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Nach homophoben Entgleisungen

AfD-Abgeordnete Höchst wird Schirmfrau der "Alternativen Homosexuellen"

Erst benannt fürs Kuratorium der Magnus-Hirschfeld-Stiftung, jetzt Gruppenführerin der AfD-Homos. Dabei hetzt Nicole Höchst bei jeder Gelegenheit gegen Recht von LGBTI. Damit qualifiziert sie sich in der Partei offenbar für den Posten.


Nicole Höchst bei einer Rede vor dem Parlament im Januar. (Bild: Deutscher Bundestag)

Die Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst, eine ausgewiesene Gegnerin der Gleichstellung Homo- und Transsexueller, hat die Schirmherrschaft der Gruppe "Alternative Homosexuelle" (AHO) übernommen. Das teilte die Gruppe auf ihrer Internetseite mit. Höchst ist Mitglied des Familien- und Bildungsausschusses des Bundestags. Im Januar wurde sie von der AfD als Vertreterin der Fraktion im Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld benannt (queer.de berichtete), vom Parlament dafür bestätigt wurde sie noch nicht. Es ist erklärtes Ziel der Stiftung, gegen die Diskrimierung von LGBTI zu kämpfen.

Die inhaltlichen Positionen von Nicole Höchst zu LGBTI-Fragen sind widersprüchlich. Zum Einen stellt sie sich als "Mitstreiterin für die Sache der konservativen Schwulen und Lesben" dar. Dazu heißt es in der Pressemitteilung: "Die Lesben und Schwulen in unserer Partei fühlen sich in diesem Land nicht angemessen repräsentiert. Öffentlich wird ihnen 'Selbsthass' unterstellt – dabei ist die für uns so wichtige Förderung der klassischen Familie keineswegs eine Herabwürdigung anderer Lebensmodelle."

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Entschiedene Gegnerin der LGBTI-Gleichstellung

Andererseits hetzt Höchst gegen "Gender Mainstreaming" und angebliche "Frühsexualisierung" an Schulen und Kitas. Dabei ist die so diffamierte Schulaufklärung über LGBTI ein zentrales politisches Projekt der queeren Emanzipationsbewegung. Im Bundestag ätzte sie im Januar gegen die "Ehe für alle" als "Befriedigung von Kleinstinteressengruppen" (queer.de berichtete). Durch die "Genderdebatte" würde die Gesellschaft "immer stärker sexualisiert", behauptete Höchst in einem Facebook-Eintrag kurze Zeit später (queer.de berichtete). Im August 2017 hatte sie in einem Interview behauptet, dass Homosexuelle mit größerer Wahrscheinlichkeit pädophil seien: "Studien belegen, dass es unter homosexuellen Männern mehr Pädophile gibt." Belege für diese angeblich vorliegenden Studien konnte sie nicht anführen.


AfD-Frau Höchst behauptete im Bundestag, dass die Ehe für alle eine "Befriedigung von Kleinstinteressengruppen" sei.

Ebenso steht die Politikerin für die AfD-typische Hetze gegen Muslime. Zu ihrer Ernennung als Schirmfrau der AfD-Homos sagte sie: "Es ist allein die AfD, die sich in Zeiten der homofeindlichen Islamisierung Europas für die Sicherheit und körperliche Unversehrtheit von Homosexuellen im öffentlichen Raum einsetzt." Damit übernimmt Höchst die argumentative Strategie der lesbischen AfD-Vorsitzenden Alice Weidel, die Partei als "Schutzmacht" der Homosexuellen zu bewerben. Weidel sagt, die AfD würde die angebliche Homophobie des Islam bekämpfen (queer.de berichtete).

