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Zu Ehren lesbischer Aktivistin

Grüne wollen eine Audre-Lorde-Straße in Berlin-Kreuzberg

Sie hat Debatten um Critical Whiteness und Intersektionalität in Deutschland geprägt. Nun befasst sich die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg mit dem Antrag zu Audre Lorde.


Audre Lorde (links) befasste sich intensiv mit Intersektionalität und Critical Whiteness (Bild: K. Kendall / wikipedia)

Der Aktivistin, Wissenschaftlerin und Dichterin Audre Lorde soll eine Straße im Berliner Stadtteil Kreuzberg gewidmet werden. So beantragt es die Grünen-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg. Der Antrag soll in der kommenden Woche, am 21. März, dem Tag gegen Rassismus, in die Versammlung eingebracht werden.

Damit wollen die Grünen einer bedeutenden Persönlichkeit der Queer-Community mehr Sichtbarkeit schaffen: Die Benennung einer Straße nach Audre Lorde, einer lesbischen, schwarzen Frau wäre ein Schritt "hin zu mehr Repräsentanz von LSBTTIQ*, Schwarzer Menschen und People of Color im öffentlichen Raum", heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Grünen sind in dem Kommunalparlament die stärkste Fraktion. Bereits 2015 hatten alle Parteien mit Ausnahme der CDU beschlossen, eine Straße oder einen Platz nach einer "weiblichen LSBTI-Person" zu benennen (queer.de berichtete). Mit der Grünen-Politikerin Monika Herrmann hat der Bezirk eine lesbische Bürgermeisterin.

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Lorde lehrte als Gastprofessorin in Berlin

Audre Lorde bezeichnete sich selbst als "Schwarze, Lesbe, Mutter, Kriegerin und Poetin". Die US-Amerikanerin verbrachte acht Jahre ihres Lebens, von 1984 bis 1992, in West-Berlin. Sie fühlte sich vom dortigen Aktivismus getragen. "Die Frauenrechtsbewegung in Berlin ist stark, sie hat so viel Leben und Vitalität", sagte sie über ihre Zeit in Deutschland. "Es macht mein Herz froh, zu sehen, was alles möglich ist." Gleichzeitig kämpfte sie gegen die dunkle Seite des Landes: Rassismus. Sie wirkte maßgeblich am Aufbau einer afro-deutschen Bewegung mit. Der Begriff "afro-deutsch" wurde von ihr geprägt, in Anlehnung an "afro-amerikanisch".

Zeitweise hatte Lorde eine Gastprofessur am John-F-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin inne. "Rassismus in Deutschland muss ein Thema für weiße Feministinnen werden, weil es Teil eures Lebens ist und euer Leben in allen Aspekten betrifft", sagte sie in dem Dokumentarfilm "The Berlin Years 1984 to 1992". Sie appellierte an die weißen Frauen: "Nur weil ihr keine People of Color seid, seid ihr nicht vor den Folgen von Rassismus sicher."

Direktlink | Der Dokumentarfilm "Audre Laude – The Berlin Years 1984 to 1992" befasst sich mit ihrem Lebenswerk.

Als schwarze, lesbische Feministin unsichtbar

Sie hinterließ einen nachhaltigen Eindruck auf die akademische Diskussion um "Critical Whiteness", dem kritischen Weißsein. So forderte sie in einem Vortrag alle weißen Zuhörer auf, den Raum zu verlassen. Alle People of Color im Publikum sollten den Raum nach dem Vortrag nicht verlassen, bevor sie mit einer anderen schwarzen Person gesprochen hatten. Auch wenn "Critical Whiteness" heute weiter stark umstritten ist, ist es ein Verdienst von Lorde, mit diesem radikalen Ansatz schwarze Frauen in ihrer Identität zu bestärken und zu ermutigen. Damit hat sie Diskussionen angestoßen, die bis heute in der LGBTI-Community weitergeführt werden.

