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Bizarrer Protest

"Gays für Putin" melden Demos in Russland an

In St. Petersburg, Moskau und Samara wollen LGBTI-Aktivisten ein Zeichen im Päsidentschaftswahlkampf setzen.


Bilder wie diese wurden vor wenigen Jahren auf CSDs in aller Welt getragen, um ein Zeichen gegen das russische Gesetz gegen "Homo-Propaganda" zu setzen

Am 3. März könnte es in St. Petersburg eine bemerkenswerte Kundgebung geben: LGBTI-Aktivisten der neuen Gruppe "Gays für Putin" haben einen ersten Protest angemeldet – laut Einladung erwarte man bis zu 600 Teilnehmer mit Regenbogenfahnen und Putin-Symbolen.

Mit den Kundgebungen – nach einigem Medienwirbel wurden inzwischen weitere in den Folgetagen in Moskau und Samara angemeldet – wolle man vor den am 18. März stattfindenden Präsidentschaftswahlen den Amtsinhaber Wladimir Putin anpreisen für Gesetze, "die die moralischen Werte der russischen Gesellschaft stärken". Auch verdiene Putin Unterstützung, weil er "distinguierte Schwule und Lesben mit Orden und Medaillen auszeichnet".

Die Organisatoren betonten, nach der Anmeldung der Kundgebung im St. Petersburger Rathaus habe man einen Gottesdienst in der Smolny-Kathedrale besucht, um "für den Erfolg des guten Unterfangens zu beten".

Weckruf nach innen und außen

Anders als bei den "Gays for Trump" oder den "Homosexuellen in der AfD" handelt es sich bei der Gruppe "Gays für Putin" um bewusste Satire – wobei wohl die Beschreibung verzweifelter Zynismus besser angebracht wäre. "Wir haben uns entschieden, mit der offenen Unterstützung von Wladimir Putin den Impetus der Gay Community auszudrücken", hieß es bereits doppeldeutig in der Einladung zur Kundgebung.


Die Protest-Organisatoren nach Anmeldung in St. Petersburg

Gegenüber dem Magazin "Parni+" erklärte einer der Protest-Anmelder, Alexey Nasarow, man wolle damit sowohl das Putin-Regime "trollen", das LGBTI-Demonstrationen verbiete, als auch Mitglieder der queeren Community, die die Regierung direkt oder indirekt unterstützten. So ist in der Szene die Haltung weit verbreitet, Aktivismus als Bedrohung des Status Quo anzusehen, mit dem man sich arrangiert habe.

Es gebe Millionen LGBTI im Land, aber kaum einer von ihnen gehe zu Protestaktionen, heißt es in der Einladung zum Protest. "Folglich unterstützen die russischen Homosexuellen den Kurs Putins gegenüber LGBT-Menschen." Gedacht hat Nasarow wohl auch an heimlich – wie teilweise sehr offensichtlich – schwule Prominente, die sich von Putin für ihre Verdienste auszeichnen lassen. Es gebe auch schwule Beamte und Regierungsmitglieder, so Nasarow. "Ich kann mir vorstellen, für sie zu sprechen."

Putin persönlich eingeladen

Letztlich wolle man mit dem Protest die absurde Verlogenheit des aktuellen Systems zeigen: Werden die Behörden die Kundgebung als "Homo-Propaganda" verbieten, obwohl sie sich pro Putin gebe und etwa auf Transparenten dessen Zitat bringen soll, wonach Homosexuelle in Russland volle Menschenrechte besäßen? Gegen ein Verbot des Protests wolle man ankämpfen, so Nasarow. Zugleich hat er Putin inzwischen mit einem Schreiben zu seiner Kundgebung eingeladen.

Der Aktivist fand es lustig, dass viele Synonyme für "Gays für Putin" zum Anlegen eines Profils in der russischen Facebook-Variante vk schon vergeben waren, und dass sich einige LGBTI nun in sozialen Netzwerken über ihn empörten: "Sie schreiben, ich wäre eine Schande für die LGBT-Community. Aber meiner Meinung nach sind die eine Schande, die tolerieren, was mit ihnen gemacht wird."

Erst in den letzten Tagen hatte in russischen Medien und sozialen Netzwerken ein virales Video für Schlagzeilen gesorgt, das mit Homophobie dafür wirbt, zur Wahl zu gehen (queer.de berichtete). Der von einer Teilnahme ausgeschlossene Oppositionspolitiker Alexei Nawalny hatte zum Boykott der Wahl aufgerufen. (nb)



#1 stromboliProfil
#2 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
#3 stromboliProfil
  • 25.02.2018, 08:16hberlin
  • Antwort auf #2 von BuntesUSchoenes
  • mädel, jetzt bin ich aber ganz mächtig traurig.. hat der darüber mit dir gesprochen und kannst du nicht ein bischen nachhelfen...

    Ich wär dir auch auf ewig dankbar und würd dir nicht weiterhin mit spitzer feder hinterher schreiben.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
#5 stromboliProfil
#6 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 25.02.2018, 10:23h
  • Antwort auf #3 von stromboli
  • Informiere dich doch über seine Denk- und Handlungsweise, dann weißt du selbst, wie realistisch dein Wunsch ist.

    Ich denke nicht, dass er irgendwann von seiner radikalen Art und homophoben Denkweise abkommen wird, leider. Er wird ja eher konsequenter, je mehr die russische Bevölkerung protestiert.
    Selbstverständlich begrüße ich die Aktion im Artikel - mir gefällt das ebenso, und wenn ich in Russland leben würde, dann würde ich sicherlich mitmachen.
    Aber ich schätze Putin so ein, dass er seine Haltung nicht ändern wird.

    Er hat die Folter und die Tötung in Tschetschenien zugelassen und tut nun zu wenig, um dies aufzuarbeiten. Und auch aus Russland hört man immer wieder "unschöne" Taten und Vorgehensweisen. Der letzte CSD wurde mit Polizei unterbrochen und beendet.
    Lese einfach die letzten Artikel über Russland durch und dann kannst du selbst einschätzen, ob Putin sich jemals mit Homosexuellen auf ein Pferd setzen würde. Oder ob er diese Einladung, die im Artikel steht, annehmen wird.

    Wenn er nämlich darauf eingeht, was die Community in Russland gerade umsetzt, dann ist er automatisch verpflichtet, die Tat in Tschetschenien zu verurteilen und alles in die Wege zu leiten, dass das aufgeklärt wird. Somit würde er es dann zulassen, dass herauskommt, was da tatsächlich passiert ist, und das würde bedeuten, dass auch klar wird, dass Kadyrowilein und Putinski mitverantwortlich sind, inklusive der anderen, die direkt und indirekt beteiligt waren.
    Denkst du, er würde das jemals zulassen?
    Und nebenbei unterstützt er Trumpet und ist im Syrienkrieg involviert.
    Er ließ U-Boote Richtung Nordatlantik hinaus, um die Datenkabel ins Visier zu nehmen. Die Nato war entsprechend nervös.

    Nun kannst du selbst darüber nachdenken, ob das alles danach klingt, als würde Putin uns eines Tages entgegen kommen.
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