"Alternative Homosexuelle" im rechtsnationalen Flügel

Die "Alternativen Homosexuellen" sind nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss von Mitgliedern der AfD und der Jugendorganisation "Junge Alternative". In ihren Leitlinien heißt es: "Schwulen und Lesben liegt Deutschland genau so sehr am Herzen, wie jedem anderen liebenden Menschen mit einem Bezug zu Familie, Heimat und Nation." Die Gruppe engagiert sich gegen die "Ehe für alle" und gegen die vollständige rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare (queer.de berichtete).

Der Vorsitzende der Gruppe, Alexander Tassis, ist Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, Schriftführer der "Patriotischen Plattform" und damit Teil des rechtsnationalen Flügels der AfD. In den Positionspapieren solidarisierte sich die Gruppe zuletzt nicht nur mit US-Präsident Donald Trump, sondern auch mit dem ehemaligen Vorsitzenden der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt André Poggenburg. Dieser gilt als einer der Anführer des rechtsnationalen Parteiflügels.

Im Januar 2017 hatte sich die "Bundesinteressengemeinschaft Homosexuelle in der AfD" gespalten. Praktisch der gesamte Bundesvorstand ging in der neu gegründeten "Schwul – Lesbischen Plattform" auf, die sich vom früheren Vorsitzenden Mirko Welsch abspaltete – jedoch nicht, weil dieser zu sehr gegen LGBTI und ihre Rechte hetzte, sondern weil Welsch gelegentlich auch mal im gleichen Tonfall Kritik am homofeindlichen Kurs der AfD und am extrem rechten Parteiflügel wagte (queer.de berichtete). Später erfolgte die Umbenennung der "Schwul – Lesbischen Plattform" in "Alternative Homosexuelle".

Wöchentliche Umfrage

» Gehört die LGBTI-feindliche AfD-Abgeordnete Nicole Höchst in das Kuratorium der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld?
    Ergebnis der Umfrage vom 19.03.2018 bis 26.03.2018
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#1 BEARAnonym
  • 19.03.2018, 11:59h
  • "Alternative Homosexuelle" - "Alternative Fakten": willkommen in Absurdistan.

    Leider halt nicht nur absurd, sondern wegen Dummdreistigkeit auch brandgefährlich.

    Aber... wie war das mit dem Schachspielen mit einer Taube? Manchmal bin ich wirklich auch ratlos, wie man solcher Idiotie beikommen kann... vernünftigen Argumenten gegenüber ist man ja vollständig resistent. Seufz.

    Trotzdem bleibt es wichtig, diese Menschen in ihre Schranken zu weisen und ihnen immer wieder klarzumachen, dass SIE NICHT "das Volk" sind und dass diejenigen, die ihre "Politik" verachten, nach wie vor die Mehrheit sind. Größenwahnsinnig sind diese Irren ohnehin schon genug.

    Grenzen aufzeigen. Widersprechen. Immer wieder.
    Auch wenn's anstrengend ist und ungeheuer nervt.
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#2 von_hinten_genommenAnonym
  • 19.03.2018, 12:15h
  • ? Wer soll diese Vorgehensweise verstehen? Und wer soll überhaupt die AfD verstehen?
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#3 Homonklin44Profil
  • 19.03.2018, 13:03hTauroa Point
  • Warum denke ich bloß immer Au Weiaweiaweia, wenn ich über solche Konsorten lesen muss?

    ""Andererseits hetzt Höchst gegen "Gender Mainstreaming" und angebliche "Frühsexualisierung" an Schulen und Kitas. ""

    Wo hetzt sie gegen Frühsexualisierung? Sollte wahrscheinlich heißen ...und betont / spricht für angebliche Frühsexualisierung an Schulen und KiTas.
    Wobei erwähnt werden muss, dass dieser Begriff biologisch wie sozialpsychologisch Unsinn beschreibt. Die "Sexualisierung" läuft ihrem natürlichen Entfaltungsvorgang nach und müsste nach der Argumentation dieser Leute, wenn die Berieselung mit sexuell konnotierten Inhalten eine so formende Auswirkung auf die kindliche Psyche hätte, längst über Fernsehwerbung und andere Medien noch vor dem Eintritt ins KiTa-Krabbelalter Spuren zeigen. Passiert aber nicht.

