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Hass-Sänger in der Hauptstadt

Berlin: LSVD fordert Absage von Bounty-Killer-Konzert

In Kreuzberg soll ein Künstler auftreten, der in mehreren Liedern zur Ermordung von Homosexuellen aufruft – für den Lesben- und Schwulenverband ist das ein Unding.


Bounty Killer will in April und Mai in mehreren Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz auftreten

  • 11. April 2018, 10:52h, noch kein Kommentar

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg hat am Mittwoch die Absage des geplanten Auftritts von Bounty Killer in Berlin gefordert. Der homophobe Dancehall-Künstler soll am 10. Mai im Festsaal Kreuzberg ein Konzert geben – unter seinem bürgerlichen Namen Rodney Price (queer.de berichtete). Bislang regte sich bereits Widerstand gegen einen Auftritt des 45-Jährigen in Regensburg am 11. Mai (queer.de berichtete).

Als Grund für die Forderung erklärte der LSVD, dass Bounty Killer mit Songs erfolgreich wurde, in denen er zum Mord an Schwulen aufrief – von diesen Liedern hat sich der Künstler bislang nicht distanziert und verdient daran noch heute unter anderem durch Verkauf in Streamingplattformen. Als Beispiel für die Hass-Poetik nannte der Verband einen Auszug aus dem Song "Man Ah Bad Man", in dem es übersetzt heißt: "Wir entfachen ein Feuer für euch stinkende Schwuchteln und Parasiten. Jamaika wird niemals zulassen, dass ihr unser Paradies beschmutzt."

Bounty-Killer-Texte "homophob, menschenverachtend und gewaltverherrlichend"

Auch in anderen Liedern ruft der Interpret immer wieder zum Mord an Schwulen auf. "Diese Texte sind zutiefst homophob, menschenverachtend und gewaltverherrlichend", erklärte der LSVD in der Stellungnahme. Für den Verband seien diese Lyrics ein Verstoß gegen den Strafgesetzbuch-Paragrafen 111 (Aufforderung zu Straftaten) sowie Paragraf 130 (Volksverhetzung), "sofern der Auftritt stattfindet und die besagten Songs zur Aufführung gebracht werden sollten".

Die deutschen Veranstalter beteuerten jedoch, dass ihnen der Künstler zugesagt habe, keine gewaltverherrlichenden und homophoben Lieder aufzuführen. Ferner berichtete ein Sprecher des Festsaals Kreuzberg von einem "Umdenkprozess" bei Bounty Killer in Bezug auf Homosexuelle – auch Bounty Killers belgischer Manager wiederholt diese Behauptung gebetsmühlenartig. Dafür gibt es aber weder öffentliche Aussagen des Künstlers noch andere Anhaltspunkte.

Für den LSVD ist es auch wichtig, einem Hass-Sänger wie Bounty Killer "keine Bühne zu bieten", selbst wenn er in Deutschland auf die Aufführung der übelsten Songs verzichtet. Insbesondere in Jamaika sorgten Hass-Sänger aber nach wie vor dafür, dass Homosexuelle mit dem Tode bedroht werden: "Von Dancehall-Bühnen herab sorgen Interpreten wie Bounty Killer dafür, dass Konzertbesucher immer wieder (vermeintlich) schwule Männer durch die Straßen jagen und erschlagen. Wir fordern den Interpreten Bounty Killer auf, sich von seinen Texten öffentlich zu distanzieren und zu entschuldigen", so der Verband. (dk)