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Bisexuelles Netzwerk

Bi-Gruppe erstellt Unterrichtsmaterialien

Die Themenfelder "Bisexualität" und "Pansexualität" werden an Schulen oder Kitas in Deutschland fast nie behandelt, beklagen Bi-Aktivisten – und greifen Lehrern jetzt unter die Arme.


Deutsche Schulen sollen auch über Bisexualität aufklären, fordern Aktivisten

An deutschen Schulen verankert langsam die Einsicht, dass es mehr gibt als nur Heterosexuelle – zuletzt hatte Sachsen-Anhalt Materialien für Horte und Grundschulen in Auftrag gegebenen, die Kindern die Familienvielfalt näher bringen sollen (queer.de berichtete). Doch eine Gruppe wird laut dem Bisexuellen Netzwerk e.V. immer wieder vergessen.

"Immer mehr junge Menschen bezeichnen sich als bisexuell oder pansexuell oder lehnen feste Schubladen ab", so das Netzwerk am Donnerstag in einer Presseerklärung. "Doch das Thema Bisexualität wird in der Schule fast nie behandelt." Deshalb veröffentlichte die neu gegründete "AG Bisexualität und Schule (und Kitas)" Unterrichtsmaterialien, mit denen Lehrer künftig auf das Thema eingehen können. Die Materialien sind unter bine.net/schule für jeden einsehbar.

Auch Bisexuelle benötigen Vorbilder

Bisexuelle und pansexuelle Schüler würden laut den Aktivisten "Vorbilder und eine diskriminierungsfreie Umgebung" benötigen, damit sie keine Angst haben müssten, in wen sie sich verlieben. Es sei laut dem Netzwerk wünschenswert, dass sich auch mehr Lehrer als bisexuell outeten. Zu diesem Thema bietet der Verein individuelle Beratungen an.

In den Materialien werden auch mehrere bi- oder pansexuelle Promis genannt, darunter etwa Sängerin Madonna, Fußballnationalspielerin Nadine Angerer, "Green Day"-Frontmann Billie Joe Armstrong oder Modedesigner Wolfgang Joop.

Pansexualität (oder auch Omnisexualität) sind relativ neue Begriffe und bezeichnen eine sexuelle Orientierung, bei der das Geschlecht oder die Geschlechtsidentität des Partners oder der Partnerin keine Rolle spielt – das Geschlecht verschwindet vollkommen hinter der Person. Damit unterscheidet sich diese Orientierung vom Begriff Bisexualität, der eine sexuelle Orientierung beschreibt, die sich spezifisch auf zwei Geschlechter bezieht. Insbesondere in den USA werden die neuen Begriffe immer beliebter – so outete sich Popsängerin Miley Cyrus als pansexuell (queer.de berichtete).

Laut Statistiken identifizieren sich mehr Menschen als weder hetero- noch homosexuell als noch vor wenigen Jahren – insbesondere unter Frauen ist der Bi-Anteil etwa laut einer neuen britischen Studie höher als der Anteil der Lesben (queer.de berichtete). Gleichzeitig litten Bisexuelle laut einer US-Studie unter einer Doppeldiskriminierung – sie werden demnach sowohl von der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft als auch von Schwulen und Lesben stigmatisiert (queer.de berichtete). (dk)



#1 Alexander_FAnonym
  • 06.04.2018, 15:46h
  • Es wäre ja schon schön, wenn man überhaupt einmal anerkennen würde, dass es unsereinen gibt und wir keine Lügner und Feiglinge sind, die sich nur nicht trauen, sich "richtig" zu outen.

    Wahrscheinlich liegt es aber auch daran, dass man irgendwie glaubt, Schwulsein müsse eine Art Seuche sein, von der man entweder völlig befallen sei oder gar nicht. Auch nicht wenige Schwule und Lesben scheinen das meiner Erfahrung nach selbst so zu sehen.
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#2 PansexualContinuumAnonym
  • 06.04.2018, 16:05h
  • Antwort auf #1 von Alexander_F
  • Ich werde wohl nie verstehen, was für ein borniertes Menschenbild dahintersteht, wenn man sich und/oder seine Mitmenschen nur betrachtet unter dem Aspekt ihrer Zugehörigkeit zu irgendeiner (willkürlich herausgepickten bzw. definierten) Gruppe.

    @topic: Was kann es denn noch Freieres, Idealeres, die Individualität Feiernderes geben als Bisexualität bzw. Pansexualität?
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#3 von_hinten_genommenAnonym
#4 HugolinoAnonym
  • 06.04.2018, 19:15h
  • Ich bin dringend dafür, einer 4-Jährigen in der Kita das Konzept der Pansexualität zu erläutern.

