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Geplanter Auftritt in Regensburg

Bounty-Killer-Manager: "Er ist nicht mehr homophob"

Der Tour-Manager versucht gegenüber queer.de zu erklären, dass der umstrittene Reggae-Sänger keine Hass-Rede mehr verbreite. Der Club prüft derweil, ob das Konzert abgesagt werden kann.


Bounty Killer (Bild: Stefan Klauke / wikipedia)

Zu Update springen: Grüne fordern Innenminister Seehofer zu Einreiseverbot auf (19:50h)

Nachdem bekannt geworden war, dass der Reggae-Künstler Bounty Killer im Mai in Regensburg auftreten soll (queer.de berichtete), gab es teils heftige Reaktionen von Veranstaltern, Managern und Aktivisten. Die Betreiber des Clubs "Mischwerk", in dem das Konzert stattfinden soll, erklärten in einer Pressemitteilung, den Fall prüfen zu wollen. Man sei nicht der Veranstalter, werde sich aber mit den Verantwortlichen in Verbindung setzen und die Problematik besprechen.


Die Veranstaltung auf Facebook (Bild: Screenshot)

Man möchte jedoch vorab mitteilen, "dass es mit jedem Fremdveranstalter Verträge gibt, in denen festgehalten wird, dass keinerlei diskriminierende, menschenrechtsverletzende oder zur Gewalt aufrufende Propaganda betrieben werden darf". Man kannte den Künstler Bounty Killer vorher nicht und werde jetzt die Verträge überprüfen.

Vereinbarung mit Reggae-Künstlern in Belgien

Der belgische Manager von Bounty Killer, Mike De Herdt von "Music Got Soul", äußerte sich gegenüber queer.de in einem langen Statement: "Bounty verwendet keine Liedtexte mehr, die Hass oder Gewalt gegenüber Schwulen verbreiten." Er habe sich in den letzten Jahren in seiner persönlichen Einstellung gewandelt. Liedtexte seien umgeschrieben worden. In vielen Fällen seien Zeilen wie "gunshot fi dem" oder "fire pon dem" (erschiesst sie) nun nicht mehr gegen Schwule gerichtet, sondern gegen Gangs, korrupte Unternehmer, schwache Politiker und andere Künstler, die Verrat begangen hätten. Welche Lieder oder Liedtexte aber konkret geändert wurden, konnte De Herdt auf Anfrage nicht sagen.

Er verweist jedoch auf eine Vereinbarung in Belgien aus dem Jahr 2012 zwischen mehreren lokalen LGBTI-Organisationen und Reggae-Künstlern. Mit dieser soll "homophobe Hassrede endlich – und vorzugsweise weltweit – aus der Reggae-Musik eliminiert werden", heißt es darin. Die Vereinbarung sieht eine "einmalige Amnestie" für "Hassrede und homophobe Äußerungen in der Vergangenheit" vor. Im Gegenzug verpflichten sich die Künstler, dies in Zukunft zu unterlassen: "Künstler, die nach Verabschiedung dieser Erklärung weiterhin darauf beharren, verletzende Liedtexte irgendwo in der Welt aufführen zu wollen, werden nicht länger auf unseren Bühnen und in unserer Reggae-Szene willkommen sein."

Diskussion über den Fall von manchen unerwünscht

Deswegen findet Manager De Herdt, dass über die Homophobie von Bounty Killers Songtexten nicht mehr geredet werden soll, da diese vor über 20 Jahren geschrieben worden seien. Vielmehr ist er verärgert, dass bis heute darüber berichtet wird: "Einige extreme LGBT-Gruppen scheinen einfach ein Thema gefunden zu haben, um das Profil ihrer Organisation damit zu schärfen, so wie manche Politiker."

Dass der Arbeitskreis queer der Universität Regensburg über Facebook den Fall öffentlich gemacht hat, gefiel auch anderen Personen nicht. Der Organisator der lokalen Queer-Party "Candilicious" habe die Angelegenheit lieber im Stillen regeln wollen und dem Arbeitskreis wegen der Veröffenlichung in einer privaten Nachricht "Hetze" vorgeworfen.

Annika Gruber vom AK queer Regensburg verteidigte das Bekanntwerden des Falls: "Bounty Killer verbreitet in seinen Texten homosexuellenfeindliche Aussagen bis hin zum Mordaufruf an Schwulen. Künstlerische Freiheit ist aber kein Freifahrtschein für menschenverachtende Botschaften", sagte sie auf Anfrage. "Hier sind auch die Clubbetreiber in der Verantwortung, die diskriminierenden Inhalten keine Bühne bieten sollten."

