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Stigmatisierung

Neue Studien: Queere Jugendliche denken öfter an Selbstmord

Zwei wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Schüler und junge Studierende öfter Suizid-Gedanken haben, wenn sie nicht heterosexuell sind.


Stigmatisierung übt Druck auf sexuelle Minderheiten aus, sagen die Wissenschaftler (Bild: flickr / John Steven Fernandez / by 2.0)

Homo- und bisexuelle Jugendliche, die ihre wahre sexuelle Orientierung verbergen, haben ein höheres Risiko, an Selbstmord zu denken oder sich selbst zu töten. Dies geht aus zwei neuen Studien hervor, über die die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Für die erste Untersuchung hat ein Team aus Wissenschaftlern unter der Leitung des belgischen Neurowissenschaftlers Philippe Mortier Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgewertet, die rund 13.000 Studierende im ersten Studienjahr befragte. Die Untersuchten kamen aus acht Ländern weltweit, darunter auch Deutschland. Das Ergebnis: Fast ein Drittel der Studierenden im ersten Jahr hat schon mal an Suizid gedacht. Einer der wichtigen Risikofaktoren ist es, nicht heterosexuell zu sein.

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Höheres Risiko für Gedanken an Selbstmord

Das Team fand heraus, dass homo- und bisexuelle Studierende ein vier- bis achtfach höheres Risiko für suizidale Gedanken und Verhaltensweisen haben als heterosexuelle Kommilitonen. Hetero-Studierende, die schon einmal gleichgeschlechtlichen Sex hatten, haben demnach ein drei- bis vierfach höheres Risiko, und überwiegend heterosexuelle Studierende mit einer gleichgeschlechtlicher Präferenz ein zweifach höheres Risiko im Vergleich zu komplett heterosexuellen Studierenden.

Eine andere Studie erschien Anfang März im "American Journal of Preventive Medicine". Die Forscher fokussierten sich dabei auf Teenager, die eine Nichtübereinstimmung in der sexuellen Orientierung erleben, also ihre sexuelle Orientierung als verwirrend und unstimmig erleben. Genauer gesagt geht es um Jugendliche, die sich entweder als schwul oder lesbisch identifizieren, aber nur mit dem anderen Geschlecht oder beiden Geschlechtern sexuellen Kontakt hatten, und um Jugendliche, die sich als heterosexuell definieren, aber sexuellen Kontakt mit dem gleichen Geschlecht oder beiden Geschlechtern hatten. Diese Jugendlichen, so warnen die Wissenschaftler, hätten einen signifikant höheres Risiko, Suizid zu begehen.

Untersucht wurden dabei annähern 7.000 High-School-Schüler in den USA, denen 99 Fragen zu Gesundheit und Risikoverhalten gestellt wurden. Zwei dieser Fragen drehten sich um die sexuelle Orientierung. Die Antworten zeigen: Rund vier Prozent der Teenager haben eine Nichtübereinstimmung in der sexuellen Orientierung (sexual orientation discordance). Dies betraf, und das ist überraschend, 32 Prozent der schwulen und lesbischen Schüler, jedoch nur drei Prozent der heterosexuellen Schüler.

Erkenntnisse wichtig, um Suizid vorzubeugen

Gefragt wurde auch, ob die Schüler ernsthaft in Erwägung gezogen haben, Suizid zu begehen, ob sie dafür schon einen Suizid-Plan hatten oder im vergangenen Jahr versucht haben, Suizid zu begehen. Annähernd die Hälfte der Teenager, die eine Nichtübereinstimmung in der sexuellen Orientierung erlebt hatten, also 46 Prozent, berichteten von suizidalen Gedanken oder Verhaltensweisen. Für Schüler, die in ihrer sexuellen Identität nicht verwirrt waren, betraf das nur 22 Prozent.

"Diskriminierung, Stigma, Vorurteile, Zurückweisung und gesellschaftliche Normen können Druck auf sexuelle Minderheiten ausüben und ihre sexuelle Identität oder ihr sexuelles Verhalten als widersprüchlich zu ihrer wahren sexuellen Identität darstellen", schreiben die Wissenschaftler.

