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Neu im Kino

Homosexuelle Gefühle wecken übersinnliche Fähigkeiten

Ein spannender wie romantischer Genre-Mix läuft jetzt im Kino: Joachim Triers Film "Thelma" ist lesbisches Coming-out-Drama und Mystery-Thriller zugleich.


Die schüchterne Thelma, die aus einer konservativ-religiösen Familie stammt, verliebt sich in ihre Kommilitonin Anja (Bild: Koch Films)
  • Von Fabian Schäfer
    22. März 2018, 04:24h, noch kein Kommentar

Thelma (Eili Harboe) ist gerade ausgezogen. Weg vom Land, nach Oslo, um dort Biologie zu studieren. Ihre christlich-konservativen Eltern kriegt sie trotzdem nicht los: "Warum rufst du so spät erst an?", "Isst du ordentlich?", "Du hast aber viele neue Facebook-Freunde". Die Studentin hat eine besondere Verbindung zu ihren Eltern, kann mit ihnen über alles reden.

Gleichzeitig holt Thelma in Oslo nach, was ihr zu Hause verwehrt geblieben ist. Es gibt einiges nachzuholen: das erste Bier, die erste Zigarette, der erste Kuss – ausgerechnet mit einer Frau, ihrer Kommilitonin Anja (Kaya Wilkins).

Weinend beichtet Thelma ihrem Vater Trond (Henrik Rafaelsen) am Telefon den Alkohol, doch gelten die Tränen eigentlich ihren lesbischen Gefühlen. Sie hält sie für falsch, für sündhaft, möchte sie wegbeten, verdrängt und unterdrückt sie. Doch im Traum holen die Gefühle die Studentin ein.

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Coming-of-Age-Drama trifft auf Mystery-Thriller


Poster zum Film: "Thelma" startet am 22. März 2018 bundesweit in den Kinos

So beginnt der Film von Regisseur Joachim Trier, den Norwegen ins Rennen um den Fremdsprachen-Oscar schickte, als klassisches Coming-of-Age-Drama. Trier inszeniert langsam, sachte und düster. Die Kamera ist den Darstellern fast immer nah, ihre Emotionen werden so besonders unmittelbar, eindringlich und nachvollziehbar.

Doch schnell verleiht Trier, der gemeinsam mit Eskil Vogt auch das Drehbuch schrieb, dem Drama einen mysteriösen Charakter. Thelma erleidet immer wieder Krampfanfälle. Sie muss Untersuchungen über sich ergehen lassen, doch eine Epilepsie wird ausgeschlossen. Stress oder Traumata könnten die Ursache sein, heißt es. Was sie den Ärzten nicht sagt: Die Anfälle sind mit paranormalen Kräften verbunden.

Zerrissen zwischen Unterdrückung und Anfällen

Die Suche nach den Auslösern führt Thelma in ihre Vergangenheit. Bereits in jungen Jahren hatte sie solche Symptome. Rückblenden zeigen ihre Kindheit und die verzweifelten Eltern. Es kam zu einem tragischen Unfall, und es ist einzig der Glaube an Gott, der die Familie zusammenhält. Die Normalität gewinnt – zunächst. Dass die Anfälle zurück sind, lässt den Eltern nur eine Option: die Dämonen bekämpfen.

Joachim Trier gelingt dieser Genre-Mix zwischen Drama und Mystery-Psychothriller ausgesprochen gut: Er versteht es, die Zuschauer zu fesseln, und verliert dennoch die Liebesgeschichte zwischen Thelma und Anja nicht aus den Augen. Das liegt nicht zuletzt an den Darstellerinnen – beide bislang weitestgehend unbekannt -, die wunderbar harmonieren. Eili Harboe bringt die innere Zerrissenheit zwischen Gefühlen und Religion, Unterdrückung und Anfällen sowie Reife und Unschuld hervorragend zum Ausdruck.

Mythos und Realität lassen sich nicht immer trennen

Unterstützt werden sie durch die Symbolsprache, derer Trier sich bedient: die Schlange, die Thelma verführt, die Krähen als Vorbote von Katastrophen, die an Hitchcock erinnern, das unschuldige Reh im Schnee, auf das dennoch eine Waffe gerichtet wird. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Träumen: Wo der Mythos beginnt und wo die Realität aufhört, ist nicht immer klar.

Das ist die große Stärke des Films: Er erklärt Thelma nicht, er lässt ihr den Raum und die Zeit, sich selbst zu finden. Eine Suche, die Abgründe überwinden muss, um zu merken, was das Richtige ist.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Thelma. Drama. Norwegen/Frankreich/Dänemark/Schweden 2018. Regie: Joachim Trier. Darsteller: Eili Harboe, Kaya Wilkins, Henrik Rafaelsen, Ellen Dorrit Petersen u.a.. Laufzeit: 116 Minuten. Sprache: Deutsche Synchronfassung. Verleih: Koch Media. Kinostart: 22. März 2018
Galerie:
Thelma
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