    Nicht.

    Leute, ich bin Grundschullehrer, ich bin schwul, und ich bringe Kindern noch in Klasse 2 das Lesen der Uhr und Binden der Schuhe bei. Dies und das sowie das Alphabet, der Zahlenraum, die Grundrechenarten, das richtige Halten des Stifts und 300 andere Sachen haben erstmal Vorrang. Und natürlich trage ich in allen Unterrichtsgesprächen dazwischen und in der Pause dazu bei, Kindern nahezubringen, dass Familie mehr als Mama und Papa sein können. Aber alles andere zu seiner Zeit.
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#5 Bi_neAnonym
  • 06.04.2018, 20:04h
  • Antwort auf #4 von Hugolino
  • "Ich bin dringend dafür, einer 4-Jährigen in der Kita das Konzept der Pansexualität zu erläutern."

    Musst Du nicht. Sie ist als 4-jährige pansexuell. Sie befindet sich gerade an der Schwelle zur heterosexuellen Normierung.

    "Nicht."

    Von jetzt an beginnt das Problem...

    "Alles zu seiner Zeit."

    Die wann ist?
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#6 TheDadProfil
  • 06.04.2018, 22:13hHannover
  • Antwort auf #4 von Hugolino
  • ""Leute, ich bin Grundschullehrer, ich bin schwul, und ich bringe Kindern noch in Klasse 2 das Lesen der Uhr und Binden der Schuhe bei. Dies und das sowie das Alphabet, der Zahlenraum, die Grundrechenarten, das richtige Halten des Stifts und 300 andere Sachen haben erstmal Vorrang.""..

    Du verwechselst hier was, denn Schleifchen binden ist der Job der Eltern, so man denn verpennt hat, daß herumlaufen mit offenen Schnürsenkeln gerade so dermaßen trendig ist, das 10-Jährige sogar die Klettverschlüsse, die als Kompensation für mangelhafte Fingerfertigkeiten angeschafft wurden, offen lassen..

    Es gibt keine Gewichtung in "wichtiges" und "unwichtiges", wenn das Wissen über Diversität dann vor allem dazu dient Konfliktpotentiale innerhalb der Gruppe oder Klasse zu entschärfen..

    Man kann natürlich auch weiterhin darauf bestehen aus einem "a" ein schnökeliges Etwas zu gestalten, und darüber sich die Knirpse einander mit
    "du kannst ja gar nicht schreiben, du schwule sau"
    beschimpfen lassen, weil es ja angeblich so viel wichtiger sei schreiben zu lernen anstatt ein anständiges Sozialverhalten auszubilden..

    Verändern wird man damit allerdings dann auch nichts..
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#7 Alexander_FAnonym
  • 06.04.2018, 23:27h
  • Antwort auf #3 von von_hinten_genommen
  • "Bisexualität ist was völlig selbstverständliches.
    Das sage ich als lesbische Frau :-)
    Es sind nicht alle stigmatisierend."

    Das will ich auch nicht behauptet haben, nur dass eben solche Vorstellungen auch in der Community verbreitet sind. Wenn du das als Selbstverständlichkeit betrachtest, freut mich das allemal, aber ich glaube viele hier werden bestätigen können, dass es das bei Weitem nicht immer ist.

    Die Leugnung der Tatsache, dass es Bisexualität gibt, ist eben tatsächlich ein spezifisches Phänomen, mit dem wir zu kämpfen haben und das als "bisexual erasure" auch einen Namen hat. Dies ist auch einer der Hauptgründe, weshalb viele Bisexuelle sich entweder gar nicht oder wie ich erst spät outen, aus Angst, in die falsche Schublade gesteckt zu werden oder in keine zu passen.

    Ich sage das alles nur, um darauf hinzuweisen, dass der Weg nach Buffalo noch weit ist. Die Klage, unsereiner werde in Kitas zu selten erwähnt, ist deshalb wirklich noch das geringste Problem.

    @Hugolino

    Man kann sich sicher darüber streiten, ab welcher Jahrgangsstufe solche Inhalte am besten rübergebracht werden sollten und auch verstanden werden. Da du als Grundschulpädagoge vielleicht auch besser weißt, ab wann das der Fall ist, hast du in diesem Punkt möglicherweise Recht.

    Es wäre aber im Rahmen einer Diskussion über sexuelle Vielfalt durchaus wünschenswert, auch auf unsere Existenz hinzuweisen.
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#8 HugolinoAnonym
  • 07.04.2018, 06:31h
  • @Bi_ne:
    "Musst Du nicht. Sie ist als 4-jährige pansexuell. Sie befindet sich gerade an der Schwelle zur heterosexuellen Normierung."

