Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?30758

Italien

Nach Führerschein-Entzug wegen Homosexualität: 100.000 Euro Schmerzensgeld

Dem Sizilianer Danilo Giuffrida wurde 2001 der Lappen entzogen, weil er als Schwuler psychisch gestört sei – seitdem klagt er durch alle Instanzen gegen die Regierung in Rom.


Erfolgreich gegen Diskriminierung gewehrt: Danilo Giuffrida

In einem jahrelangen Rechtsstreit hat sich der Italiener Danilo Giuffrida eine hohe Entschädigung dafür erkämpft, dass ihm aufgrund seiner Homosexualität der Führerschein entzogen worden war. Ein Berufungsgericht in Palermo verurteilte am Mittwoch das Verteidigungs- und das Verkehrsministerium in Rom zu 100.000 Euro Schmerzensgeld wegen "homophoben Verhaltens".

Im Jahr 2001 hatte der heute 35-jährige Sizilianer bei seiner Musterung zum Militärdienst angegeben, dass er schwul sei. Das Verteidigungsministerium gab diese Information prompt an das Verkehrsministerium weiter, das ihn vor die Wahl stellte: Entweder wiederholt er die Fahrprüfung oder sein Führerschein wird eingezogen.

Danilo Giuffrida entschied sich für ersteres und bestand die Prüfung ein zweites Mal. Obwohl er keine einzige Verkehrssünde begangen hatte, wurde seine Lizenz jedoch nur um ein Jahr – statt der üblichen zehn Jahre – verlängert. Giuffrida zog vor Gericht: "In meiner Familie und in der Gesellschaft hatte ich nie Schwierigkeiten. Doch nach dem Vorfall fühlte ich mich wie ein Mensch zweiter Klasse", sagte er gegenüber den Medien.

Der Fall war schon vor dem Obersten Gericht

Bereits 2008 hatte ein Gericht Giuffrida 100.000 Schmerzensgeld zugesprochen (queer.de berichtete). Die Regierung legte jedoch Berufung ein und konnte die Entschädigung in der nächsten Instanz auf 20.000 Euro reduzieren. Das Oberste Gericht von Italien kassierte diese Entscheidung jedoch, weil es die Summe als zu niedrig ansah, und forderte eine Neuverhandlung.

Die italienische Regierung könnte auch nach dem Urteil vom Mittwoch noch vor das Oberste Gericht ziehen. Sie hätte aber wenig Chancen, dass das Urteil revidiert werde, meinte der Anwalt des Klägers, Guiseppe Libera. In einer gemeinsamen Stellungnahme mit Giuffrida erklärte er: "Das ist nicht nur ein Sieg für den Einzelnen, sondern für alle, die jeden Tag unerträgliches Verhalten ertragen müssen, das ihre persönliche und individuelle Freiheit einschränkt." (cw)



#1 Danny387Profil
  • 04.03.2018, 13:55hMannheim
  • Was für ein unglaublicher Vorfall!!
    Und bravo, Danilo, für Deinen Mut und Deine Hartnäckigkeit!!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 daVinci6667
  • 04.03.2018, 14:20h
  • Unglaublich, echt. Sowas würde ich von Russland ehrlicherweise erwarten, oder von Saudi Arabien. Hier geht es aber um Italien! Ein echter Skandal.

    Nur schon dass er vor die Wahl gestellt wurde die Prüfung zu wiederholen oder den Permis abzugeben.

    Es ist immer toll und tut extrem gut, wenn Unsereiner mit viel Rückgrat und Eiern sich gegen Diskriminierung wehrt und dann endlich gewinnt. Herzliche Gratulation dem mutigen gutaussehenden Mann!

    Sorgen machen müssen wir uns über die unter uns, die nicht die nötigen mentalen und finanziellen Ressourcen verfügen so einen zermürbenden jahrelangen juristischen Streit zu führen und über die, die in Unrechtsstaaten leben. Das ist leider zumindest weltweit betrachtet, statistisch immer noch die grosse Mehrheit von uns.

    Umso mehr tun uns solche wichtigen Siege gut!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Ralph
  • 04.03.2018, 14:38h
  • Na ja. Bei mir hat noch 1995 ein Medizinprofessor der Universität des Saarlandes Homosexualität als Krankheit diagnostiziert. Allerdings hatte das für mich keine ordnungsrechtlichen Konsequenzen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 BuntesUSchoenesEhemaliges Profil
  • 04.03.2018, 14:38h
  • Es ist kaum zu fassen, was er durchgemacht hat, und ohne dass er irgendwas getan hätte.
    Und so lange musste er für seinen Führerschein kämpfen.

