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LGBTI-Filmpreis

Teddy Award, bleib wiede bist!

Die jährliche Teddy-Gala zur Berlinale ist nicht nur der kulturelle, sondern auch der politische Höhepunkt im queeren Deutschland – zum Glück ist die Preisverleihung noch immer nicht perfekt.


Moderator Jack Woodhead hatte das heißeste Outfit des Abends, fand aber nicht immer die passenden Worte (Bild: Daniel Wesener / twitter)

Es war eigentlich wie immer. Die Sieger weinten auf dem Podium oder hoben kämpferisch die Faust, die Gäste von auswärts ließen sich aufgewühlt mitreißen von der enormen Solidarität im Saal, die Berliner motzten an der Bar und am Ende waren alle betrunken. Für mich ist der Teddy Award, der am letzten Wochenende zum 32. Mal im Haus der Berliner Festspiele verliehen wurde, nicht nur der kulturelle und alkoholische (aus Gründen erscheint der Bericht erst jetzt), sondern auch der politische Höhepunkt im queeren Deutschland-Kalender.

Es gibt keine auch nur annähernd vergleichbare Veranstaltung, auf der sich die LGBTI-Community so stolz und einig feiert und sich gleichzeitig so kämpferisch gibt. Der Teddy Award ist so viel mehr als nur die "wildeste Berlinale-Party", wie es der Deutschlandfunk formulierte. Auch in diesem Jahr zeigte die sensible Auswahl der Filme die Probleme, mit denen sich queere Menschen in aller Welt herumplagen müssen, und auf der Bühne fanden insbesondere Teddy-Erfinder Wieland Speck, Außenstaatsminister Michael Roth, der Berliner Senator Dirk Behrendt, Rapperin Sookee, Regisseur Markus Pabst und die brasilianische Sängerin Linn da Quebrada die richtigen Töne zu Homo- und Transphobie.

Rollback als roter Faden

Der Rollback, den LGBTI in vielen Ländern der Welt erfahren, war der rote Faden der diesjährigen Gala. Im Mittelpunkt standen die Hetze der AfD in Deutschland sowie das Land Brasilien, wo gleich drei der sechs Gewinnerfilme spielen und sich die Situation unter dem rechten Präsidenten Michel Temer dramatisch verschlechtert hat. Für seinen Satz "Wir müssen aufeinander aufpassen, keine einzige queere Person darf zurückgelassen werden!" bekam Marcio Reolon, Co-Regisseur des Teddy-Spielfilm-Siegers "Tinta Bruta", donnernden Applaus.

Direktlink | Szenen aus dem Gewinnerfilm "Tinta Bruta" und Interviews mit den Beteiligten

Natürlich war die Gala nicht perfekt. So erfuhr das Publikum bei der Vorstellung leider zu keinem einzigen Film, aus welchem Land er stammt. Einmal wurde anstelle der drei nominierten Filme gleich der Trailer des Siegers gezeigt, was Moderator Jack Woodhead scheinbar selbst nicht mitbekam, er ignorierte den peinlichen Patzer einfach. Vielleicht sollte man überlegen, dem genialen, talentierten und superwitzigen Selbstdarsteller eine etwas ernsthaftere Co-Moderatorin an die Seite zu stellen, die auf die von den Filmemachern geschilderten politischen Horrorgeschichten nicht wie Woodhead mit "Gorgeous!" oder "Fantastic!" reagiert.

Und wenn ich schon mal – ich bin ja Berliner – beim Motzen bin: Es war absolut verdient, Wieland Speck mit Standing Ovations als Panorama-Leiter zu verabschieden. Doch sehr gerne hätte ich statt seiner durchaus etwas länglichen Rede auch ein Wort von seinen drei Nachfolgern gehört.

