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Umstrittener Kongress an Frankfurter Uni

Warum es richtig ist, gegen Gerhard Amendt & Co. zu demonstrieren

Der Soziologe bezeichnet Homosexuelle als "pervers" – und wehrt sich nun juristisch gegen den Vorwurf der Homophobie.


An der Frankfurter Goethe-Universität referieren an diesem Wochenende homofeindliche Redner. Für Samstag ist ein bunter, friedlicher Protest geplant – am Freitag störte ein Feueralarm die Eröffnungsrede von Gerhard Amendt (Bild: Universität Frankfurt)

Selten hat ein Protest gegen eine Veranstaltung homophober Organisatoren so viel Wirbel im Vorfeld ausgelöst wie bei dem für dieses Wochenende geplanten Kongress der "AG Familienkonflikt" in Räumen der Frankfurter Uni. Der Veranstalter, Professor Dr. Gerhard Amendt, gab Interviews und Pressekonferenzen, in denen er den Vorwurf der Homophobie zurückwies und medial gar eine "politische Denunziation" beklagte. Auch ließ er nach eigenen Angaben mehrere Medien abmahnen.

Zwar geht es bei dem Kongress unter dem Titel "Familienkonflikte gewaltfrei austragen" vordergründig nicht um LGBTI-Themen. Doch der Soziologe Amendt und sein Mitstreiter Tom Todd vom "Männerrechte"-Verein Agens stehen nach Ansicht etlicher Gruppen, die für Samstag zu einer Kundgebung auf dem Uni-Gelände aufgrufen haben (queer.de berichtete), für Aussagen und Haltungen, die inkompatibel mit einer Veranstaltung mit einem "wissenschaftlichen" Anstrich und an einer öffentlichen Uni sind.

So kritisierten Medien und Verbände Texte Amendts auf der Webseite des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft (DIJG), das sich vor allem durch den Einsatz für "Homo-Heilung" einen Namen gemacht hatte. Laut eigener Pressemitteilung ging Amendt inzwischen mit Abmahnungen gegen Medien vor, die ihn u.a. selbst zu einem Unterstützer der "Heilung" machten – obwohl sein Dementi u.a. im Interview mit der "hessenschau", er lehne "jede Therapie ab, die jemand nicht selbst ausgewählt hat und die nicht vollkommen freiwillig und ohne Druck zustande gekommen ist", seine Haltung zum Thema nur begrenzt erkennen lässt.

Dass sich Amendt in einer Presseerklärung für die Abmahnungen feiern ließ, es sei eine "Unsitte, unerwünschte Forschungsergebnisse durch Denunziation zu diskreditieren", lässt auch viele Fragen offen und wenig Einsicht erkennen.

Abmahnungen wegen "Verleumdung", "Schmähkritik" und "üble Nachrede"

Unklar ist, wen Amendts Rechtsanwälte neben dem Magazin "Merkurist", das als erstes über den geplanten Kongress berichtete, abmahnten, welche Forderungen sie jeweils stellten und wer alles eine strafbewehrte – und teure – Unterlassungserklärung abgegeben hat.


Amendt warf in mehreren Medien Nebelkerzen über seine Ansichten und Aussagen

Queer.de hat eine geforderte Unterlassunsgerklärung nicht abgegeben. Wir sollten u.a. die Formulierung unterlassen, Amendt sei "als Autor für das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG) tätig, das unter anderem die Position vertritt, das Homosexualität durch sogenannte Konversionstherapien 'heilbar' ist" – das Institut vertritt diese Thesen durchaus und auf seiner Webseite erschienen mehrere Texte von Amendt und sind dort weiterhin aufrufbar.

Ob das eine Tätigkeit als "Autor für" das Institut ist, ist dabei vor allem eine semantische Frage – und keine, die "über die Reputation und den Kredit" Amendts entscheidet, wie er beklagt. Das erledigen seine weiterhin fehlende angemessene Distanzierung von dem homofeindlichen Institut – und seine Texte, die gut zu dessen Inhalten und Zielen passen.

Nicht die Gesellschaft ist pervers, sondern...

