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Kita-Koffer

LGBTI-Aufklärung jetzt auch für Kitas in Sachsen-Anhalt

Horte und Grundschulen bekommen bald Materialien, um Kinder über Familienvielfalt aufzuklären. Mit vielen Gesprächen wollen die Organisatoren einem Shitstorm von rechts vorbeugen.


Illustration aus dem Kinderbuch "Mama + Mamusch", das im Kita-Koffer enthalten ist

Es hat lange gedauert, bis Sachsen-Anhalts Justiz- und Gleichstellungsministerin Anne-Marie Keding (CDU) etwas Substanzielles aus dem LGBTI-Aktionsplan umgesetzt hat. Doch jetzt ist es soweit: Im April soll der Medienkoffer "Geschlechtervielfalt in Einrichtungen der frühkindlichen Bildung, in Grundschulen und Horten" fertig sein und vorgestellt werden.

"Die Erwartungen an den Koffer sind hoch", sagt Kerstin Schumann, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe Sachsen-Anhalt e.V., gegenüber queer.de. Sie ist verantwortlich für das Projekt und will einen Shitstorm von rechts vermeiden. Erst im Februar hatte die Kita-Broschüre "Murat spielt Prinzessin, Alex hat zwei Mütter und Sophie heißt jetzt Ben" in Berlin für Empörung unter Vertretern der AfD, der CDU und der "Demo für alle" gesorgt (queer.de berichtete).

Öffentliche Kampagne zum Schutz vor Shitstorm

Das soll in Sachsen-Anhalt anders laufen, so zumindest Schumanns Plan: "Mit einer öffentlichen Kampagne wollen wir versuchen, Rückendeckung für das Projekt aufzubauen, bevor der Koffer an die Kitas geht." Im Februar habe man den Koffer schon mit Experten der Hochschulen Merseburg und Stendal, der beteiligten Ministerien, der Kinderbeauftragten der Landeshauptstadt Magdeburg sowie mit Kita-Erziehern und Grundschullehrern diskutiert. "Wir haben mit ihnen geredet, um uns zu versichern, dass sie den Koffer wirklich wollen und haben eine hohe Zustimmung erhalten", sagt Schumann.

Zum 1. April soll im Kompetenzzentrum eine Referentin eingestellt werden. Diese werde im kommenden Monat den Koffer in den Jugendhilfeausschüssen der Landkreise und im Landesjugendhilfeausschuss vorstellen. Auch bei den Fraktionen im Landtag von Sachsen-Anhalt habe man für März schon Termine. Bei der AfD werde man sich zuletzt vorstellen.

Koffer enthält viele Kinderbücher und einige Spiele

Die zwei Koffer, die es im Land geben wird, sollen dann folgendermaßen eingesetzt werden: Eine Kindertagesstätte kann den Koffer mit allen Materialien für vier Wochen ausleihen. Dann kommt auf Wunsch der Einrichtung die Referentin mit dem Koffer vorbei und erklärt in einer Team-Sitzung den Verantwortlichen, wofür die Materialien gedacht sind und wie man sie am besten einsetzt.


Seit mehreren Jahren mit großem Erfolg im Einsatz: Kita-Koffer aus Rheinland-Pfalz (Bild: MFFJIV Rheinland-Pfalz)


Es gibt einen Koffer für Kitas und einen für Grundschulen. In ihnen enthalten sind jeweils rund 20 Kinderbücher, Familienspiele, Puzzle- und Memo-Spiele, eine Regenbogenfahne sowie für den Bereich Grundschule drei DVDs. In einem beigelegten Methodenbuch (PDF) betonen die Herausgeber, dass die Medien allesamt auch im Buchhandel frei erhältlich seien.

Fördermittel immer noch nicht ausgezahlt

Kerstin Schumann befürchtet allerdings, dass wegen der langen Bearbeitungszeiten in den Behörden das Projekt noch scheitern könnte. Bislang habe sie nur einen Bescheid für einen vorzeitigen Maßnahmenbeginn bekommen, aber noch keine Fördermittel. Diese habe das Kompetenzzentrum bislang vorfinanzieren müssen. "Wenn ich bis April kein Geld habe, kann ich den Koffer nicht verleihen", sagt Schumann.

Gleichzeitig habe Ministerin Keding Druck gemacht. Auf einem Fachtag am 1. Februar wurde Schumann von der CDU-Politikerin gefragt, wann der Koffer im Ministerium vorgestellt werde. Das verärgert Schumann, denn das Ministerium hatte das Koffer-Projekt erst im vergangenen Herbst sehr spät ausgeschrieben. Außerdem wurden die Geldmittel begrenzt. Statt der im Aktionsplan ursprünglich vorgesehenen drei Koffer gebe es jetzt nur zwei Stück – für mehr als 1.770 Kitas im ganzen Bundesland.

