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ESC 2018

Eurovision: China zensiert irischen Beitrag und Regenbogenflagge

Zwei Jungs, die sich umtanzen und Händchen halten, werteten chinesische Zensoren offenbar als Verstoß gegen die Gesetze.


Ryan O'Shaughnessy mit den beiden Tänzern Alan McGrath und Kevin O'Dwye bei einer Probe in Lissabon (Bild: EBU / Andres Putting)

Wenige Wochen, nachdem ein inzwischen wieder zurückgenommenes Verbot von LGBTI-Inhalten im chinesischen sozialen Netzwerk Weibo zu einem Shitstorm durch die Nutzer führte (queer.de berichtete), macht das Land erneut mit Zensur homosexueller Inhalte von sich reden.

Bei der um mehrere Stunden versetzten Ausstrahlung des ersten Halbfinales des diesjährigen Eurovision Song Contests im Streaming-Dienst MangoTV des staatlichen Senders Hunan TV fehlte der irische Beitrag am Mittwoch völlig – in ihm ist ein verliebtes Jungenpaar zu sehen, das miteinander tanzt und zwischenzeitlich Händchen hält.

Direktlink | Der Auftritt von Ryan O'Shaughnessy im ersten ESC-Halbfinale vom Dienstag. Die tanzenden Jungs im Hintergrund wurden vom Publikum in Lissabon bejubelt

Auch in den Schnelldurchläufen fehlte der irische Beitrag. An anderer Stelle der Übertragung (Video) wurde eine im Publikum hochgehaltene Regenbogenflagge während des Schweizer Beitrags nur verpixelt ausgestrahlt.


Tipp für Fans in Lissabon: Am Samstag noch mehr Regenbogenflaggen schwenken. Bild: ESC Today

Internationale Medien und ESC-Fan-Seiten führten die Zensur auf ein im letzten Jahr erlassenes Gesetz zurück, das homosexuelle Inhalte in Online-Videos verbietet (queer.de berichtete).

Auch Sänger mit Tattoos zensiert

Neben Irland fehlte in der chinesischen Fassung des ersten ESC-Semis 2018 auch der Beitrag Albaniens – was auf ein Anfang des Jahres eingeführtes Verbot zurückgeführt wird, Schauspieler oder Performer mit Tattoos zu zeigen. Selbst Fußballer wurden zuletzt aufgefordert, diese bei Spielen zu verdecken.


Eugent Bushpepa mit einigen seiner Tattoos auf der ESC-Bühne. Bild: EBU / Andres Putting

Bereits 2013 hatte das chinesische Fernsehen, damals der Staatssender CCTV, einen Kuss unter Frauen aus dem Eurovision Song Contest geschnitten. Damals küsste die finnische Sängerin Krista Siegfrids zum Schluss ihres Liedes "Marry me" eine Mitsängerin (queer.de berichtete). Die heterosexuelle Sängerin wollte damit ein halbernstes Statement setzen.


Schon beim ESC aus Malmö wurde gleichgeschlechtlich geknutscht. Bild: EBU

Anders als bei teilnehmenden Ländern beharrt die EBU bislang beim Verkauf der Ausstrahlungsrechte an Drittländer nicht darauf, dass die Shows in voller Länge gezeigt werden.

Irland überraschend im Finale

Der romantische Tanz der beiden Jungs im irischen Beitrag scheint neben dem emotionalen, selbst verfassten Lied von Ryan O'Shaughnessy die Zuschauer in Europa berührt zu haben – entgegen den Erwartungen von Wettbüros und Experten schaffte das Land den ersten Finaleinzug seit 2013.

Bereits das Musikvideo hatte die beiden Tänzer gezeigt, wie sie durch das nächtliche Dublin schlendern und tänzeln. Der 25-jährige, selbst heterosexuelle Sänger meinte dazu bei einer Proben-Pressekonferenz in Lissabon, in Musikvideos zu Liebesliedern gehe es fast immer nur um Mädchen trifft Junge – "das ist einfach nicht mehr die moderne Welt, in der wir leben". Liebe sei Liebe, egal ob zwischen gleich- oder verschiedengeschlechtlichen Partnern.

Direktlink | Das Musikvideo Irlands hat bereits über 1,5 Millionen Menschen verzückt

Mehr zu O'Shaughnessy und seinen Tänzern sowie der ebenfalls fürs Finale qualifizierten lesbischen Sängerin Saara Aalto aus Finnland in diesem Bericht. Beide hatten bei der Auslosung in der Pressekonferenz am Dienstag Glück und dürfen in der zweiten Hälfte des Finales am Samstag auftreten, das ab 21 Uhr im Ersten und auf eurovision.de zu sehen ist. Die genaue Reihenfolge wird in der Nacht zum Freitag festgelegt, nach dem zweiten Halbfinale am Donnerstagabend (21 Uhr, One und eurovision.de). (cw)


Glückliche Iren nach der Show vom Dienstag. Jetzt hofft Ryan, beim Finale besser abzuschneiden als sein Onkel Gary 2001 in Kopenhagen (Platz 21)


 Update  10.5., 23.30h: EBU greift durch
Die EBU hat als Reaktion auf die Zensur die Zusammenarbeit mit dem Sender Mango TV mit sofortiger Wirkung eingestellt.



