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Cologne Pride

Kölner CSD-Motto: "coming out in DEINEM style"

Deutschlands größter CSD stellt dieses Jahr das individuelle Coming-out in den Mittelpunkt.


Die Forderung der CSD-Organisatoren: Kommt raus, wie ihr es wollt

Die Organisatoren des Cologne Pride haben am Dienstag "coming out in DEINEM style" als CSD-Motto des Jahres 2018 bekannt gegeben. Damit soll darauf verwiesen werden, dass jeder das Recht haben sollte, sich auf seine eigene Art zu outen.

"Jeder Mensch muss die uneingeschränkte Freiheit haben, sein 'Coming-out' völlig selbstbestimmt und ohne Schranken im ganz persönlichen Style zu vollziehen, völlig egal, wann, wie und wo!" – so beschreiben die Organisatoren das gewählte Motto in einer ausführlichen Begründung auf Facebook. Sexualität sei nur "ein Teil dessen, wer wir sind", heißt es weiter. "Aber wir sind so viel mehr!" – etwa Veganer oder Fleischesser oder auch Gläubiger oder Atheist.

"Wir outen uns im Job, wir outen uns zu Hause. Wir outen uns bei Freunden, wir outen uns in der Liebe. Wir outen uns in der Kirche, in der Synagoge, in der Moschee und im Tempel. Wir outen uns auf Deutsch, Arabisch, Englisch, Türkisch und Griechisch. Wir outen uns in Drag, im Anzug, in Arbeitskleidung, in Hosen und Röcken", so die Organisatoren. Diese Individualität beim Coming-out soll mit dem Begriff "Style" transportiert werden. "Unser Style ist, wer wir sind und wie wir sein wollen."

Gepostet von Cologne Pride am Dienstag, 10. April 2018
Facebook / Cologne Pride

In vergangenen Jahr fand der Kölner CSD nur wenige Monate vor der Bundestagswahl statt und stellte daher die Politik in den Mittelpunkt. Das Motto "Nie wieder" sollte an den grausamen Paragrafen 175 erinnern und die Lehren aus der Verfolgung für die heutige Politik herausarbeiten. Schirmherr war der damalige Bundesjustizminister Heiko Maas, der ein Gesetz zur Rehabilitierung von Opfern der deutschen Schwulenverfolgung der Nachkriegszeit auf den Weg gebracht hatte (queer.de berichtete). Der SPD-Politiker ist inzwischen zum Bundesaußenminister aufgestiegen.

Die CSD-Parade zum Cologne Pride soll dieses Jahr am 8. Juli stattfinden – einem spielfreien WM-Sonntag. (dk)



#1 Patroklos
#2 OTemporaOMoresAnonym
  • 11.04.2018, 15:50h
  • Ich habe noch nie eine idiotischere Mottobegründung gelesen. Bestenfalls Kindergartenniveau. Jedenfalls meilenweit entfernt von akzeptabler Emanzipationspolitik.
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#3 KaktusAnonym
  • 11.04.2018, 16:19h
  • Letztes Jahr habe ich positiv gestaunt, dass es endlich wieder um eine politische Aussage ging. Viele so hat man das Gefühl wissen gar nicht warum es den CSD überhaupt gibt, oder sie wollen es nicht wissen. Das wird keine Demo, dass wird mal wieder ein Manifest der Eitelkeiten. Wem ist das blos eingefallen. Na, Hauptsache es gibt etwas zu feiern. Das ist Köln.
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#4 ursus
  • 11.04.2018, 16:36h
  • "Wir outen uns, um zu lachen, zu singen, zu weinen, zu tanzen."

    ich glaube, das ist das zerfaseltste wischiwaschi, das ich je als CSD-mottobegründung gelesen habe.

    irgendwie lustig, das direkt unter dem artikel über michael "lass uns über style reden" michalsky zu lesen. ist der womöglich hauptsponsor?
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#5 AlexAnonym
  • 11.04.2018, 20:11h
  • Offenbar geht es nur ums Outen. wie, wo, wann, etc.,

    Es fehlt nur der einzige Punkt: Es vielleicht gar nicht zu wollen! Das bleibt doch wohl jedem vollkommen selbst überlassen. In manchen Positionen ist es eben nicht hilfreich. Es ist auch die Frage, ob jeder über das Privatleben des anderen so viel wissen muß.

    Ich habe das z.B. auf wenige Menschen beschränkt: Wenige gute Freunde, meist selbst schwul, Familie (wegen der Ehrlichkeit). Bei den anderen ist es mir eher egal. Warum sollten die das wissen? Wenn mich einer fragt, bauche ich nicht zu lügen. Da gibt es keine Probleme. Was will man mehr? Andere brüskieren, die damit nicht umgehen können? Wohl eher nicht.