Die andere Aussage, die Amendt von queer.de abmahnen lassen wollte, ist so auch der Satz: "Amendt selbst spricht im Zusammenhang mit Homosexualität von Perversen". Aus dem Anwaltschreiben darf nicht zitiert werden, aber im hr-Interview betonte er, es sei in einem viel kritisierten Text auf der DIJG-Webseite, der zuvor in der FAZ erschienen war, um Ereignisse an der Odenwald-Schule gegangen. In dem Interview selbst betont er weiter: "Es geht also punktuell um eine kleine Gruppe von Homosexuellen, die auf Kinder zugreift, die in ihre Obhut gegeben wurden." Eine Gruppe von Homosexuellen!

In dem besagten Artikel kommt der Begriff "Odenwald" nicht vor. In ihm betont Amendt, wie "Pädophilie in ihrer homosexuellen Variante" Kinder schädige, es ist die Rede vom "hermetisch verschlungenen Netz von Pädophilen in Verbindung mit schwul-lesbischen Organisationen" – und es wird beklagt, in einem Absatz über "Perversionen", "dass das Selbstbild des Perversen auf die Gesellschaft ausgedehnt wird, etwa wenn Ehelichkeit und Elternschaft für Homosexuelle gefordert werden".


Auch im Regionalteil der FAZ bezeichnete Amendt den Vorwurf der Homophobie als "Schwachsinn"

Auf der DIJG-Webseite findet sich ein weiterer Text Amendts, "Kultur, Kindeswohl und homosexuelle Fortpflanzung", in dem Homosexualität u.a. als "Identitätsverwirrung", "Lifestyle" und eigener "Wille" dargestellt wird. Kinderwünsche Homosexueller werden als unethisch bezeichnet und mehrfach mit denen von Pädophilen verglichen. Die Adoption von Kindern durch Homosexuelle wird zudem als "Rache der Perversen" (an ihren Eltern) bezeichnet, womit in diesem Zusammenhang nur Homosexuelle gemeint sein können. Über zwei lesbische Mütter heißt es: "Für die Kinder sind sie allenfalls ein Kosmos pervertierter Elternimagines".

Ist das "Wissenschaft" oder schlicht Volksverhetzung? Der Artikel enthält einige weitere unglaubliche Aussagen und Theorien, etwa über "das mehr oder weniger stark ausgeprägte effeminierte Gehabe mancher Homosexueller" oder zur "Entstehung von Homosexualität", die das DIJG so oder ähnlich häufig als "Ansatz" für "Therapien" sieht.

Umfeld der "Demo für alle"

Es gibt etliche weitere Texte Amendts, die für die These sprechen, er habe an einer Universität selbst als Gast nichts verloren. In einem wirren Traktat gegen die "Sexualpädagogik der Vielfalt" beklagte er etwa, wie Pädagogen Kindern mit Themen wie "Gruppensex, Sado-Masochismus, Prostitution, Erniedrigung, Dominanz, Homosexualität, Perversion, Analverkehr" eigene Interessen überstülpten und diese mit den Interessen von Kindern verwechselten – was "Ähnlichkeit zu manifesten Pädophilen" erkennen lasse.

Amendt ist folglich ein Hit bei homofeindlichen Bewegungen wie der "Demo für alle" bei ihrem denunzierenden Kampf gegen eine angemessene Schulaufklärung über LGBTI, gegen die Ehe für alle oder gegen ein Adoptionsrecht für Homo-Paare. Die Bewegung wird auch vom antifeministischen Verein Agens e.V. als Bündnispartner unterstützt. Der erste Vorsitzende Eckhard Kuhla sprach mehrfach auf den Kundgebungen und meinte etwa: "Nach Faschismus und Sozialismus droht nun der Genderismus" (queer.de berichtete). Der zweite Vorsitzende ist der Kongress-Mitorganisator Tom Todd. Eine Distanzierung von Todd und dem Verein ließ Amendt in den letzten Tagen ebenfalls nicht erkennen.