    Selbst wenn sie an der Schwelle wäre, kann das 4-jährige Mädchen das kognitiv noch nicht erfassen. Sie wird auch mit 5 und 6 Jahren noch nicht bewusst über ihre eigene Sexualität reflektieren. Sie weiß auch mit 7 noch nicht, dass sie sowas hat.
    Es ist wichtig, sich in der Gesellschaft zu orientieren (lesbische Tanten vielleicht, schwule Männer bei Freunden sehen; offene Lehrer haben, die zwischendurch mal anmerken, dass auch zwei Frauen ein Paar sein können).
    Weißt du, ich denke nicht nur, dass es unwichtig ist, Unterrichtsmaterial über Bi-/Pansexualität einem 4-jährigen Kind zu bieten. Ich bin sogar überzeugt davon, dass Kinder erst ab 6 Jahren mit Unterrichtsmaterial generell konfrontiert sein sollten, um vorher Kreativität und Selbstständigkeit auszubilden. Schule statt bewusst später.
    Englisch, Mandarin und pansexuell-sensible Früherziehung in der Kita halte ich pädagogisch für falsch.

    @TheDad:
    "Du verwechselst hier was, denn Schleifchen binden ist der Job der Eltern, [...]"
    Nein, du verwechselst was: Anspruch und Realität.
    Eigentlich ist es Aufgabe der Eltern, ja. Falls versagt, wäre es Aufgabe der Kita (statt sexueller Früherziehung). Aber rate mal, auf wen ich in Klasse 1/2 treffe. Ich kann dann von Klasse 1 bis 4 dem Kind subtil wissen lassen, dass es etwas nicht kann, Fehler macht und ihm das Gefühl geben, blöd zu sein. Oder ich bringe es ihm bei. Ich hab mich für Letzteres entschieden.

    Auf deine weitere Ausführung zum Thema Schule gehe ich nicht ein, weil du augenscheinlich keinerlei Ahnung davon hast. Ja ja, ich weiß schon, besser unterrichten als Lehrer können wir alle, waren wir doch selbst in der Schule... *gähn*
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#9 von_hinten_genommenAnonym
  • 07.04.2018, 10:52h
  • Antwort auf #7 von Alexander_F
  • Leider ist das so, ja. Was ich aber sehr schade finde.
    Grundschulpädagogin bin ich nicht :-) Hatte im Kindergarten gearbeitet. Aufklärung und Information ist ab dem Kindergarten-Alter völlig in Ordnung und ich hoffe, dass es bald bundesweit umgesetzt wird. Zumindest wird es in Berlin mit der tollen Broschüre schon mal vorgeschlagen.
    Selbstverständlich muss JEDE Identität der LSBTTIQ angesprochen werden, es darf keine übergangen werden. Es ist mir schleierhaft, weshalb überhaupt manche sich mit einer Identität schwer tun, vor allem innerhalb der Community. Für mich ist jede Identität völlig selbstverständlich und freue mich jedes Jar, alle zusammen beim CSD zu sehen :-)
    Zusätzlich ist mein Freundeskreis bunt gemischt, so dass ich dieses Zusammengehörigkeitsgefühl umso mehr empfinde.

    Schönes Wochenende dir :-)
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#10 Bisexueller LehrerAnonym
  • 08.04.2018, 14:10h
  • Antwort auf #8 von Hugolino
  • 1. Nirgendwo steht, dass in der Kita seitenweise Arbeitsblätter zum Thema Bisexualität bearbeitet werden sollen. Aber wie Du selbst zugibst, ist eine selbstverständliche kindgerechte Aufklärung sinnvoll: Nicht indem man alles theoretisiert, sondern indem man eben auch von gleichgeschlechtlichen Paaren redet und dass Kinder sich später in Jungs oder Mädchen oder beides verlieben können. Und nicht die heteronormative Mann-Frau-Beziehung als einziges Vorbild zeigt. Mehr muss es im Kindergarten ja nicht sein. Und natürlich sollte man Kinder stark machen, ihnen beibringen, NEIN zu sagen. Das ist schon wichtig.

    2. Auch in der Oberstufe fällt im Unterrichtsgeschehen niemals das Wort "Bisexualität" oder "Pansexualität". Und wenn, dann nur um es in einem halben Satz (wahrscheinlich falsch) zu erklären. Das sollte sich ändern. Die Unterrichtsmaterialien sind für "ab Klasse 6" und für "ab Klasse 9" empfohlen. Also nicht ab "Kita".
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