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Geschlechtliche Vielfalt

Erste kirchliche Stellungnahme zum Thema Transsexualität

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) stellte am Freitag in Frankfurt am Main ihre neue Handreichung "Zum Bilde Gottes geschaffen" vor.


Die 40-seitige Broschüre wendet sich in erster Linie an an beruflich und ehrenamtlich in der Kirche arbeitende Personen

Erstmals hat sich eine evangelische Landeskirche in einer umfangreichen Publikation mit Fragen zu Trans- und Intersexualität auseinandergesetzt. Um für das Thema sensibel zu machen und für die Belange queerer Menschen in und außerhalb der Kirche einzutreten, hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) am Freitag in Frankfurt am Main eine außergewöhnliche Handreichung vorgestellt, die Ende April in gedruckter Form erscheinen wird und bereits als PDF zum Download zur Verfügung steht.

Die Broschüre mit dem Titel "Zum Bilde Gottes geschaffen. Transsexualität in der Kirche" will "aus bewusst christlicher Perspektive heraus einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen in ihrer Vielfalt wahrgenommen und Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht und sexueller Orientierung beendet werden", heißt es in einer Pressemitteilung der EKHN.

Zur Vielfalt Gottes gehören mehr als zwei Geschlechter

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung bekräftigt im Vorwort, dass "geschlechtliche Vielfalt eine Herausforderung für kirchliches und kirchenleitendes Handeln" sei. Dabei gehe es zunächst darum, geschlechtliche Vielfalt wahrzunehmen. Jung: "Das bedeutet für viele ein Umdenken. Wahrnehmung geschlechtlicher Vielfalt verlangt, den Horizont zu öffnen. Es ist nötig, eigene Denkmuster zu überprüfen."

Dazu gehöre auch, sich vor Augen zu führen, dass es Menschen gebe, "die sich zwischen oder jenseits eines zweigeschlechtlich definierten Lebens befinden". Dies gehört nach Jung "zu der Vielfalt, in der Gott uns geschaffen hat. Wer das bejaht, kann dazu beitragen, Diskriminierung aufgrund von Geschlecht und sexueller Orientierung zu beenden." Jung erklärt weiter: "Hier dürfen wir nicht hinter dem Anspruch zurückbleiben, aus der Kraft des Evangeliums heraus Menschen zu helfen, ein Leben in Würde und Freiheit zu führen."

Ausführlicher Beratungsteil und Praxistipps

Auf 40 Seiten zeigt die aufwändig illustrierte Broschüre theologische Grundlinien auf, weist auf neueste Erkenntnisse der Hirnforschung sowie medizinische und rechtliche Aspekte hin und lässt Betroffene selbst zu Wort kommen. Zentral ist dabei unter anderem der Fokus auf die biblische Schöpfungsgeschichte, die auf die Vielfalt des Lebens hinweise, und Gedanken des Apostels Paulus, nach dem im Glauben an Christus alle Abgrenzungen zwischen Menschen überwunden werden.

Ergänzt wird die Handreichung durch einen ausführlichen Beratungsteil und Praxistipps. So wird etwa beschrieben, wie das Thema bei Jugendlichen sensibel in der Seelsorge angesprochen werden kann oder sich eine Kirchengemeinde beispielsweise konstruktiv mit der Frage nach einer dritten Toilette beschäftigen kann.

Ziel der Handreichung ist es in erster Linie, die Auseinandersetzung mit Transsexualität im kirchlichen Bereich anzustoßen. Sie wendet sich deshalb vor allem an beruflich und ehrenamtlich in der Kirche arbeitende Personen, aber auch an am Thema Interessierte. Dabei soll die Broschüre "neue und vielleicht auch ungewohnte Perspektiven eröffnen, Wissen über Geschlechter und dazugehörige Prozesse, Phänomene und Theorien vermitteln und Handlungsimpulse zur Gestaltung einer 'Kirche für alle' geben." Denn die Kirche selbst habe der Publikation zufolge ihren eigenen aus dem christlichen Glauben begründeten "Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe aller noch nicht verwirklicht". (cw/pm)



#1 Alexander_FAnonym
  • 20.04.2018, 14:10h
  • Das ist immerhin mal etwas Erfreuliches aus der kirchlichen Ecke.

    Jetzt noch eine Stellungnahme zu den Staatsleistungen und ein Verzicht auf die Ausübung kirchlichen Arbeitsrechts sowie aller sonstigen Privilegien und man könnte sich fast mit denen einigen.