In ihren theoretischen Schriften setzte sie sich mit der "Theorie der Differenz" und den sich überlappenden Identitäten auseinander, die Menschen haben. Sie selbst erfuhr immer wieder, in der Gesellschaft unsichtbar zu sein: "Ich meine, dass ich doppelt unsichtbar bin als eine schwarze, feministische Frau, und dreifach unsichtbar als eine schwarze, lesbische Feministin", sagte sie in dem Dokumentarfilm "A Litany for Survival: The Life and Work of Audre Lorde" (Eine Litanei des Überlebens: Das Leben und Werk der Audre Lorde).

Direktlink | Trailer zum Dokumentarfilm "A Litany for Survival: The Life and Work of Audre Lorde"

Mit der Umbenennung einer Straße in Kreuzberg, die noch ausgesucht werden muss, wollen die Grünen Audre Lorde wieder stärker ins Gespräch bringen. "Uns ist es wichtig, dass eine Straße nach einer schwarzen und lesbischen Frau umbenannt wird", sagte Annika Gerold, Fraktionssprecherin der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung, gegenüber queer.de. "Ich gehe davon aus, dass der Antrag nächste Woche in die Ausschüsse überwiesen und dort diskutiert wird."

Wenn der Auftrag angenommen wird, soll das Bezirksamt mit der konkreten Umbenennung der Straße beauftragt werden. Das Amt soll dann einen Beteiligungsprozess in Gang zu setzen, bei dem Anwohnende und Gewerbetreibende mit einbezogen werden. Der Grünen-Antrag wird von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) unterstützt.



#1 niccinicciAnonym
  • 15.03.2018, 12:41h
  • mit viel mehr kann sich die looser-partei auch nicht rühmen. sollte ihre energien mal mehr für das sicherheitsgefühl ihrer bürger machen, zum beispiel videoüberwachung an gefährdeten orten, dann klappt es auch besser bei kommenden wahlen!
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#2 RoBInAnonym
  • 15.03.2018, 21:06h
  • Antwort auf #1 von niccinicci
  • Ich bemitleide alle "Weißen", die so wenig Selbstwertgefühl haben und diesen "Critical Whiteness"-Unsinn mitmachen. Es gibt weder eine Kollektivschuld, noch eine Erbschuld. Es ist mir völlig egal, was "weiße" Menschen vor 500 Jahren oder auch heute noch angerichtet haben. Ich war daran nicht beteiligt. Punkt.
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#3 TheDadProfil
#4 Gerlinde24Profil
  • 16.03.2018, 06:19hBerlin
  • Wäre sehr dafür. Auch, andere Straßen nach Feministinnen zu benennen. In Wedding gibt es Straßen, die aus der Kolonialzeit benannt wurden, und es wäre gut, diese Namen durch die von Feministinnen (egal, welcher Hautfarbe) zu benennen. Wie wäre es mit einer "Alice-Walker-Straße" oder einem "Gertrude Stein Weg"?
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#5 Gerlinde24Profil
#6 Gerlinde24Profil
  • 16.03.2018, 06:24hBerlin
  • Antwort auf #2 von RoBIn
  • Vielleicht nicht beteiligt, aber immer noch Nutznießer davon! Ich habe lange in den USA gelebt, wo Rassismus alltäglich ist. Da bekommen die guten Jobs nur Weiße, weil im Hinterkopf immer noch das schwarze Dienstmädchen existiert, auch, wenn diese mittlerweile einen Master hat, und Uniprofessorin ist.
    Und in Deutschland? Wer kriegt da die guten Wohnungen? Meist Weiße, nicht andersfarbige Bürger. Warum? Weil auch in Deutschland der Rassismus immer noch vorherrschend ist. Und das sagt Dir eine weiße, transsexuelle Lesbe mit linker Gesinnung!
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#7 Gerlinde24Profil
#8 lechts und rinksAnonym
  • 16.03.2018, 07:11h
  • Antwort auf #7 von Gerlinde24
  • "Da sieht man mal wieder, wie Dummheit und Unwissenheit bei rechts denkenden Menschen aufgezeigt wird."

    Dass jemand "Loser" mit Doppel-O schreibt, ist für dich automatisch ein Zeichen für Dummheit?

    Sind die "Deppenleerzeichen" in deinem "Gertrude Stein Weg" dann analog ein Anzeichen für Dummheit und Unwissenheit bei links denkenden Menschen?