    ""Zu ihrer Ernennung als Schirmfrau der AfD-Homos sagte sie: "Es ist allein die AfD, die sich in Zeiten der homofeindlichen Islamisierung Europas für die Sicherheit und körperliche Unversehrtheit von Homosexuellen im öffentlichen Raum einsetzt.""

    Aber nicht Homosexueller mit muslimischen Wurzeln/Glaubensrichtung?
    Tja, wenn man diesem Islamisierungsglauben durch Kleinstinteressengruppen wie mal paar Zehntausender Extremisten und Sympathisanten Solcher anhängt. Und dazu die Extremisten und deren Sympathisanten, die anderen Weltanschauungen, wie Jener der Faschismusnahen anhängen, noch nicht mal mitrechnet.
    Großzügig berechnet islamisieren dann was? Um 4,5 Millionen Muslime hier die restlichen ca, 76 Millionen oder wie? Vorher kriegen uns die Zeugen Jehovas...

    ""Die Gruppe engagiert sich gegen die "Ehe für alle" und gegen die vollständige rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare.""

    Wenn das alternativ sein soll, ist der Begriff auch nix mehr wert. Zurück ins Mittelalter, oder was? Was folgt als Nächstes? Abschaffung des Frauen-Wahlrechts oder Wiedereinführung der Prügelstrafen für ungehorsame Kinder? Apartheid? Wiederaufspaltung des menschlichen Genoms in Neandertaler, Denisova und Cro Magnon?
    ...
    Das Verbot, Gartenzwerge, alleinstehende Dackel und Kirchengebäude zu ehelichen...? Back to the Rotz. Ach so, schreibt man anders, aber Hauptsache klingt Deutsch. :o/

    Diese Dame in der Stiftung Magnus-Hirschfeld / Kuratorium? Warum nicht ein jüdisches NPD-Mitglied im Zentralrat der Juden oder dem der Sinti und Roma? ( Nö danke)
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#4 krakalaAnonym
  • 19.03.2018, 13:06h
  • In Russland hat man Homosexuelle dazu gezwungen unsichtbar zu werden. Was das Volk nicht sieht, fürchtet es. Nun ist es (fast) egal, was mit den verbleibenden Rechten passiert - es interessiert sich ohnehin keiner mehr diese Minderheit.

    In Deutschland ist das inzwischen gar nicht mehr notwendig. Hier bringt man Homosexuelle dazu, freiwillig diesen Weg der Verdammnis zu gehen, wie die Kühe auf der Schlachtbank. Schwule die so süchtig nach Anerkennung sind, dass sie alles andere als "Anders" sein wollen. Hauptsache unauffällig, unsichtbar und normal.
    Diese Homosexuellen sind die Beute der AfD. Sie sind dumm genug deren Worte zu glauben. Solche halten sich für modern und glauben über einen Queer-Zirkus zu stehen und sich von einer lastenden Sexualität befreit zu haben auf eine höhere Daseisebene.
    Das sind die "Hey, ich bin nicht einer dieser durchgeknallten Schwulen - ich bin normal. Ich mache meine Sexualität nicht zum Thema." Solche lassen sich wunderbar durch die AfD ködern.

    Die glauben den Quatsch tatsächlich, und denken: "Hey, so schlimm sind die doch gar nicht! So schlimm kann es doch gar nicht kommen!"
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#5 goddamn liberalAnonym
  • 19.03.2018, 14:09h
  • Man fragt sich, wer da wen therapieren soll.

    Die Schwulen und Lesben die Homophobie von Frau Höchst oder Frau Höchst deren Selbsthass.

    Zumal Herr Tassis auch als griechischer Migrant eine Überidentifikation mit 'urgermanischen' Neofaschisten zeigt.