    Ausgetreten werde ich aber trotzdem bleiben.
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#2 ursus
  • 20.04.2018, 14:13h
  • ich habe nicht die ganze broschüre gelesen und auch nicht vor, das zu tun, weil ich theologischen kram nicht ernst nehmen kann (ausgerechnet paulus als kronzeuge geschlechtlicher toleranz? oh please...).

    vermutlich sind vor allem die kurzinterviews hilfreich, manchen leser_innen einen thematischen zugang zu erlauben, der ihnen bisher schwerfiel.

    aber wenn man schon den anspruch hat, geschlechtliche vielfalt in ihrer gesamtheit anzusprechen, dann sollte man doch darauf achten, nicht schon in der einführung solche klopper wie "Jeder [!] Mensch hat ein [!] Geschlecht" rauszuhauen, die nur zeigen, dass man die Grundidee, die man da propagieren möchte, selbst überhaupt nicht verinnerlicht hat.
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#3 Alexander_FAnonym
  • 20.04.2018, 14:33h
  • Antwort auf #2 von ursus
  • Die Grundidee der Evangelischen Kirchen ist es, sich möglichst an den herrschenden Zeitgeist, sei er nun braun, grün oder rot, anzupassen und irgendein schwammiges Geschwurbel abzugeben, aus dem einen nachher kein Strick gedreht werden kann. Der lutherische Protestantismus ist und bleibt ein Glaube für Wendehälse. Sachliche Unstimmigkeiten sind da nebensächlich.
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#4 AndreasKAProfil
  • 20.04.2018, 14:46hKarlsruhe
  • Antwort auf #2 von ursus
  • Aus Sicht der Kirche ist das sicher ein Fortschritt und bestimmt begrüßen auch "Queere Christen" diese Broschüre.

    Das ist die einzige Anmerkung, die ich dabei positiv formulieren kann. Ansonsten denke ich wie du und führe mal Weiteres aus:

    Solche Broschüren lenken m.E. vom Grundproblem der Kirchen - auch der evangelischen Kirchen - ab.

    Um ihr Glaubensfundament zu wahren, sind sie gezwungen, darauf basierend ihre Argumentationslinien aufzubauen bzw. aktuell auszurichten. Und auch wenn es noch so gut gemeint ist (Gut gemeint ist bekanntlich die kleine Schwester von ... klar, oder?), muss man dabei das Bestehende - zumindest die Schrift - entsprechend interpretieren.

    Da liegt der Hase im Pfeffer!

    Die Bibel kann nicht als Vorlage zu quere-freundlichen Leitlinien dienen. Selbst wenn man hier und da entspannte Passagen etwa zum Thema Homosexualität ausmachen mag, gibt es deutlich mehr Gegenthesen, die eine klare Argumentation relativieren.
    Und dann kommen Eiertänze und Stilblüten dabei heraus oder etwa die von dir zu Recht erwähnte unsägliche Darstellung des Paulus als "offenen" Apostel.
    M. E. hat Paulus das Christentum, das nichts anderes ist als eine jüdische Sekte, auch Nicht-Juden geöffnet, um seine Heilsbotschaften anderen zu öffnen - good will um allen das Heil zu bringen. Den willkommenen Nebeneffekt, so noch mehr Menschen zu Christen zu machen als nur konversionswillige Juden, und die Christensekte zu stärken wird er begrüßt, vielleicht auch mutbeabsichtigt haben. Er hatte bekanntlich Erfolg. Ich bin mir sicher, sollte Paulus zur Kenntnis nehmen können, dass er als Leuchturm für homefreundliche Menschen dargestellt wird, würde er sich nach reichlicher Grabesrotation umgehend hinsetzen und einen scharfen "... das geht so auf keinen Fall-Brief" an diese Gemeinde formulieren, der garantiert Eingang ins Neue Testament finden würde. Immerhin handelt es sich bei Paulus um einen von zwei Apostelfürsten. (Ich meine natürlich den biblischen Paulus, nicht den Kommentatoren mit entsprechendem Necknamen/entsprechenden Necknamen ;-) ).

    Kirche ist ein Konstrukt und keine Wahrheit. Und ihre Wahrheiten werden immerhin lauter als "Glaubenswahrheiten" bezeichnet - ein kleiner feiner Hinweis, dass sie mit wissenschaftlichen Wahrheiten nicht übereinstimmen müssen.

    Sowas mag Menschen helfen können, sich in einem Moralsystem zu orientieren - verengt aber gleichzeitig sehr stark auf kirchliche Werte, die einer vorderasiatischen Volksgruppe entstammen die vor über 2000 Jahren dies und das für richtig erachtete.

    Diese Wert sind längst durch die Menschenrechte überholt. Sie sind, anders als die Religionen, nicht ausschließend und jeder Mensch, gleichgültig welcher Weltanschauung oder Religionszugehörigkeit, kann mit ihnen ein selbstbestimmtes Leben führen.

