Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?31098

Proben zum Eurovision Song Contest

Eine schwule Romanze und eine queere Hymne beim ESC

Irland hat die zwei verliebten Tänzer aus seinem Musikvideo mit auf die Bühne nach Lissabon gebracht – Finnland unterstützt mit lesbischer Sichtbarkeit.


Eindrücke von den Proben zum irischen und finnischen ESC-Beitrag 2018 (Bild: EBU)

Am heutigen Dienstag in einer Woche beginnt die diesjährige Eurovisions-Woche mit dem ersten Halbfinale, in Deutschland ausgestrahlt im Digitalsender One und auf eurovision.de. Versteckt auf diesen Kanälen, aber in anderen Teilen Europas, die sich teilweise qualifizieren müssen, auch in manchen Hauptprogrammen gibt es dabei in diesem Jahr einiges Queeres zu entdecken.

Irland hatte bereits vor Wochen mit einem Video zu seinem Beitrag "Together" für Schlagzeilen gesorgt, weil darin zwei verliebte Jungs durchs nächtliche Dublin schlendern und tänzeln:

Direktlink | Das Musikvideo, inzwischen immerhin über 1,1 Millionen mal aufgerufen

Bei den ersten Proben zum ersten Halbfinale am Montag zeigte Irland nun, dass man es ernst meint mit dem Gedanken, eine Botschaft der Akzeptanz zu senden, in dem man ein allgemeines Liebeslied mal mit zwei Jungs inszeniert: Die beiden Tänzer auf dem Video zeigen ihre Zuneigung nun auch vor einem Millionenpublikum auf der ESC-Bühne, halten gar Händchen.

Direktlink | Der bisher einzige Mini-Ausschnitt aus den ersten Proben Irlands vom Montag mit Sänger Ryan, den beiden Tänzern und – versteckt und ungewöhnlich – zwei Hintergrundsängerinnen

Anders als im Video ist nun auch der Sänger Ryan O'Shaughnessy zu sehen, dessen Onkel Gary Irland beim Grand Prix 2001 in Kopenhagen vertrat ("Without Your Love", Platz 21). Der 25-Jährige ist in der Heimat durch eine Teilnahme bei "The Voice" und als Soap-Schauspieler bekannt; eine Teilnahme bei "Britain's Got Talent" mit einer selbstgeschriebenen Ode an ein Mädchen, in das er heimlich verliebt war, ging 2012 viral um die Welt:

Direktlink | Fast 47 Millionen Aufrufe bei Youtube: Ryan O'Shaughnessy rührte 2012 die Zuschauer weltweit mit "No Name"

In Lissabon flirtet Ryan nun, zeitgleich zu den beiden Jungs im Hintergrund, mit der weiblichen Begleitung am Flügel. "Von Anfang an war es unsere Idee zu zeigen, dass Liebe Liebe ist, egal, ob das zwischen zwei Jungs, zwei Mädchen oder einem Jungen und einem Mädchen ist", sagte er bei der Pressekonferenz nach der Probe. Wobei man die beiden Jungs auch ausgewählt habe, "weil es die besten Tänzer waren, die ich kenne". Diese würden sich seit Jahren kennen und gut miteinander harmonieren. Die Choreographie zeige zugleich die Höhen und Tiefen, auch die Unsicherheiten in einer Liebe, wie sie auch der Song repräsentiere.

Als er das Video veröffentlicht habe, habe er bemerkt, dass "nicht jeder darauf so reagiert wie viele Liberale in Irland", so O'Shaughnessy. Aber in Musikvideos zu Liebesliedern gehe es fast immer nur um Mädchen trifft Junge – "das ist einfach nicht mehr die moderne Welt, in der wir leben".

Dass die moderne Welt auch recht komplex sein kann, bekam O'Shaughnessy zu spüren, als er auf der Pressekonferenz von einem russischen Journalisten für "Fake News" kritisiert wurde, weil er sich auf Twitter über eine angebliche Weigerung Russlands, sein Musikvideo oder seinen Auftritt auszustrahlen, amüsiert hatte.

Twitter / Ryan_Acoustic

In Wirklichkeit handelte es sich um inzwischen traditionelles jährliches Clickbaiting von Gay Star News oder in diesem Fall Pink News, das etwa aufgrund der Aussage eines homophoben Politikers oder aufgrund des Gesetzes gegen Homo-"Propaganda" (das durchaus zu Zensur, Gewalt und Festnahmen führt) überzogene Spekulationen anstellt – auch aufgrund in diesem Fall strikter EBU-Regeln stand eine Ausstrahlung nie in Gefahr.

