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"Ali geht es gut!"

Schwuler Journalist flieht von Russland nach Deutschland

Ein Mitarbeiter der regierungskritisichen Zeitung "Nowaja Gaseta" ist nach Monaten der Unsicherheit endlich sicher.


Ali Ferus freut sich am Flughafen darüber, dass er endlich ausreisen darf (Bild: LGBT Network)

Der schwule Journalist Chudoberdi Nurmatow, der unter dem Pseudonym Ali Ferus bekannt ist und dem eine Abschiebung nach Usbekistan drohte, darf nach monatelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen Russland verlassen und nach Frankfurt am Main ausreisen. Die russische Organisation LGBT Network teilte am Freitagvormittag via Facebook mit, dass Ferus am Flughafen Moskau-Scheremetjewo abgefertigt worden sei und das Land verlassen darf. Laut dpa erklärte sein Anwalt kurze Zeit später: "Wir befinden uns in einem Flugzeug nach Deutschland. Ali geht es gut!"

Ferus war in Russland geboren worden, kam aber mit 17 Jahren nach Usbekistan und nahm die Staatsbürgerschaft an. 2009 floh er aus Usbekistan, weil er dort verhaftet und gefoltert worden war. Der Grund: Er hatte sich geweigert, ein Informant zu werden.

In Moskau arbeitete er seither für die Tageszeitung "Nowaja Gaseta", die unter anderem die brutale Schwulenverfolgung in der russischen Teilrepublik Tschetschenien aufgedeckt hatte. Im vergangenen Sommer wurde er auf dem Weg zur Arbeit in Moskau festgenommen und sollte abgeschoben werden – Hintergrund war offenbar seine regierungskritische Berichterstattung über Diskriminierungen von Minderheiten in Russland, auch über Schwule und Lesben.

Der Festgenommene fürchtete, nach seiner Abschiebung im homophoben Unrechtsstaat Usbekistan erneut gefoltert und anschließend getötet zu werden. Als die Abschiebung Anfang August angeordnet wurde, unternahm er einen Selbstmordversuch (queer.de berichtete). Eine Woche später setzte ein Gericht die Auslieferung vorläufig aus (queer.de berichtete).

Juristisches Tauziehen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ordnete kurze Zeit später in einer Eilentscheidung an, dass Ferus nicht nach Usbekistan abgeschoben werden darf. Vergangene Woche entschied schließlich auch ein Gericht in Moskau, dass Ferus in einen Drittstaat ausreisen darf.

Für die Freilassung des Journalisten hatten sich Human Rights Watch und andere Bürgerrechtsorganisationen eingesetzt. Amnesty International erklärte nach seiner Festnahme in Moskau: "Ali Ferus ist offen schwul, ein Menschenrechtsaktivist und ein Korrespondent der unabhängigen Zeitung 'Nowaja Gaseta'. Das ist eine so gut wie tödliche Kombination für jemanden, der nach Usbekistan ausgeliefert werden soll, wo 'Unzucht' eine Straftat und Folter an der Tagesordnung ist." (dk)



#1 RobinAnonym
  • 15.02.2018, 15:09h
  • Gut, dass er in Sicherheit ist.

    Hoffentlich bekommt er hier Asyl. Leider weigern sich Union und SPD ja nach wie vor, ein generelles Asylrecht für verfolgte LGBTI einzuführen.
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#2 GreenbasicAnonym
#3 Carsten ACAnonym
  • 15.02.2018, 15:32h
  • Antwort auf #1 von Robin
  • Und leider wird das Fehlen dieses generellen Asylrechts für verfolgte GLBTI auch schon aktiv ausgenutzt. Queer.de hat ja schon mehrfach über Fälle berichtet, wo GLBTI aus Deutschland in Verfolgerstaaten abgeschoben wurden oder wo das teilweise erst nach medialem Protest aufgeschoben wurde.

    Es gibt noch einige GLBTI-politische Punkte, wo noch Nachholbedarf besteht. Aber das hier ist ein besonders dramatischer, weil es hier wirklich um die Gesundheit, Unversehrtheit oder gar das Leben von Menschen geht.

    Umso perverser, dass CDU, CSU und SPD das Thema scheinbar aussitzen wollen.

    Spätestens bei Menschenleben sollte es keine Machtspielchen, keine Ideologie und keine faulen Kompromisse geben.
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#4 PierreAnonym
  • 15.02.2018, 15:44h
  • Lieber Chudoberdi Nurmatow,

    Du wirst das wohl nicht lesen, aber ich freue mich, dass Du in Sicherheit bist.

    Und ich freue mich auch, dass Dein Selbstmordversuch vor einigen Monaten nicht erfolgreich war. Ich kann nur ansatzweise eranhnen, wie verzweifelt Du gewesen sein musst, dass Du das damals als einzigen Ausweg gesehen hast. Aber gut, dass das nicht erfolgreich war.

    Ich hoffe, dass Du hier ein neues Zuhause findest, wo Du Dich wohlfühlst und wo Du frei und sicher leben kannst. Und dass Du glücklich wirst und ein langes und zufriedenes Leben führst.

