Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?30905

Gay-Erotik-Thriller

Einbruch in eine schwule Welt

Tom steht auf Masken, beim Sex und bei nächtlichen Einbrüchen. Einmal findet er statt Geld den schlafenden Lars. Tor Ibens neuer Film "Jahr des Tigers" läuft im April in der Queerfilmnacht.


Tom (Alexander Tsypilev) versteckt sich hinter einer Katzenmaske, um in Lars' Wohnung einzubrechen (Bild: Edition Salzgeber)
  • Von Fabian Schäfer
    1. April 2018, 15:15h, noch kein Kommentar

Katze, Schwein, Affe, Jaguar: Es ist ein ganzer Wildpark, den Tom (Alexander Tsypilev) in Form von Masken an seiner Wand hängen hat. Er wohnt noch zu Hause, hat nicht viel zu tun. Er erschreckt seine Schwester mit der neuen Pferdemaske. "Macht es dir Freude, wenn die anderen Angst vor dir haben?", fragt ihn seine Mutter. Tom antwortet nicht.

Die Masken geben Tom eine andere, anonyme Identität – oder überhaupt erst eine. Das nutzt er für Parkplatzsex, aber auch für Einbrüche mit seinem Kumpan Rachid (Patrick G. Boll). Doch die Wohnung von Lars (manchmal etwas zu verkrampft: Julien Lickert) ist besonders. In einer Schublade findet Rachid einen Dildo. An der Wand hängt das Gemälde "The Bandit" von George Quaintance, eine homoerotische Szene mit drei jungen, muskulösen Männern. Der schlafende Lars könnte dem Werk entsprungen sein. Tom ist fasziniert von ihm, kann seinen Blick nicht abwenden.

Eine Reise in Berlins queere Geschichte


Poster zum Film: "Jahr des Tigers" ist im April 2018 im Rahmen der Queerfilmnacht zu sehen

Die Neuentdeckung Alexander Tsypilev zeigt einen sehr stillen und unnahbaren Tom, für den eine Obsession beginnt. Er bricht wieder und wieder in Lars' Wohnung ein. Er riecht an dessen Unterwäsche, liest seine Bücher, isst seine Kekse. So beginnt eine intime und gleichzeitig einseitige Beziehung zwischen den beiden Männer. Besonders sinnbildlich und eindringlich ist die Szene, in der Tom fantasiegetrieben so mit der Matratze Sex hat, wie er es wohl gerne mit Lars hätte.

Dem Regisseur Tor Iben ("Wo willst du hin, Habibi?") ging es mit "Jahr des Tigers" laut eigener Aussage darum, schwuler Geschichte nachzugehen. Deshalb wurde ausschließlich an Originalschauplätzen in Berlin gedreht: Im Schwulen Museum, wo der Historiker Lars arbeitet. Im Tiergarten, wo Tom auf einen anderen mysteriösen Mann mit Maske trifft. In der Cruising-Bar "Ficken 3000", wohin Tom Lars eines Nachts folgt, jedoch im Darkroom von ihm abgewiesen wird.

Erotik versus Logik

Tor Iben hält sich an die Erzählkonventionen des Thrillers, wenn Lars doch einmal zurück in die Wohnung kommt, während Tom dort sein Unwesen treibt und fast entdeckt wird, oder wenn es später zu einer Verfolgungsjagd kommt. Und doch erotisiert er die Handlung, lässt Tom mehrmals zum Voyeur werden. Schade nur, dass an der ein oder anderen Stelle die Erotik den Kampf gegen die Logik gewinnt. Wer fällt schon über seinen Stalker und Einbrecher her, um wilden Sex zu haben?

Oder sind das – so wie der mysteriöse in schwarzem Leder gekleidete Biker im Tiergarten – Wahn- und Wunschvorstellungen, die sich Tom in seinem langweiligen Alltag erträumt? Eine Flucht davor, unsichtbar und bedeutungslos zu sein? Es ist auch diese Mehrdeutigkeit, die "Jahr des Tigers" zu einem ganz besonderen schwulen Thriller macht.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Jahr des Tigers. Drama. Deutschland 2017. Regie: Tor Iben. Darsteller: Alexander Tsypilev, Julien Lickert, Michael Del Coco, Patrick G. Boll, Astrid Kohrs, Eva Nürnberg, Joko Koma. Laufzeit: 85 Minuten. Verleih: Edition Salzgeber. Im April 2018 in der Queerfilmnacht.
Galerie:
Jahr des Tigers
8 Bilder