Demo für Akzeptanz und Vielfalt

Das Bündnis Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt hat für Samstag (14.4.) zwischen 12 und 18 Uhr zur "Demo für Akzeptanz und Vielfalt" aufgerufen, eine Kundgebung auf dem zentralen Theodor-W.-Adorno-Platz des Uni-Campus. Dabei soll es u.a. einen Workshop des Schulaufklärungsprojekts Schlau geben sowie Musik und Getränke. Auch der Asta, der LSVD und weitere Verbände sowie mehrere Parteien haben zu der Kundgebung aufgerufen. Der Verein "Warmes Wiesbaden" bietet eine Gruppenanreise an.
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#1 Homonklin44Profil
  • 13.04.2018, 23:09hTauroa Point
  • ""Auf der DIJG-Webseite findet sich ein weiterer Text Amendts, "Kultur, Kindeswohl und homosexuelle Fortpflanzung", in dem Homosexualität u.a. als "Identitätsverwirrung", "Lifestyle" und eigener "Wille" dargestellt wird. Kinderwünsche Homosexueller werden als unethisch bezeichnet und mehrfach mit denen von Pädophilen verglichen. Die Adoption von Kindern durch Homosexuelle wird zudem als "Rache der Perversen" (an ihren Eltern) bezeichnet, womit in diesem Zusammenhang nur Homosexuelle gemeint sein können. Über zwei lesbische Mütter heißt es: "Für die Kinder sind sie allenfalls ein Kosmos pervertierter Elternimagines".

    Ist das "Wissenschaft" oder schlicht Volksverhetzung?""

    An sich lässt das recht tief blicken. Hier scheinen Überbleibsel einer gewissen Indoktrinierung mit zweifelhaften "alternativen Fakten" oder auch aus einer bestimmten ideologisch gespickten Richtung herangeleitete Ansichten zu einem unheilsamen Kuddelmuddel zusammen gewirkt zu werden, der die Zielorientierung verfolgt, Homosexualität mit Verirrung und Pädophilie in einen Zusammenhang zu setzen.
    Hier von den Odenwald-Lehrern als Homosexuellen zu reden, ist schon etwas auffällig. Da wird es sich eher um Pädophile und um sexualisierte Gewalt / Machtmissbrauch gehandelt haben.
    So etwas beschreiben auch Opfer aus der Odenwaldschule eher.

    Ich wei0 nicht, ob dieser Herr Amendt nicht zu viele persönliche Unstimmigkeiten mit Jemand oder etwas mit in seine Thesen einflicht, oder das als "Racheakt" an seinen verunglückten Bruder hervor analysiert werden mag. Vielleicht gab es dort bereits Auslöser für den Beginn einer Entfaltung zum homophoben Charakter.

    Unerwünschte wissenschaftliche Erkenntnisse kann man auf ihre Wissenschaftlichkeit durchprüfen. Ist diese nicht zu erbringen, handelt es sich vielleicht nicht um Erkenntnisse, oder nicht um Wissenschaftliche, sondern um ein Problem in Sachen Betrachtungsweisen.
    Warum sich der Mann so falsch verstanden, verfolgt und bedroht fühlt, dass er so viele juristische Kniffe anwenden muss, um seine Thesen nicht der Diskussion ausgesetzt sehen zu müssen, ist aber schon nicht ganz nachvollziehbar. Er müsste sich darüber doch freuen, wenn man ihn beim Worte nimmt, oder bei der Wortwahl in seinen Schriften. Und diese bereitwillig hervor zeigen, man meint, das ist doch der Stolz des Wissenschaftlers, und sein Anspruch an die Ehre.