    Es wird wahrhaftig Zeit, dass die Diskriminierung aufhört. Dazu brauchen wir speziell ausformulierte Gesetze beim AGG und ein extra Gesetz, das regelt, was verboten ist.
    Es darf nicht länger möglich sein, dass ein solches Verhalten seitens der Behörden umgesetzt werden kann, ohne dass das jemand bemerkt und stoppt.

    Leider wird das nicht das einzige sein, was in Europa so geschieht. Es muss dringend was getan werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 AFD-WatchAnonym
  • 04.03.2018, 14:54h
  • Soviel zu unserem Märchen- und Lügenbaron Petrus48AD, im Nachbarland des Vatikans sei ja alles Paletti und die RKK hätte kaum einen Einfluss auf die Denke!!! Da muss man sich doch ernsthaft fragen, Wo und in welcher Zeit man eigentlich lebt, dass so etwas in einem westeuropäischen Land möglich ist!!! Eine solche Meldung erwartet man vielleicht aus anderen Ländern...Sowas hätte längst beim europäischen Gerichtshof für Menschenrechte landen müssen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 AFD-WatchAnonym
  • 04.03.2018, 15:01h
  • "Die italienische Regierung könnte auch nach dem Urteil vom Mittwoch noch vor das Oberste Gericht ziehen."

    Will sich das Land etwa vor Westeuropa blamieren?
    Die Verantwortlichen sollten mit ihrem Privatvermögen für diese Summe haften.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 magnetEhemaliges Profil
  • 04.03.2018, 15:07h
  • Ein toller und mutiger Mann. Toll, dass er so lange durchgehalten hat. Solche Menschen sorgen dafür dass Kirche und Staat langsam umdenken. Obwohl erstere wohl eher doch nicht.

    Ich hatte mit meinem Mann zwar keine Probleme während unserer Sizilienrundfahrt, oder generell in Italien, aber schräge Dinge können überall und immer passieren.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 daVinci6667
#9 RobinAnonym
  • 04.03.2018, 15:19h
  • Richtig so.

    Das war Staatswillkür, menschenverachtend und diskriminierend.

    Das muss richtig teuer sein, damit sowas nie mehr geschiet. Gut, dass er sich durch die Instanzen geklagt hat, sich nicht hat einschüchtern lassen und das komplett durchgezogen hat.

    So muss man das machen.

    Wir dürfen uns nichts gefallen lassen. Sonst nehmen die Homohasser sich immer mehr raus...
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Ralph
  • 04.03.2018, 15:40h
  • Antwort auf #8 von daVinci6667
  • Vorher und nachher wäre ich gegen den Mann zu Felde gezogen, aber damals war ich zu krank, als dass ich das durchgehalten hätte. Es handelte sich um eine von mehr als 20 Fehldiagnosen, die innerhalb eines einzigen Jahres von mehr als 30 Ärzten gestellt wurden. Am Ende war ich froh, diese Hölle überlebt zu haben. Insgesamt lässt sich nur eines sagen: Wer in Deutschland eine nicht alltägliche Symptomatik hat, kann alle Hoffnung auf wissenschaftliche Diagnostik und sachgerechte Therapie fahren lassen. Fast alle Ärzte, die hier praktizieren, haben von Medizin, die über die meistverbreiteten, auch dem Laien bekannten Erkrankungen hinausgeht, keine Ahnung, verfügen aber über schier unerschöpfliche Wahnvorstellungen pseudo-psychiatrischen Inhalts. Am Ende fand ich durch akribische Rekonstruktion des Zeitraums, in dem die Krankheit begonnen hatte, selbst die Lösung. Ich war durch gezielte Falschmedikation (Wechsel vom früheren zu einem neuen Medikament) einer lange bestehenden chronischen Krankheit systematisch vergiftet worden. Keine von all den medizinischen Koryphäen hatte das gemerkt. Alle waren rat- und hilflos und erklärten mich für psychisch krank, um mich loszuwerden. Es gibt Menschen, die schreiben ein Buch, nachdem sie das überstanden haben. Ich hatte dazu damals leider nicht mehr die Kraft.
  • Antworten » | Direktlink »