Aktivist Werner Gaßner findet, dass sich am Fall Bounty Killer typischerweise zeige, dass sich die LGBTI-Communtity bei Veranstaltungen oft spalte. "Dann stehen diejenigen im Kreuzfeuer der Kritik, die beispielsweise auf homosexuellenfeindlich Akteur*innen wie diesen Sänger hinweisen", sagt Gaßner. "Menschen, die sich für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft und gegen Hass einsetzen, sind dann plötzlich innerhalb der Szene die Störfeuer." Er findet, dass es richtig und wichtig war, dass der AK queer Regensburg auf den Hass-Sänger im Mischwerk hingewiesen hat und dass die Debatte öffentlich geführt wird. Denn: "Hass-Sänger haben in keinem Club etwas verloren."

 Update  19.50h: Grüne fordern Innenminister Seehofer zu Einreiseverbot auf
Ulle Schauws, die queerpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, hat nun einen Brief an Innenminister Horst Seehofer geschrieben. Darin bittet sie ihn, die Einreise des Sängers zu verhindern. Das berichtet der Tagesspiegel. "Wer zu Mord an Schwulen aufruft, hat in unserem Land und in Europa nichts verloren. Das ist in einem Rechtsstaat wie Deutschland strafbar", sagte Schauws der Zeitung.
Das Einreiseverbot aus dem Jahr 2009 für Bounty Killer sei inzwischen erloschen. Daher heißt es in dem Brief: "Ich bitte Sie, den Sänger erneut zur Nicht-Einreise auszuschreiben. Es kann nicht sein, dass Hassprediger und Hasssänger ihre Botschaften in Deutschland verbreiten können." Der Sänger soll im Mai nicht nur in Regensburg, sondern auch in Wuppertal und im Dortmunder Club Junkyard auftreten.

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#1 ursus
  • 28.03.2018, 15:46h
  • na, wenn sich die mordaufrufe nur noch gegen irgendwelche anderen menschen richten, dann ist doch alles in ordnung.
    *augenroll*
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Roman BolligerAnonym
  • 28.03.2018, 15:57h
  • Bounty Killer? Sein Manager?

    Ich sehe keinen Unterschied zwischen den Beiden. Die Boshaftigkeit und das Lügen haben die in den Genen.

    Keine Konzerte für solche Idioten!
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#3 Steve2Anonym
  • 28.03.2018, 16:05h
  • "In vielen Fällen seien Zeilen wie "gunshot fi dem" oder "fire pon dem" (erschiesst sie) nun nicht mehr gegen Schwule gerichtet, sondern gegen Gangs, korrupte Unternehmer, schwache Politiker und andere Künstler, die Verrat begangen hätten."

    Ach so, nun sollen also nicht Schwule erschossen werden, sondern andere Menschen aus Gangs und Politiker?!

    UNFASSBAR!
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#4 herzesAnonym
  • 28.03.2018, 16:26h
  • Wie einfach. Per "suchen & ersetzen" im Text, Homo mit Politiker ausgetauscht, schon ist man sozialkritisch und nicht mehr homophob.
    Gehirn ersetzen ist wohl eher zweckmäßig... am besten auch bei den geistigen Tieffliegern, die sich so einen Schrott anhören.
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#5 Chris62Profil
  • 28.03.2018, 16:36hRegensburg
  • Meiner Meinung nach haben die Kollegen vom AK Queer alles richtig gemacht.

    Was soll die Anbiederung an den Sänger der sicher nicht nach 20 Jahren plötzlich keine LGBTI mehr töten will sondern der dies behauptet um in Europa möglichst störngsfrei Geld verdienen zu können.

    Auch dürfen sich Veranstalter und Locationbetreiber nicht vor ihrer Verantwortung drücken: Man muss sich halt vorher ansehen, wem man da eine Tribüne bietet.

    Die Gerneralamnestie könnt' ich ja mit Bauchschmerzen noch schlucken, ist sie doch immerhin von Kollegen der Schwulen- u. Lesbenbewegung vereinbart. Der Zusatz - möglichst weltweit - führt das ganze aber schon wieder ad absurdum: Wenn Bounty Killer Schwule töten will ist mir das doch egal, ob er dies hier bei mir in Regensburg tut oder sonstwo auf der Welt. Homophobie ist hoch infektiös und breitet sich in unserer globalisierten Welt in Windeseile aus.

    Warum muss Bounty Killer überhaupt irgend jemand töten in seinen Liedern, und zu Hass und Gewalt aufrufen?

