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Im Mittelpunkt um die Bombenanschläge in London steht der offen schwule Brian Paddick, Vize-Chef der Metropolitan Police.

Von Dennis Klein

Eine kanadische Homo-Zeitschrift nennt ihn den "ranghöchsten schwulen Polizisten der Welt". Brian Paddick ist nach dem Terroranschlag in London auch das bekannteste Gesicht der Metropolitan Police. Der offen schwule Beamte führt die Ermittlungen und informiert die Presse regelmäßig über neue Entwicklungen. Der 49-Jährige ist einer der angesehensten Polizisten auf der Insel; allerdings zeigt seine Karriere, dass ein Coming-out äußerst negative Folgen haben kann.

1956 im Süden Londons geboren, wurde Paddick schon früh von seinen Mitschülern gehänselt, die ahnten, dass er "anders" war. Um sich Autorität zu verschaffen, ging er im Alter von 18 Jahren zur Polizei. Hier stieg er bald kometenhaft auf - allerdings spielte er über Jahre hinweg den harten Heterosexuellen. Zwei Mal ließ er eine Verlobung platzen. Danach heiratete er, um seine Sexualität zu verstecken. In der Tageszeitung "Guardian" erzählt er über das Ende seiner ersten Verlobung: "Ich habe die Beziehung beendet, weil es nicht funktioniert hat und bin dann völlig verstört nach Hause gekommen. Meine Mutter fragte mich, 'was ist los?' Ich habe den Verlobungsring auf den Kaffeetisch geworfen und meine Mutter sagte: 'Gott sei Dank. Ich dachte schon, du erzählst mir, dass du eine Schwuchtel bist." Erst Ende der 90er Jahre fasste er sich ein Herz und hatte sein Coming-out vor Verwandten, Freunden und Kollegen.

Seine von ihm geschiedene Frau unterstützt ihn noch heute. Als offen Schwuler war er einigen Schikanen ausgesetzt. So ging 2000 ein anonymes Schreiben ein, dass er Polizeiautos für private Zwecke missbrauche - und das an dem Tag, als er zum Kommandanten befördert wurde. "Man trifft eine Entscheidung und muss dann mit den Konsequenzen leben", erklärte er im Interview mit dem "Observer". "Viele gehen daran kaputt. Aber man weiß erst, wenn es passiert, ob man überlebt oder nicht."

Er hat es überlebt. Sogar einen Angriff des auflagenstarken Boulevardblatts "Daily Mail", das ihn 2002 als Zielscheibe entdeckte. Grund: Als Kommandant des Problembezirks Brixton setzte Paddick ein umstrittenes Projekt durch. Weil seine Polizeiwache im Zuge von Sparmaßnahmen hoffnungslos unterbesetzt war, setzte er darauf, die Zeit der Beamten nicht mehr durch Kleinigkeiten zu verschwenden. So wurde nicht jeder Besitz von Marihuana angezeigt und auch Ecstasy hatte eine "niedrige Priorität". Resultat: Die Kriminalitätsrate ging zurück und die Einwohner mussten bei einem Notruf nicht mehr eine Stunde auf die Polizei warten. Die "Daily Mail" bezeichnete ihn daraufhin als "Drogendealer" und zahlte seinem Ex-Lover 100.000 Pfund (145.000 Euro), damit der erzählt, dass die beiden oft miteinander gekifft hätten. Paddick wurde daraufhin über Monate vom Dienst suspendiert. Die Einwohner Brixtons unterstützten ihn jedoch: Auf der Straße sammelten sie Unterschriften für ihren Polizisten.

Seinen alten Job bekam er nicht zurück, obwohl ihm kein Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte. Er arbeitete statt dessen ein Jahr bei Scotland Yard. Hier setzte er sich vor allem dafür ein, öffentliche Plätze mit Kameras zu versehen, damit die Bevölkerung vor Kriminalität besser geschützt werden könne. 2003 ging er zurück zur Metropolitan Police als deren Vize-Chef - insbesondere Bürgermeister Ken Livingstone unterstützte Paddick. Als Reporter ihn fragten, ob ein Schwuler denn die Polizei führen könnte, sagte er lediglich: "Was hat meine Sexualität mit meinen Fähigkeiten zu tun?".

11. Juli 2005



#1 RogerAnonym
  • 11.07.2005, 14:51h
  • Als ich ihn das erste mal im Fernsehen sah, dachte ich im scherz "ist der schwul?"
    Aber wie soll man das schon sehen, immerhin ist er Brite, wenn man da nach dem Äusseren und dem Verhalten geht sind 90% der britischen Männer schwul.
    Auf jeden Fall ist es schön das er auch als schwuler Mann sich einen so hohen Posten erarbeiten konnte. Als erfahrener Polizist wird er sicher einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung dieses scheusslichen Verbrechens liefern könne.
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#2 Stefan K.Anonym
  • 12.07.2005, 08:31h
  • Eine Frage an die Redaktion: Es muss sich hier um einen kleinen Fehler handeln: Sie schrieben davon, dass Paddick 1959 geboren und nun 49 Jahre alt sei. Da wir aber erst 2005 haben, kann eine von beiden Angaben nicht stimmen. Bitte sagen Sie mir die richtigen Daten.

    Paddick wurde 1956 geboren. Danke für den Hinweis. Die Redaktion

    Zum Thema frage ich eigentlich, warum Paddick damals nicht gegen die Zeitung "Daily Mail" geklagt hatte. Da es sich offensichtlich um ein konservatives Blatt handelt, hätte er diese Sachen vors Gericht bringen können und wäre nicht zu Unrecht suspendiert. Außerdem sieht der Typ meiner Meinung nach nicht wie ein Kiffer aus. Ich kann manche Presseleute nicht verstehen. Wenn das hierzulande die Bild-Zeitung machen würde, wüsste der Großteil, dass es sich um einen Hetzaufruf gegen Schwule handele. Viele Leute würden sich dann erst gar nicht mehr die Bild-Zeitung holen. Soviel zu meiner Ansicht.
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