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Theaterstück in Düsseldorf

Elternverein NRW hetzt gegen "Die Mitte der Welt"

Das Düsseldorfer Schauspielhaus inszeniert die romantische schwule Erzählung. Doch eine konservative Elternvertreterin sieht darin "Fäkalsprache" und "die natürliche Entwicklung von Liebe" bedroht.


Zwei Männer, oberkörperfrei und "minutenlanges Küssen" – für eine konservative Aktivistin des "Elternverein NRW" ist das schon zu viel des Guten. (Bild: David Balzer / Schauspielhaus Düsseldorf)

"Die Mitte der Welt" ist eine Geschichte, wie sie romantischer kaum sein könnte: Der 17-jährige Phil verliebt sich das erste Mal unsterblich in Nicolas. Der Teenager ist damit konfrontiert, sein Schwulsein, Coming-out und Erwachsenwerden unter einen Hut zu bekommen. Die Coming-of-Age-Erzählung aus dem Buch von Andreas Steinhöfel aus dem Jahr 2004 wurde nun vom Schauspielhaus Düsseldorf inszeniert.

Dem konservativen "Elternverein NRW" gefällt das gar nicht: In der "Bild"-Zeitung macht Regine Schwarzhoff, Vorstandsmitglied des Vereins, Stimmung gegen das Stück. Sie habe angeblich Anrufe von besorgen Eltern erhalten. "Die Schilderungen sind eindeutig. 14-Jährige haben sich die Augen zugehalten. Auch die widerlichen Ausdrücke wollten viele nicht hören", sagte sie der Zeitung. Kinder seien angeblich "verstört" aus dem Stück gekommen.

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Schwarzhoff beklagt sich über Schimpfwörter

"Es ist etwas anderes, ein Buch zu lesen", findet Schwarzhoff. Sie kritisiert, dass die Handlung der Geschichte öffentlich gezeigt werde: "Zwei junge Männer haben sich minutenlang geküsst, sich gegenseitig die Kleider vom Leib gerissen, verschwanden in eindeutiger Absicht hinterm Duschvorhang. Die Sprache war ordinär, oft wurde Fäkalsprache verwendet. Die Mutter des Protagonisten wurde ständig als Schlampe und Hure bezeichnet."


Phil (Kilian Ponert, l.) ist unsterblich verliebt in Nicolas (Paul Jumin Hoffmann, r.). Bild: David Balzer / Schauspielhaus Düsseldorf

Sie fürchtet um "die natürliche Entwicklung und das Erleben von Zärtlichkeit und Liebe", die durch solche "Extremsituationen untergraben" werde. Ob es die Anrufe besorgter Eltern wirklich gab, ist unklar. Dies scheint fraglich, da das Stück bereits im November 2017 Premiere feierte. Ebenso gab es gegenüber dem Theater bislang keine Beschwerden von Besuchern oder Eltern, wie Theater-Sprecherin Martina Aschmies, gegenüber queer.de sagte. Stattdessen würden Theaterpädagogen nach jeder Vorstellung im Foyer diejenigen auffangen, die mit Fragen aus dem Stück kommen.

Die Sprecherin hatte bereits im Bild-Bericht betont, dass es "keine offenen sexuellen Szenen" in dem Stück gebe. Betroffenen hatte sie ebenso Gespräche mit Sozialpädagogen des Theaters angeboten. Doch der Elternverein habe bislang keinen Kontakt mit dem Theater aufgenommen, wie auf Nachfrage deutlich wurde.

Seit Jahren unterstützt Schwarzhoff "Demo für alle"

Dass Regine Schwarzhoff gegen LGBTI-Rechte hetzt, ist nicht neu. Zuletzt sprach sie auf einer Kundgebung der Hass-Bus-Tour in Düsseldorf, die von Hedwig von Beverfoerde und der "Demo für alle" organisiert wurde (queer.de berichtete).


Im September 2017 hatte Regine Schwarzhoff auf der Hass-Bus-Tour der "Demo für alle" in Düsseldorf gesprochen. Bild: nb

Im Jahr 2015 hatte Schwarzhoff von Beverfoerde zu einem Referat nach Düsseldorf eingeladen. Das Thema damals schon: der Widerstand gegen Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt. Doch der Auftritt missglückte, die Veranstaltung wurde von queeren Aktivisten gekapert (queer.de berichtete).

Im Düsseldorfer Theater ist man stattdessen optimistisch. Natürlich werde man an der Inszenierung nichts ändern. Denn bislang hätten, so Sprecherin Aschmies, "4.500 begeisterte Jugendliche" die Vorstellung gesehen, es sei "immer voll gewesen".