    Trotz meiner zurückhaltenden Ansicht, finde ich Veranstaltungen wie den CSD gut, weil es die Öffentlichkeit gelegentlich wachrüttelt. Das ist wichtig für die Freiheit.
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#6 herve64Profil
  • 11.04.2018, 20:21hMünchen
  • Wir "outen" uns nicht, sondern haben entweder ein Coming Out oder bekennen uns zu uns und unserer sexuellen Identität. "to out so." heißt übersetzt "jemanden bloßstellen", und das ist eben unzutreffend.
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#7 AndreasKAProfil
  • 12.04.2018, 10:50hKarlsruhe
  • Antwort auf #4 von ursus
  • Hi ursus,

    die Mottobegründung ist in der Tat völlig bescheuert. Und über deinem Hinweis auf Michalsky habe ich schmunzeln können - ein netter Unterhaltungswert ...

    Dennoch halte ich es im Gegensatz etwa zu @Kaktus (deine Haltung zum Motto selbst habe ich noch nicht wirklich erkennen können) keineswegs für ein unpolitisches Motto. Das Coming-Out eines jeden (... wie @herve64 es in seinem Kommentar bestens korrigiert hat) ist ein sehr sensibler Punkt in jeder entsprechenden Biografie. Insofern finde ich es absolut angebracht, dass durch eine Fokussierung auf dieses Thema beispielsweise Unentschlossenen Mut gemacht werden kann.

    Sehr oft übersehen wir, wenn wir unser Coming-Out überstanden haben, wie schwierig das sein kann. Oft vergessen wir, was wir selbst durchgemacht haben. Und oft ist für uns vieles selbstverständlich, weil wir, sagen wir mal so, auf unserem ehrlich-zu-sich-selbst-Weg ein paar Schritte weiter voran gekommen sind. Ich habe den Verdacht, dass das Kölner Motto auch deswegen kritisiert wird, weil es für die meisten in der "Community" ein alter Hut ist. Aber ist es wirklich Larifari, wenn man auch sein eigenes Coming-Out mal ausgelassen feiert? Für viele ist das ja wie ein zweiter Geburtstag gewesen - bei dem man auch noch selbst in den Wehen lag.

    Motiviert, mich an diesem Thema mit Kommentaren zu beteiligen hat mich übrigens der Eintrag von @Alex, dem ich noch persönlich antworten möchte. Er zeigt doch überdeutlich, wie wichtig ein Coming-Out ist und welche Klippen da lauern.
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#8 AndreasKAProfil
  • 12.04.2018, 11:27hKarlsruhe
  • Antwort auf #5 von Alex
  • Hi Alex,

    vorab - ich will dich hier nicht belehren oder in irgendeiner Weise dir meine Meinung aufdrücken oder dich gar vorführen und hoffe, dass es so auch nicht 'rüberkommt. Es ist völlig selbstverständlich, dass du alle Rechte der Welt hast, dein Coming-Out so zu gestalten wie es dir richtig erscheint bzw. es in dein Leben passt. Das ist und bleibt unstrittig eine höchst-persönliche Entscheidung.

    Ich möchte dir aber gern einige Gedanken und eigene Erfahrungen zu Durchdenken anbieten:

    1.) Ich kenne niemanden, der sein Coming-Out schlussendlich bedauert.

    2.) Ich selbst bin auch vorsichtig daran gegangen. Zuerst wussten es auch nur ausgewählte Personen. Den Kreis habe ich vorsichtig erweitert. Ich hatte dabei weniger an mich gedacht, sondern an meine Kinder, die damals in der Pubertät waren. Sie wussten, was los war, aber ich wollte sie vor Mobbing in der Schule schützen. Das war allerdings leicht, weil ich bald nach meinem inneren und teilweise äußerem Coming-Out mich räumlich von der Familie trennte und kein Alltagsleben mehr mit ihnen teilte. Insofern konnte ich der Frage, ob ich meinen Kindern, deren Eltern, Lehrern, dem Fussballverein etc. eine Konfrontation mit "der Papa von X ist schwul" zutrauen/zumuten will, ausweichen. Ich weiß bis heute nicht, wie ich in damals dieser Situation gehandelt hätte, wäre ich am Wohnort geblieben. Würde ich mit dem heutigen Stand meines Selbstbewusstseins eine solche Situation nochmal bestehen müssen, würde ich mich keineswegs verstecken, sondern Flagge zeigen. Da wäre sehr viel Arbeit auf mich zugekommen um die Kids aufzufangen - aber ich wäre dann ja auch vor Ort gewesen und hätte entsprechend intervenieren können ... hättehättefahrradkette ... klar