Unabhängigkeit durch Verzicht auf Staatsknete

In den letzten 32 Jahren hat sich der Teddy Award enorm gemausert und professionalisiert, in diesem Jahr überzeugten vor allem die genial animierten Einspieler, doch der gute alte Hinterhof-Charme einer Polittuntenbühne kommt auch im Haus der Berliner Festspiele noch immer durch. Und das ist auch gut so, um mal einen der Ehrengäste der Gala zu zitieren. Denn das größte queere Filmfestival der Welt ist in erster Linie ein Event für die Community, nicht fürs Fernsehen.

Direktlink | Der Trailer zeigt die hervorragende optische Umsetzung in diesem Jahr

So kann man auch die gefühlt sinkende Promidichte leicht verschmerzen. Die Eröffnungsrede hielt nicht etwa der Regierende Bürgermeister, sondern mit dem grünen Antidiskriminierungssenator der unbeliebteste Politiker der Stadt.

Ganz wichtig: Anders als die Berlinale, die von der Bundesregierung gefördert wird, ist der Teddy Award eine vom Staat unabhängige Non-Profit-Veranstaltung. Er finanziert sich ausschließlich aus den Eintrittsgeldern, den Beiträgen von Fördermitgliedern, Mäzenen und Sponsoren sowie dem ehrenamtlichen Engagement zahlreicher Helfer. Dies ist – Stichwort Rollback – die Voraussetzung, damit die Gala selbst unter einem Kulturstaatsminister Gauland (Groko bewahre!) auch weiterhin diese starken queerpolitischen Zeichen setzen kann.

Teddy Award, bleib wiede bist!

Facebook / ALEX Berlin | Die komplette Teddy-Gala bei Alex TV, ab 1:33 beginnt die Verleihung

Preisträger Teddy Award 2018

Bester Spielfilm: Tinta Bruta (Pano), Brasilien, Regie: Marco Reolon, Filipe Matzembacher
Bester Dokumentarfilm: Bixa Travesty (Tranny Fag), Brasilien, Regie: Claudia Priscill,; Kiko Goifam
Bester Kurzfilm: Three Centimetres (Generation), Großbritannien, Regie: Lara Zeidan
Spezialpreis der Jury: Obscuro Barocco, Frankreich/Griechenland, Regie: Evangelia Kranioti
Teddy Leserpreis: Las Herederas (The Heiresses), Paraguay, Regie: Marcelo Martinessi
L'Oreal Teddy Newcomer Award: Retablo (Generation), Peru/Deutschland/Norwegen, Regie: Alvaro Delgado Aparicio


#1 jochenProfil
  • 26.02.2018, 19:44hmünchen
  • Ja, der Teddy ist wichtig für die weltweite LGBTI Gemeinde. Klar, nicht immer perfekt , aber trotzdem irgendwie geil. Zwar war der Moderator etwas drüber manchmal, aber da die Preisübergaben oft sperrig und sich manchmal "gezogen haben", war das Schrille des Moderators ein wohltuender "Aufwecker" :-)
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#2 Patroklos
  • 26.02.2018, 21:22h
  • Der Teddy Award ist halt nicht die Oscarverleihung, wo alles stringent nach Plan läuft und viel zu lange Reden mit lauter Musik übertönt werden.
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#3 MatainaAnonym
  • 26.02.2018, 23:13h
  • Leider hab ich keine Karte mehr für die Preisverleihung ergattern können, weshalb ich dazu an dieser Stelle nix sagen kann (DANKE übrigens für den Link - im öffentlich-rechtlichen TV wird die Gala offensichtlich nicht mehr übertragen). Die Party fand ich dann leider etwas fade. Abgesehen davon, dass ich ein paar liebe Freunde und Bekannte aus alten Tagen traf, war für mich nichts von "der wildesten Party" der Berlinale zu spüren. Das war in meinen Augen ein entspanntes kollektives Abhängen -etwas zu schlaff und saftlos für mein Gefühl. Ein paar Gogos und ein zweiter Floor mit peitschenden Beats hätte der Sache nicht geschadet. Auch die Glamour-Quote war homöopatisch. Und junge Leute waren auch spärlich gesäht. Aber trotzdem mein DANK an alle, die sich dafür den Ar... aufgerissen haben. God bless you all!
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