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  • 14. Juli 2005, noch kein Kommentar

Aus den Archiven hinauf ans helle Tageslicht: "Gitte Haenning Meets The Francy Boland Kenny Clarke Big Band". Jazz von 1969!

Von Jan Gebauer

Bitte, Gitte: Schlager wie "Ich will 'nen Cowboy als Mann", "Vorm Stadtpark die Laternen" (mit Rex Gildo) und "Ich mach Protest" verfolgen die Dänin noch heute. Dabei sind diese Hits – oder wahlweise auch Schoten – nun schon rund 40 Jahre her. In ihrer langen Karriere blieb sie aber auch ihrer heimlichen Liebe treu: dem Jazz. Die gleichen Produzenten, die vor ein paar Jahren auch Jazz-Werke von Caterina Valente und Nana Mouskouri ausgruben (Thomas Worthmann, Gunther Buskies), haben nun auch eine alte Jazz-LP von Gitte Haenning aus den Archiven geholt, neu aufpoliert und in digitaler Form veröffentlicht. "Gitte Haenning Meets The Francy Boland Kenny Clarke Big Band" heißt die Scheibe nun. 1969 wurde sie noch als "My Kind Of World" von Gitte & The Band veröffentlicht.

Wie es zu der Aufnahme kam, erklärt die Sängerin im dicken, gut gemachten Booklet der CD: "Ich wollte meinen Vertrag als Schlager- und Pop-Interpretin bei der EMI nicht verlängern. Ich mochte mich in diesem Musikbereich einfach nicht mehr hören und sehen. Ich war zwar unglaublich erfolgreich, aber ich hatte schlicht andere Interessen. Und plötzlich kamen die EMI-Leute mit diesem tollen Angebot. Es war ein Geschenk an mich, das mich ablenken und der Vertragsunterzeichnung gegenüber freundlich gesinnt stimmen sollte."

Das Unterfangen gelang: Gitte nahm ein swingendes und durchweg überzeugend klingendes Jazz-Album auf – und arbeitete danach weiter als Schlagersängerin. "So schön kann doch kein Mann sein" und "Ich hab' die Liebe verspielt in Monte Carlo" waren Nachfolge-Hits in den 70er Jahren, bevor in den 80ern Titel wie "Ich will alles", "Lampenfieber" und "Ich bin stark" folgten. Der Anspruch stieg stetig – aber ein Jazz-Album gab es erst letztes Jahr wieder (queer-Review). Die Aufnahmen aus den 60er Jahren klingen frischer und vielleicht auch unschuldiger als die CD von 2004. Gitte bewegt sich im entspannten Mainstream und verbindet Unbekanntes ("A Sack Full Of Dreams") mit Klassikern ("Please Send Me Someone To Love") sowie Hits der damaligen Zeit – "A World Without Love". Letzter bekommt sogar spannende James-Bond-Bläser verpasst – die den Peter-&-Gordon-Welthit in einem ganz anderen Licht erstrahlen lassen. Ganz stark auch "Go To Hell" – so abgebrüht klang die Haenning selten.

Das kleine neue Label bureau b, das die Jazz-Platte von der EMI lizensiert hat, will demnächst auch alte Aufnahmen von Hildegard Knef wiederveröffentlichen. Man darf gespannt sein.

Fazit: Wie sagen die Amerikaner gerne: Eine echte "chestnut"! Die herrlichen swingen Aufnahmen reihen sich perfekt in die Riege von unbekannten Perlen der Mouskouris, Valentes und Francis' dieser Welt ein. Nur dass die Haenning viel rauchiger klingt, als die eher lieblichen, aber nicht minder starken Stimmen ihrer Kolleginnen.

Anspieltipps: "Go To Hell", "My Kinda World", "Imagination", "A World Without Love"

14. Juli 2005