Es sei wichtig, die Herausforderungen zu verstehen, denen Heranwachsende, die in ihrer sexuellen Orientierung verwirrt sind, begegnen, meinte Ko-Autor Dr. Francis Annor vom Zentrum zur Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC) in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. "Es ist wichtig, zu wissen, dass man Suizid vorbeugen kann." Die neuen Erkenntnisse seien wichtig, da Suizid in der US-Bevölkerung in den letzten zehn Jahren die zehnthäufigste Todesursache gewesen sei, und die dritthäufigste Ursache beim Tod von Teenagern, sagte John Blosnich von West Virginia Universität in Morgantown, der zu Suizid von LGBTI forscht.

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#1 NichtNeuAnonym
#2 von_hinten_genommenAnonym
  • 27.03.2018, 18:31h
  • Dass Jugendliche davon betroffen sind, das trifft leider zu.
    Was ich aber auch feststelle, ist, dass das auch bei manchen erwachsenen LSBTTIQ gelegentlich auftritt. Solche Gedanken machen vor den Erwachsenen nicht halt. Und es kommt natürlich auch darauf an, in welcher Situation diese Person sich befindet.
    Ist diese Person (ein/e Jugendliche/r) täglich in der Schule mit Mobbing konfrontiert, dann kann das definitiv zu Selbstmordgedanken führen, zumal sich die Stärke des Mobbings dann entsprechend auf den/die Schülerin auswirkt.
    Und je nachdem in welcher Situation sich der/Erwachsene/r befindet, kann sich das auch entsprechend bei erwachsenen LSBTTIQ entwickeln.

    Deshalb sehe ich es als ganz dringend und wichtig, dass wirklich effektiv und zielgerichtet gegen Diskriminierung und Homophobie angegangen wird.
    Dass Beratungsstellen mit professionellem Personal vorhanden ist, die sich wirklich gut auskennen und Erfahrung haben, wie dem/der einzelnen geholfen werden kann.

    Momentan mangelt es noch an Beratungsstellen, an Menschen die wirklich wissen, was Diskriminierung bedeutet und die die Einzelsituationen verstehen können. Es mangelt teilweise an Wissen in den Beratungen und an Handlungsmöglichkeiten. Die Situation, dass den Homosexuellen viele Vorwürfe gemacht werden und dass sowohl Arbeitgeber, Behörden, und Ämter ihr Verhalten verschleiern, verleugnen, lastet auf den Homosexuellen eine unglaublich hohe Last von Vorwürfen und Benachteiligungen, und Schuldzuweisungen, dass das durchaus zur starken emotionalen Belastung führt. Das ist eine Belastung, die die Nerven sehr strapaziert, und sehr viel Energie und Kraft raubt.
    Somit kann es durchaus auch Erwachsenen passieren, dass sie entweder in eine Depression rutschen, oder vielfache Verletzungen kaum mehr kompensieren können und leider ebenso Selbstmordgedanken haben können, wenn sie ihre Situation als auswegslos sehen, oder aufgrund der vielfachen Diskriminierung und Vorwürfen keine Hoffnung mehr sehen können. Diese Vorwürfe, die vielfach vorkommen können, zerstören buchstäblich das Selbstbewußtsein, das Glück, und den natürlichen Lebensweg dieser Menschen.
    Sie geraten in eine Situation, in der sie Entscheidungen treffen müssen, die gar nicht mehr zu ihrer Persönlichkeit passen.
    Es ist für diese Menschen schlichtweg eine alltägliche Quälerei, und dieser existenzielle "Kampf" endet nicht selten entweder im Selbstmord oder in Rente, oder in einem Arbeitsplatz, der zu wenig Gehalt bringt und somit zu wenig Rente im Alter.

    Dieser Schaden ist mächtig groß und da muss es unbedingt eine zügige, effektive Arbeit gegen Diskriminierung und gegen Homophobie geben.

    Natürlich hat jeder Mensch einen Resilienz-Spielraum. Aber auch der ist irgendwann ausgeschöpft. Denn es ist schon schwer, überhaupt jemanden zu finden, der die Situation versteht, ohne selbst Zweifel oder Vorbehalte zu haben. Oft wird der homosexuellen Person nicht vertraut oder werden deren Aussagen als nicht zutreffend abgestempelt. Ist diese Person aber dann gefunden, scheitern oftmals die erarbeiteten Vorgehensweisen, weil entweder ein Gesetz nicht weiterhilft, oder schlichtweg die entsprechenden Hilfsangebote fehlen, oder Einrichtungen, wo man sich hinwenden könnte.
    Die betroffenen Personen stehen also, je nach Bundesland, hilflos da und haben kaum Möglichkeiten, die Unschuld zu beweisen oder zu ihrem Recht zu kommen.
    Stattdessen wurde ihnen entweder persönlichen, oder psychischen, oder beruflichen, oder körperlichen Schaden zugefügt.