    Die Art Verunglimpfung und Herabwürdigung von lesbischen und schwulen Beziehungen und Elternschaft kennen wir sonst eher aus der christhomophoben Regie. Das klingt nicht so wissenschaftlich, wie es wohl soll.
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#2 LorenProfil
#3 AnonymAnonym
  • 14.04.2018, 01:17h
  • Und die Goethe-Universität hatte meiner Kenntnis nach noch Mitte/Ende der 1990er Jahre den Ruf, Homosexuelle aufgrund von deren sexuellen Orientierung durch Staatsexamina fallen zu lassen...
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#4 Gerlinde24Profil
  • 14.04.2018, 07:31hBerlin
  • Wir leben in einem freien Land, in dem jeder seine Thesen, so krude und falsch sie wie in diesem Fall auch sein mögen, äußern darf. Andererseits hat man als Mensch oder Gruppe das Recht, zu sagen, was diese Veranstaltung wirklich ist, und, wenn Juristen eine Unterlassungserklärung fordern, dann ist das nichts weiter als ein billiger Versuch der Einschüchterung. Warum antwortet Queer nicht auf ähnliche Weise?
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#5 AnonymAnonym
  • 14.04.2018, 09:45h
  • Amendts Bruder, der vor einigen Jahren bei einem Autounfall in Hamburg ums Leben gekommen ist war selbst schwul. Auch sind Amendts krude Thesen leider nicht neu, schon Anfang der 00er Jahre hat er in der Zeitschrift Leviathan homosexuelle Eltern nicht nur als pervers betitelt.
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#6 paoloAnonym
  • 14.04.2018, 10:36h
  • Nicht die gesellschafft oder der homosexuelle sind pervers ,sondern der monotheismus in christlicher form hie,r der den geist des normalen menschen vergiftet..solange das monotheistische virus nicht aus den köpfen der menschen herausgefiltert wird, solange werden wir auch in diesem affenstadium verweilen!!
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#7 Ralph
  • 14.04.2018, 12:10h
  • Und wieder ein Pseudowissenschaftler, der seinen professoralen Rang missbraucht, um die eigene reaktionäre, menschenfeindliche Gesinnung zu propagieren. - By the way: Was ist eigentlich aus diesem schrillen Würmerforscher geworden, der da vor kurzer Zeit ähnliche Hetze verbreitet hat?
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#8 Shinkaishi
  • 14.04.2018, 13:11h
  • Ein Feueralarm um eine Veranstaltung zu stören ist zunächst einmal nichts, was irgendjemand gutheißen sollte.

    Die Worte verschwinden dadurch nicht. Im Gegenteil, es wird demonstriert, dass man ihnen nichts besseres entgegenzusetzen hat, etwa so wie ein kleines Kind, dass auf eine Beleidigung hin zuschlägt.

    Alle Leute die bereits mit ihm sympathisieren werden es lediglich als Bestätigung sehen - wäre nichts an ihren Thesen, müsste man sie ja nicht unterdrücken.

    Was meiner Ansicht nach sinnvoll ist, wäre, zu der Veranstaltung hin zu gehen, und sich bemühen, entweder durch Zwischenfragen, so diese angenommen werden, oder durch offene Fragen nach der Veranstaltung die Widersprüche und Schwächen in der Argumentation bloßzustellen und wenn möglich den Redner dazu zu bringen, sich selbst lächerlich zu machen.

    Alternativ wäre eine Petition sinnvoll, die Veranstaltung in eine offene Debatte zwischen ihm und einem Vertreter der Gegenseite zu ändern.

    Bei all solchen öffentlichen Auseinandersetzungen verliert meist der, der zuerst die Kontrolle verliert.
    Es reicht manchmal nicht, nach objektiven Standards im Recht zu sein, es ist oftmals auch erforderlich, ein gewisses "Spiel" der Rhetorik mitzuspielen.

    Aber es ist wirklich notwendig, diesen rhetorischen Kampf zu gewinnen, so wie vorherige Generationen den rhetorischen Kampf gegen jene gewonnen haben, die gleiche Rechte verwehrt haben.
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#9 Tommy0607Profil
  • 14.04.2018, 15:53hEtzbach
  • Der ist wohl auch Jenseits von Gut und Böse; von Menschlichkeit keine Spur. Homosexuelle sind eine Minderheit. Und Heteros wohl ein paar mehr. Wieviele Kinderschänder gibt es bei Denen? Sogar in der eigenen Familie. Mal Gehirn einschalten, Herr Soziologe!
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#10 KetzerAnonym
  • 14.04.2018, 16:48h
  • Antwort auf #6 von paolo
  • Mir ist nicht bekannt, dass Affen an einen irgendwie erdachten Gott glauben, der ihnen tausende von Regeln, Strafen etc. vorgibt.

    Insofern halte ich Affen diesbezüglich für deutlich klüger als "gläubige" Menschen. Es gibt ja auch einige andere Dinge, die Affen besser können als Menschen.

    Also, is' nix mit "Krone der Schöpfung".

    (Aber da es diese "Schöpfung" ja ohnehin auch nicht gibt, kann sie auch keine Krone haben. So gern sich der Mensch das auch einbildet.)
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