    Ich bin nicht bereit, mein Wertesystem und meine Ethik auf ein religiöses Fundament zu stellen, dass dermaßen brüchig, unlogisch, verquast und somit unglaubwürdig ist.
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#5 ursus
  • 20.04.2018, 15:25h
  • Antwort auf #3 von Alexander_F
  • "Die Grundidee der Evangelischen Kirchen ist es, sich möglichst an den herrschenden Zeitgeist, sei er nun braun, grün oder rot, anzupassen und irgendein schwammiges Geschwurbel abzugeben, aus dem einen nachher kein Strick gedreht werden kann."

    das gilt für einen großen teil dieser kirche. da sind aber noch andere einflussreiche teile, die persönliche freiheiten und moderne gesellschaftsvorstellungen als "zeitgeist" verteufeln und mit allen mitteln bekämpfen. auch diese tummeln sich munter unter dem dach der ekd und werden auch nie wirklich in die schranken gewiesen.

    ich möchte deinen kommentar also ergänzen um die mindestens ebenso wichtige grundidee, im zweifelsfall eher kompromisse bei der menschenwürde einzugehen als eine kirchenspaltung zu riskieren.
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#6 ursus
  • 20.04.2018, 15:35h
  • Antwort auf #4 von AndreasKA
  • "Und dann kommen Eiertänze und Stilblüten dabei heraus"

    ... und man fragt sich als außenstehender wirklich oft, wie es sein kann, dass die das selber nicht merken.

    mich hat noch niemand glaubhaft davon überzeugen können, dass "theologie" mehr sein sollte als die zweifelhafte kunst, eigene moralvorstellungen, seien sie nun reaktionär, konservativ oder relativ liberal, nachträglich mit dem siegel des "göttlich gewollten" zu adeln, weil man irgendwie den schritt nicht hinbekommt, zu einer wirklich selbst-verantworteten ethik zu gelangen.

    und wenn man versucht, aus texten, die einer noch viel sexistischeren und mit sicherheit wesentlich queerfeindlicheren zeit als der unseren entstammen, eine befreiung der geschlechter herauszulesen (bzw. in sie hinein), dann merkt man den versuchen eben an, welche knoten man sich dabei ins hirn machen muss. ich fand das eine zeitlang unterhaltsam, aber inzwischen langweilt es mich nur noch. was für eine unnötige zeitverschwendung.
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#7 herzesEhemaliges Profil
#8 herzesEhemaliges Profil
  • 20.04.2018, 17:25h
  • Antwort auf #7 von herzes
  • Aber ich habe Verständnis für die kritische Haltung einiger gegenüber einem Verein, in dem man Gemeinsamkeiten lebt und in einem friedlichen Geist zusammen kommt.

    Es wiederspricht halt komplett der egostischen Oberflächlichkeit der Scene.
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#9 Alexander_FAnonym
  • 20.04.2018, 17:43h
  • Antwort auf #7 von herzes
  • Die von dir aufgezählten Glaubensgemeinschaften sind mir mitnichten sympathischer, aber es ist zumindest deutlicher erkennbar, wohin bei ihnen der Hase läuft.

    Der EKD werfe ich ihre Wendehälserei insofern vor, als dass sie sich mit Stellungnahmen dieser Art zwar scheinbar auf die Seite von unsereinem stellen, es sich aber mit den Schwulenheilervereinen vornehmlich im Osten der Republik aber auch nicht verscherzen wollen. Wie gesagt, so dass man ihnen keinen Strick draus drehen kann.

    Ich sage das vor allem deshalb, um zu zeigen, dass die EKD den größtmöglichen Fortschritt des christlichen Glaubens verkörpert. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Glaube einen reaktionären Kern hat und damit, wie jede andere Religion, inhärent nicht mit den gesellschaftlichen Entwicklungen schritthalten kann.
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#10 kalle mAnonym
  • 20.04.2018, 19:49h
  • Antwort auf #8 von herzes
  • gemeinsamkeit und friedlicher geist?

    etwa indem weniger werte segnungen anbietet, anstatt gleichwertig zu trauen? nur um nach außen mit infantilem beseltem glaubensgrinsen ein ach so liebes trugbild von sich zu präsentieren? indem man homoheiler in seiner dachorganisation hemmungslos gewähren und konversion"therapien" ausformulieren lässt? indem man schwule und lesben als "biologisch sinnlos" in die nähe von unwertem leben rückt, wie noch im februar '18 in BW von den dortigen lutheranern formuliert?

    also nochmal: gemeinsamkeit und friedlicher geist?
    dass ich nicht lache. gemeinsam gegen den klaren verstand schon, und frieden nur, wenn man den religioten zustimmt und sie ja nicht hinterfragt oder offenlegt. da gibt es in der von dir verächtlich gemachten "szene" deutlich mehr menschlichkeit und solidarität als bei euch gottesanbetern.

    dir haben sie schlichtweg das gehirn verdummbibelt.
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