    Kann es sein, dass das an der Türkenfeindlichkeit von Herrn Poggenburg liegt?
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#6 BEARAnonym
  • 19.03.2018, 14:21h
  • Antwort auf #3 von Homonklin_@_NZ
  • "Schwule wollen nicht schwul sein, sondern sie wollen so spießig sein und kitschig sein wie der Durchschnittsbürger. Sie sehnen sich nach einem trauten Heim, in dem sie mit einem ehrlichen und treuen Freund unauffällig ein eheähnliches Verhältnis eingehen können. [...]

    Da die Schwulen vom Spießer als krank und minderwertig verachtet werden, versuchen sie noch spießiger zu werden, um ihr Schuldgefühl abzutragen mit einem Übermaß an bürgerlichen Tugenden. Sie sind politisch passiv und verhalten sich konservativ als Dank dafür, dass sie nicht totgeschlagen werden.

    Schwule schämen sich ihrer Veranlagung, denn man hat ihnen in jahrhundertelanger christlicher Erziehung eingeprägt, was für Säue sie sind. [...]

    Die Mehrzahl der Homosexuellen gleicht dem Typ des unauffälligen Sohnes aus gutem Hause, der den größten Wert darauf legt, männlich zu erscheinen. Sein größter Feind ist die auffällige Tunte. Tunten sind nicht so verlogen, wie der spießige Schwule. Tunten übertreiben ihre schwulen Eigenschaften und machen sich über sie lustig. Sie stellen damit die Normen unserer Gesellschaft in Frage und zeigen, was es bedeutet, schwul zu sein. [...]

    Schwule versuchen die bürgerliche Ehe zu kopieren. Anstatt die, denen sie ihr ganzes Unglück verdanken, zu hassen, wäre es ihr größtes Glück, eine von Kirche und Staat erlaubte lebenslange Zweierbeziehung einzugehen."

    Martin Dannecker, in
    "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt." (1971)

    bit.ly/2u2Zmu1

    ***

    1971 !!!!!
    Und manchmal glaubt man, wir sind keinen Millimeter vorangekommen.
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#7 BEARAnonym
#8 krakalaAnonym
  • 19.03.2018, 14:43h
  • Antwort auf #6 von BEAR
  • 1971?! Ach du liebe Zeit...
    Der Text beschreibt unsere aktuelle Situation absolut perfekt und viel besser, als das was ich geschrieben habe.

    Vielen Dank dafür! Diese Passage werde ich mir merken.
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#9 von_hinten_genommenAnonym
  • 19.03.2018, 15:00h
  • Antwort auf #6 von BEAR
  • Das ist ja kein Wunder:
    Der Paragraf 175 wurde in Deutschland erst 1994 gestrichen und das AGG gibt es erst seit 2006. Es wird noch lange dauern, bis die Gesellschaft vollständig verstanden hat, dass die Diskriminierung aufhören muss.

    Ich lasse mich aber nicht von der AfD beeinflussen und ich freue mich, dass Homosexuelle seit Herbst 2017 heiraten dürfen.
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#10 SarahAnonym
  • 19.03.2018, 15:22h
  • Antwort auf #6 von BEAR
  • "...1971 !!!!!
    Und manchmal glaubt man, wir sind keinen Millimeter vorangekommen."

    Seid "ihr" auch nicht, wie Du sicherlich ganz genau weißt - obwohl Du das hier als offene These oder Unterstellung formulierst.

    Im Gegenteil - es ist viel schlimmer als 1971. Während diese Grundeinstellung 1971 das Ergebnis von unreflektiert internalisiertem Selbsthass war, ist es heute internalisierter Selbsthass der als reflektierter Konsens in der deutschen Community als erstrebenswerter Weg politisch-gesellschaftlich verfolgt wird. *sigh*

    Das gilt nicht nur für die Schwulen. Es gilt auch für die Lesben und die Transgender in Deutschland.

    Das ist bitter. Echt bitter.
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