Und dennoch setzen die verliebten Jungs des Beitrags ein Zeichen. Tänzer Alan McGrath sagte bei der Pressekonferenz kurz, er stehe hinter der universalen Liebes-Botschaft des Musikvideos, zumal er selbst schwul sei. Sein Tanzpartner Kevin O'Dwyer meinte, es sei gut, damit Diskussionen anzustoßen.

Finnland lässt die Monster im Schrank zurück

Deutschland darf erst im zweiten Halbfinale am Donnerstag und dann beim Finale selbst abstimmen – ob Irland zu den 10 von 19 Beiträgen gehört, die es aus dem ersten Semi ins Finale schaffen, ist dabei nicht ausgemacht: Wettbüros und ESC-Fans vor Ort schätzen die Chancen sehr schlecht ein, zudem war Irland seit 2013 nicht mehr im Finale vertreten. Aber vielleicht kann die emotionale Tanz-Choreo im ersten ESC seit langem, der auf LED-Leinwände verzichtet, noch etwas reißen.

Auch die lesbische Sängerin Saara Aalto, bei Fans deutlich beliebter als bei Buchmachern, könnte mit ihrem Song "Monsters" das Finale knapp verfehlen. 2016 wurde die 30-Jährige Zweite bei "The X-Factor UK", beim finnischen "The Voice" wurde sie 2012 ebenfalls Zweite. "Monsters" ist ihr dritter Anlauf, das Land beim ESC zu vertreten. Nach einer langjährigen Beziehung zu einem Sänger ist Aalto seit 2014 mit einer Frau zusammen und inzwischen verlobt – im Sommer steht die Hochzeit an.

Das Musikvideo zeigt sie bei einem bemerkenswert queeren Abendmahl:

Direktlink | Das Musikvideo zu "Monster"

In Lissabon ist die Inszenierung düsterer geraten, mit Tänzern in grauen Uniformen:

Direktlink | Aus den Proben zu "Monster" in Lissabon

Das Coming-out sei für sie sehr befreiend gewesen, meinte Aalto bei der Pressekonferenz. Erst ein Jahr nach dem Beginn der Beziehung habe sie sich getraut, gemeinsame Fotos zu posten – und sich so viele schöne Momente verdorben. "Wenn Du rauskommst, ist es das beste Gefühl aller Zeiten, da du endlich sagen kannst: Ich bin glücklich, weil ich verliebt bin." Und das sei doch wohl das wichtigste im Leben. "Es ist, als ob du wieder atmen kannst".

Auch musikalisch habe sie der Schritt befreit, so Aalto, die sich gegenüber Medien als "stolze Lesbe", nicht als bisexuell bezeichnet. "Monster" lässt sich als Coming-out-Song deuten: Sie lässt die Monster zurück, zerstört die Mauern, lässt das Licht rein, singt sie und betont: "Ich habe keine Angst mehr". In einer Bonus-Version singt sie das in 34 Sprachen.

Die am Montag abgeschlossenen Proben zum ersten Halbfinale boten noch einen weiteren queeren Bezug: Der Song "Toy" von Israels Netta – seit Veröffentlichung der Favorit bei den Buchmachern – stammt vom schwulen Produzenten Stav Bege, dessen Partner Doron Medalie das Lied komponierte und der sich schon für den Kracher "Golden Boy" (2015, Final-Platz 9), Made of Stars von Hovi Star ein Jahr später und die Tel-Aviv-Pride-Hymne von Omer Adam verantwortlich zeigte.

Direktlink | Eindrücke von der ersten Probenrunde zu "Toy"

 Update  4.5.: Eindrücke von der zweiten Probenrunde Irlands

Direktlink | Von der EBU veröffentlichte Ausschnitte der zweiten Proben vom Freitag, nun mit geplantem TV-Bild



#1 FelixAnonym
  • 01.05.2018, 18:08h
  • Ich finde es super, dass Irland auch auf der Bühne, wie schon im Video, auf schwule Sichtbarkeit setzt. Ich hoffe, es gibt auch einen Kuss.