    Und damit beginnt eine Abwärtsspirale. Als Folge wird der/die Betroffene als weniger belastbar eingestuft und nicht nach der Qualifikation und nicht nach der Persönlichkeit entschieden. Das ist natürlich eine Diskretitierung und eine unberechtigte Benachteiligung, die sich wieder als negativ gegenüber der Betroffenen auswirkt.

    Diese Spirale muss durchbrochen werden. Das gelingt nur, in dem man dem vertraut, was die Betroffenen äußern. Es ist definitiv feststellbar, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht. Und zudem ist der Verlauf der jeweiligen Person ein Indiz dafür, ob es selbst verschuldet sein kann oder nicht.
    Was Diskriminierung und Homophobie ist, das ist bekannt. Also gibt es Möglichkeiten, zu verstehen, wer sich falsch verhält und wer ein Verhalten an den Tag legt, dass schädlich für die Betroffenen ist.

    Und da ist sowohl die Regierung aufgefordert, als auch die Opposition, und Initiativen, und Aktionen, die sich damit auseinandersetzen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

    Ich schreibe das, weil es leider immer wieder vorkommt und es wichtig ist, bekannt zu geben.
    Diese Erfahrungen stammen aus Baden-Württemberg.
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#3 Gerlinde24Profil
  • 27.03.2018, 19:32hBerlin
  • Wer sich als Jugendlicher nicht so akzeptiert fühlt, wie man ist, sondern merkt, dass man in Rollennormen gezwängt wird, die nicht die eigenen sind, und dazu noch von der Gesellschaft (Familie, Freunde, Dorfgemeinschaft) geächtet wird, weil sie oder er "anders" ist, denkt oft an Selbstmord. Dabei wäre es einfacher, einfach wegzugehen aus Familie, Kirche, Stadt, als sich zu etwas zwingen zu lassen, was man nicht ist!
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#4 ursus
  • 27.03.2018, 19:39h
  • Antwort auf #2 von von_hinten_genommen
  • "Solche Gedanken machen vor den Erwachsenen nicht halt."

    das stimmt und es ist wichtig, das zu sagen. die selbstakzeptanz nimmt mit zunehmendem alter immerhin ein wenig zu (bei interesse kann ich versuchen, die deutsche studie herauszukramen, die das belegt), der stress, der durch permanente abwertungen entsteht, verschwindet aber nie ganz und bleibt ein leben lang durchschnittlich über dem stressniveau von heterosexuellen. mit allen konsequenzen, die du nennst.

    ich kann hier deinem kommentar nur zustimmen.
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#5 PeerAnonym
  • 28.03.2018, 11:31h
  • Und nicht nur, dass sie öfter daran denken, sondern sie führen es auch öfter in die Tat um. Die Selbstmordrate unter LGBTI-Jugendlichen ist bekanntlich 4-7x höher als bei Heteros (queer.de berichtete).

    Deswegen ist es ja so wichtig, dass es endlich an allen Schulen mehr Aufklärung und Förderung von Vielfalt gibt. Das darf nicht vom Engagement des Lehrers abhängen, sondern muss an jeder Schule (auch den sog. "bischöflichen" Schulen) Pflicht werden.

    Das darf nicht länger verzögert oder verwässert werden - hier geht es schließlich um Menschenleben.

    Und es geht nicht nur um den Schutz von LGBTI, sondern auch Heteros haben es einfacher im Leben, wenn sie ohne Hass aufwachsen.

    Jede Partei und jedes einzelne derer Mitglieder, die da weiter tatenlos zusehen statt endlich zu handeln, machen sich mitschuldig und haben Blut an ihren Händen, dass sie nie mehr abbekommen werden.
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#6 mafeihongProfil
#7 EL_manuEhemaliges Profil
  • 09.05.2018, 23:19h
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  • Anm. d. Red.: Kommentar aufgrund problematischer Aussagen (für andere) nicht freigeschaltet. Wir wollen uns aus der Ferne und unbekannterweise keine Urteile und Empfehlungen anmaßen und können das auch nicht; es sollte aber auch für Dich Orte geben, an Denen Du Ohren, Bekannte, Freunde und Partner finden kannst.