    Wir alle denken auch an diejenigen, die nicht dieses Glück hatten und haben. Diejenigen, die jetzt in Gefängnissen und Lagern sitzen, die gefoltert werden oder die es nicht überlebt haben. Ich werde niemals verstehen, wie Menschen so etwas anderen Menschen antun können - egal ob man deren Leben versteht oder nicht.

    Alles Gute und die besten Wünsche für Deinen weiteren Weg... Und dass jetzt alles gut wird und Du endlich angstfrei leben kannst.
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#5 Julian SAnonym
  • 15.02.2018, 16:41h
  • Es ist ja schon schlimm genug, dass es überhaupt in so vielen Regionen der Welt Verfolgung von Homo-, Bi- und Transsexuellen gibt.

    Dass die dann aber, wenn Ihnen schon die Flucht gelingt, auch noch dafür kämpfen müssen, dass Ihnen Asyl gewährt wird, ist ein Skandal.

    Statt der Leute, die hier regelmäßig Einbrüche verüben oder gewalttätig werden, die hier einen Gottesstaat errichten wollen oder die hier gegen Frauen, Homo-Bi-Transsexuelle, Juden, etc. hetzen und die sich gar nicht integrieren wollen, sollte man lieber solche wirklich Verfolgten aufnehmen.

    Denn wer wirklich verfolgt ist, missbraucht die Gastfreundschaft nicht. Und solchen Leuten sollte man jede erdenkliche Hilfe gewähren, um ihnen die Integration zu erleichtern. Wer aber eigentlich diesen Staat, seine Bürger, seine Gesetze und seine freiheitlich-demokratische Grundordnung hasst und bekämpft, sollte abgeschoben werden. So jemand schadet nur der Mehrheit der friedlichen und integrationswilligen Migranten.
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#6 TimonAnonym
  • 15.02.2018, 17:18h
  • Es freut mich sehr, dass er gerettet wurde bzw. sich selbst gerettet hat.

    Aber es stimmt mich auch wahnsinnig traurig, dass auf jeden Geretteten Hunderte kommen, die weniger Glück haben.

    Und die Welt sieht größtenteils tatenlos zu. Sowohl die Regierungen (inkl. der schwarz-roten Deutschen Bundesregierung) als auch weite Teile der Medienlandschaft. Es ist vor allem Medien wie queer.de, Organisationen wie Reporter ohne Grenzen oder Amnesty International und natürlich mutigen Menschen wie dem hier Geretteten zu verdanken, dass solche Themen und Schicksale nicht komplett vergessen werden.
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#7 Tommy0607Profil
  • 15.02.2018, 18:02hEtzbach
  • Wenigstens hat er es jetzt besser als in seiner Heimat Russland.
    Denn mit der Menschlichkeit muss dieses östliche Land noch einiges lernen.
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#8 Homonklin44Profil
  • 15.02.2018, 20:21hTauroa Point
  • Er hatte sehr viel Glück im Unglück und die richtigen Rettungsseile wurden zu ihm geflochten. Kann man hoffen, dass andere Usbeken, die hier leben, ihn auch in Ruhe lassen. Andere Landsleute scheinen diesen drakonischen Systemen entkommene LGBTIQ* teilweise auch hier noch weiter zu bedrohen, falls sie es heraus kriegen.

    Für seinen Löwenmut hat er alle Anerkennung verdient. Ich hoffe, jetzt darf er vom relativen Lebensglück kosten.

    Willkommen in der großmöglichen Freiheit! Willkommen in Deutschland!
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#9 FelixAnonym
  • 15.02.2018, 23:02h
  • Antwort auf #8 von Homonklin44
  • Andere Landsleute scheinen diesen drakonischen Systemen entkommene LGBTIQ* teilweise auch hier noch weiter zu bedrohen, falls sie es heraus kriegen.

    Solche Leute sollten viel härter bestraft werden. Aber Hetze, Mobbing, Drohungeb, etc. gegen GLBTI gelten ja in Deutschland generell als Kavaliersdelikt.
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#10 PeerAnonym
  • 16.02.2018, 10:32h
  • Antwort auf #9 von Felix
  • Ja, es ist leider ein riesiges Problem, dass manche Migranten-Gruppen meinen, ehemalige Landsleute, die in ihrer Heimat verfolgt wurden, auch hier zu verfolgen.

    Da muss der Staat mit aller Macht gegen an gehen, damit sich keine Parallelgesellschaften mit eigenen "Gesetzen" bilden. Solche Migranten beweisen, dass sie sich gar nicht integrieren wollen und wenn die nicht bereits Aufenthaltsstatus haben, sollte man solche "faulen Äpfel" zum Wohle der friedlichen Migranten abschieben. Und falls das nicht möglich ist, mit der ganzen Macht des Gesetzes bestrafen, um denen zu zeigen, dass das hier nicht toleriert wird. Es darf da keinerlei Kulturrelativismus geben.

    Und Chudoberdi wünsche ich alles Gute für seinen weiteren Lebensweg und ein Leben in Frieden, Freiheit, Liebe und Glück.
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