liebe seit fünf Jahren." Gegenüber belgischen Medien sagte sie aber, dass ihre Beziehung nie wirklich ein Geheimnis gewesen sei – daher könne man den Eintrag auch nicht als Coming-out bezeichnen.

Ireen Wüst (Niederlande, Eisschnelllauf)
Für die 30-Jährige sind die Spiele in Pyeongchang bereits die vierte Winterolympiade. Sie ist in ihrer Disziplin ein absoluter Superstar, was sich auch an den Ergebnissen zeigt: In Turin gewann sie 2006 Gold in der 3.000-Meter-Disziplin, in Vancouver holte sie Gold über 1.500 Meter. In Sotschi konnte sie sogar zwei Goldmedaillen für ihr Land gewinnen – zum einem über 3.000 Meter, zum anderen in der Team-Verfolgung. Hinzu kamen drei Silbermedaillen – damit war ausgerechnet eine Lesbe erfolgreichste Sportlerin der Spiele im homophoben Russland. Wüst hatte sich 2009 geoutet, zeigte sich später aber genervt, dass sie von der Presse immer über ihre privaten Beziehungen ausgefragt werde. So beschwerte sie sich in einem TV-Interview: "Sie würden doch auch nicht den Eisschnellläufer Sven Kramer nach seiner Beziehung fragen. Warum fragen Sie mich? Wenn ich mit einem Typen zusammen wäre, würden Sie das auch nicht tun."


Ireen Wüst war in Sotschi die erfolgreichste Sportlerin der Olympiade (Bild: Hans Splinter / flickr)

 Update  15.2.: Zwei weitere Sportlerinnen im Team LGBTI
Nach Hinweisen von Lesern können wir zwei weitere lesbische Sportlerinnen der Liste des Teams LGBTI hinzufügen: zum einen die kanadische Eishockeyspielerin Brianne Jenner


Letztes Jahr veröffentlichte Jenner bei Instagram ihr Verlobungsbild

…zum anderen die in Deutschland geborene belgische Skeletonpilotin Kim Meylemans.


Neben Jorik Hendrickx und Sophie Vercruyssen ist Meylemans die dritte belgische Vertreterin im Team LGBTI. Hendrickx: "Sophie, Kim und ich hatten nie irgendwelche Probleme nach unserem Coming-out. Bei der Eröffnungsdzeremonie haben wir gescherzt, dass wir ein Regenbogenbild machen sollten. Wenn man kein offenes Statement über das Coming-out macht, wie ich es getan habe, heißt das nicht, dass man weniger stolz ist." Bild: Instagram / kimmeylemans



#1 oooooAnonym
#2 ursus
  • 09.02.2018, 15:53h
  • einmal regenbogenfamilie, einmal trainierter beau, einmal diskriminierungs-verharmlosung, ein paar mal selbstbewusste politisierung und eine hochzeit in einer schwedischen kirche. da ist doch für jede_n was dabei.
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#3 andreAnonym
  • 09.02.2018, 17:33h
  • Antwort auf #2 von ursus
  • War heute schon für mich. Pita Taufatofua beim Einmarsch. Der Mann aus Togo. Mir sind bald die Augen ausgefallen. Echt. Jetzt muß ich die Olympischen Spiele auch nicht mehr einschalten. Höhepunkt vorbei. Nein echt. Schaue ich, normalerweise nicht. Aber die Eröffnung war schon toll. Die Effekte, weltspitze. War klar, im Land von Samsung und LG.
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#4 GeographAnonym
#5 andreAnonym
#6 Patroklos
#7 TimonAnonym
  • 10.02.2018, 09:28h
  • Die Dunkelziffer wird wohl noch viel höher sein.

    Wieso auch nicht: die sexuelle Orientierung hat nichts mit Sportlichkeit zu tun.
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#8 Paulus46Anonym
  • 10.02.2018, 16:42h
  • Antwort auf #7 von Timon
  • Die erste Medallie an eine offen geoutete LGBTI Sportlerin ging gleich am ersten Tag an die Niederländer Ireen Wüst: Silber !

    Ireen Wüst gehört sowieso zu den seit Jahren erfolgreichsten Profidamen weltweit im Eisschnelllauf und bekanntlich sind in dieser Disziplin die Niederlande traditionell sehr stark.
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#9 BEARAnonym
#10 Paulus46Anonym