    Unter friedlichen Bedingungen kann ich mir Reggae vorstellen - ohne Amnestie, mit der nächsten Generation Musiker...
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#6 schwulenaktivist
  • 28.03.2018, 17:21h
  • Wir haben in Basel die Erfahrung gemacht - wie viele andere auch - dass die Organisatoren wohl um die Verhältnisse in der Reggae-Musik wissen, aber Augen und Ohren verschliessen!
    Bis jetzt hat keiner der Gewalt-Exponenten von ihrem Djihadismus abgeschworen!

    www.arcados.com/wp-content/uploads/2014/08/PiT-SAusg-1108.pd
    f


    Auch Frauen fühlen sich von den Typen angezogen, übrigens, es trifft nicht nur die Männer!
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#7 axelsProfil
  • 28.03.2018, 19:29h-
  • Mal die Vergangenheit vergessen machen... So einfach sollte es dann doch nicht gehen. Unsere Argumentation vor 10 Jahren bzgl. der (dann erfolgreichen) Forderung, ein Konzert von Capleton abzusagen war u.a., dass er seinen Ruhm, den er auch mit Homohass-Texten begründete, heute nutzen könnte, um Homophobie ganz praktisch abzuschwören. Verarbeiten nicht durch Schweigen (das immer auch nur ein opportunes sein könnte), sondern durch aktives Handeln. Ich denke, es gäbe genug LGBT*IQA-Projekte, die in Jamaika oder sonst wo unterstützt werden könnten... Die queeren Gruppen in Regensburg dürfen Bounty-Killer durchaus auf diese Weise in die Pflicht nehmen.
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#8 DankeAnonym
#9 WhitelionAnonym
  • 28.03.2018, 20:30h
  • Die Kommentare zeugen leider das hier wohl noch nie jemand Reggae oder Dancehall gehört hat... Ich kenne so gut wie kein Lied in dem nicht ein 'Faya pon dem' oder etwas in der Art vorkommt. In den liedern werden Christen, der Vatikan, die Polizei, Arme und sonst was dem Erdboden gleich gemacht. Und das war schon bei Bob Marley der Fall. Das hat seine Wurzeln im Alttestamentarischen und in der jamaikanischen Redensart. Da wird man schnell erschossen oder verbrannt, nur das es keiner macht. Dies ist wörtlich zu nehmen. Oder hat schon mal ein Rasta einen Prister oder der gleichen erschossen? Nehmt doch eure Zeit und das Geld und macht was auf der Insel für die Homosexuellen, die verbote verschärfen nur das Problem. Auch das man sich in Seiten der Reggae/Dancehall Comunity verarscht vorkommt. Es wird nicht mal versucht an das Thema mit Gesprächen oder sonstigem ran zu gehen.
    Stempel drauf und fertig, und das von einer Gemeinschaft die immer auf die Offenheit und Akzeptanz anderer pocht und gehört werden will.
    Das Lustige an der Sache ist das jetzt noch Horsti zu Hilfe geholt wird, ein Mann der nichts von Homosexuellen hält... Das ist fast schon live Satire vom feinsten.
    Und wenn er dann wieder gegen die Ehe für alle ist, ist er auf einmal wieder der Böse...
    Ich bin dagegen das diese Texte live gesungen werden, und verstehe es nicht das im das Recht auf die Bühne verweigert wird. Erst recht wenn es so scheint als ob jetzt noch neue Gründe bei den Haaren herbei gezogen werden um ein Verbot durchzusetzten.
    Und das jetzt einer meint Capleton währe nur wegen dieser Texte so berühmt hat wirklich noch nix mit Dancehall zutun gehabt. Den ich kenne keinen aus der Dancehall Szeane der Homophob (geworden) ist. Oder einer sonst wenn angeriffen hat der in Texten vorkam. Da dies eine Sprache ist in der gerne übertrieben wird bis aufs letzte. In der Musik wie auch auf der Strasse...
    Erst Informieren und dann Hetzten...
    Das sage ich auch leuten die meinen Homosexuallität sein krank... Die bekommen auch von mir eine Abreibung (mit Worten).

    Blessings
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#10 herve64Profil
  • 28.03.2018, 21:13hMünchen
  • "In vielen Fällen seien Zeilen wie "gunshot fi dem" oder "fire pon dem" (erschiesst sie) nun nicht mehr gegen Schwule gerichtet, sondern gegen Gangs, korrupte Unternehmer, schwache Politiker und andere Künstler, die Verrat begangen hätten.":

    Na, dann ist ja alles gut: es müssen nicht mehr Schwule dran glauben, sondern andere Leute. (zynismus off)

    Mordaufruf bleibt Mordaufruf, und dem ist entschieden entgegen zu wirken. Ein Einreiseverbot für Bounty Killer steht als Oberstes auf der Agenda, und auch der Manager sollte nach Möglichkeit zur Rechenschaft gezogen werden wegen der Weiterverbreitung dieser Hasstiraden. Das ist Beihilfe zur Volksverhetzung.
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