    Sorry für diese provokante rhetorische Frage - aber deine Aussage ist einfach unsäglich platt.
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#9 CriticalHumannessAnonym
  • 16.03.2018, 09:25h
  • Antwort auf #2 von RoBIn
  • Das Problem dabei ist eher, wie Informationen von dieser Bewegung selektiert und aufbereitet werden. Während sog. POC(Alle Nichteuropäer) eine Jahrtausendelange Geschichte zugestanden wird, beginne die Geschichte der Europäer mit dem Kolonialismus, den sie zusammen mit dem Rassismus und der Sklaverei auch noch erfunden hätten.

    Völlig ignoriert wird das Europa auch eine lang zurückreichende Geschichte hat, die es aber für Anhänger von CriticalWhiteness wohl nicht verdient hat, erwähnt und erforscht zu werden.

    Es wird ignoriert das Sklaverei z.B. schon in Nord, Süd und Mesoamerika vorkam, als die ersten Europäer dort mit ihren Schiffen ankamen. Auch Praktiken wie das zu Tode Foltern von Feinden, ökonomisch motivierte Kindstötungen und permanente Kriegsfehden waren unter den Stämmen dort verbreitet. Diese Gesellschaften waren kaum friedlicher als anderswo auf der Welt.

    Von Feministinnen wird gerne die matrilineare Gesellschaft gelobt, und das es eine Gleichberechtigung gegeben hätte. Sicherlich hatten Frauen politisch mehr Einfluss, doch so etwas was wir heute als Gleichberechtigung verstehen, existierte nicht. Männer waren dazu verpflichtet, Krieger und Jäger zu sein, Frauen waren Feldarbeiterinnen, Sammlerinnen, Händlerinnen. Beide Geschlechter hatten jedoch politische Macht bei einigen Stämmen.
    Ein Mann der nicht Krieger und Jäger sein konnte, wurde eine Transsexuelle(Aus westlicher Sicht) und verrichtete Frauenarbeiten, ließen sich von Männern penetrieren.
    Europäische und Native-Männer unterschieden sich in ihrem Männlichkeitsideal kaum.
    Wenn die Männer eines fremden Stammes besiegt waren, wurden die fremden Frauen übrigens auch als Sklavinnen genommen, oder "adoptiert" also in die reihen der eigenen Frauen integriert.
    Gefangene männliche Europäer wurden übrigens meistens geopfert.

    Buch dazu:
    www.amazon.de/Gender-Sexuality-Indigenous-America-1400-1850-
    ebook/dp/B0097BP94A/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&am
    p;qid=1521187699&sr=1-1&keywords=gender+1400+indigen
    ous


    In Afrika war Sklaverei in verschiedenen Formen schon längst vor dem eintreffen der modernen Europäer üblich:
    en.wikipedia.org/wiki/Slavery_in_Africa

    Ich will mal nicht so selektiv sein, auch in Europa gibt es Sklaverei natürlich schon lange, die ersten Hinweise gibt es aus dem Neolithikum. Sklaverei war weltweit verbreitet.

    Diese ganze Bewegung ist nur ein weitere Suchen nach dem verlorenen biblischen Paradies, das nie existiert hat, nirgendwo auf der Welt. Für die Anhänger der These steht aber eines fest: Die Schlange, der Satan, der die Menschheit ins Unglück gestürzt hat, es müssen die Europäer gewesen sein.
    Ein rassistisches Weltbild, das ordentlich Zündstoff für Konflikte bietet.
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#10 TheDadProfil
  • 16.03.2018, 21:38hHannover
  • Antwort auf #9 von CriticalHumanness
  • ""Es wird ignoriert das Sklaverei z.B. schon in Nord, Süd und Mesoamerika vorkam, als die ersten Europäer dort mit ihren Schiffen ankamen. Auch Praktiken wie das zu Tode Foltern von Feinden, ökonomisch motivierte Kindstötungen und permanente Kriegsfehden waren unter den Stämmen dort verbreitet. Diese Gesellschaften waren kaum friedlicher als anderswo auf der Welt.""..

    Das "rechtfertigt" dann die Handlungen der Kolonialisten, die Jahrhundertelangen Unterdrückungen, den Raub von Land und Bodenschätzen und die Ermordung Hunderttausender ?
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