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  • 12. Juli 2005, noch kein Kommentar

Auf der neuen Scheibe "TP.3 Reloaded" von R. Kelly wird nicht nur hemmungslos in der Küche gepoppt. Das Cover hat einen Warnsticker!

Von Jan Gebauer

Eltern sperrt Eure minderjährigen Töchter ein, der legitime Nachfolger des kürzlich verblichenen Luther Vandross, hat ein neues Album am Start: R. Kelly. Der Soulbruder, dem vor ein paar Jahren Unzucht mit einer 14-Jährigen vorgeworfen wurde und dem auch eine annullierte Ehe mit der damals 15-jährigen Aaliyah nachgesagt wird, fährt mit seinem zehnten Album "TP.3 Reloaded" schwere Geschütze auf: "Strong Language - Sexual Content" heißt es auf dem Cover der CD. Und bei R. Kelly-Platten sind solche Hinweise keine Übertreibungen. Gibt er sich mit Zeilen wie "Girl I Love To See You With My T-Shirt On" noch zahm, geht er wenig später mit ganzem Körpereinsatz zur Sache: "I Want Sex In The Kitchen." Dass seine Auserwählte nichts weiter an hat, als ein Shirt und dabei Gemüse schneidet, überrascht kaum: "Girl, You Look So Sexy While You're Doing The Damn Thang I Want". Sexistischer geht es kaum noch. Dagegen wirken die Urväter sexueller Anspielungen wie Marvin Gaye oder Teddy Pendergrass wie brave Chorknaben, die ihre Damen mit Samthandschuhen anpackten.

Das solche Geschmacklosigkeiten im krassen Gegensatz zu seinen durchaus sehr guten vokalen Fähigkeiten stehen, soll an dieser Stelle natürlich nicht unerwähnt bleiben. Wenn er beispielsweise mit Soul-Schwester Nivea (klingt stimmlich ein wenig nach Syreeta) das romantisch-softe "Touchin'" anstimmt, bewegt sich R. Kelly auf solch geschmeidigem Parket, dass man sich nur all zu gerne dem muskulösen und äußerst attraktiven Sänger hingeben möchte. Mit jedem guten Song gibt es aber auch wieder einen schlechten auf "TP.3 Reloaded". Bei "Reggae Bump Bump" gesellt sich Elephant Man an Kellys Seite und schon rutscht der Text wieder ins bodenlose ab: "Shake That Ass, Shake It Fast". Das mag musikalische Vielseitigkeit signalisieren, wirkt aber letztendlich billig. Das soulige "Kickin' It With Your Girlfriend" mit seinem eingängigem Klavier-Gerüst ist dagegen ein unbestreitbarer Höhepunkt des Albums. Außerdem gibt es einen interessanten, wenn auch Klischee-reichen und viel zu langen fünfteiligen Zyklus ums Fremdgehen und seine fatalen Folgen: "Trapped In The Closet". Der limitierten Sonderausgabe liegt eine DVD mit einem aufwändigen Video-Spielfilm zum besagten Mehrteiler bei.

Was man R. Kelly zu Gute halten muss, ist die Tatsache, dass er all seine Stücke im Alleingang komponiert, einspielt, arrangiert und produziert. Das kann man von den wenigsten Künstlern heutzutage behaupten. Allerdings kann man dann auch nur eine Person für die Fehltritte verantwortlich machen: ihn!

Fazit: Das Album "TP.3 Reloaded" hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Wenn sich R. Kelly als R&B-Sänger in Szene setzt, überzeugt er als starker und vielleicht bester aktueller Sänger dieses Genres (ältere Legenden wie Al Green sind ja noch quicklebendig). Wenn er sich aber den ewig gleichen "Yo Baby Yo, Show Me Your Ass"-Klischees hingibt, möchte man am liebsten Reißaus nehmen.

Anspieltipps: "Touchin'" (mit Nivea), "Kickin' It With Your Girlfriend", "Sex Weed", "Burn It Up" (featuring Wisin and Yandell)

12. Juli 2005