Trotzdem glaubt Schumann, dass das Projekt wichtig ist und dem Rechtsruck in Sachsen-Anhalt ein Stück entgegenwirken wird.

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#1 FelixAnonym
  • 07.03.2018, 09:02h
  • Schon an Grundschulen ist homo- und transphobes Mobbing Alltag.

    Dabei sollten Schulen ein sicherer Ort sein, wo jeder gerne hingeht. Denn da Bildung unsere einzige Ressource ist, können wir uns alles andere gar nicht leisten.

    Mehr Aufklärung hilft nicht nur GLBTI-Schülern zu erkennen, dass sie völlig normal sind. Und es schützt sie nicht nur vor Mobbing. Sondern es hilft auch Heteros, besser durchs Leben zu gehen, statt vom Hass auf andere zerfressen zu werden.

    Im übrigen bekommen Schüler doch eh mit, dass es GLBTI gibt. Und Kinder sind halt auch wissbegierig. Ist es da nicht besser, wenn sie von pädagogisch gebildetem Personal die Fakten erfahren?! Schule soll schließlich Schülern etwas über die reale Welt erfahren und sie auf das wahre Leben vorbereiten.
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#2 Carsten ACAnonym
  • 07.03.2018, 09:24h
  • Da werden die Homohasser wieder schäumen und was von angeblicher "Frühsexualisierung" faseln.

    Aber der Blick in die Bücher zeigt, dass es da nicht um Sex o.ä. geht, sondern die Vielfalt der Realität aufzuzeigen und dass das alles altersgerecht ist.

    Ist ja auch logisch, da die ganzen Sachen von Experten gemacht werden und durch zig Gremien müssen, eh sie genehmigt werden. Glaubt wirklich irgendwer, dass da irgendwas durchgehen würde, was nicht altersgerecht, pornografisch, o.ä. wäre?!

    Die Leute, die sowas behaupten, sind entweder sehr dumm oder sie lügen bewusst...
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#3 Patroklos
  • 07.03.2018, 09:30h
  • Antwort auf #1 von Felix
  • "Schon an Grundschulen ist homo- und transphobes Mobbing Alltag."

    Wie kommst Du auf das schmale Brett? In meiner Grundschulzeit war das nicht der Fall und so ist es heute immer noch.
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#4 FelixAnonym
  • 07.03.2018, 09:33h
  • Antwort auf #3 von Patroklos
  • Tja, die Leute, die nicht vom Einzelfall auf die Allgemeinheit schließen, sondern die wirklich vor Ort sind und/oder sich die Studien zu dem Thema angucken (die auch hier auf queer.de schon verlinkt wurden), wissen halt mehr als Du.

    Aber das ist Dir ja egal, weil Trolle wie Du ja nur in der Anonymität des Netzes die Bestätigung suchen (und wenn es auch nur negative Reaktionen sind), die ihnen im realen Leben verwehrt wird.
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#5 FüchsleinAnonym
  • 07.03.2018, 09:45h
  • Können die nicht einfach die Broschüre aus Berlin mitnutzen?
    Muss doch nicht jeder das Rad neu erfinden ...

    Obwohl ein Koffer mit Spielen für die Kinder ja ein wenig anders ist als Material für die Erzieher/innen.
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#6 LorenProfil
#7 FelixAnonym
  • 07.03.2018, 10:04h
  • Antwort auf #5 von Füchslein
  • Das dürften die Kinderbücher und Spiele sein, die auch anderswo Verwendung finden.

    Zumindest auf dem Foto sieht das sehr ähnlich aus.

    Ansonsten muss man auch sagen, dass der deutsche Bildungs-Föderalismus es generell begünstigt, dass jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht. Dennoch ist es natürlich sinnvoll, da einheitliches Material zu nehmen und auf einheitliche Mindest-Standards zu setzen.
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#8 PierreAnonym
  • 07.03.2018, 10:14h
  • Es gibt Kräfte in Politik und Religion, die vehement und mit aller Kraft gegen Aufklärung kämpfen.

    Die wollen kommende Generationen dumm halten. Warum wohl...
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#9 TheDadProfil
#10 LorenProfil
  • 07.03.2018, 10:25hGreifswald
  • Antwort auf #7 von Felix
  • Ich habe als Lehrkraft oft davon profitiert, dass es zu bestimmten Themen vielfältige Materialangebote gibt. Entscheidend ist die Qualität (die angesprochenen Mindeststandards). Vielfältige Materialangebote unterstützen auch die notwendige Individualisierung und ersparen Lehrkräften zeitaufwendige Eigenproduktionen individuell gepasster Mittel, zumindest häufig, so meine Erfahrung. Der Förderalismus wird m.E. da zur Last, wo aus politischer Gesinnung Qualitätsstandards in dem Sinne unterschritten werden, dass sie nicht dem Stand der wissenschaftlichen Forschung entsprechen oder ihm gar zuwiderlaufen.
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