    3.) Du schreibst sinngemäß - "ich spreche nicht darüber und muss darum auch in heiklen Situationen nicht lügen."
    Das ist genau der knifflige Punkt.
    Warum sollte man überhaupt lügen müssen?
    Klar, es gibt Rahmenbedingungen, die es nahezu unmöglich machen, sich als schwuler Mann zu erkennen zu geben ( ... etwa wenn man katholischer Priester ist, Profi-Fußballer oder sowas ...). Auch was passiert dann mit denjenigen die sich verstecken? O.K. - sie haben ihren Beruf noch, den sie vermutlich nicht aufgeben wollen. Aber zu welchem Preis?
    Wenn man etwas nicht zugeben möchte, geht es auf Dauer nicht ohne Lügen! Deine Intention, nicht lügen zu wollen ist ehrenhaft - aber gerade durch das "Nicht-Outen" manövrierst du dich in ein Lügengeflecht hinein. Ausflüchte, wenn mal einer nach deiner Freundin fragt sind da noch harmlos. Was ist, wenn jemand dich aus einer schwulen Sauna kommen sieht und darauf hin anspricht? Was ist, wenn dir mal ein unbedachtes Wort rausrutscht ... und du dann mit roten Ohren das geradebiegen willst? Was ist, wenn du in einem von dir sicher, anonym angenommenen Schutzraum deinen Freund oder einen Flirt anfasst oder küsst und dabei zufällig von einem Bekannten beobachtet wirst? Was ist, wenn Kollegen tuscheln und dich vielleicht für schwul halten (und damit richtig liegen) - verleugnest du das dann und legst dir besondere Hetero-Attitüden zu und erzählst abfällige Schwulen-Witze um nicht aufzufallen? Jeder nicht geouteter schwuler Mann hat ein Leben wie ein Tretminenfeld vor sich. Ist es das der Schrank wert in dem man sich "sicher" fühlt?

    Die sexuelle Identität muss keineswegs wie eine Monstranz vor sich hergetragen werden, klaro.
    Und ein Coding-Out muss nicht mit der Brechstange in allen Lebensbereichen gleich rasch absolviert werden.
    Doch ich denke, über kurz oder lang, sollten alle Lebensbereiche erobert werden letztlich ist es für alle ja auch von Belang. Denn das Comig-Out umfasst keineswegs nur die Frage, mit wem wer fickt. Es umfasst auch Beziehungen, Selbstachtung, eigene innere Freiheit und die eigene persönliche Weiterentwicklung zu sich selbst.

    Das freimütige Umgehen mit der eigenen sexuellen Identität verwandelt ein (für nicht offen lebende Schwule etcetc) schambesetztes Thema (nichts anderes empfindest du, wenn du etwas versteckst) zu einer Selbstverständlichkeit. Genau das ist doch das was wir wollen.

    Und jeder, der sein Coming-Out angeht, selbstverständlich in seinem Tempo, unterstützt dieses Ziel. Darum ist ein "Nicht-Coming-Out" letztlich keine Option für die Variation des Themas auf einem CSD.
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#9 BEARAnonym
  • 12.04.2018, 11:48h
  • Ich habe auf Facebook einen Kommentar gefunden, dem ich mich anschließen möchte, und den ich deshalb hier auszugsweise zitiere. Ich nenne dabei den_die Urheber_in bewusst nicht, weil ich nicht weiß, ob das dieser Person recht wäre.
    Also, Zitat:

    "Style ist für mich ein Begriff, der eine Äußerlichkeit beschreibt, eine Oberflächlichkeit, eine sich wieder verflüchtigende Mode. Meine schwule Identität ist weit mehr als ein Style, daher fange ich mit dem Begriff nichts an. [...]

    Hier wird eine Chance vertan, was ich angesichts der Größe und der damit verbundenen Wirkmächtigkeit des Kölner CSD bedauerlich finde. Ich stelle mir den Satz im 30-Sekünder der Tagesschau vor: In Köln demonstrierten heute mehrere hunderttausend Menschen unter dem Motto... Das finde ich neben den inhaltlichen Bedenken auch in der Kommunikation schwierig. Und wir brauchen auch diese Bilder und Sätze, um mit unseren Anliegen wahrgenommen zu werden und Wirkung zu erzielen.

    Das Coming-out ist zweifellos ein zentrales Lebensthema. Aber dies und auch die Erläuterungen hierzu stehen für mich unter einer deutlich größeren Überschrift, weil sich ja auch ein Coming-out in einem gesellschaftlichen Kontext vollzieht: Wie organisieren wir eine solidarische, vielfältige, akzeptierende, freie Gesellschaft? Welchen Beitrag leisten wir als Community hierzu? Und wer sind hier unsere Gegner*innen? [...]