#1 schwarzerkater
  • 09.05.2018, 21:59h
  • diese zensur in china zeigt nur, dass china auch in zukunft kein "partner" von europa sein kann, denn demokratie, meinungsfreiheit oder pluralität wäre gift für die korrupten milliadäre der kommunistischen partei chinas.
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#2 Homonklin44Profil
  • 10.05.2018, 01:09hTauroa Point
  • Für China eigentlich typisch,obwohl das Volk da auch schon weiter ist, als die staatliche Garde der Kontrolleure und Zensoren.
    Hat Ähnlichkeiten zum hießigen Jugendschutz, der auch meint, die Schutzbefohlenen in eine teddy-naive Heileweltvorstellung von vor 50 Jahren zurück bugsieren zu müssen. Siehe Museums-Diskussion.
    ChinesInnen sollen die Wirklichkeit nicht sehen, die sie täglich umgibt.
    Leidvolle Verkünstlichung zentraler Verwaltungsbedürfnisse.
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#3 JadugharProfil
  • 10.05.2018, 02:08hHamburg
  • Eigenartig! Nach meiner zehnjährigen Erfahrung in China lebend, laufen fast alle Männer, ob sie nun heterosexuell oder homosexuell schon seit Jahrhunderten stets händchenhaltend oder eng umschlungen durch die Straßen, was bei befreundeten Personen eine Selbstverständlichkeit ist. Da regt sich niemand auf. Auch Frauen haken sich oft mit ihren Armen ein. Offenbar ist die Kulturrevolution, welche die alten Traditionen bekämpft, immer noch in Gange, was ich aber im chinesischen Alltag nie bemerken konnte. Wenn ein Chinese gleichen Geschlechts mir seinen Arm um mich legen wollte, um dabei beide Hände über Kreuz gehalten wurden, bzw. sich ineinander verschränkten, (beide Hände wurden gehalten!) galt eine Ablehnung als eine grobe Unhöflichkeit. Für mich war diese Art Intimität sehr ungewohnt und sehr befremdlich gewesen. Ich dachte zuerst, die sind alle schwul!
    Wenn man jedoch als Ausländer so behandelt wird, ist das ein Zeichen der Anerkennung, daß man zu ihrer Familie gehört. Homosexuelle Chinesen laufen stets sehr eng umschlungen herum, was aber nicht als homosexuelles Verhalten von der Umgebung gedeutet wird, sondern nur eine Freundschaft ausdrückt. Schon im Kindergarten werden diese Gesten eintrainiert!
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#4 Patroklos
#5 thorium222Profil
#6 LGBH0TTNZProfil
  • 10.05.2018, 14:46hSchwerte
  • Wäre doch schön, wenn beim ESC mal alle in Regenbogenfarben auftreten würden. Vielleicht gewinnen die beiden ja auch, das wäre dann richtig peinlich, keinen Sieger zu zeigen.
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#7 Anon4Anonym
  • 10.05.2018, 15:00h
  • Ich sehe hier auch die EBU in der Pflicht, bei den nächsten Verträgen für die externe Ausstrahlung des ESC sollte man die Manipulation des Materials einfach verbieten.
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#8 TheDadProfil
  • 10.05.2018, 15:33hHannover
  • Antwort auf #4 von Patroklos
  • ""Würde der ESC in Taiwan gezeigt werden, dann wäre es dazu nicht gekommen!""..

    Was für eine wirklich dumme Aussage !

    Wieso sollten die Chinesen ihre Übertragung denn nicht zensieren, bloß weil der ESC in Taiwan auch übertragen wird ?

    Und wie kommt man auf die Idee Taiwan überträgt den ESC nicht, respektive, er würde dort nicht gesehen ?

    Internet ist Global !
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#9 PeerAnonym
  • 10.05.2018, 21:12h
  • Alleine das wäre schon Grund genug, damit Irland gewinnt - als Zeichen gegen Zensur und als Zeichen gegen die Unsichtbarmachung von GLBTI.

    Mal ganz zu schweigen davon, dass der irische Beitrag auch musikalisch, gesanglich und von der angenehm bescheidenen Inszenierung mit schwuler Sichtbarkeit, heraussticht.

    Irland braucht keine Pyrotechnik, keine Trickkleider, etc.
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#10 Carsten ACAnonym
  • 10.05.2018, 22:16h
  • Antwort auf #9 von Peer
  • Ja, es wäre so ein tolles Zeichen, wenn Irland gewinnen würde.

    Und dann möchte ich auch mal sehen, wie die Zensoren ihren Bürgern erklären, was denn an einem Gewinner-Lied so schlimm sein kann, dass man es zensieren muss.

    Aber das Lied hat es natürlich auch so geschafft, zu gewinnen. Jetzt wo ich alle Lieder und alle Inszenierungen kenne, finde ich den irischen Titel einfach am besten.

    Ansonsten stimme ich auch der Aufforderung aus dem Artikel zu:
    beim Finale dürfen gerne noch viel mehr Regenbogenflaggen geschwenkt werden.
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