    Ich drücke Irland die Daumen, dass sie es ins Finale schaffen und dort auch möglichst hoch platziert werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 von_hinten_genommenAnonym
  • 01.05.2018, 19:10h
  • Ich finde es super, dass Finnland auch auf der Bühne, wie schon im Video, auf lesbische Sichtbarkeit setzt. Die Hochzeit ist der Sängerin ja bereits sicher :-)
    Ich drücke Finnland die Daumen und dass sie es weit nach oben schaffen.

    Ich wünsche aber auch Deutschland einen Platz in der oberen Reihe, denn wir haben es uns nach langer, trostloser Zeit sehr verdient.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Patroklos
  • 01.05.2018, 19:26h
  • Ich hoffe, daß es Finnland in diesem Jahr ins Finale schafft und Rußland, das heute geprobt hat, nicht!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Gerlinde24Profil
  • 02.05.2018, 03:36hBerlin
  • Endlich mal wieder ein "politischer" ESC! Ich wünsche Irland (ein Land, dass ich liebe), dass es gewinnt, das Deutschland im Mittelfeld landet, und die Russkies das Schlusslicht bilden, weil, soviel Homophobie muss bestraft werden!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 herve64Profil
  • 02.05.2018, 09:04hMünchen
  • Musikalisch gesehen sind sowohl das irische als auch das finnische Lied austauschbare Dutzendware: das erstere ist eher schnulzig mit schwuler, das zweitere eher typischer ESC-IKEA-Pop mit lesbischer Aufmachung. Qualitativ gesehen sind die Songs also an sich nichts Besonderes.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 AndreAnonym
#7 GerritAnonym
  • 02.05.2018, 13:36h
  • Antwort auf #2 von von_hinten_genommen
  • Dass Deutschland so viele schlechte Ergebnisse in Folge hatte, ist doch kein Grund, dass wir jetzt toll abschneiden müssen.

    Wir haben schon zweimal gewonnen, da gibt es andere, die noch mehr Aufholbedarf hätten.

    Im übrigen ist das auch eigene Schuld, denn was wir die letzten Jahre dahin geschickt haben, war auch alles nicht so doll. Und dann noch kombiniert mit der alljährlichen deutschen Überheblichkeit ("Dieses mal werden wir ganz weit oben landen") sorgt das halt für letzte Plätze.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 GerritAnonym
  • 02.05.2018, 13:43h
  • Antwort auf #5 von herve64
  • Ich finde keineswegs, dass das irische Lied "austauschbare Dutzendware" ist.

    Es ist halt sehr schlicht inszeniert, aber das finde ich gerade toll: nur ein Mann und seine Gitarre und dazu zwei Tänzer, die eine kleine, schöne Geschichte darstellen...

    Keine Pyro-Effekte, keine LED-Wand-Choreos, keine Trickkleider, keine Rollschuhläufer oder Artisten, etc. wie so viele Länder mit Effekthascherei beeindrucken wollen.

    Sondern hier geht es nur um das Lied und die Geschichte. Es ist ein schönes Lied (ist halt eine Ballade und nicht der übliche hymnenhafte Euro-Pop) mit einer schönen Geschichte. Und der Sänger singt es auch sehr gut.

    Finde ich persönlich den besten Beitrag von allen - nicht nur, aber auch, weil die Musik im Vordergrund steht. Noch dazu schöne Musik mit Botschaft und toll gesungen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 DominikAnonym
  • 02.05.2018, 13:55h
  • Na ja, außerhalb der Szene nimmt den ESC aber kaum jemand wirklich ernst: Schlechte Musik, schrille Show-Einlagen, und bereits am Tag danach ist ja sowieso alles eh wieder vergessen.

    Für viele ist es auch ohnehin nur was für Frauen und (schlagerliebende) Schwule. Insofern ist der Effekt von solchen Bühnengags gleich 0, weil's halt ein Szene-Event ist, von dem so was ohnehin erwartet wird. So was hat's ja auch früher schon gegeben, ich erinnere nur an das Lesben-Duo tatu. Hatte jetzt auch keinen nachhaltigen Effekt, erst recht nicht in ihrem Heimatland.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 GerritAnonym
  • 02.05.2018, 14:21h
  • Antwort auf #9 von Dominik
  • Aber genau das ist ja der Punkt.

    Bei dem Beitrag aus Irland handelt es sich eben nicht um schlechte Musik oder Schlager und es gibt auch keine schrillen Showeinlagen.

    Deshalb hoffe ich, dass er möglichst weit oben landet und ich werde für ihn anrufen.
  • Antworten » | Direktlink »