    Ich glaube, dass der Rechtsruck in Deutschland erst am Anfang steht. Wenn im kommenden Jahr in Sachsen gewählt wird, ist eine AfD-geführte Regierung keineswegs ausgeschlossen mit allen Auswirkungen, die man sich für das gesellschaftspolitische Klima so vorstellen kann. Auch die aktuellen Debatten innerhalb der Union lassen eine viel stärkere Polarisierung in den nächsten Jahren erwarten. Da liegen für mich die Themen. Wie sichern wir politische Erfolge und gesellschaftlichen Fortschritt gegen den sich weiter verstärkenden Rollback ab? Und wie setzen wir die zahlreichen Themen, die wir ja auch nach der Ehe für alle noch haben, auf die politische Agenda? Artikel 3, Trans*- und Interrechte, Lebensformen, Schule und Bildung, Antidiskriminierung, Gesundheit und, und und Wie gestalten wir Integration? Wie bekommen wir es hin, uns gegen religiösen Fundamentalismus zu behaupten, uns hier aber auch nicht von rechten Interessen vereinnahmen zu lassen? Was haben wir eigentlich aufzubieten, so lange Alice Weidel und Jens Spahn die politisch sichtbarsten Homosexuellen im Lande sind? Wie begegnen wir einer Entwicklung, bei der sich im Windschatten der massiven Diffamierung von Genderideologie auch Homo-, Bi- und Trans*phobie deutlich verstärken? Wie sorgen wir innerhalb unserer eigenen Buchstabenkette für Sichtbarkeit, Akzeptanz, Solidarität? Wie nehmen wir die Mehrheitsgesellschaft inhaltlich mit? Und so weiter. Da gibt es einige Großbaustellen, einiges zu verteidigen und/oder noch zu erkämpfen.

    Daher würde ich mir gerade vom Kölner CSD [...] ein mutigeres, provozierenderes, politischeres, kämpferischeres Motto wünschen."

    ***

    Kurz noch ein anderes Zitat aus derselben Facebook-Diskussion, dem ich mich ebenfalls anschließen möchte:

    "Das ist unpolitisch und selbstbezogen. Es klingt beliebig und lustlos. Schade angesichts massiver Entsolidarisierungsprozesse. Wenn man es allen recht machen will... Und ernsthaft - style?"

    ***

    Mich erinnert der Begriff "Style" in seiner oberflächlichen Beliebigkeit z.B. an Heidi Klum und ihre entsprechende Fernsehsendung. Die Begründung ist auch aus meiner Sicht beliebig, oberflächlich, unpolitisch und selbstfixiert. Dieses "Anything goes" geht mir zu sehr in Richtung "Und selbst wenn du die größte Klemmschwester bleibst, geht auch das völlig in Ordnung". Für die einzelne Person mag das stimmen, und ich bin der Letzte, der Anderen vorschreiben will, wie sie zu leben haben, weil ich mich auch entschieden dagegen verwahre, wenn MIR das jemand vorschreiben möchte. ABER ich halte die politische Aussage "Es ist ja sowieso alles egal und völlig beliebig" für alles andere als zielstrebig oder zielführend.

    Sicher ein Spiegel unserer Zeit, in der klare politische Haltungen immer schwieriger zu finden sind (der rechte Rand leider ausgenommen). Gerade aber WEIL sie am rechten Rand so deutlich werden, halte ich ein Dagegenstellen klarer emanzipatorischer Aussagen und Haltungen für umso wichtiger, und kann so ein infantiles "Mach halt einfach, was du willst" nicht unterstützen.
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#10 LorenProfil
  • 12.04.2018, 12:03hGreifswald
  • Gut finde ich an dem Motto, dass es (nicht normierend) die Individualität betont. Mit "style" verbinde ich aber eher Mode oder Äußerlichkeiten. Das Coming Out hat da für mich eine ganz andere Tiefendimension gehabt und mich damals stark mitgenommen, sodass ich nie wieder 16 sein möchte (oder 15 oder 18). Vielleicht ein Zeichen einer Zeit, in der Ego und Fassade Teile einer unaufhörlichen Selbstinszenierung (und auch Vermarktung) des Individuums sind und sich viele im Glanz ihrer eigenen polierten Oberfläche narzistisch spiegeln. Vielleicht denke ich aber in die falsche Richtung und es ist nur das Anknüpfen an einen Sprachstil, der gerade en vogue ist. Keine Ahnung.
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