 Update  19.00h: Felix Banaszak, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen, findet, dass das Schauspielhaus Düsseldorf alles richtig gemacht hat.
"Ein Theaterstück, in dem sich zwei junge Männer ganz selbstverständlich küssen: Ja, genau das ist es doch, was Jugendlichen hilft, die selbst gerade ihr Coming Out haben, und Teil einer Akzeptanzarbeit, von wir offensichtlich noch mehr brauchen", sagte er gegenüber queer.de "Was niemand braucht, sind Kommentare, in denen Homosexualität noch immer mit Unnatürlichkeit verbunden wird. Frau Schwarzhoff sprach letztens noch auf der homophoben "Demo für Alle" und stößt sich jetzt an der Darstellung von Homosexualität auf der Bühne."

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#1 easykeyProfil
  • 16.03.2018, 13:25hLudwigsburg
  • Um den angeblichen Terminus aufzufassen: Dann soll die Schlampe doch nicht für dieses Stück das Theater besuchen. Ich schaue mir ja auch keine heile Welt-Filme à la Rosemunde Pilcher an......Herr, sende Hirn in Form eines Tsunamis, am besten die Elbe runter bis Magdeburg, damit die Beverdingens endlich ihr schändliches und perfides Tun einstellt.
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#2 MarcAnonym
  • 16.03.2018, 13:52h
  • Schlimm genug, dass es Theaterpädagogen braucht, Die Besucher nach der Vorstellung "auffangen". In welchem Jahrhundert leben wie eigentlich?
    Und wer wählt diese rechte Eule zum Vorstand einer Elternvereinigung? Die NRW-Eltern sollten sich fragen, ob diese Dame wirklich in ihrer aller Namen sprechen kann...
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#3 FelixAnonym
  • 16.03.2018, 14:07h
  • Es wird niemand gezwungen, sich ein Theaterstück anzusehen.

    Solche Leute wollen allen anderen ihren Willen aufzwingen, weil sie keine andere Meinung als ihre eigene ertragen können. Das ist totalitär.

    Wieso macht man es nicht einfach so:
    Sie entscheidet selbst, welche Theaterstücke sie sehen will und genauso akzeptiert sie auch, dass andere das auch für sich entscheiden.
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#4 AlexAnonym
  • 16.03.2018, 14:26h
  • Ich glaube, dass solche Homohasser in ihrem Wahn tatsächlich denken, sie würden für die Allgemeinheit sprechen.

    Die phantasieren wahrscheinlich wirklich so lange von angeblich traumatisierten Jugendlichen und schockierten Anrufen, dass sie das irgendwann selbst für wahr halten.

    Die sollten mal hören, worüber sich Jugendliche unterhalten, wenn die unter sich sind und was die so machen, wenn sie alleine sind.

    Die wollen Empörung generieren, wo gar keine ist. Weil sie krampfhaft versuchen, ihre vom Hass zerfressene Gesinnung zu verbreiten.

    Das sind letztlich zutiefst gestörte Personen, die ein Fall für den Psychiater sind.
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#5 PiotrAnonym
  • 16.03.2018, 14:30h
  • "Natürlich werde man an der Inszenierung nichts ändern."

    Das wäre ja auch noch schöner, wenn man die Freiheit der Kunst oder andere Freiheitsrechte freiwillig aufgeben würde, nur weil manche Menschen Freiheit und Vielfalt durch Hass, Unterdrückung, Bevormundung und Gleichschaltung ersetzen wollen...
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#6 JeroenAnonym
  • 16.03.2018, 14:50h
  • Solche Versuche, Jugendliche dumm zu halten und ihren die Vielfalt der realen Welt und des wirklichen Lebens vorzuenthalten, müssen Motivation sein, Jugendliche noch besser aufzuklären und ihnen noch mehr über die Realität und den Wert der Vielfalt zu vermitteln.

    Die Politik muss endlich handeln. Was in anderen zivilisierten Ländern seit Jahren gut funktioniert und problemlos möglich ist, muss endlich auch in Deutschland passieren.

    Mehr Bildung!
    Mehr Aufklärung!
    Mehr Vielfalt!
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#7 Gerlinde24Profil
  • 16.03.2018, 15:02hBerlin
  • Schwarzhoff scheint etwas nicht begriffen zu haben: Es gibt uns, es gibt die Freiheit der Kunst, es gibt unter Jugendlichen Fäkalsprache als Umgangssprache, und, oh Wunder, auch schwuler Sex ist nichts Anstößiges in der heutigen Zeit mehr. Auch nicht für Heterosexuelle!
    Wer so verklemmt wie sie ist,will natürlich die Fünfziger mit Nierentisch und Blümchensex zurück, wo alles zum Zweck der Kindeszeugung zu geschehen hatte. Aber mal ehrlich, Frau Schwarzhoff: Glauben Sie selbst, was Sie da sagen?
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#8 gaymeanslifeAnonym
#9 LorenProfil
  • 16.03.2018, 15:26hGreifswald
  • Eine reaktionäre christliche "Aktivistin" stört sich an einer offenherzigen Theaterinszenierung. Das ist ungefähr so aufregend wie die Empörung konservativer Wagnerianer, die eine den Antisemitismus ihres "Meisters" herausarbeitende Parsifal-Inszenierung wütend anprangern. Man weiß doch, von wem es kommt.
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#10 gaymeanslifeAnonym